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Das Schneeglöckchen und das finstere Wesen

Summary:

Kalt wie der Winter, so war ihr Herz. Doch was würde passieren, wenn ein gewisses Kind plötzlich in ihr Leben auftauchte?

Notes:

So, erstmal noch nen kleinen shoutout zu meiner süßen mausi tricogarfield auf tumblr, die mir es überhaupt erlaubt hat ihren fabelhaften Headcanon so aufschreiben zu lassen, kuss geht raus an dich 🤭🥰<333

Und zweitens, Rhun ist zwar scary und dark und das alles, sie selbst sagt das sie kein nices Wesen wäre, aber ich hab instantly cap gesmellt direkt als er Julia aus den Brunnen geholfen hatte. Also, haben wir jetzt girl dad Rhun im spiel

Okay, chapter 1 vielleicht nicht so krass aber trust the process bitte leute

Chapter 1: Mitten im tiefen Winter

Chapter Text

“Zahnfee ist kein nices Wesen”


Der Winter hatte sich schneller ausgebreitet übers Land als man es bedenken konnte. Der Wald nun ein einziges Reich dieser Eisigkeit. Überall, wohin das Auge reichte, türmte sich der Schnee in weichen, glitzernden Schichten auf, wie eine Decke, die die Welt unter sich begrub während der Wind, kalt und erbarmungslos, durch die dichten Bäumen pfiff.

Mit ihr brachte sie eine tiefe, unheimliche Ruhe, als wäre der ganze Wald in einem ewigen, kalten Schlaf gefangen.

Und inmitten dieser eisernen Welt stand sie.

Die Kälte störte sie wiederum nicht; sie war selbst ein Wesen der Nacht, der Dunkelheit und des Mysteriums. Der Winter spiegelte lediglich nur das, was sie auch in ihrem Inneren trug. Die langen, finsteren Nächte fühlten sich für sie vertraut an und dienten als hilfreich gegenüber ihre Tätigkeiten.

Der Schnee fiel leise um sie herum, doch das störte sie nicht. Ihr Blick wanderte durch die verschneiten Bäume, aber da war nichts, was ihre Aufmerksamkeit lange fesselte. Nur die endlose, weiße Leere. Ihre Schritte waren leise, fast unhörbar in der Stille, das sanfte Knirschen des Schnees unter ihren Schuhen war das einzige Geräusch das durchbrach.

Eigentlich fühlte sie sich wie zu Hause in diesem kalten Reich, und doch spürte sie heute etwas, das sie nicht benennen konnte. Ein Gefühl von Erwartung, vielleicht, oder eine leise Unruhe, die sie nicht ganz verstand.

Ihr Weg führte sie durch die Dichte hindurch, vorbei an schneebedeckten Sträuchern und Bäumen, die wie schlafende Riesen über ihr wachten. Doch als sie weiterging, durchbrach plötzlich ein schwaches, klagendes Geräusch die Stille.

Ein Weinen.

Für einen Moment fragte sie sich, ob es nur eine Täuschung wäre. Ein Schall, der von den Flüsterungen des Windes erzeugt wurde, doch da war es wieder. Leiser. Es war schwach, kaum hörbar, ihre Schritte stockten, sie hielt inne und lauschte, während der Wind erneut durch die Bäume pfiff und den Klang des Weins kurzzeitig erstickte.

Rhun spürte ein seltsames Zögern in sich aufsteigen. Es war wie ein schwaches Echo, das etwas in ihrem tiefsten Inneren zum Klingen brachte, etwas, das sie längst vergessen hatte.

Langsam setzte sie ihren Weg fort, ihre Schritte führten sie tiefer in den Wald, dem schwachen, fernen Klang folgend. Ihre Augen, kalt wie der Winter selbst, wanderten zwischen den Bäumen hin und her, bis sie schließlich die Quelle des Weinens fand.

Zunächst fiel ihr Blick auf eine Bewegung, ein kleiner, rötlicher Schatten huschte durch. Ein Fuchs. Er bewegte sich mit Leichtigkeit, er schlich vorsichtig um etwas herum, das auf den ersten Blick aussah wie ein verlassener Korb, der im Schnee lag. Rhun beobachtete ihn schweigend von zwischen Bäumen aus. Der Fuchs hatte seine feine Nase dicht an den Korb gedrückt, er schnupperte neugierig.

