Work Text:
Ein hektischer Blick auf sein Handy verriet ihm die Uhrzeit und den Fakt, dass er dermaßen zu spät erschien. Schnelle Schritte hallten durch das moderne Gebäude, als er durch die Gänge hastete. Gleich erreichte er sein Ziel. Nur noch durch die Tür, über den Hof und dann die Treppen nach oben.
Draußen nieselte es bereits und das trübe Wetter verdunkelte den Himmel noch früher als sonst um diese Zeit. Er zog sich seine Lederjacke über den Kopf und setzte zu einem kurzen Sprint über den Rasen an, ehe er die große, schwere Tür zu dem älteren Gebäudekomplex aufstieß.
Bela arbeitete seit zwei Semestern für einen Professor der Fakultät Kulturwissenschaft und Archäologie als Werkstudent und das obwohl nicht einmal Teil dieser Fakultät war. Er selbst studierte Grafikdesign und das fand hauptsächlich in einem anderen Gebäude auf der anderen Seite des Campus statt. So musste er dreimal die Woche diesen Weg auf sich nehmen. Sein bester Freund hatte ihm diesen Job vermittelt, da er dringend Geld brauchte und fast alles dafür getan hätte. So passte es, dass er für den Professor nur Skripte zusammenstellen musste, einige Folien ausarbeiten oder sporadisch bei Studien assistierte. Sicherlich hätte sich sein Arbeitgeber einen Studenten aus der eigenen Fakultät gewünscht, aber irgendwie hatte es gleich beim Vorstellungsgespräch geklickt und so unterstützte er ihn schon seit einem Jahr.
Während er die Treppen hochhechtete, warf er einen letzten Blick auf die E-Mail, die ihn so in Zeitverzug brachte und kam kaum aus der Glückseligkeit. Heute kam die Zusage der Firma für sein Praxissemester und sobald die Prüfungen durch waren, konnte er dort anfangen. Das Einzige, was seine Stimmung trübte, war die bevorstehende Kündigung und die einhergehende Beendigung seines Arbeitsverhältnisses mit dem Professor.
Leise klopfte er gegen die Tür und trat dann in das geräumige Büro seines Arbeitgebers, der mit verschränkten Armen vor seinem Schreibtisch stand und überhaupt nicht amüsiert aussah. „Du bist zu spät.“
„Tschuldige, mir kam was dazwischen und dann is der Weg von drüben auch noch so lang.“ Trotz des tadelnden Blicks, der keine Zeit für langes Verweilen ließ, nahm sich Bela einen Moment, um seinen Gegenüber zu mustern. Das weiße Hemd stand mit einem Knopf offen und steckte akkurat in der grauen Anzugshose. Sonst trug er eine Krawatte, diese schien schon irgendwo in seiner Tasche gelandet zu sein. Nur sein blondes Haar lag adrett nach hinten gekämmt und zeugte von der Seriosität, die er sonst in den Vorlesungen an den Tag legte. Manchmal stellte sich Bela vor, wie er aussah ohne das ganze Gel, so ganz zerzaust, am Morgen, nach dem Aufstehen.
„Was war denn so wichtig?“, fragte der andere und begab sich wieder hinter seinen Schreibtisch. Hatte er extra so auf ihn gewartet? Wollte er damit etwas bezwecken?
Der Student stellte seinen Rucksack ab, holte sein Tablet heraus und ließ sich auf den Stuhl gegenüber sinken:“ Nur wegen der Uni was.“, umschiffte er das Thema Praxissemester gekonnt. Er wollte nicht mit der Tür ins Haus fallen, das konnte er immer noch am Ende machen.
Kritisch hob der Blonde seine Braue, aber hakte nicht weiter nach:“ Wie weit bist du mit den Aufgaben, die ich dir per Mail geschickt habe?“
„Äh, die du mir das letzte Mal oder heute früh geschickt hast?“
Schon seit ein paar Monaten war aus dem „Sie“ ein „Du“ geworden und aus „Herr Vetter und Herr Felsenheimer“ ein „Jan und Bela“. Trotz der größeren Altersdifferenz fühlte es sich nicht so an. Sie surften seit Tag eins auf der gleichen Wellenlänge und Bela hatte das Gefühl, sie würden eine Freundschaft aufbauen. Er wusste von Jans Hobbys, seinen Ritualen am Morgen, sogar von seinen verflossenen Liebschaften und Jan wusste dasselbe über ihn. Selbst von seinen Partys, die ab und an eskalierten, erzählte er ihm. Irgendwann war es dann so weit, dass Bela anfing auch außerhalb seiner Arbeitszeit an ihn zu denken und von ihm zu reden, besser gesagt über ihn, und zwar so oft, dass sein bester Freund, und Mitbewohner, langsam dachte, sie würden eine Beziehung führen. Leider hielt der Professor das Ganze strikt professionell und zeigte keine Anzeichen von derlei Zuneigung.
