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Grauenhaft.
Schrecklich einfach und dazu wie in einem Alptraum zog sich der Satz durch seinen Kopf, machte sich breit und hallte noch immer in seinen Ohren wie eine Plage. Er hätte wissen müssen, dass dieser Tag mal wieder kommen würde, und trotzdem betete er innerlich noch, dass dies nicht wahr war.
Doch nichts konnte ihn nun aus dieser Sache rausbringen, er stand wie versteinert da. Ein kurzer Schauer lief ihm über den Rücken, und er versuchte, sich zu sammeln, doch das Zittern in seinen Händen blieb unübersehbar. Warum musste es ausgerechnet heute sein?
Was hatte er nun getan, um solch eine Qual zu verdienen?
“Ehm? Captain?” Rose runzelte ihre Stirn und winkte leicht mit der Hand vor seinem Gesicht her, “Hallo??”
Plötzlich zuckte er zusammen, als würde er aus einem schrecklichen Traum aufwachen, was dies nun auch war, und blinzelte Rose kurz an, “Ah! Ja, äh..” Sein Blick wanderte hastig durch den Gang, und in einem verzweifelten Versuch, seine Haltung zu bewahren, straffte er die Schultern und räusperte.
“Miami Rose, was stehen sie hier noch so rum, machen sie sich lieber wieder an die Arbeit!” Seine Stimme war eine Spur lauter als nötig, während seine Kommandantin ihn nur verwirrt anblicken konnte.
Sie sah ihn überrascht an, “Aber– Captain, ich hab doch nur-”
“Sofort Miami!” unterbrach Jerky und machte seinen Abgang, als würde er damit jede weitere Diskussion beenden. Während Rose nur erstarrt in dem Moment ihre Lippen zu einer schmalen Linie gepresst hat, genervt rollte sie ihre Augen und ging wieder in Richtung der Brücke.
Sie hätte wissen müssen, dass er natürlich so darauf reagieren würde, doch sie wusste auch genau, dass es nichts wirklich brachte ihn auf irgendeine andere Weise dadurch zu zwingen, das würde alles nur noch verschlimmern und sie kannte sich mit solchen Sachen recht aus.
Sie seufzte leise, angekommen zurück auf der Brücke konnte sie nur ihren Kopf ungläubig schütteln. Dieser Captain auch, wie konnte nur ein Mann, der sich immer sonst so charismatisch verhielt, so erstarren vor einer simplen jährlichen Gesundheitskontrolle?
Sie beschloss ihm ein paar Minuten zu geben, sodass er, in der Hoffnung, sich so selbst zusammenreißen würde und erscheinen würde. Doch dies war jeglich nur eine Hoffnung, ein Wunder, das natürlich nie passieren würde.
Immerhin war das nicht das erste Mal, dass er versuchte, sich vor der medizinischen Routine zu drücken. Ob es die jährliche Gesundheitskontrolle war, eine einfache Impfung oder gar ein harmloser Check-up – Jerky fand immer eine Möglichkeit, sich entweder „versehentlich zu verspäteten“ oder war plötzlich in eine „wichtige Captain-Angelegenheit“ verwickelt wie er sie taufte. Die Stunden verstrichen, und so, wie sie es erwartet hatte, tauchte Jerky natürlich nicht auf. Die Brücke blieb leer, und in diesem Moment wurde es nun klar für Rose: Sie müsste es mal wieder in ihren eigenen Händen nehmen.
Schon als die Türen sich öffneten, betrete die Assistentin des Schiffsarztes den Raum, “Der Arzt ist nun bereit für die Brücke, wir rufen sie natürlich hintereinander beim Namen auf.” schloss sie ab, bevor sie sich Miami Rose widmete.
“Ms. Rose,” entgegnete sie ruhig, “Der Arzt hofft auch darauf, dass er nicht wieder dasselbe Theater durchgehen muss wie in den letzten Malen."
Die Kommandantin schüttelte ihren Kopf, wobei sie ein schiefes Lächeln nicht unterdrücken konnte, “Aber natürlich nicht, das kann ich ihm versichern.” Und dieses Mal würde sie dafür sorgen, “Ich werde es auch zu meiner Aufgabe machen, Captain Jerky persönlich diesmal dorthin zu begleiten.”