Der Korb wiederum war klein und alt, geflochten aus dunklen Weiden und halb vom Schnee bedeckt. Doch der Fuchs schien offenbar neugierig zu sein an dem, was sich in dem Korb befand. Sie trat nun ein wenig näher, ihre Augen verengten sich als sie endlich ein klares Bild drauf hatte, es war ein Baby, ein menschen Kind ohne Zweifel. Im Korb lag das kleine in eine dünne Decke gewickelt, ein kleines Frosch Kuscheltier an dessen Seite, während das Weinen, das Rhun hierher geführt hatte, in diesem Moment nur noch ein leises Wimmern war, kaum mehr als ein Hauch in der frostigen Luft.

Sie blieb fast erstarrt, ein Baby das inmitten dieser eisigen Einöde ausgesetzt war, fast erfroren, und dennoch am Leben. Es hatte kaum genug Schutz vor der erbarmungslosen Kälte, und seine kleinen, blassen Hände zitterten in der Luft, als ob es verzweifelt nach Wärme suchte, die es nicht finden konnte.

Nun hatte der Fuchs auch begriffen, dass dies eine leichte Beute für ihn war, so zerrte es mit einem leisen Knurren an dem Korb. Ohne weiter zu zögern, trat sie näher an den Fuchs heran. Das Tier erschreckte sich leicht von ihrer Präsenz, es zeigte seine Zähne, doch Rhun wies kein Zeichen von Angst, „Geh“, befahl sie sanft, doch mit einer unübersehbaren Schärfe in der Stimme. 

Der Fuchs zuckte mit den Ohren, sah sie einen Moment lang an, als ob er überlegte, ob er es wagen sollte, sich zu widersetzen. Doch dann, als hätte er verstanden, dass dies kein gewöhnlicher Mensch war, sprang er lautlos in den Schatten des Waldes und verschwand zwischen den Bäumen.

Nun ruhten seine Augen auf die des Kindes. Die schwachen Bewegungen seiner Hände und das leise Zittern seines kleinen Körpers zeigten, dass es kurz davor war, sich der eisigen Umarmung des Winters zu ergeben. Und doch lebte es noch. Noch immer kämpfte es, wenn auch auf eine hilflose und stille Weise.

Eine einzige Frage brannte in ihr, wer war nur so herzlos, es inmitten dieser unerbittlichen Kälte auszusetzen? Die Menschen waren zu vielem fähig, das wusste sie – ihre Grausamkeit war oft grenzenlos, und ihre barbarischen Neigungen zeigten sich immer wieder. Aber trotzdem, ein Kind, das war etwas anderes. Ein Baby, das noch nicht einmal die Welt richtig gesehen hatte, dem die Zeit und die Möglichkeit verweigert worden waren, sich zu wehren.

Es war nicht ihre Aufgabe, sich um das Schicksal dieses Kindes zu kümmern. Sie hatte keine Verantwortung für die Entscheidungen der Menschen, und dies hier war keine Ausnahme. Rhun war bereits bereit, sich abzuwenden, ihre Schritte fortzusetzen und das Baby seinem Schicksal zu überlassen. Ihr Leben und ihr Leid waren nichts. 

Aber auf einmal zögerte sie. 

Während ihr Verstand sagte, dass es nicht ihre Verantwortung war, konnte sie es einfach nicht über ihr Herz bringen, es so einfach hier zulassen. Der Wind riss an ihrem Mantel.

Zugleich ohne feste Kleidung, es trug nur eine Decke um sich, die bestimmt noch nichtmal dick genug war, um es richtig zu schützen. Der Winter war unerbittlich und zeigte nie Gnade, noch nicht mal für so ein unschuldiges Leben, wenn es so weiterhin der Kälte ausgeliefert war.

Etwas in ihrem Herzen, das seit Äonen kalt und verschlossen war, regte sich. Eine leise, schmerzhafte Regung, sie verstand es nicht, und doch konnte sie es nicht ignorieren. Das Weinen des Babys durchdrang die Kälte ihrer Seele, und bevor sie sich zurückhalten konnte, kniete sie sich nieder vor den Korb. Ihr Zepter ließ sie los, neben dem Korb.