„Haha, die von letztem Mal. Ich erwarte nicht, dass du die von heute früh schon fertig hast. Wenn ja, würde ich mir anfangen Sorgen zu machen. Nicht, dass du deine eigentlichen Aufgaben wegen mir vernachlässigst.“, antwortete er ihm, ohne von seinem Laptop aufzuschauen, doch die Bedenken schwangen deutlich in seiner Stimme mit.
„Nein, ich hab meine Work-Life-Uni-Balance voll im Griff. Die von letztem Mal hab ich dir schon geschickt. Weiß nich, ob du das so gut findest vom Design her.“
„Es soll kein künstlerisches Meisterwerk werden. Es sind nur Tabellen.“ Amüsiert schüttelte Jan den Kopf und der Ärger über sein Zuspätkommen verflog im Nu. Die Datei öffnete er und beide verfielen in produktives Schweigen, bis Bela ein Gedanke kam und er von seinem Tablet aufsah:“ Wie lief dein Date?“
Erst bekam er keine Antwort. Die Stirn seines Gegenübers lag tief in Falten gelegt und er sah angestrengt auf das Dokument auf seinem Bildschirm. Irgendwie heiß, wenn er so aussah und über etwas nachdachte. Da entspannte sich seine Mimik schon und er sah ihn fragend an:“ Was hast du gesagt?“
„Wie dein Date lief. Du meintest Mittwoch, du musst eher los, weil du ein Date hast.“, erklärte er seine plötzlich so private Frage.
Seufzend fuhr sich der Ältere durchs Haar und sein Mundwinkel zuckte nach oben:“ Es war kein romantisches Date. Es war ein Meeting mit ein paar Leuten vom Städtischen Museum. Ich soll da bald einen Vortrag halten über mein aktuelles Forschungsprojekt.“
Bela atmete erleichtert aus:“ Achso, und ich dachte schon du betrügst mich.“, antwortete er mit einem schelmischen Grinsen, was von Jan mit einem liebevoll genervten Blick erwidert wurde. „Keine Sorge, die sind nur an meinen Fossilien interessiert.“
„Uh, könnte auch ein gutes Safeword sein.“
„Bela, bitte. Hast du nicht etwas anderes zu tun, als mit mir über mein Datingleben zu sprechen? Du bist hier zum Arbeiten“ Um seine Aussage zu untermalen, richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf das Dokument vor ihm.
„Ja schon, aber du weißt, wie gern ich mich mit dir unterhalte, obwohl ich auch weiß, dass du lieber über Fossilien reden würdest. Leider hab ich davon keine Ahnung. Augen auf bei der Bewerbenden Wahl.“
„Herr González war sehr überzeugt von dir und ich leider auch, trotz deiner fehlenden Fachkenntnis.“
„Ich find, wir haben uns gut arrangiert.“ Umso mehr schmerzte es ihm, dass er diese Arbeit bald aufgeben musste. Nach seinem Praxissemester schrieb er schon seine Bachelorarbeit und würde da sämtliche Zeit investieren müssen. Aber hieß das, dass sie sich gar nicht mehr sehen würden? Bela beschlich das Gefühl irgendwas zu verpassen, oder schon längst verpasst zu haben.
„Ich schätze deine Arbeit sehr.“, richtete der Professor seine endgültig letzten Worte an ihn, um endlich mit der Sichtung seiner Materialien fortzufahren. Dennoch klangen seine Worte aufrichtig und Bela hoffte nicht zu erröten.
Die nächste Stunde verstrich in einvernehmlicher Stille, bis Jan aufstand und begann Tee zu kochen. Er brauchte nicht einmal mehr fragen, ob er auch einen wollte. Das gemeinsame Tee trinken zwischendurch war ebenfalls zu einem kleinen Ritual geworden zwischen ihnen. Vorsichtig balancierte er die volle Tasse zu ihm herüber und anstelle, wie sonst an seinen Platz zurückzukehren, blieb er einen Moment stehen und warf einen Blick über seine Schulter. „Oh, das sieht gut aus.“
Ein wenig überrascht drehte er sich zu Jan um:“ Ich bin noch gar nich fertig und außerdem is es nur ‘nh Websiteprototyp.“
„Du solltest deine Arbeit nicht unter Wert verkaufen Bela. Ich bin wirklich zufrieden mit dir“, erwiderte er und stützte sich mit einem Arm neben ihm auf dem Tisch ab, um sich über ihm herabzubeugen. Jans herbes Parfüm umschwebte ihn auf einmal mit solch einer Heftigkeit, dass er sich der Nähe noch bewusster wurde. So nah standen sie selten beieinander und es löste ungeahnte Dinge in Bela aus. Dazu kamen diese überschwänglichen lobenden Worte von Jan, die ihn ganz wattig im Kopf machten.
