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Bob fuhr mit seinem Finger über die Gravur des Vorhängeschlosses in seiner Hand. Ihre Namen und darunter das Unendlichkeitszeichen. Die Linie war von einem Herz unterbrochen. "Ein bisschen albern komm ich mir ja schon vor", sagte er und lächelte Peter zu. Theatralisch legte dieser die Hand aufs Herz, als wäre er dadurch zutiefst verletzt. "Dieses Zeichen unserer ewigen Liebe bedeutet dir also rein gar nichts?" Bob lachte und schüttelte den Kopf. "Du bist doof." Peter lehnte sich etwas näher und ihre Nasenspitzen berührten sich beinahe. "Vielleicht, aber du liebst mich trotzdem." Der dritte Detektiv näherte sich seinem Freund noch mehr. "Das stimmt wohl." Mit seiner freien Hand griff er nach Peters, verschränkte ihre Finger und küsste ihn kurz.
"Dann lass uns das Monument unserer ewigen Liebe an diesem wunderschönen Drahtzaun anbringen." Sie standen oben auf den Klippen vor einem der Befestigungszäune. Unter ihnen peitschten die Wellen gegen die roten Felswände. Bob führte den Bügel des Schlosses durch eine der Maschen und drückte ihn zu. Er reichte Peter den Schlüssel und sie gingen Hand in Hand ein Stück weiter bis der Zaun aufhörte.
Für einen Moment schloss Bob die Augen und atmete tief ein. Er schmeckte das Salz in der Luft und konnte die Möwen kreischen hören. Die Sonne brannte auf seinen Augenlidern. Es war ein perfekter Sommertag. Ein perfekter Tag für ihr Einjähriges. Peter hatte die Idee mit dem Schloss gehabt. Eigentlich fand Bob sowas albern. Spätestens in fünf Jahren würde die Stadtverwaltung jemanden schicken, der die Schlösser entfernte. Außerdem reichte ihm völlig aus zu wissen, dass sie sich liebten. Da brauchte er keine kitschigen Bräuche, aber er konnte seinem Freund diesen Wunsch ja doch nicht abschlagen.
Er öffnete die Augen und schaute zu Peter herüber. Dieser grinste ihn breit an. Bob konnte sich einfach nur glücklich schätzen. Der zweite Detektiv holte aus und warf den Schlüssel in den Ozean. Danach zog er Bob an sich heran und küsste ihn.
???
Bob fuhr mit seinem Finger über die Gravur des Schlosses. Das Unendlichkeitszeichen glühte geradzu mit Hohn. Nichtmal vier Jahre hatte ihre Beziehung überlebt. Und das Schlimmste war, dass keiner von ihnen wirklich die Schuld daran trug. Oder vielleicht waren sie beide gleichermaßen an der Misere Schuld.
Bob hätte weniger arbeiten sollen. Peter hätte seine Unzufriedenheit darüber kommunizieren sollen bevor er explodierte. Bob hätte ruhiger darauf reagieren sollen. Sie beide hätten den Streit nicht so eskalieren lassen sollen. Peter hätte nicht einfach gehen sollen. Und es wäre definitiv freundlich gewesen, wenn er wenigstens eine der 37 Nachrichten beantwortet hätte. Noch freundlicher wäre es gewesen, wenn Bob auf dem Heimweg nicht an einem Café vorbeigekommen wäre und Peter dort nicht ausgerechnet mit Kelly hätte sitzen sehen müssen.
Der dritte Detektiv schüttelte den Kopf. Es half ja alles nichts. Ändern konnte er es nun nicht mehr. Sie hatten in ihrem letzten Streit, nachdem Peter wieder nachhause gekommen war, zu viel gesagt, das sie nicht mehr zurücknehmen konnten.
Bob ließ das Schloss los und atmete tief ein. Der kalte Wind zog an ihm vorbei. Die Wellen krachten laut auf die Klippen. Er hörte die Möwen, ihr Kreischen schien ihn schon fast auszulachen. Auch die Sonne hielt sich heute bedeckt. Der Himmel war mit grauen Wolken verhangen.
Der dritte Detektiv zog an dem kleinen Vorhängeschloss. Er hoffte, dass der Bügel von der Meeresluft durchgerostet war. Er zog erneut und hielt mit einem Mal das Schloss in seiner Hand. Ein weiterer Beweis seiner gescheiterten Beziehung. Ebenso wie die Ringschachtel, die in der untersten Schublade seines Teil des Schrankes versteckt war. Die Reservierung im 71Above sollte er jetzt wohl auch absagen.
Für einen Moment stiegen ihm die Tränen in die Augen, doch er blinzelte sie weg. Nicht jetzt. Erst müsste er das hier hinter sich bringen. Dann könnte er wieder zu ihrer seiner Wohnung fahren, sich im Bett verkriechen und weinen bis seine Augen keine Tränen mehr produzieren konnten.
Bob lief den schmalen Pfad entlang zu der Stelle, an der Peter damals den Schlüssel ins Meer geworfen hatte. Es fühlte sich nur richtig an, dass das Schloss im gleichen Schlick versinken würde. Er warf so weit er konnte und sah wie das Zeichen ihrer ewigen Liebe im Pazifik versank.
