Work Text:
Eigentlich war ich kein sonderlich geselliger Mensch. Doch als ich, mit dem Ziel, meine Forschungen zu verbessern, an die Orte der Erde reiste, an denen eigentlich keine Menschenseele überleben konnte, und dort einen Mann alleine durch die Kälte wandern sah, musste ich diesen einfach bitten, mitzukommen. Ich wollte schließlich kein Leben auf dem Gewissen haben. Der Mann hatte keine Haare und trug einen viel zu kalt wirkenden Anzug, der um ihn herum flatterte. Nur etwas Leder schien vergeblich zu versuchen, ihn zu wärmen. Ich lud ihn ein, mit mir zu reisen, da er aussah, als würde er bald erfrieren. Doch zu meinem Erstaunen ging er nicht sofort auf meine Hilfe ein. Stattdessen fragte er mit letzter Kraft, wer ich sei und wohin ich reisen würde.
“Wer ich bin, ist nicht weiter wichtig, ich bin hier sowieso nur ein Fremder. Und ich reise nur zu Forschungszwecken.”
Diese Antwort schien ihm zu genügen, denn er begab sich müde auf mein Gefährt und brach nach kurzer Zeit dort zusammen.
Nach einem Tag, an dem ich ihn so gut es ging vor Wind und Wetter geschützt hatte, erwachte er und aß ein wenig Suppe, die ihm guttat.
Es vergingen noch drei weitere Tage, bis ich mich traute, ihn zu fragen, was ihn hierher führte. Er erzählte, er habe die größten Grauen gesehen, größer, als es sich ein Mensch je vorstellen konnte, und ich bat ihn, mir seine Geschichte zu erzählen:
Als ich an die Universität ging, um einige Jahre zu studieren, waren meine Brüder von diesem Vorhaben nicht sonderlich begeistert. Sie waren der Meinung, das Studium einiger Naturwissenschaften, doch insbesondere der Naturphilosophie wäre für mich nicht von Nutzen. Doch da ich sowieso der älteste unserer Familie war, entschied ich mich kurzerhand, in weiter Ferne eine Universität zu besuchen. Zudem hatte ich schon länger die Werke der Naturphilosophen der Antike studiert, obwohl die Nonnen mir in einem Federstrich davon abrieten. Hätten sie mir damals den Grund genannt, dass diese Theorien schon lange veraltet seien, hätte ich ihnen vermutlich geglaubt und mich stattdessen der Mathematik oder anderen Wissenschaften gewidmet. Doch gerade weil sie mir keinen stichhaltigen Grund lieferten, laß ich immer weiter.
Meine Brüder und ich waren zwar in gegenseitiger Gesellschaft und Wertschätzung füreinander aufgewachsen, doch die Nonnen, die uns aufgezogen hatten, erlaubten uns keinen Kontakt zu anderen Menschen. Das führte dazu, dass ich sehr zurückgezogen lebte. Nur meine teuerste Iris, die ich ohne das Mitwissen der Nonnen traf, war mir von höchstem Wert.
Sogar so stark, dass, als sie in der heißen Glut des Feuers vor meinen Augen zu Asche wurde, ich ihren Leichnam bei mir behielt, weil ich nicht von ihr ablassen konnte.
Iris verstarb, als ich mich schon zur Abreise bereit machte, was unweigerlich und offensichtlich dazu führte, dass ich diese um mehrere Wochen verzögern musste. Ich trauerte Tag und Nacht um meine Geliebte. Anfangs war es mir fremd, sie nicht mehr da zu sehen, wo sie zuvor doch immer gewesen war. Doch nach einer Weile verflog das anfängliche Gefühl der Fremde, und noch tiefere Trauer setzte ein. Ich schwor mir, niemals mehr einen Liebsten zu verlieren. Wobei nun klar ist, dass mein Schicksal mich damit zu den größtmöglichen Irrungen führen wollte.
Als ich die Universitätsstadt mit dem Zug erreichte, war ich erst einmal eingeschüchtert von der unglaublichen Masse an Menschen, die hier scheinbar zeitgleich zu verkehren schienen. Dies war ich ganz und gar nicht gewohnt, denn bei meinen Brüdern ging es zwar nicht ruhiger zu, doch waren wir uns sehr vertraut. Hier dagegen konnte von Vertrautheit nicht die Rede sein.
Trotz dessen richtete ich mich in meiner Wohnung ein und bevor ich meine erste Vorlesung besuchte, stattete ich einigen meiner Professoren einen Besuch ab.