Er konnte nicht verhindern seine Augen schweifen zu lassen. Das Gesicht des blonden befand sich auf der gleichen Höhe und so konnte er einen flüchtigen Blick auf seine geschwungenen Wimpern werfen, zu bemerken, wie hell seine Augen in diesem Licht leuchteten und wie die feinen Bartstoppeln an seinem Kinn hervorkamen. Wenn er jetzt ausatmete, wurde es direkt auf seine Haut treffen. Ob er reagieren würde? Das Kribbeln in seinem Bauch wurde nur stärker und ging in eine wohlige Wärme über, die durch seinen Körper floss, als Jan ihn auch noch direkt ansah. Wie sehr hatte er gestarrt? „Alles in Ordnung?“
Bela spürte deutlich, wie seine Wangen heiß wurden und er sah rasch wieder auf sein Tablet:“ Ja, doch, tschuldige. Ich bekomm nich so oft wertschätzende Worte.“
„Wie? Ich habe andere Arbeiten von dir gesehen und ich war immer schwer beeindruckt. Du kannst sehr stolz auf dich sein.“
Ein wenig eingeschüchtert versuchte Bela spielerisch sein Gesicht hinter seiner Hand zu verbergen:“ Stop, stop, sonst geh ich davon aus, dass du mit mir flirtest.“ Lieber griff er nach seiner Tasse und blies leicht über die Oberfläche. Nur weg von der Situation, den kitschigen Gefühlen und all den sich überschlagenden Gedanken, die auf einmal durch seinen Kopf rasten.
„Wenn ich mit dir flirten würde, würdest du das schon merken.“, gab er zurück und nahm wieder auf seinem Stuhl gegenüber Platz.
Als Bela das nächste Mal auf die Uhr schaute, zeigten die roten Ziffern kurz nach 19:00. Saßen sie so lange schon? Wo war die Zeit hin? Mit einem leisen Räuspern machte er auf sich aufmerksam und deutete dann auf die Uhrzeit.
„Oh, schon so spät. Ich hatte eigentlich keine Lust auf Überstunden. Tut mir leid, ich hab die Zeit aus den Augen verloren.“ Entschlossen klappte Jan seinen Laptop zu und verstaute ihn in seiner Tasche.
Bela räumte derweil die Tassen zurück und packte schließlich seine Sachen zusammen. Ihm war gar nicht aufgefallen, wie schnell die Zeit verging und das Thema Kündigung hatte er immer noch nicht angesprochen. Dann das nächste Mal, hoffentlich.
Draußen auf den Gängen schien kein Licht mehr und erst als sie aus dem Büro traten, ging der Bewegungsmelder an, sonst herrschte kein Anzeichen von anderen Lebensformen. „Oar, es regnet ja immer noch.“, beschwerte sich der Dunkelhaarige bei einem kurzen Blick durch eines der großen gerahmten Fenster und schloss seine Lederjacke.
Der Professor sperrte gerade sein Büro zu und zog seinen Mantel enger:“ Das wird ja eine großartige Heimfahrt.“ Im Treppenhaus kam ihnen auch nur Stille entgegen. Allein ihre Schritte hallten in den alten Gemäuern wider und begleiteten sie nach unten. Fast ein wenig gespenstisch, fehlte nur noch der Glockenschlag zur Geisterstunde.
Unten angekommen stand Bela ein wenig unschlüssig in der schweren Holztür, noch geschützt vor dem heftigen Regen und er sah sich schon völlig durchnässt zuhause ankommen. Der nächste Bus kam erst in einer halben Stunde und laufen könnte er vergessen.
„Soll ich dich fahren?“, kam es auf einmal von der Seite und Jan sah ihn ein wenig mitleidig an. „Warte hier, ich hol das Auto und dann fahr ich dich.“ Es sah nicht so aus, als würde er Widerworte zulassen und so nickte Bela nur erleichtert. „Ja, das wär super.“ Der Größere spannte seinen Schirm auf und eilte durch den Regen in die Dunkelheit hinaus. Seine Gestalt wurde sogleich von der dichten Regenwand verschluckt.
Lange musste er nicht warten, da erkannte er schemenhaft die Scheinwerfer eines Autos. Rasch sprintete er darauf zu und ließ sich auf den Beifahrersitz fallen. Schon das reichte, dass das Wasser an seiner Lederjacke hinab lief und seine Haare in Strähnen in seinem Gesicht hingen. „Danke, ehrlich. Ich wär‘ sonst davon geflossen.“
„Das wollen wir ja nicht. Du musst ins Wohnheim, oder bist du inzwischen umgezogen?“, fragte er und startete dabei den Motor, um endlich das Gelände zu verlassen. Sobald sie auf der Straße waren, musste er leider feststellen, wie wenig er sah. Selbst die Lichter der anderen Autos verschwommen durch den Starkregen vor ihnen.
„Ne, muss ins Wohnheim. Rod macht sich sicherlich schon Sorgen, wo ich bleib.“
„Ach, ihr wohnt zusammen. Kein Wunder, dass er so von dir spricht. Hm, ich erinnere mich vage an meine Wohnheimzeit. Viel zu viele Partys und Geschlechtskrankheiten.“, meinte er und entlockte dadurch ein leises Lachen von Bela. „Das fasst es gut zusammen, aber ich kann mir dich gar nicht auf Partys vorstellen.“
„Doch doch, besucht habe ich sie, aber nur bis Mitternacht und ohne Alkohol.“
„Wie jetze? Keinen Alkohol? Was warst du denn für ein Student. Ich glaub wir wäre keine Freunde geworden…Obwohl…“ Gerade so konnte er den unzüchtigen Gedanken für sich behalten, bevor er seine Lippen verließ. Kurzzeitig bewegte sich ein jüngerer Jan, zu irgendeiner Synthie Pop-Musik auf der Tanzfläche, vor seinem geistigen Auge und er beschloss für sich, dass er ihn definitiv auch da flachlegen wollte.