Ihre Augen verengten sich erneut, als sie nun genauer das Kind betrachtete. Es war winzig, ein zitterndes, hilfloses Wesen, das kaum noch die Kraft hatte, weiter zu weinen. Seine Wangen waren rot vor Kälte, und seine kleinen Hände lagen schlaff auf der dünnen Decke. Die Frost um sie herum wurde schwerer, dichter, als ob der Wald selbst die letzte Wärme des Kindes aus saugen wollte.

Und dann geschah etwas.

Das Kind, dessen Augen halb geschlossen und dessen Körper von der Kälte fast starr geworden war, öffnete langsam seine Lider. Ein zarter beweis von Leben in dessen Augen, doch der Blick dazu, so schwach und verletzlich, traf auf Rhuns. Für einen Moment schien die Zeit stillzustehen. Diese kleinen, fast erstarrten Augen sahen sie an, nicht mit Angst, nicht mit Schrecken, sondern mit einer Art unschuldiger Neugier – als ob das Kind, selbst am Rande des Todes, erkannte, dass sie anders war.

Es streckte seine Hände zu ihr aus, die Bewegungen waren jedoch schwach, aber Rhun konnte sehen, wie das Kind versuchte sich ihr zuzuwenden, als würde es nach ihrer Wärme suchen. Seine Finger, klein und zittrig, streckten sich in ihre Richtung. Überrascht von dieser Geste, stockte ihr Atem kurz.

Es war so lange her, seit jemand auf sie zugegangen war, ohne Angst, ohne Furcht.

Ihre Finger zitterten, als sie das Baby vorsichtig berührte, als ob sie sich selbst fürchtete, dass es unter ihr zerbrechen würde. Sie hob es sanft hoch und hielt es näher an sich heran.

Kein Schrei, kein Zittern – nur Ruhe. Das Kind legte seinen Kopf gegen ihre Brust und atmete tief ein, als ob es bei ihr Wärme fand. Ausgerechnet in ihr. Was war dieses Leben in ihren Händen, das es sich noch nicht mal fürchtete.

Sie war beinahe verwundert. Sie hatte damit gerechnet, dass das Baby weiter schreien würde, dass es sie, wie alle anderen, als furchteinflößendes Wesen erkennen würde. Doch das Kind sah sie einfach an, als wäre sie nichts anderes als eine sanfte, schützende Hand.

Das Baby schloss langsam die Augen, es zitterte nicht mehr so heftig, und ein schwaches, kaum spürbarer Atmen kam von seinen Lippen. Und dennoch, hielt Rhun sie in ihren Armen.

Ihre Augen wurden weicher und sie winkelte das Baby fester in die Decke ein. Sie atmete tief durch, als sie eine Hand auf den Rücken des Kindes legen ließ, „Ich bin nicht das, was du suchst“, flüsterte sie, ihre Stimme sanft und rau zugleich. „Aber… ich kann dich auch nicht hier lassen.“

Sie wusste, dass dieses Baby kein Teil ihrer Welt war, kein Kind der Nacht wie sie, aber es lebte noch. Und so lange es atmete, konnte sie es nicht der Kälte überlassen.

Mit einem entschlossenen Atemzug griff sie nach dem Frosch Kuscheltier aus dem Korb, um es mit dem Kind zu legen, wahrscheinlich ein letztes Andenken von ihren Eltern. Sie griff dann nach ihrem Zepter, das noch im Schnee lag, bevor sie sich nun auf den Weg zurück wagte. Bis jetzt hatte sie schon begriffen, dass das Gewicht des Kindes ziemlich leicht war, normalerweise normal für solch ein junges Leben, aber es beunruhigte sie weiterhin, dass es mehr mit Unterernährung zu tun hatte. Wenigstens war es ruhiger geworden, ein einfaches Wimmern blieb nur noch an der Stelle, als der kalte Wind durch die Bäume pfiff.

Der Schnee knirschte unter ihren Füßen, und die Sorge um das Baby blieb. Auch wenn es für sie unpassend schien.

Die kalte Luft, die sie mitgebracht hatte, schloss sie hinter sich aus, als sie die schwere, hölzerne Tür hinter sich schloss. Doch kaum war sie eingetreten, wurde sie direkt von dem nächsten Dilemma begrüßt.

