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Fandom:
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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2024-06-28
Words:
505
Chapters:
1/1
Hits:
5

Mira und das Fenster

Summary:

Mira lebt auf einem Frachtraumschiff. Kleiner Einblick in ihr Leben.

Work Text:

Mira schaut aus dem Fenster. Wobei „Fenster“ etwas ist, dass sie nur von Geschichten kennt. Erdgeschichten, ca. 300 Jahre in der Vergangenheit.

Papa hatte sie amüsiert angeschaut, als sie ihn fragte, warum es auf der „Freia“ keine Fenster nach draußen gebe. Nüchtern, aber mit einem kleinen Lächeln im Mundwinkel, erklärte er ihr, dass das viel zu viel Aufwand in der Produktion sei und Schwachstellen in der Außenhülle des Frachters bedeuten würde. Also keine Fenster. Wie traurig, denkt sie.

Da „Fenster“ auf einem Raumfrachter also nur in die Wandverkleidung eingelassene Bildflächen sind, kann sie sich selbst aussuchen, wie es „da draußen“ aussehen soll.
Heute hatte sie sich eine Mondlandschaft von Swift, dem Board-Computer, gewünscht, denn genauso verlassen fühlt sie sich gerade. Sie hatten vor 3 Tagen die letzte Raumstation verlassen. Die Reparaturen und Einkäufe waren getätigt und nun war sie mit ihrer Familie wieder auf dem Weg zur nächsten Raumstation, um die aktuelle Ladung abzuverkaufen und neue aufzunehmen.

Es war immer das gleiche. Kaum hatte sie mit ein, zwei Kindern Kontakt geknüpft und sie konnten nach dem elendigen „Wer bist du und woher kommst du?“ zu spannenderen Gesprächsthemen übergehen oder etwas spielen (Gusgrutter war ihr Lieblingsspiel), mussten sie schon wieder los.

Mira drehte sich von der Seite auf den Rücken und seufzte. Und dabei waren diesmal wirklich nette Kinder dabei gewesen. Solir und Ragta waren Zwillinge. Obwohl sie nicht gleich aussahen - war Solir doch ein Mädchen und Ragta ein Junge. Mit Solir hatte sie sich gleich verstanden. Papa konnte gar nicht verstehen, dass die beiden nach 5 Minuten schon kichernd hinter dem nächsten Container verschwunden waren, um sich flüsternd auszutauschen. Und Ragta… der hatte so schöne Augen unter dem Vorhang aus Haaren, den er sich immer ins (!) Gesicht strich. Mira musste schnell wegschauen, wenn er den Kopf in ihre Richtung drehte, sonst hätte er gesehen, wie rot ihre Wangen wurden.

Die Freia gibt einige dröhnende Geräusche von sich, knarzt ein bisschen im drunterliegenden Deck und anschließend zischt irgendwo eine Leitung, was erfahrungsgemäß in den nächsten 10 Sekunden eine Kaskade von Reaktionen auslösen wird. Mira rollt die Augen.
Als erstes würde das Licht ausfallen und die Notlampen das Schiffsinnere in ein rotes Schattenmeer verwandeln. Dann würde sie von weit weg ihre Mutter hören, deren Schimpfen immer lauter zu vernehmen sein würde. Mama hatte ihr verboten zu zuhören, wenn sie schimpfte, aber da Mira das seit sie 5 Jahre alt war nicht mehr ernst nahm, hatte sie ein gutes Arsenal an Kraftausdrücken, die ihre Mutter von ihr nie hören dürfte.
Da das aktuelle Event mindestens 2x die Woche auftrat, seit ihre Eltern auf dem Frachter angeheuert hatten, hatte Mira sehr viele Gelegenheiten von ihrer Mutter zu lernen.

Die desolate Mondlandschaft würde mit dem Ausfall der normalen Stromversorgung verschwinden und Mira schließt schonmal die Augen. Wie war wohl die Schwerkraft auf dem Mond? Könnte sie dort auch schwerelos hüpfen, wie in den alten Videos von dem Astronaut Loser Handstrong? Dem ersten Menschen auf dem Mond?

Am liebsten würde sie Solir davon erzählen. Das wäre schön.. oder Papa hat Zeit.