„Was obwohl?“ Doch weiter kam er nicht, da vor ihm plötzlich ein Auto stark bremste und er somit zum bestürzten Anhalten gezwungen wurde, dabei spritzte das Wasser nur so zu allen Seiten weg. „Scheiße, ich sehe gar nichts.“ Der Scheibenwischer lief zwar auf Hochtouren, doch der Regen strömte in Wasserfällen über die Scheibe und gab dem Wischer keine Chance. Vor ihnen stand die gesamte Straße unter Wasser und er hatte das Gefühl sie würden tatsächlich davon schwimmen.
„Dann fahr doch ran, bringt doch nichts, wenn wir deswegen noch einen Unfall bauen. Da is eine Lücke! Wenigstens bis es nich mehr so schüttet.“, schlug er vor und Jan folgte seiner Anweisung, indem er die nächste freie Lücke gekonnt einparkte. „Bis zu dir hätte ich es sicher noch geschafft, aber das scheint mir vernünftig.“
„Oh wow, dass ich mal vernünftiger bin als du.“
„Kommt nicht mehr vor.“, reagierte Jan schlagfertig und löste den Gurt mit einem Klicken, dann stellte er den Motor aus. Sofort erlosch das Licht im inneren des geräumigen Wagens und hüllte sie in Dunkelheit. Nur die Straßenlaternen warfen ihr schwaches Licht auf sie herab, doch selbst das ging beinah vollständig vom Regen unter. Nach einer Weile des Lauschens des Regens, rutschte Bela auf dem Ledersitz hin und her, versuchte das notorische Wippen seines Beins zu unterbinden. Das tat er immer, wenn er nicht wusste, wohin mit sich oder seinen Gedanken. Ein Gedanke plagte ihn schon seit die Mail in seinem Postfach landete und, die er bis jetzt noch nicht schaffte anzusprechen. „Jan…“, begann der Jüngere bedeutungsvoll und drehte sich zu ihm. Im Dunkeln konnte er nur die Umrisse seines kantigen Gesichts wahrnehmen, vielleicht besser so bei dem Thema, welches er gleich anschnitt. „Du hattest vorhin gefragt, warum ich zu spät kam…?“
„Ja, Bela?“ Er spiegelte seine Haltung, war sich der Ernsthaftigkeit der Situation wohl bewusst.
„Naja, ich geh nächstes Semester ins Praktikum, weil das Pflicht is…und so eine Firma, bei der ich mich beworben hab, hat mir zugesagt, per Mail…und da musste ich noch ein paar Sachen ausfüllen und zurückschicken. Ich hab mich so gefreut, dass ich die Zeit vergessen hab.“ Nur flüchtig sah er zu ihm hoch, mied aber sonst seinen Blick. Viel lieber starrte er auf seine Hände, spielte mit dem Ring an seinem Daumen.
„Das ist doch großartig. Ich freue mich für dich, ehrlich. Hier in der Stadt oder wo anders?“
„Ne, nich hier. London…Ich werd‘ da auch bisschen länger bleiben, für meine Bachelorarbeit. Die haben mir angeboten, das mit mir zu machen.“ Endlich sah er ihn richtig an, da die Neugier über die Reaktion seines Professors siegte. Zuerst kam nichts, keine Antwort, nicht einmal ein Wechsel des Gesichtsausdrucks.
„Das heißt, du bist nach den Prüfungen weg und ich gehe davon aus, dass das hier deine Kündigung ist, richtig?“, fing er vorsichtig an, das auszusprechen, was Bela noch herauszögerte. Irgendetwas in seiner ganzen Ausstrahlung veränderte sich plötzlich mit der Realisation, was das für sie bedeutete. Sie würden sich über ein Jahr nicht sehen, wenn überhaupt je wieder.
Langsam nickte Bela und verschränkte seine Hände, sah kurzzeitig aus dem Fenster, bis er eine warme Hand auf seinem Oberschenkel spürte. „Man soll keine Reisenden aufhalten.“ Da war die Berührung auch schon wieder weg und er sah auf die Stelle, wo eben noch seine Hand gelegen hatte. Das war neu und erstaunlich intim. Sonstige Berührungen beschränkten sich auf einen Händedruck oder einen Schulterklopfer. Nein, einmal hatte Jan Bela umarmt, aber nur, weil er so aufgelöst in seinem Büro gesessen hatte. Er hatte auf seinem Stuhl gehockt, in sein Taschentuch geweint und Jan hatte sich auf seine Höhe gekniet und ihn fest in den Arm genommen, dabei über seinen Rücken gestrichen und ihm dann einen Tee gemacht. Danach hatte sein Herz immer ein paar Takte schneller geschlagen, wenn er ihn sah.