Harry kämpfte tapfer mit einem Besen in der Hand gegen eine Horde von aufgeregten Fledermäusen, die wild durch den Raum flatterten. Normalerweise wohnten die Tiere in dem Keller, doch seitdem der Heizkessel heute morgen förmlich explodiert ist, sind sie vor dem Schreck des Geräusches nach oben gewandert. Es sah dennoch nicht so aus, als ob Harry die Lage schon im Griff bekommen hätte, er fuchtelte wie wild in der Luft herum, doch die Fledermäuse waren viel zu flink für ihn. Mit jedem Schlag verfehlte er sie und brachte stattdessen eine Vase oder einen Kerzenhalter zum Wackeln.

„Harry, lass die Fledermäuse doch in Ruhe! Sie sind nur aufgeschreckt wegen der Heizung!“, rief Minty von der anderen Seite des Raumes, ihre Stimme halb in Panik, halb frustriert. Sie kniete vor der Heizung, die eine Pfütze von Wasser um sich herum bildete. Mit einem Schraubenschlüssel in der Hand und zerzausten Haaren versuchte sie hektisch, das Leck zu stopfen.  

„Wenn du nicht gleich aufhörst machst du nur noch mehr kaputt!“ schrie Ray zurück, als er auf dem Tisch der Rezeption mit einer Anleitung vor sich saß.

Rhun hob leicht die Augenbraue, doch war dennoch nicht überrascht über das wilde Spektakel, zum Glück hausten sie keine Gäste über den Winter, die das hier mit ansehen mussten. Und dazu musste sie noch genau in der Mitte von all dem stehen, mit einem Baby in den Armen.

Er räusperte ein wenig, um ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen, da sie bis jetzt ihn überhaupt noch nicht bemerkt hatten. Minty, die immer noch mit der Heizung beschäftigt war, blickte auf, “Zahnfee!” Sie sprang, mit dem Schraubenschlüssel in ihrer Hand, die sie dann aber auch schnell weg warf über ihren Rücken, als sie lächelte. Während Harry den Besen niedergelassen hatte und die Fledermäuse in den nächsten Raum flogen.

“Habt ihr den Heizkessel repariert?” fragte sie in ruhigem Ton und ließ ihren Blick zwischen Minty und Harry wandern.

“Ich wünschte,” stöhnte Minty und hob eine Hand zu ihrer Stirn in verzweiflung, “er spinnt immer noch total verrückt, Ich hab schon alle Hebel bewegt, aber es funktioniert einfach nichts!”

Ray erwähnte dazu, “Also ich wäre immer noch dafür dass wir einen Elektriker rufen”

Minty verdrehte die Augen “Ja klar,” erwiderte sie sarkastisch. “Und dann am Ende fragt er uns, warum der Ofen ihn immer versucht zu beißen.”

“Wenigstens wäre jemand der sich auskennt mit Heizungen besser als jemand der ohne Plan einfach versucht auf alles drauf zu hauen", sagte Ray, während er sich das Chaos ansah, das Minty hinterlassen hatte. Ein paar Schrauben lagen verstreut, und eine halboffene Rohrverbindung tröpfelte weiterhin Wasser auf den Boden.

Minty zog eine Grimasse, als sie bereit war, sich wieder der Reparatur zu widmen. Doch dann blieb ihr Blick an Rhun hängen, genauer gesagt auf das, was sie in ihren Armen hielt. Ihr Gesicht erstarrte, und sie öffnete den Mund, um etwas zu sagen, brachte aber nur ein ungläubiges „Uh… Zahnfee… was…?“ heraus.

Harry drehte sich ebenfalls um und starrte Rhun an, seine Augen weiteten sich, als er das Baby in ihrem Arm sah. „Ein Baby?!“ fragte er fassungslos, als ob er nicht sicher war, ob er seinen Augen trauen konnte. “Was?!” Schrie es von Ray.

Rhun trat einen Schritt nach vorn, das Baby fest an ihre Brust gedrückt, “Ich habe es im Wald gefunden", erklärte sie hastig. “Wahrscheinlich ausgesetzt.”

„Wasser, Heizung, Fledermäuse… jetzt auch noch ein Baby?“, murmelte Ray. „Das ist wirklich nicht unser Tag.“

Harry und Minty hatten schon längst über eigene Aufgaben vergessen, als ihre Augen auf das Baby fielen, sie traten näher um es genauer anzusehen. “Oh mein Gott…”, flüsterte Minty. Ihre sonst so energiegeladenen Bewegungen wurden plötzlich zärtlicher, als sie das blasse, kleine Gesicht des Babys betrachtete. “Wer würde denn ein Baby so im Wald zurücklassen?”

