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Deutsch
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Published:
2024-09-29
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2,058
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1/1
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6
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160

Kaffee und Schokocroissants

Summary:

Ein Fix-It für den letzten Frankfurt Tatort because HOW DARE THEY.

Notes:

Ich weiger mich, dieses Ende für Janneke und Brix zu akzeptieren, deshalb ist hier ein neues und - wenn ich das so sagen darf - besseres als das, was uns da aufgetischt wurde.

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

"Paul?"

 

Nie ist es ihm schwerer gefallen, die Augen auf der Strasse zu lassen. "Ja?" antwortet er.

 

Es folgt ein Schweigen, das so laut ist, dass Paul sich beinahe die Ohren zuhalten möchte. Sag es endlich, denkt er, sag es, weil ich mich eh nicht trau.

Und sie sagt es tatsächlich. Anna sagt es. "Woll'n wir mal zusammen ausgehen? Ich mein, so richtig?"

 

"Ach Anna..." Ach, er liebt, wie leicht ihm ihr Name über die Lippen kommt und wie er sein Herz auf der Zunge spürt, wenn er mit ihr spricht. "Ich dachte, du fragst nie", sagt er und aus seiner Kehle schwappt förmlich die Erleichterung und das Glück. "Kannst auch jederzeit bei mir 'n Kaffee trinken." Und Schokocroissants essen. Und alles, was du sonst willst.

Seine Augen können nicht länger auf die Straße schauen. Geht doch eh nur geradeaus. Er kennt die Strecke, ist sie hundertmal gefahren. Klar kennt er auch Annas Augen, hat hundertmal in das helle Blau geschaut. Aber anders als an Frankfurts grauen Straßen hat er sich an Annas blauen Augen noch nicht sattgesehen. Sie sehen ihn an mit genauso viel Glück und Freude und Erleichterung und Hoffnung und Liebe, ja, Liebe wie Paul sie selbst empfindet und hoffentlich in seinen Blick legen kann. 

 

"Ich hätte genau jetzt Lust, bei dir einen Kaffee zu trinken", sagt Anna mit diesem Lächeln, das Paul schon immer schwach gemacht hat, aber jetzt darf er endlich zulassen, dass es ihn schwach macht. Endlich, endlich, endlich.

 

Er richtet den Blick zurück auf die Straße und spürt, wie eine unsichtbare Kraft seine Mundwinkel nach oben zieht. Ein Blick in den Rückspiegel und er weiß, dass seine Augen gerade mit den Sternen am Nachthimmel um die Wette funkeln und er gewinnt. Er gewinnt, weil er Anna hat.

"Dann machen wir doch genau das jetzt, wenn du magst", schlägt er vor und denkt an warmen Wasserdampf, der samtig schimmert im warmen Licht seiner Küche, und an den Geruch von Kaffeebohnen gepaart mit Annas Parfum. 

Nur woran Anna gerade denkt, kann Paul nicht sagen. Als ein paar Sekunden zu lange keine Antwort kommt, er auch nicht ihren liebevoll wärmenden Blick spürt, sieht er zu ihr. Nicht verunsichert, sondern eher besorgt. Sie stiert geradeaus ins nächtliche Nichts mit angespanntem Unterkiefer und ein wenig glanzlosen Augen.

 

Wie automatisiert nimmt Paul den Fuß ein wenig vom Gas. "Was ist?" will er wissen.

 

Anna zuckt zusammen als hätte er sie aus einer Trance gerissen oder aus einem bösen Traum geweckt. "Nichts", antwortet sie überstürzt und macht das Gesicht, das sie immer macht, wenn sie abwinken will. Nur, dass sie es diesmal nicht tut, sondern ein wenig irritiert blinzelt und die Lippen aufeinander presst. "Ich hatte gerade nur wie so einen Film vor Augen..."

 

"Einen Film? Welchen denn?" erkundigt er sich vorsichtig.

 

Jetzt winkt sie doch ab. "Nicht so wichtig."