„Mh.“, machte der Kleinere bloß leise und zuckte mit den Schultern. „Wollte nur, dass du Bescheid weißt. Meine offizielle Kündigung kommt noch.“
„Kein Stress. Das wird mir fehlen…Du wirst mir fehlen.“, gab er offen zu. Noch etwas, was ihn durchaus erstaunte. „Aber lass uns jetzt nicht in Traurigkeit schwelgen. Musik?“
„Äh, ja doch. Hast du nh AUX-Kabel?“
„AUX? Ich hab CDs.“
„No way, CDs im Auto? Ich fühle mich in meine Kindheit zurückversetzt.“
Vorsichtig angelte Jan über Belas Schoß hinweg nach dem Handschuhfach und kramte darin herum. Als er jedoch dort nicht das richtige fand, beugte er sich auf einmal mit dem gesamten Oberkörper über ihn, um in das Fach der Tür zu gelangen. Perplex drückte sich Bela in den Sitz, machte ihm Platz. Mit so viel Nähe rechnete er nicht. „Du hättest mir auch sagen können, wo ich suchen soll.“
„Das würde aber die Überraschung kaputt machen.“, grinste er ihn an und war seinem Gesicht, nachdem er sich wieder aufrichtete, unglaublich nah. Nur kurz fiel Belas Aufmerksamkeit auf Jans Lippen, die ein wissendes Lächeln annahmen. „Wäre blöd.“, hauchte er bloß, denn mehr brauchte es nicht, dass sie einander verstanden. Hier in der Dunkelheit zu sitzen, inmitten des kaskadenartigen Regens, der unaufhörlich auf das Dach trommelte, fühlte es sich wie in einer kleinen Blase an, abgeschieden von der Außenwelt. Hier könnte alles möglich sein, ohne Konsequenzen zu tragen. Sicherlich hätte er ihn sogar einfach küssen können, doch da wandte sich der Professor von ihm ab und schob die CD ein.
„Nein, wie cool! Ich lieb die Band. Wieso wusste ich nich, dass du auf sowas stehst?“, stellte er erstaunt fest und drehte die Lautstärke ein wenig auf.
„Du hast nie gefragt.“
„Ich hab einiges noch nicht gefragt?“
„Zum Beispiel?“, forderte Jan ihn heraus und sah ihn abwartend an.
„Ob du Geschwister hast, oder ob du verheiratet bist, obwohl du trägst keinen Ring.“, fügte er rasch hinzu und drehte die Musik wieder etwas leiser, um dem Gespräch besser folgen zu können.
„Sehe ich denn so aus, als würde ich verheiratet sein?“, wieder hob er so provokant seine Augenbraue, dass Belas Knie ganz weich wurde. Zum Glück saß er. „Ne, irgendwie nich. Dafür bist du mit deinen vielen Forschungen auf der ganzen Welt unterwegs. Immer irgendwo im Nirgendwo.“
„Das beschreibt es ganz gut. Die meisten Beziehungen sind oft daran gescheitert.“
„Aber… Es müssen ja nich immer Beziehungen sein, oder? So was Ungezwungenes hat auch seinen Charme.“, versuchte er so beiläufig, wie möglich auszusprechen und ließ seinen Finger an dem Rand des Lenkrads lasziv herabgleiten.
„Bela, wenn ich mich nicht Irre, flirtest du gerade auf wirklich unsubtile Weise mit mir. Das bekommst du sonst besser hin.“
„Nein, wie kommst du darauf…Ich würd‘ niemals mit dir flirten.“, antwortete er übertrieben gedehnt und machte eine abwinkende Handbewegung.
„Mh, wenn du das sagst.“, reagierte er fast schon eingeschnappt: „Schade.“
„Wenn, und nur, wenn ich mit dir flirten würde, würde ich sowas sagen wie: Du siehst sehr gut in der Hose aus, oder ich mag es, wie deine Haare heute liegen. Oder, um ein bisschen niveauvoller zu sein, ich find deinen Humor extrem attraktiv.“
„Ah, natürlich. Jetzt weiß ich Bescheid.“, antwortete er sarkastisch und schüttelte belustigt den Kopf. „Danke für die Aufklärung.“ Nebenbei versuchte er seine Position auf dem Sitz zu ändern, da sie sichtlich unbequem wurde so eingeklemmt zwischen Lenkrad und Lehne. Schon ein paar Mal war Bela aufgefallen, wie er versuchte unbemerkt seine Beine anders zu positionieren.
„Nich falsch verstehen, das soll kein dubioses Angebot oder so sein, aber wollen wir auf die Rückbank? Da is bisschen mehr Platz.“, schlug er einfach vor und sah ihn abwartend an.
„Ein dubioses Angebot und Rückbank eines Autos in einem Satz soll kein Flirten sein? Pass auf, dass ich das nicht missverstehe und ich plötzlich dubiose Sachen mit dir anstelle.“, grinste er zweideutig und schob seinen Sitz nach hinten, um dann auf den diagonalen Rücksitz zu klettern. Ohne eine schlagfertige Antwort parat, da er das Gesagte noch verarbeitete und sein Kopfkino verdrängte, tat er es ihm gleich und fiel halb in den Sitz.