“Ihr wisst wie Menschen sind,” sprach sie, “Es hätte eh nicht überlebt, wenn ich es dort länger gelassen hätte.” Minty schüttelte fassungslos den Kopf, als sie sich vom Anblick des Kindes endlich losreißen konnte. Doch ein zärtliches Lächeln legte sich auf ihre Lippen, als sie sah, wie das Baby, wenn auch nur schwach, den Kopf leicht drehte und sich mehr gegen Rhuns Brust lehnte.

“Wir müssen es erstmal warm halten," sagte sie knapp. Minty nickte sofort und setzte sich in Bewegung, “Der Kamin im Aufenthaltsraum ist noch an,” erwähnte sie, als die zwei bereits auf dem Weg zum Raum waren, während Harry und Ray sich noch um die einzelnen Probleme kümmern.

Als sie den Aufenthaltsraum erreichten, spürte Rhun sofort die sanfte Wärme, die von dem brennenden Kamin ausging. Er selbst war wie eine laufende Leiche, doch auch er neigte ab und zu zu der zarten Wärme. Die Flammen brannten hell, ein flackerndes Licht, das den ganzen Raum gemütlicher wirken ließ, anders als der Rest des Hotels. 

Minty, die schon auf den Beinen war, eilte zu einem Schrank und holte dicke Decken hervor, während sie gleichzeitig das Feuer im Kamin schürte, um es zu verstärken. Sie legte erst eine weiche Decke auf einem Sofa nah am Feuer nieder, bis sie dann der Zahnfee half, das Kind aus der dünnen Decke zu nehmen und es neu zu verwickeln in den dickeren. An diesem Punkt konnten sie nun auch endlich feststellen, dass es sich hierbei um ein Mädchen handelte, „Das wird fürs Erste helfen bis wir den Heizkörper repariert kriegen.“ Die Flammen loderten höher und die wohlige Wärme begann, den Raum noch mehr zu durchdringen.

Die Zahnfee lag es vorsichtig auf dem Sofa nieder, das Kuscheltier direkt zu ihrer Seite während die kleinen, blassen Hände von ihr immer noch leicht zitterten, aber sie schien nun ruhiger zu werden, als die Wärme des Kamins sie langsam umhüllte. Minty beugte sich über das Kind, ihre Augen voller Mitgefühl. „Armes kleines Mädchen…”

Rhun hatte sich in diesem Moment auch erstmal ausgezogen, er warf seinen Mantel und Hut auf einem Sessel, währenddessen er sein Zepter gegen ein Regal stelle. Er nahm einen Platz, direkt neben das Baby auf dem Sofa ein, seine Hand fuhr vorsichtig über die Stirn des Kindes, um zu spüren, ob die Kälte nachließ. „Sie wird eine Weile brauchen, bis sie sich wieder erholt“, murmelte Rhun leise, als sie das Gesicht des Babys betrachtete, das jetzt etwas entspannter wirkte, da die Wärme des Feuers begann, ihren Körper zu durchdringen.

„Was machen wir, wenn es nicht…“, begann Minty ihre Stimme zögerlich, doch Rhun unterbrach sie sofort.

„Es wird überleben“, erwiderte er mit eiserner Entschlossenheit. „Ich habe es nicht aus dem Wald gerettet, um es jetzt sterben zu lassen.“ Minty sah kurz zu Rhun, und ein schüchternes Lächeln spielte auf ihren Lippen, sie seufzte, bevor ihr etwas wieder einfiel und sie sich so aus dem Raum bewegte, “Da fällt mir noch was ein, Ray meinte das wir irgendwo noch ein altes Heizgerät hätten. Könnten wir auch gut fürs Baby benutzen bis die Heizungen wieder laufen” Mit diesen Worten verschwand sie schnell aus dem Raum, ihre Schritte hallten durch die stillen Korridore des Hotels.

Nun blieb sie hier allein mit dem Baby. Die Stille des Raumes hüllte sie ein, nur das sanfte Knistern des Kamins war zu hören, und das leise Atmen des kleinen Mädchens, das in den warmen Decken lag. Es schien nun so friedlich, fast erhaben von der Wärme, die das Feuer ihr spendete. Trotz dieser Ruhe blieb Rhun nervös.