 

Es ist sicherlich wichtig. Es ist eigentlich immer wichtig, wenn es um Anna geht - zumindest für Paul. Doch er kann sie nicht dazu zwingen, ihm zu sagen, was in ihrem Kopf vorgeht, und das will er auch gar nicht. Er weiß, dass sie sich an ihn wendet, wenn sie ihn braucht. Und umgekehrt. Das haben sie immer so gemacht und sie werden es auch weiterhin so tun. Bestimmt noch öfter jetzt, wo sie ja quasi...

 

"Ich mag schon", sagt Anna und lächelt wieder.

 

Ihr Lächeln benebelt kurzzeitig seine Sinne und Paul kann nur starren in ihre schönen Augen. "Hm?"

 

"Ich mag schon jetzt noch mit zu dir kommen und einen Kaffee trinken", erklärt sie. "Auch, wenn es wahrscheinlich keine gute Idee ist, um die Zeit noch Kaffee zu trinken, aber für unsere guten Ideen waren wir beide ja noch nie bekannt, oder?"

 

Brix schmunzelt. "Stimmt. Aber falls du müde bist-"

 

"Kann ich bei dir übernachten?"

 

"Wenn du das möchtest."

 

Ihre Augen blitzen auf. "Möchtest du das denn?"

 

Er schluckt schwer, kriegt seine Nervosität aber kaum runtergeschluckt, trotzdem ist sein Mund staubtrocken. "Natürlich möchte ich das", flüstert er und tritt aufs Gas. Mehr als alles andere möchte ich das. Möchte ich dich. 

 

Paul bleibt in der Haustür stehen wie festgewachsen. Er beobachtet Anna, die mit federleichten Schritten in den Flur tritt und ihren Mantel und den roten Schal an die Garderobe hängt, sich dann zu ihm dreht und fordernd die Hand ausstreckt. Ungelenk schält er sich aus seiner Jacke und gibt sie Anna, die sie neben ihren Mantel hängt. Das sieht gut aus, genau richtig.

Anna zieht ihre Schuhe aus und spaziert in die Küche. Sie findet auf Anhieb den Lichtschalter, sieht sich um, aber nicht aufgeregt, sondern ganz ruhig und als hätte sie alle Zeit der Welt. Was sie ja auch hat. Paul muss sich gegen den Türstock lehnen, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Anna bewegt sich hier so als wäre sie schon immer da gewesen und würde dort hingehören. So souverän und vertraut wirkt sie hier, dass Paul dagegen fremd und unsicher wirken muss.

 

"Na, was ist? Kommst du rein?"

 

Er muss grinsen. "Klar." Plötzlich geht es doch ganz leicht. Der Schwindel ist weg und Paul tritt sich schnell die Schuhe von den Füßen, schiebt sie neben Annas Schuhe und folgt ihr in die Küche. Seine Hand streift ihren unteren Rücken, als er sich an ihr vorbei zur Kaffeemaschine zwängt.

Das Kaffeekochen wird schnell zur Nebensache. Paul ist viel mehr interessiert an Anna, die neben ihm an der Theke lehnt und ihn lächelnd beobachtet. Irgendwann dreht sie sich um, holt Zucker aus einem Regal und stellt ihn neben Paul auf die Arbeitsfläche. Und dann ist sie plötzlich hinter ihm, hat beide Arme um seinen Torso geschlungen und umarmt ihn von hinten. Ihre Hände sind warm auf seiner Brust, Paul greift danach und streichelt mit zittrigen Fingern über Annas Handrücken.

 

"Schön, dass du da bist", wispert er.

 

"Find ich auch", antwortet sie ebenso leise.

 

Sie sind dicht beieinander, als sie ihren Kaffee trinken. Anna sitzt auf der Küchentheke und Paul steht direkt neben ihr. Seine Hüfte berührt ihr Knie. Er hat den Kaffee verzuckert, die dunkle Flüssigkeit schmeckt mittelmäßig bis grauenhaft, aber sie trinken sie trotzdem und kichern nach jedem Schluck. Die Küche riecht nach Gebäck, was in Wahrheit nur frisch getoasteter Toast ist, bestrichen mit einer ordentlichen Ladung Nutella, weil Paul beim besten Willen um halb elf keine Schokocroissants mehr auftreiben kann.