Hinten angekommen schaltete Jan die kleine Lampe ein. „Es ist definitiv besser. Gute Idee.“ So konnte er seine Beine einfach nach vorn über die Handbremse ausstrecken. Einen Arm legte er über die Lehne, sodass seine Finger fast schon abwesend wirkende Kreise über Belas Nacken zogen. „London also, da verlässt du mich für eine der aufregendsten Städte. Ich kann es dir nicht mal verübeln.“
Ein wenig überrascht, dennoch nicht abgeneigt, nahm er die Berührungen wohlwollend auf. Woher das plötzliche Zurschaustellen von Zuneigung kam, wusste er nicht, aber es sollte nicht enden. Bedächtig drehte der Jüngere den Kopf zu ihm und sah ihn dann direkt an. Wie schön das warme Licht auf seine Haut traf und sein Gesicht umhüllte. „Ja, ich glaub einfach, dass das genau meine Stadt ist und die Firma scheint auch echt cool zu sein. Die waren von meinen Sachen total begeistert.“
„Was genau für Sachen? Was wollten die sehen?“, fragte er ernsthaft interessiert und rutschte ein Stück an ihn heran, dabei nahm er die Hand wieder herunter, nur um sie auf seinem Bein abzulegen.
„Hauptsächlich Dinge, die ich für die Uni gemacht hab. Sowas.“ Er drehte sein Tablet zu ihm herum und zeigte ihm Cover für Musikmagazine und Gothicprints. „Oder sowas.“ Das nächste auf seinem Bildschirm war eine Zeichnung inspiriert von Bram Stokers Dracula mit einem riesigen Grafen, der über seiner verstorbenen Frau Elisabeta kniete, das Schwert in dem großen Steinkreuz, Blut sickernd aus der Wunde im Stein. Jan atmete hörbar aus und je länger die Stille Einzug im Auto nahm, desto nervöser wurde er. Gefiel es ihm nicht? War es zu düster? Zu makaber? Die Szene war ihm seit dem Lesen des Buchs im Kopf geblieben und hatte deutlich Eindruck hinterlassen bei seiner zukünftigen Praktikumsstelle, als sie seine nicht-studentischen Werke sehen wollten.
„Das ist großartig.“, kam es dann geflüstert und endlich sah der Blonde ihn wieder an. Viel zu lange hatte Bela ihn nur angestarrt, gehofft auf eine winzige Reaktion in seinem Gesicht und nun diese Begeisterung darin zu sehen, den aufrichtigen Stolz, erwischte es ihn mit der gesamten Breitseite. „Äh…“, er wollte aus Reflex sein Tablet an sich ziehen, sich daran festklammern, um sich vor dummen Entscheidungen zu schützen, doch Jan hielt es mit einem einfachen Finger nach unten gedrückt, um das Gemälde weiter betrachten zu dürfen.
„Ich bin kein großer Fan des Romans, ist mir zu düster, aber die Art, wie du diesen Moment eingefangen hast, in deinem ganz persönlichen Stil. Die Farben und Kontraste. Das Rot, das Schwarz, die Mimik der beiden, sowohl tot als auch lebendig. Der Wahnsinn. Es würde sich wunderbar in den Gemäldegalerien dieser Welt machen“, fuhr er sogleich fort, gab dem Studenten keine Chance sich zu rechtfertigen. „Du bist unglaublich talentiert, aber das hab ich dir schon oft genug gesagt, mh?“, mit einem schiefen Grinsen, stieß Jan mit seinem Oberschenkel gegen den von Bela und als würde ihn das aus seiner Trance reißen, schnellte er vor und presste seinen Mund auf den seines Professors. Keine Bewegung, kein Atmen, kein gar nichts folgte darauf.
Nur bedacht begann Jan seine Lippen zu bewegen, zog sich aber zügig zurück. „Bela, das geht nicht. Ich bin zu alt für dich.“, doch als besäßen seine Worte keinerlei Bedeutung, packte er den Dunkelhaarigen am Shirt und zog ihn in einen weitaus innigeren Kuss, der diesen auch erwiderte. Nicht lange, denn nach Luft ringend, entfernte sich Bela wieder:“ Ich bin dein Student.“, aber genauso wie Jans Aussage davor, vaporisierte diese zwischen dem nächsten hitzigen Aufeinandertreffen ihrer Lippen.
„Nicht wirklich.“, kam es von dem Blonden ein wenig atemlos:“ Wir haben keinerlei Lehrveranstaltungen zusammen.“ Seine Hand wanderte an Belas Hüfte und für einen Moment sahen sie einander nur in die Augen. Keiner sprach. Doch dann schob der Kleinere sein Tablet beiseite und Jans Griff verstärkte sich, zog ihn zu sich und Bela nahm es als Aufforderung es sich auf seinem Schoß bequem zu machen. Obwohl, bequem würde er es nicht bezeichnen, da er sich nicht nur einmal den Kopf am Autodach stieß, doch sobald er ihn wieder küsste, vergaß er das Platzproblem.