Die Assistentin wiederum konnte einen skeptischen Blick nicht verhindern und verabschiedete sich nur mit einem leichten Nicken, schon bereit die Wahrheit in Kauf zu nehmen, dass der Captain mal wieder davon scheuen würde, als sie sagte, “Hm, hoffen wir es mal.” bevor sie einen der Mitglieder aufrief und mit ihm den Weg zur Station zurück antrat.
Mit festem Schritt verließ sie die Brücke und ging zielstrebig durch die Korridore des Raumschiffs. Auf dem Weg schüttelte sie den Kopf und überlegte sich noch einmal, wie sie ihn am besten zur Vernunft bringen könnte.
Vor Jerkys Kabine angekommen, hielt sie kurz inne und sammelte sich. Die Tür war verschlossen, natürlich. Doch Rose ließ sich nicht aufhalten, sie tippte auf die Sprechanlage und erklärte mit ruhiger Stimme, „Captain Jerky, hier spricht Miami Rose. Es ist immer noch Untersuchungstag also bitte ich Sie darum mit zur Krankenstation zu kommen”
Ein paar Sekunden vergingen in absoluter Stille. Kein Ton kam aus dem Inneren des Raums, was sie schon erwartet hatte, doch Rose wusste, dass er dort war und genau mit hören konnte. Sie könnte sich ihre Haare herausreißen, warum musste er es nur so schwer machen für alle?
Sie drückte nochmal auf dem Knopf und sprach, “Captain, ich bestehe wirklich darauf, dass sie mit mir kommen, und ich glaube es wäre auch das beste für uns beide wenn ich sie nicht dazu noch zwingen muss”
Nach einer weiteren stillen Minute, in der sie keinerlei Antwort auf irgendwas bekam, entschied sie sich schließlich für einen Plan B. Wenn er wirklich darauf verzichtete nicht freiwillig mit zu kommen, dann war eben ein wenig Nachdruck nötig, sodass sie kurz davor war die Tür manuell mit ihrem Gerät zu betätigen, bis sie schließlich dann doch von sich selbst öffnete. Nun stand Jerky vor ihr, selbstbewusster Blick auf ihn wie immer, er lehnte sich gelassen gegen den Türrahmen, doch man konnte förmlich die Angst in seinen Augen sehen, die ihn so schwanken auf seinen Beinen ließ.
„Captain, Ihre Gesundheit ist wirklich kein Thema, worüber man diskutieren muss,“ Rose sah ihm in die Augen und verschränkte die Arme. „Sie haben eine Verantwortung, nicht nur sich selbst gegenüber, sondern auch der Crew. Stellen Sie sich das mal vor – was für ein Bild es abgibt, wenn der Captain selbst nicht zu seiner eigenen Untersuchung erscheint.“
Jerky rieb sich verlegen durch seine Haare, als er widerwillig nickte, „Ja, ja, ich … ich weiß ja.“ Doch seine Stimme klang unsicher, und die übliche Selbstsicherheit fehlte völlig. Er ging auf sie zu, legte seine Hände auf ihre Schultern und drehte sie so förmlich um, “Aber wobei sie sich auch schon die Mühe gemacht haben mich zu begleiten, können sie ja auch ruhig vorgehen.”
“Was?” Sie blieb kurz verwirrt, doch dann dämmerte es ihr blitzschnell. Sie drehte sich sofort um und griff nach seinem Handgelenk, bevor er wieder in die Kabine verschwinden konnte. “Captain!“ sprach sie.
“Was wären sie den überhaupt für einer der nicht zu einer Untersuchung auftaucht!?” sprach sie völlig am Ende ihrer Nerven mit ihm.
“Ein Captain, der nicht mal dadurch gehen muss, wenn er ein gutes Vorbild für seine Crew gibt, da er bereits schon ein sehr gutes Immunsystem hat und täglich Sport macht.” Nun wusste sie, es waren nicht ihre Nerven, die ihr ein Ende bereiteten, sie wollte ihn liebend gern selbst schlagen mit seiner eigenen Denkweise.
"Captain, so läuft das nicht, selbst die gesündesten müssen sich auch mal untersuchen lassen.” ihre Finger ergriffen ihre Stirn, als sie dies erschöpft rieb. “Wenn ich sie darüber auch noch erinnern muss, heißt es laut Protokoll B23 das-” doch schon als sie den Finger hoch gehoben hatte, brach Jerky sie hastig ab, um nicht wieder in einer ihren langweilen Lektionen zu fallen.