 

"Streng dich mal mehr an", scherzt Anna, "sieht ka grauenvoll aus." Paul verdreht gespielt verärgert die Augen. Wie soll er diesen bescheuerten Toast auch schöner mit Nutella bestreichen, wo seine Finger doch so zittern, weil er doch so nervös ist? Demonstrativ schiebt er Anna den schöneren Toast zu und blinzelt sie entschuldigend an, weil er zwar schöner, aber trotzdem nicht wirklich schön ist.

Schmecken tut er aber wohl. Anna kaut zufrieden, leert zwischendurch ihre Kaffeetasse und lächelt pausenlos, sogar beim Essen. Auf dem Fußboden und Pauls Socken sammeln sich die Krümel - allein seine Krümel, weil Anna ihren Toast fast spurlos verdrückt. Bis auf eine Spur.

 

"Du hast da bisschen was", nuschelt Brix und deutet mit dem Finger in Richtung ihres linken Mundwinkels.

 

Ihre Zungenspitze schnellt aus dem Mund und schon ist der Schokoladenrest weg. "Ich glaub, du hast da auch was", sagt Anna und legt den Kopf schief. "Komm mal näher her, ich seh das so nicht richtig."

Er glaubt ihr jedes Wort und tritt näher, denkt sich nichts dabei, als sie zwei Finger unter sein Kinn schiebt und seinen Kopf anhebt und sich weit vorbeugt. "Mhh, ja, genau da mitten auf der Lippe. Soll ich's wegmachen?"

 

Wie benommen nickt er. "Ja, bitte."

 

Er begreift erst, dass da gar nichts auf seinen Lippen ist und nie gewesen ist, als sich Annas Mund auf seinen legt und sie ihn ganz sanft küsst. Ihre Finger unter seinem Kinn wandern nach unten und legen sich an seinen Hals. Die zweite Hand schnellt vor, packt ihn am Hemdkragen und zieht ihn näher, obwohl das gar nicht nötig ist, weil Anna ihn ohnehin anzieht wie ein Magnet.

Paul erwidert den Kuss so schnell er kann, wobei das schon ein paar Sekunden dauert, weil er so überwältigt davon ist, dass Anna ihn küsst. Viel zaghafter als sie bahnen sich seine Hände ihren Weg an ihren Körper. Er legt sie vorsichtig an ihre Hüfte und erwidert scheu den Kuss. Annas Lippen sind so weich und warm auf seinen, ihr Mund schmeckt nach Schokolade und Koffein.

Sein Griff um ihre Hüfte wird fester, er zieht sie behutsam von der Küchenzeile zu ihm runter. Anna lächelt, während sie ihn fordernder küsst. Kurz lässt sie ab, holt Luft und streicht sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Dann küssen sie sich nochmal. Und nochmal.

Sie taumeln zur Couch, liegen beide nebeneinander da und küssen sich so zärtlich wie es nur zwei können, die neun Jahre darauf gewartet haben, den jeweils anderen Menschen so lieben zu können, wie sie es sich immer gewünscht haben.

 

"Hat dir schon mal jemand gesagt, wie unglaublich gut du küssen kannst?" fragt Paul atemlos, nachdem sie irgendwann voneinander abgelassen haben.

 

Anna lächelt noch immer. Sie schüttelt den Kopf. "Nein. Du bist der erste und, wenn's nach mir geht, bist du auch der einzige."

 

"Ich wär nichts lieber als dein Einziger, Anna."