Jans Hand lag an seiner Taille, schob sich vorsichtig unter das Shirt, während die andere in der schwarzen Mähne halt fand, seinen Kopf so zog, um seine Lippen in seinem besseren Winkel zu treffen. Die Überraschung über die plötzliche Dominanz, ließ ihn auf keuchen und er stützte eine Hand an der beschlagenen Fensterscheibe ab, wo er einen deutlichen Abdruck hinterließ. Er konnte die kalten Fingerspitzen auf seiner nackten Haut spüren, wie sie über seine Seiten wanderten bis zu seinem Rücken. Mit jedem weiteren Kuss, jeder Berührung, stieg sein Verlangen nach mehr und Hitze durchfloss seine Adern. Er fühlte sich wie Wachs unter den großen Händen des Professors.
Das erste leise Stöhnen entlockte Jan ihm, sobald seine Lippen über sein Kinn hinab zu seinem Hals fuhren, ihn dort küssten und die Haut mit seinen Zähnen reizte. „Oh Gott….“, entfuhr es ihm und er fing an sich auf seinem Schoß zu winden, sein Becken vorzuschieben, um ein wenig Spannung zu lösen. Doch anstatt darauf einzugehen und ihn endlich von seinem Leid zu erlösen, hielt der Größere plötzlich seine Hüften fest im Griff, sodass er sich kein Stück mehr bewegen konnte. „Wa-…Was…“, kam es fast schon weinerlich von ihm und er sah ihn hilflos an. „Du kannst mir doch nich sagen, dass du es nich auch willst.“ Beherzt platzierte Bela eine Hand zwischen den Beinen des Mannes unter ihm und als er diese dann auch noch bewegte, bohrten sich Finger fest in die weiche Haut seiner Taille. Ob das blaue Flecken gab?
Jan entwich scharf Luft und er schloss kurz die Augen, kam ihm sogar entgegen, ehe er wieder stoppte:“ Das ist keine gute Idee hier. Es ist so eng und ich würde gern so viel Platz, wie möglich haben, um dich flachzulegen.“
Für einen Moment blieb Bela der Mund offenstehen, sein Kopfkino spielte schon wieder dubiose Szenen ab, doch er sah es ein. „Mh, können wir trotzdem noch ein bisschen rummachen? Noch regnet es.“ Flüchtig sah er nach draußen und dann wieder in das angestrahlte Gesicht des Blonden. Wie wunderbar zerstört seine Haare doch lagen und seine Augen glänzten voller Begierde.
„Sehr gern.“, murmelte Jan nur und der nächste Kuss begann sehr viel behutsamer als all die anderen zuvor. Als müssten sie jeden Moment auskosten, bevor es zu spät war. Belas Hände lagen an beiden Seiten von Jans Gesicht, während dessen Hände den gewohnten Weg über seine Wirbelsäule zeichneten.
Dennoch schwang die Zärtlichkeit wieder in Leidenschaft um, aus den Küssen wurden Bisse und am Ende befand sich Belas Hand wieder zwischen Jans Schenkeln, der ihn keuchend, aber bestimmt von sich schob. „Lass uns fahren. Ich glaub es sieht jetzt besser aus.“ Leider behielt er recht und der stürmische Regen war in ein Nieseln übergegangen. Die Straßen standen immer noch unter Wasser, jedoch dank der zuverlässigen Arbeit des Scheibenwischers konnten sie ihre Fahrt fortsetzen. Schweigend kletterten sie beide nacheinander auf ihre Sitze zurück, wobei Bela einen letzten Blick auf den fast verblassten Handabdruck an der Scheibe warf.
Der Professor richtete sein Haar im Rückspiegel, ebenso wie seinen Gürtel. „Rod vermisst dich sicherlich schon schrecklich.“, versuchte er es mit einem Scherz, gefolgt von einem schiefen Lächeln in seine Richtung.
Bela schnaubte nur und legte eine Hand provokant auf die graue Anzughose:“ Tut er nich. Er denkt vielleicht, dass wir den Regen abgewartet haben, in deinem Büro, oder so.“ Ganz nebenbei strichen seine Finger seinen Oberschenkel hinauf, was Jan jedoch zügig unterband, indem er seine Hand festhielt und sie bestimmt wieder zurück auf Belas Seite schob. „Oder, er denkt, dass du dem Regen trotzen wolltest und nun davon geschwemmt wurdest.“
„Ja, ok. Hab verstanden, wir können fahren.“, erwiderte der Dunkelhaarige eingeschnappt und verschränkte die Arme vor der Brust.
Der Weg bis zu dem Wohnheim, in welchem er sich ein Zimmer mit Rod teilte, stellte sich kürzer heraus, als angenommen und so zog Jan die Handbremse fest, dabei sah er unsicher zu ihm herüber, jedenfalls sah es für einen Moment in Belas Vorstellung so aus.