Der erste, den ich traf, war ein Mann fortgeschrittenen Alters, der in erster Linie Biologie unterrichtete. Er überragte mich fast um die Größe eines Kopfes und hatte noch den Anschein einiger grauer Haare.
Ich stellte mich ihm vor und er stellte mir zugleich einige Fragen, wahrscheinlich um zu sehen, wie viel er denn von mir erwarten könnte.
Ich beantwortete diese frei heraus und der Professor schien zufrieden mit mir. Aber ich erwähnte auch, welche antiken Naturphilosophen ich studiert hatte und als ich deren Namen aussprach zuckte er merklich zusammen und fing daraufhin an, mir lang und breit zu erklären, dass die Theorien, die sie vor langer Zeit aufgestellt hatten, mittlerweile bewiesen falsch waren. Dabei ließ er mich nicht einmal erklären, dass ich selbst schon herausgefunden hatte, wie falsch diese einst so großen Männer eigentlich lagen.
Danach schrieb er mir noch eine Liste mit allen Büchern, die er mir empfahl, für seine Lektionen zu lesen. Und er merkte an, dass die Zeit, die ich antiker Naturphilosophie gewidmet hatte, nun für immer verloren war und ich einiges aufholen müsste.
Doch am Ende unseres Gespräches erzählte er mir von einer befreundeten Professorin, die auch hier unterrichtete und empfahl mir, sie demnächst aufzusuchen.
Also tat ich dies gleich im Anschluss.
Sie ging gerade zu einer Vorlesung in den Hörsaal und so blieb ich ebenfalls, um ihr zuzuhören. Die Professorin lehrte in erster Linie Chemie und war auch sonst auf ganzer Ebene anders als der Professor, mit dem ich mich gerade unterhalten hatte.
Ihre erste Lektion war eine Einführung in die moderne Chemie, von der sie ganz und gar eingenommen schien. Sie erzählte davon, dass sie sich in der Professur auf Chemie konzentrieren würde, weil diese die Wissenschaft mit dem größten bisherigen Fortschritt und zugleich dem größten Potential für gänzlich neue Erkenntnis war.
Und selbst als ich nach der Vorlesung zu ihr ging und mich, auch mit dem, was ich vorher Jahre lang studiert hatte, vorstellte, wurde sie nicht ausfallend, wie ihr Kollege zuvor. Im Gegenteil, sie plädierte dafür, dass alles, was von modernen Wissenschaftlern erreicht wurde, auch darauf zurückzuführen ist, was kluge Köpfe der Antike geleistet haben.
Sie meinte außerdem, die Wissenschaftler und Alchemisten der Vergangenheit hätten zwar alles versprochen und nichts davon erreicht, der Stein der Weisen war ja nie gefunden worden, aber ohne ihren Ehrgeiz hätten sich die heutigen Wissenschaftler niemals so weit vorwagen können. Auch wenn die Vorstellung der eigenhändigen Erschaffung des Lebens nun deutlich unrealistischer schien als noch vor einigen hundert Jahren.
So lebte ich mich nach und nach ein und selbst die Menschenmassen störten mich irgendwann nicht mehr. Am Anfang ging ich mit schwankendem Enthusiasmus zu den Lektionen, aber irgendwann, als ich selbst zu forschen begann, steigerte sich mein Wille, Neues zu entdecken. Ich baute eigenhändig Maschinen zur Erforschung von Atomen und faszinierte mich immer mehr für einige Wissenschaftler, von denen die Chemieprofessorin erzählte. Diese sollten versucht haben, gänzlich totes Material mit Hilfe von Stromstößen wiederzubeleben.
Ich hatte sogar das außerordentliche Glück, einem dieser Versuche beizuwohnen. Hier versuchte der Wissenschaftler eine Makkaroni, die sich in einer kastenförmigen Vorrichtung befand, mit elektrischen Schlägen zum Bewegen zu bringen. Das klappte zwar, doch sie wackelte nur unwillkürlich in alle Richtungen. Obwohl ich diesem Versuch wenig abgewinnen konnte, faszinierte mich die Idee dahinter.
Und natürlich konnte man keine Nudel zum Leben erwecken, diese war ja noch nie lebendig gewesen. Aber wie war das wohl bei einst lebendigem Material?
Ich schob den Gedanken vorerst beiseite, weil ich anderes zu tun hatte. Wenn es doch nur dabei geblieben wäre..
Meinen Brüdern schrieb ich natürlich auch hin und wieder Briefe, wie ich es ihnen vor der Abreise versprochen hatte.