Das Kind vor ihr war ein Mensch, eindeutig. Und Menschen waren nicht ihre Angelegenheit. Sie hatte schon genug mit ihnen ausgemacht, also was sollte so anders mit diesem sein? Diese Zerbrechlichkeit, diese Hilflosigkeit, die dieses kleine Wesen ausstrahlte, widersprach alles, was sie von dem Volk gedacht hatte. Leider war es aber auch nicht das erste Mal, wozu sie Zeuge war, zu wissen, dass jemand solch ein frühes Leben einfach wegnehmen konnte.

Im Schein des Feuers bewegte sich das Baby. Die Decke um ihr herum fiel leicht ab, und langsam öffneten sich ihre kleinen Augen. Sie konnte es spüren, dieses seltsame Gefühl, als die großen, unschuldigen Augen sie direkt anblickten. Für einen Moment trafen sich ihre Blicke – das kalte Wesen der Dunkelheit, wovon sich jeder in Acht nahm und das hilflose, neugierige Kind.

Plötzlich streckten winzigen Hände aus, zu ihr, in Rhuns Richtung, als ob sie spüren konnte, dass er sie gerettet hatte. In der Umhüllung aus Decken lag es da, wehrlos und dennoch mit einem Vertrauen, das Rhun verwirrte. Diese kleinen, zerbrechlichen Finger reichten nach ihr, als ob sie Halt und Schutz suchten. Ein unbewusster Impuls, ein Vertrauen, das sie nicht verstehen konnte. 

So erstarrte Rhun. Sie blickte auf die ausgestreckten Hände des Babys, als ob sie etwas Bedrohliches wären, aber es war etwas anderes, das sie innehalten ließ. Die Erwartung in diesen kleinen Augen, die sich zu ihr aufrichteten, traf sie in einer Weise, die sie nicht erwartet hatte. Sie wusste nicht was sie tun sollte und dennoch schien es, als ob das Baby von ihr etwas verlangte, das sie nicht benennen konnte.

Vielleicht war es Mitleid, oder vielleicht etwas Tieferes, das sie nicht verstand, aber bevor sie es richtig begreifen konnte, hatte Rhun ihre Hand von selbst bewegt. Zögerlich und unsicher, als ob sie mit einem Wesen umging, das sie nicht berühren sollte, näherte sie sich den winzigen ausgestreckten Fingern.

Und dann geschah es.

Das Kind griff nach ihr, ihre kleinen, warmen Finger schlossen sich sanft um ihren eigenen. Sie beruhigte sich fast wie im Augenblick, als hätte sie endlich den Halt gefunden, den sie die ganze Zeit gesucht hatte. Ihr Atmen wurde ruhiger, regelmäßiger, und ein leises Seufzen entwich den schmalen Lippen, während es sich noch enger in die Decken kuschelte, als ob sie genau wusste, dass sie ihm Schutz bieten würde.

Dennoch blieb Rhun regungslos. Überwältigt von der Einfachheit dieses Moments, das kleine menschliche Wesen, so schwach und zerbrechlich, hielt sich an ihr fest, als ob es nichts für sie wäre. Als ob sie noch keine wahre Angst entwickelt hätte.

„Was mache ich nur mit dir?“ murmelte Rhun leise, ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, und dennoch schien die Frage in der stillen Luft des Raumes zu hängen. Es war ein Zweifel, der tief in ihr verankert war, ein Schatten, der sie daran erinnerte, wer sie in Wahrheit war. Aber das Baby, als ob sie ihn verstehen konnte, lächelte nur sanft, wer weiß ob sie ihn damit ermutigen wollte.

„Ich sage nur, es ist keine gute Idee!“ Rays Stimme hallte durch die alten Wände des Hotels, deutlich genervt. „Wir sind keine Kinderpfleger, und ehrlich gesagt, haben wir nicht mal die Zeit dafür.“

Minty, die offensichtlich weniger geneigt war, dem zuzustimmen, erwiderte, „Und was sollen wir deiner Meinung nach tun? Sie wieder aussetzen? Sie ist nur ein kleines Kind, Ray, kein Paket, das wir einfach abgeben können!“

„Das ist nicht unser Problem!“ fauchte Ray zurück, als er weiter rollte, während Minty versuchte mit ihm mitzuhalten. „Wir haben genug hier zu tun. Es ist schon schwer genug, das Hotel aufrechtzuerhalten, und jetzt soll noch ein Kind dazu kommen?!”