„Magst du mich noch zur Tür bringen, mit dem Regenschirm?“, fragte er dann vorsichtig und griff schon nach seiner Tasche.
„Klar, Moment. Ich mach dir die Tür auf.“ Hastig stieg er aus dem Auto, spannte den Schirm auf, umrundete den Wagen und öffnete ihm, wie ein echter Gentleman die Tür.
„Oh, was ein Service. Vielen Dank.“, kicherte er und griff nach der Hand, die ihm gereicht wurde. Kurz standen sie vor dem Auto, beide unter dem Regenschirm und Bela blickte mit großen Augen zu ihm hoch, stellte sich dann auf die Zehenspitzen und wurde prompt gegen das nasse Auto gedrückt. Er spürte, wie seine Jeans durchweichte und die Nässe sich auf seiner Haut ausbreitete, doch das rückte in die hinterste Ecke seines Verstandes, als Jan ihm seine Zunge in den Mund schob und seufzend ausatmete.
„He, lassen Sie meinen Freund in Ruhe.“, schallte es plötzlich über den Gehweg und Bela sah nur, wie Rod sich aus dem Fenster der Gemeinschaftsküche lehnte und wild mit einer Hand fuchtelte. Wie lange stand er da schon? Hatte er den Wagen kommen hören? Wäre sein Gehirn nicht auf Sparflamme durch den hitzigen Kuss, hätte er wohl die Zigarette in den Händen seines Mitbewohners gesehen. Das Küchenfenster diente als ihr obligatorischer Balkon zum Rauchen, wenn das Wetter nicht zum draußen stehen einlud.
Erschrocken wich Jan zurück und wandte seine Aufmerksamkeit der Stimme zu. Im vierten Stock des großen Backsteingebäudes brannte Licht und ein bekanntes Gesicht blickte zu ihnen herab. Hoffentlich machten sie keine Szene. Das hier musste nicht jeder andere Studierende mitbekommen „Keine Sorge. Er wird heil die Treppen hochkommen.“, winkte er zurück.
„Das will ich aber hoffen! Wehe er kommt die Treppen mit hoch, Bela!“, richtete er die letzten Worte an sie, schnippte den Stummel in den Regen und löschte das Licht in der Küche.
Peinlich berührt strich sich der Kleinere über den Nacken:“ Puh, wie unangenehm, aber du hast ihn gehört. Du darfst leider nich mit hochkommen.“
„Verstehe schon. Wer will schon seinen Professor in der eigenen Studierenden-WG haben.“ Jan machte eine Kopfbewegung in Richtung der Haustür und Bela sah ein, dass sich ihre Wege nun trennten. Gemeinsam liefen sie im Schutz des Schirms auf die Tür zu. Das Licht der Hausnummer 38b fiel schwach auf sie herab.
„Man, wieso hast du nich offensichtlicher geflirtet? Dann hätten wir mehr Zeit gehabt.“, seufzte er laut und lehnte seine Stirn gegen die Brust des Größeren. Dessen Hand fand seinen Nacken und vergrub sie in den, durch die Nässe, gekräuselten Haaren.
„Das ist noch kein Abschied. Wir sehen uns bestimmt noch 5-mal.“, erwiderte Jan und legte beide Arme um ihn. „Außerdem ist das alles, was im Auto vorgefallen ist, höchst unprofessionell.“ Sobald er den Satz beendete, traf ihn das breiteste Grinsen von Bela.
„Achso. Aber das war doch außerhalb der Arbeitszeiten.“, und er richtete sich auf, um ihn erneut zu küssen.
Eingenommen von seinen Lippen, versuchte der Professor etwas zu erwidern: „Musst du immer das letzte Wort haben?“
Das letzte „Ja.“ ging in einem überraschten Laut unter, sobald er unsanft gegen die kalte Haustür gedrängt wurde, ein Knie zwischen seinen Schenkeln und Jans Mund auf seinem. Keiner von beiden wollte den ersten Schritt machen und sich lösen. So standen sie eine Weile, wie Teenies, die nicht ohneeinander konnten, unter dem Schirm im Regen.
Atemlos zog Jan seinen Kopf zurück:“ Ich wünsche dir noch einen schönen Abend, Bela. Sag deinem Mitbewohner, er muss noch eine Hausarbeit bei mir abgeben.“
„Mhmh.“, machte er bloß als Antwort, da das Blut noch nicht wieder in sein Gehirn zurückgeflossen war. Kurz blinzelte er. „Äh, fahr vorsichtig! Wir sehen uns Montag.“
„Ich freu mich schon!“ Da war etwas in seinem Lächeln, was er nicht ganz deuten konnte, und Bela erwiderte die erhobene Hand zum Abschied.
Immer noch lehnte er gegen die Haustür und sobald Jan in den Wagen stieg, fiel sein Kopf gegen das Glas nach hinten und sein Gesicht zierte das zufriedenste Grinsen seit langem. „Ich mich auch.“, murmelte er für sich.
Die Scheinwerfer des Autos verschwanden in der Nacht und sobald sie außer Sichtweise waren, klingelte Bela und er trat in das Innere des Wohnheims.