Wir pflegten regen Kontakt und ich erzählte ihnen von meinen Forschungen und dem Alltag an der Universität. Sie erzählten mir, wie es ihnen zuhause erging und was sie alle jetzt machten.
…
Mittlerweile hatte ich zwei Jahre an der Universität verbracht und entwickelte noch bessere eigene Maschinen und Verbesserungen für bereits bestehende. Auch die Lektionen der Professoren hatten sich auserzählt und ich beschloss, dass es nichts mehr gab, was ich hier noch lernen konnte. Ich entschied mich eigentlich dafür, wieder zu meinen Brüdern zurückzukehren, doch dann packte mich eine neue Leidenschaft.
Der menschliche Körper.
Wie besessen war ich davon, zu erfahren, ob es denn möglich sei, diesen mit Elektromagnetismus wiederzubeleben.
Grabstätten hatten noch nie eine besondere Wirkung auf mich. Und so kam es, dass ich einen Großteil meiner Tage und Nächte dort verbrachte. Ich tat unsägliches und entnahm Leichen ihren Gräbern, versuchte Ascheteilchen mit gezielten Stromschlägen wiederzuerwecken und machte dabei auch nicht vor dem Getier, das sich dort herumtrieb, halt.
Ich muss unendlich viele Kleintiere für meine Experimente genutzt haben.
Diese Zeit verschwimmt und wird in meinem Kopf zu einer breiartigen Masse, die nur durch die absolute Besessenheit und mein Ziel geleitet war:
Die Überwindung der Sterblichkeit.
Und tatsächlich begab ich mich weiter über die Grenze der Möglichen hinaus, als es je irgendjemand geschafft hatte. Es war mir nun möglich, tote Mäuse und Ratten wieder ins Leben zu holen.
Bei diesem Punkt hätte ich es einfach belassen sollen. Das allein wäre schon eine Sensation gewesen, hätte mich weltbekannt gemacht..
Doch mein abscheuliches Schicksal hatte andere Dinge mit mir vor.
Ein Brief meines Bruders Klaus erreichte mich. In diesem stand, dass mein Bruder Fips erstochen wurde. Entsetzen überkam mich und ein eiskalter Schauer lief mir den Rücken herunter.
Doch dieses Mal war da noch ein anderes Gefühl. Eines, dass sich fast freudig, ach, was sagt ich, fast wie Euphorie anfühlte. Augenblicklich schreckte ich vor mir selbst zurück. Nur war das nicht möglich, ich war in diesem Körper, der diese Gefühle empfand, gefangen und konnte mich von meinen Empfindungen ab diesem Zeitpunkt nicht mehr lösen.
Natürlich hatte ich Fips geliebt, keine Frage, er war immerhin mein Bruder. Das, was ich hier tat, war für mich zumindest ein Zeichen der Liebe, auch wenn es im Nachhinein nicht mehr so aussah.
Ich bat Klaus inständig, Fips Leichnam zu mir nehmen zu dürfen. Dabei argumentierte ich damit, dass es hier sehr schöne Friedhöfe gab und ich die Blumen an seinem Grab jeden Tag gießen würde.
Nachdem ich mit dem Zug zurück in die Heimat gefahren war und Fips Beerdigung besucht hatte, argumentierte ich Stunden lang mit meinen Brüdern, damit sie mir Fips überließen.
Und tatsächlich, nach einer Ewigkeit stellten sie mir frei, ihn mitzunehmen. Aber erst, als ich ihnen versichert hatte, ihn so schön wie irgend möglich zu begraben. Besonders Zeke legte sehr viel Wert darauf, denn Zeke hatte wahrscheinlich den besten Draht zu Fips gehabt, als dieser noch lebte.
So fuhr ich also zu ihnen und nahm Fips‘ Leichnam mit zu mir nach Hause. Klar, ich hatte noch nie ein menschenähnliches Wesen wiederbelebt, aber dank meiner zahlreichen Studien war ich fest davon überzeugt, dass es funktionieren musste. Natürlich wusste ich aber auch, wie lange es dauern würde.
Als ich meinen kleinen Bruder ansah, packte mich eine fast schon euphorische Stimmung. Ich konnte endlich mein Studium vollenden und dabei würde ich Fips’ Leben retten!
Doch als ich begann, an ihm zu arbeiten, fielen mir immer mehr Körperstellen auf, die geschunden aussahen. Die meisten davon wahrscheinlich vom Transport. Und weil ich Zugang zu praktisch allen menschlichen, toten Körperteilen hatte, tauschte ich die unschön zugerichteten einfach kurzerhand aus. Darüber würde sich Fips bestimmt auch freuen.