Die zwei hatten gerade den Aufenthaltsraum erreicht, als Minty nun ihre Hände auf ihren Hüften legte, “Bitte, dann sag du es ihr doch.” spottete sie, als Ray einfach so weiter ins Zimmer rollte, bis er schließlich die Couch erreichte.

„Was ist denn los?“ fragte Rhun kühl und sah die beiden an. Der Totenkopf hatte sich schon auf die Lehne eines Sofas gestellt, bevor er weiter fuhr, “Sie können das doch nicht wirklich ernst meinen, wir können dieses Kind doch nicht behalten?!”

Rhun blieb wiederum erstmal still, als er nicht erwartet hatte, dass sie so schnell ins Gespräch darüber gehen müssten. Minty brach als Erste das Schweigen. „Aber was dann, wenn wir sie nicht behalten können?” Ihre Stimme war leise, fast zögerlich, als sie auf das in Decken gewickelte Baby starrte, das sich nun friedlich in Rhuns Armen befand. Sie alle hatten sich nach kurzer Zeit wieder versammelt, um die ganze Sache zu überdenken, selbst Harry, jeder von ihnen mit einem anderen Ausdruck gegenüber der Situation.

„Zur Klarstellung, wir sind keine Sterblichen, das hier ist überhaupt nicht mal unsere Verantwortung", sprach Ray, als er sich zurecht hielt.

“Und dazu wissen wir noch nicht mal wie alt sie ist.” widersprach Minty.

„Sechs Monate“, kam es prompt von Harry, der bislang still geblieben war.

Minty blinzelte ihn überrascht an. „Sechs? Woher willst du das denn so genau wissen?“

Harry zuckte beiläufig mit den Schultern. „Harry hatte mal Praktikum als Hebamme gemacht.“

Minty öffnete den Mund, um zu antworten, aber schloss ihn dann wieder, als ihr Blick zu Rhun und dem Baby glitt. „Huh..Na gut, aber... Selbst wenn wir sie behalten würden, würde es auch nicht lange dauern, bis sich ihr Verstand entwickelt hat.” meinte Minty schließlich, ihre Stimme klang fest, aber man konnte die Unsicherheit dahinter spüren, „Und dann wird sie auch erkennen, dass wir anders sind."

Ray, sprach wiederum schnell „Und genau deswegen sollten wir sie zurück zu den Menschen bringen. Bestimmt sucht jemand nach ihr schon”

Rhun schüttelte den Kopf. „Niemand, der ein Kind so im Wald aussetzt, würde nach ihr suchen. Sie wollten dass sie stirbt.“

Nun blieb der Raum still, das Mädchen, wovon sie sprachten konnte nicht mehr in Frieden ruhen, als sie nichts von dem bemerkte was um ihr rum geschah.So zerbrechlich, so klein. Rhun wusste, dass ihre Helfer in gewisser Weise recht hatten, aber irgendetwas in ihr sträubte sich gegen den Gedanken, dieses kleine Wesen einfach wegzugeben, nachdem er sie gefunden hat. Was es auch immer war.

Harry trat näher, seine Stirn leicht gerunzelt. „Harry denkt aber selbst das sie keine Angst vor uns hat, schaut sie an” Er deutete auf das Baby, das mit ihren winzigen Fingern an der Kleidung von Rhun klammerte, „Sie vertraut dir, Zahnfee.”

Das war es. Wie es so bewusst in ihr Vertraute, obwohl sie ihn noch nicht mal kannte. Er hätte genauso wohl ein schnelles Ende geben können, doch trotz all dem schien sie zu ihm zu weichen, selbst beim ersten Anblick im Wald hatte sie eine gewisse Verbundenheit mit ihm gebildet. Er konnte sich nur wild gegen die Wand hauen, über was dieses kleine Wesen nur mit ihm angetan hatte.

Ray seufzte und schüttelte sich. „Das ist ein Baby, Harry. Es hat keine Ahnung, in wessen Hände es geraten ist.“

„Trotzdem“, widersprach Minty leise, „wenn wir sie jetzt einfach weggeben, könnten wir sie in die Hände derer zurückbringen, die sie ausgesetzt haben. Vielleicht wäre es doch besser, wenn wir sie in einem Waisenhaus unterbringen könnten."