 

Sie küsst ihn nochmal, diesmal auf die Stirn, ehe ihr Kopf auf seinen Arm sinkt und sie zufrieden seufzt. Sie liegen sich gegenüber, Anna schaut ihn aus ihren wunderschönen Augen an und Paul schaut zurück. Er hebt seinen freien Arm und streicht Anna eine Strähne hinters Ohr, zieht dann jedoch seine Hand nicht zurück, sondern streichelt ihre Wange. Für eine Weile schließt sie die Augen und genießt sichtlich seine Berührung. Ihr Atem ist ganz ruhig und regelmäßig, die Augenlider sind fest geschlossen. Paul beobachtet seine Anna und verspürt dabei so viel Wärme und Wohlsein wie wahrscheinlich noch nie.

Sollte er jemals daran gezweifelt haben, dass das hier richtig ist, dann sind diese Zweifel jetzt aus dem Weg geräumt. So etwas kann nicht falsch sein. Niemals.

 

"Paul?" Die schönsten blauen Augen schauen ihn wieder an. "Kann ich dich was fragen?"

 

Er nickt. "Alles."

 

"Denkst du manchmal darüber nach, wie viel Glück wir eigentlich haben?"

 

Er zögert. "Wie meinst du?"

 

Anna greift nach seiner Hand auf ihrer Wange und zieht sie davon weg, verschränkt aber ihre Finger mit seinen und hält auf dem Polster des Sofas daran fest. "Ich meine, ob du manchmal darüber nachdenkst, dass das alles auch längst hätte anders ausgehen können. Dass wir sterben hätten können. Schon oft."

 

Sein erster Instinkt sagt ihm, zu verneinen und Anna vor ihren eigenen Gedanken zu beschützen, indem er ihr sagt, sie soll nicht an so etwas denken. Aber dann denkt Paul nochmal nach und entscheidet sich gegen den ersten Instinkt und für die Wahrheit. "Ja, darüber denk ich manchmal nach, klar. Und ich bin jedes Mal froh, dass es nur ein schlimmer Gedanke ist."

 

"Vorhin hatt ich so einen schlimmen Gedanken. Wie einen Film vor Augen. Wir beide da auf der Brücke in einem brennenden Wagen, weil auf dem Rücksitz eine Bombe hochgegangen ist. Für einen Moment hat sich das so real angefühlt." Anna rutscht dichter an ihn. So dicht, dass er ihren stockenden Atem auf seiner Haut spürt. Paul drückt fest ihre Hand, als sie weiterspricht. "Das hat mir Angst gemacht, weißt du? Das war nicht romantisch, zu zweit zu sterben. Es war einfach nur schrecklich. Ich wünsche mir was anderes für uns."

 

Paul schluckt schwer. "Ich mir auch... Kaffee und Schokocroissants und... und uns."

 

Tränen funkeln in den blauen Augen. "Ich will dich nicht verlieren, Paul."

 

"Ich dich auch nicht, Anna. Es tut mir leid, dass ich dir das nicht eher gesagt hab."

 

"Jetzt hast du's gesagt. Das reicht mir."

 

Sie liegen so dicht beieinander, dass kein Blatt mehr zwischen sie passt. Paul spürt Annas Herzschlag und ihre Präsenz wärmt ihn auf eine unbeschreibliche Art und Weise. Sie sind ineinander verschlungen und miteinander verwoben, kleben aneinander wie zwei Magneten. Es ist die längste und schönste Umarmung, gelegentlich tauschen sie die sanftesten Küsse aus, die restliche Zeit über schauen sie sich einfach nur in die Augen.

 

"Anna?"

 

Aufmerksam und so voller Liebe schaut sie ihn an. "Ja?"

 

"Ist es zu früh, dir zu sagen, dass ich dich liebe?"

 

"Nach neun Jahren?" Sie lächelt wieder. "Ach Paul... Ich glaub, das ist genau richtig."

 

"Na dann..." Seine Hand ist wieder an ihrer Wange und streicht liebevoll über die weiche Haut. "Ich liebe dich, Anna. So sehr."

 

"Und ich liebe dich, Paul. So sehr." 

Notes:

Danke fürs Lesen :)