Ich war in einem dauerhaften Zustand der Freude, endlich würde ich mein Werk vollenden können! Im Nachhinein merkte ich aber auch, dass ich, während ich an Fips gearbeitet habe, meine anderen Brüder und eigentlich alles von außen ignorierte. Ich schlief wenig, ich verbrachte den ganzen Tag in meiner Werkstätte.
Und viel wichtiger: Ich verbrachte meine ganze Zeit bei Fips. Meinen anderen Brüdern schrieb ich keine Briefe mehr, so besessen war ich. Ich ignorierte sie, obwohl ich wusste, dass Klaus gesagt hatte, sie würden davon ausgehen, es ginge mir nicht gut, wenn ich nicht schrieb.
Aber es ging mir doch gut. Das war meine Kreation, mein wissenschaftlicher Durchbruch!
Und dann war es endlich soweit.
Ich sah ihn vor mir liegen, mein Meisterwerk.
Ich erweckte ihn zum Leben, aber wie ich das tat, kann ich nicht verraten, bald wirst du wissen, warum.
Fips war ohnehin der größte der Brüder gewesen, doch ich hatte ihn unabsichtlich noch größer gemacht, sodass er mich deutlich überragte.
Während ich ihn zusammenbaute, hatte ich „mein Werk“ noch schön gefunden, doch jetzt, wo es vor mir stand..
Mein Bruder, oder eher das, was von ihm geblieben war, hatte nun grünlich schimmernde Haut, die sich so über seine langgezogenen Körper zog, als wäre sie ihm zu klein. Seine Augen wirkten wach, aber doch durch und durch tot. Seine Ohren hingen müde herab und das Fell war borstig und sah aus, als hätte man es noch nie gewaschen.
Er begann sich zu bewegen und schied augenblicklich zurück ins Leben.
Wie lange ich mir diesen Moment schon vorgestellt hatte!
Ich holte aus, um ihn zu umarmen, doch je mehr ich ihn ansah, desto mehr schreckte ich vor meiner eigenen Kreation, vor meinem eigenen Fleisch und Blut zurück.
Er versuchte zu reden, aber es kamen nur Geräusche aus seinem Mund, die man nicht als Sprache bezeichnen konnte. Auch das hatte ich ihm geraubt.
Ich konnte einfach nicht anders, ich hielt es nicht aus, neben dem Monster zu stehen. Also rannte ich, ich rannte, als würde es um mein Überleben gehen. Ich konnte Fips, nein, das Monster, das ich erschaffen hatte, keine Sekunde länger betrachten.
Ich rannte und rannte und rannte immer weiter, bis ich in der Stadt war. Es fing an zu regnen an diesem grausigen Novembertag, der mein Durchbruch hätte sein sollen. Ich schwor, dass ich es sehen konnte, wann immer ich mich umschaute. Und dass ich es jedes Mal, wenn ich einen Moment der Stille hatte, hörte. Den Menschen um mich herum konnte ich keine Beachtung schenken, so sehr war ich von Angst besetzt.
Und doch sah ich etwas, als ich an der Poststelle der Stadt angekommen war. Es war eine Postkutsche, auf der mein geliebter Bruder Klaus saß. Er sah mich, lief zu mir hin und merkte an, wie glücklich er wäre, mich zufällig hier zu treffen. Klaus war sowieso hierher gekommen, um mich zu treffen, auch, weil ich seit langem kein Lebenszeichen von mir gegeben hatte.
Ich bat ihm geistesabwesend an, zu mir nach Hause zu kommen. Aber was, wenn er dort das Monster erblicken würde? Würde es ihn genauso verstören, wie es das mit mir getan hatte?
Noch immer von Angst besetzt, führte ich ihn zu meinem Haus. Wir unterhielten uns darüber, wie es Zeke und Rhun erging und darüber, wie mein Studium und Klaus’ Beruf voran gingen. Bei der Erwähnung meines Studiums zuckte ich zusammen, erinnerte es mich doch immer wieder an das Ungetüm.
Bald schon waren wir angekommen und voller Panik trat ich zur Tür hinein. Genau dort hatte vor einiger Zeit noch das Ungeheuer gestanden. Was sollte ich tun, falls es noch da war und auf mich wartete?
Doch als ich in die Wohnung eingetreten war und sorgfältig überall geschaut hatte, bemerkte ich voller Freude, dass das Monster nicht mehr hier war. Mein Bruder Klaus, dem ich nichts davon erzählt hatte, schien daraufhin verwirrt, denn ich fing ausgelassen an, zu lachen.