Mintys Stimme hallte noch im Raum nach. Die Worte trafen Rhun wie ein Schlag. Wie in einem Strom, schossen Erinnerung durch ihren Kopf – Erinnerung, die sie schon längst verdrängt hatte. 

Bilder aus einer Zeit, die sie tief vergraben hatte. Kalte, steinerne Wände. Das monotone Murmeln der Gebete. Die harten, formlosen Gesichter der Nonnen im Kloster, die nie ein Lächeln zeigten, sondern nur strenge Befehle. Endlose Schmerzen, die er erlitten musste, das dumpfe Echo vom Geschrei seiner Brüder. Die Isolation.

Sie erinnerte sich an das Gefühl, verloren und verlassen zu sein, in den Mauern eines Ortes, der kein Zuhause war, sondern ein Gefängnis. Und sie erinnerte sich daran, wie es war, von denen verstoßen zu werden, die ihn hätten beschützen sollen.

Und jetzt sollte er diesem Kind denselben Schmerz aussetzen? Sie selbst würde dort nichts verstehen, allein in dieser Welt, die sie nicht kannte, genau wie er es einst gewesen war. Es war ein Gefühl, das sie nicht noch einmal durchleben konnte – und auch nicht zulassen konnte.

Rhun schloss für einen Moment die Augen, um die aufsteigenden Bilder zu vertreiben, aber es gelang ihr nicht ganz. Ihre Stimme, als sie schließlich sprach, klang leise, aber fest. „Wir geben sie nicht ab”

Minty und Ray tauschten einen verwirrten Blick aus, „Aber-.. Aber warum nicht? Das wäre doch das Beste für sie, oder?“ sprach Minty.

Rhun öffnete langsam die Augen, und ihr Blick war kühl, aber tief in ihrem Inneren brannte etwas Starkes, Unausgesprochenes. „Sie bleibt erstmal bei uns.”

„Wir kümmern uns um sie,“ fuhr Rhun fort, ohne zu zögern. 

“Ich bin mir nicht so sicher darüber,” begann Ray vorsichtig, “Babys sind .. na ja, viel Arbeit und keiner von uns hat überhaupt Erfahrung. Außerdem haben wir uns ums Hotel zu kümmern und nicht zu vergessen–”

„Ich behalte sie“, unterbrach Rhun ihn fest entschlossen.

Ray öffnete den Mund, um etwas zu erwidern, doch er schloss ihn wieder in gleicher zeit, als er den entschlossenen Ausdruck in Rhuns Augen sah. Es war klar – egal, welche Argumente sie noch bringen könnten, ihr Boss hatte ihre Entscheidung längst getroffen.

„Gut,” murmelte er schließlich und ließ sich auf den Boden fallen, „Aber beschwert euch nicht bei mir, wenn das Baby dann nächtelang nur rumschreit", sagte er, bevor er aus dem Raum rollte.

Minty, die sich immer noch nah am Kamin aufhielt, beobachtete Ray kurz und schüttelte dann den Kopf. Ihr Blick fiel wieder auf das Baby, das friedlich in Rhuns Armen schlummerte. Sie konnte ein Lächeln nicht unterdrücken, auch wenn sie sich noch unsicher über die ganze Situation fühlte, sie konnte sich dennoch ihrem Boss anschließen, wenn sie das für richtig hielt, denn würde es auch so sein, “Wo soll sie denn überhaupt schlafen, Zahnfee?” sagte sie leise, als die meisten der freien Zimmer, wo sie nicht Gäste darin hausten, auch ziemlich hart getroffen wurden von den gebrochenen Rohre.

“Bei mir. Für die Zeit wenigstens.” antwortete sie ruhig.

Minty warf ihm einen Blick zu. „Oh.. Wäre das denn wirklich das Beste?"

„Es ist nur vorübergehend,” erwiderte Rhun knapp. “Und außerdem scheint es, dass sie nicht gerade weg will.” Er lächelte kurz, sein Blick senkte sich nun wieder zu dem Mädchen, die nun lautlos tief im Schlaf versenkte.

Minty schien noch etwas sagen zu wollen, doch sie hielt inne, fokussierte den Blick auf ihren Boss, bevor sie sich vorbeugte, “Und? Wie sollen wir sie nennen?”

Rhun wiederum brauchte keinen Moment, um lange darüber nachzudenken, sein Blick noch gerichtet auf das Mädchen, als er mit einem sanften Finger ihre Wange rieb. “Eirlys”