Zuerst meinte er, ich wäre einfach nur sehr glücklich, ihn wiederzusehen, doch das Lachen wurde schnell manisch und auf ihn musste ich wie ein Verrückter gewirkt haben. Klaus fragte mich noch, warum ich denn so abgekämpft aussehen würde, aber darauf konnte ich nicht mehr antworten.
Schon kurz nachdem ich mich immer noch lachend setzte, fiel ich plötzlich in Ohnmacht.
Als ich aufwachte, merkte ich, dass mir schauerlich kalt war und meine Gliedmaßen schmerzen. Aber mein Bruder Klaus hatte mich in mein Bett gelegt und einen Tee gemacht. Ich konnte wirklich außerordentlich froh sein, ihn zu haben.
Klaus bemerkte, dass ich wieder erwacht war und erzählte mir, er glaube, ich hätte während meiner Ohnmacht an einer Vielzahl von Alpträumen gelitten.
Diese hatten sich immer wiederholt und ich hatte geschrien und mich im Bett gewunden. Laut ihm soll es dabei immer wieder um ein Monster gegangen sein, und um Fips. Dabei konnte ich ihm beim besten Willen nicht verraten, dass es sich bei Fips um eben dieses Monster handelte.
Ich musste noch einige Zeit das Bett hüten und schaffte es kaum, aufzustehen, so sehr hatte mein Werk mich krank gemacht. Zum Glück war mein lieber Bruder Klaus bei mir und pflegte mich so gut er konnte. Dafür dankte ich ihm immer wieder.
Irgendwann fühlte ich mich wieder gut genug, um von der Schönheit der Welt um mich herum Kenntnis zu nehmen. Es war Frühling geworden und ich sah, wie die Knospen sprießen und das Gras wieder grün wurde. Klaus brachte mich auch dazu, ihn bei meinen Professoren vorzustellen, wozu ich letztendlich einwilligte.
Wir gingen erst zur Professorin, die Chemie lehrte. Aber schon als ich das Labor betrat, merkte ich, wie es mir Augenblicklich wieder schlechter ging. Die Forschungsinstrumente lösten ein Gefühl der Übelkeit und des Schwindels bei mir aus, was Klaus aber mit meiner zurückliegenden Krankheit begründete.
Und auch was die Professorin sagte, trug nicht zu meinem Wohlergehen bei. Sie lobte mich über alle Maßen, aber als ich darauf nicht positiv reagierte, lenkte sie das Thema stattdessen auf die Naturphilosophie im Allgemeinen. Ich war froh, als sie uns endlich wieder entließ, löste doch allein der Anblick eines Labors bei mir das blanke Grauen aus.
Klaus und ich gingen wieder zu mir nach Hause und als wir dort angekommen waren, überreichte er mir einen Brief. Dieser war von unserem Bruder Zeke.
Klaus erzählte, dass dieser an mich adressierte Brief vor etwa einer Woche hier angekommen sei, und dass er ihn mir noch nicht gegeben hatte, weil ich noch zu schwach war. Aber jetzt, da es mir besser gehen würde, sollte ich ihn lesen.
Ich öffnete den Brief und gleich am Anfang stand, dass Klaus ihn auch lesen sollte, also taten wir das gemeinsam.
Zeke wünschte sich darin, mal wieder etwas von mir zu hören, weil ich ja seit einer Ewigkeit nichts geschrieben hatte. Außerdem erzählte er von einigem Klatsch und Tratsch. Einigen Menschen aus dem Dorf, die geheiratet hatten, was sich alles so herumerzählt wurde und alles mögliche. Doch dann wurde sein Ton ernster.
“Doch ich muss euch auch etwas wahrlich furchterregendes berichten.
Unser Bruder Rhun, er ist tot.
Wir haben ihn vorgestern Nacht nicht mehr gesehen und als wir morgens umher liefen, um ihn zu suchen.. Da fanden wir seine Leiche. Sie lag draußen, im Kalten.
Aber erfroren ist er sicher nicht, alles deutet darauf hin, dass er erwürgt wurde.
Unser Rhun, ermordet.”
Klaus stiegen die Tränen in die Augen und auch ich war wie in Schockstarre verfallen.
Ermordet. Rhun wurde ermordet.
Sofort stieg mir das Bild meines Monsters in den Kopf. Das konnte doch nicht.. Oder doch..
Ich brach erneut zusammen.