Er riss den Griff weg und lief vor Rose an, “Ist gut, ist gut, ich gehe schon, siehst du?” er schob sich so selbst in die Richtung der Station, “Ich gehe”
Rose hielt inne und beobachtete ihn, während sie ein kleines, zufriedenes Lächeln unterdrückte. Sie ging in gemessenem Abstand hinter ihm her, jetzt blieb die Frage nur noch offen, ob er es wohl wirklich durchhalten würde.
Er versuchte lediglich, nur seinen Atem ruhig zu halten, als er sich nur einredete, dass alles gut werden würde. Doch innerlich war er ein Chaos; sein Herz schlug so laut, dass er sich sicher war, Rose müsse es hören.
Die Minuten verstrichen, seine verkrampften Finger krallten sich noch tiefer ein in die Sitzkante von der Bank und seine innere Panik wuchs. Immer wieder wanderte sein Blick zum Gang zurück, als wollte er seine möglichen Flucht Optionen berechnen.
“Sie sind ganz schön still.” warf Rose wie ein Schlag ein. Er selbst hätte ahnen können, dass sie seine Unruhe irgendwann spüren würde.
“Natürlich bin ich still,” sagte er, wobei er versuchte, sich so gelassen wie nur möglich zu verhalten, als ob ihn diese Sache nicht durch so eine Panik versetze wie sie sich wirklich tat, “Ich bin die Ruhe in Person, ganz ruhig .. heh.” Doch die verkrampften Finger und das unruhige Zittern in seinem Fuß verrieten ihn völlig.
Und das wurde Rose allmählich auch klar.
Doch bevor sie noch eine Frage stellen konnte, öffnete sich die Tür zum Raum und die Assistentin erschien, völlig überrascht den Captain zu sehen doch dennoch erfreut, sie begrüßte ihn recht freundlich doch für Jerky beruhigte ihn dies nicht ein wenig, ein kalter Schauer durchfuhr ihn, und seine Beine fühlten sich plötzlich an wie Blei.
Er saß wie erstarrt, unfähig sich zu rühren, als hätte ihn die Angst vollkommen gelähmt.
"Na los, Captain,“ sagte Rose und ließ ihre Hand auf seine Schulter nieder, um ihn so auf zu muntern, bevor sie ihn sanft, aber bestimmt auf die Beine zog. Doch anstatt sich in Bewegung zu setzen, wirkte Jerky wie ein Reh, das vor Scheinwerfern eines Autos stand. Seine Augen huschten panisch zwischen der Krankenschwester, Rose und der Tür hin und her, und sein Puls hämmerte in den Ohren. Es war fast surreal, doch die Kommandantin und die Schwester mussten ihn förmlich schieben, Schritt für Schritt in Richtung des Behandlungszimmers.
Doch kaum hatten sie den Türrahmen erreicht, überkam ihn die Angst völlig. Im letzten Moment riss er sich los, drehte sich mit einem plötzlichen Ruck um und stürmte zurück in den Korridor. Er ließ nur ein schrilles schreien von sich, während die zwei ihn hinterher sahen.
Sie erblickte den genervten Ausdruck von der Schwester, als sich ihre Arme verschränkte, sie lachte kurz, “Nur eine Minute,” Und schon nahm sie die Verfolgung auf. Was war nur in ihn gefahren?
Rose zögerte keine Sekunde, "Captain! Bleiben Sie sofort stehen!“ rief sie laut genug, dass es durch den ganzen stillen Gang hallte. Doch Jerky hatte jegliche Anweisungen wohl längst ausgeblendet und sprintete weiter, bog rasch um die nächste Ecke und verschwand hinter einer Wand.
Rose beschleunigte ihren Schritt, ihre Stiefel ertönten auf dem kalten Metallboden wieder. Hinter der nächsten Ecke fand sie ihn schließlich wieder, wie er sich versuchte, in einem engen Luftschacht Zuflucht zu finden. Doch Rose ließ ihm keine Zeit, sich zu verstecken.
Sie presste ihre Lippen zusammen in einem genervten Ausdruck, als sie schließlich den Captain erfasste bei seinem Shirt und ihn so, wortwörtlich wie eine Katze, den langen Weg wieder zurückziehen musste. Und er machte es auch nicht gerade einfach für sie, als er sich ständig versuchte, am Boden festzukrallen, während er immer wieder schrie, “Nein!”
Er musste sich ja immer so aufführen wie ein übergroßes Riesenbaby, aber warum bestand er auch so darauf, sich nicht einfach untersuchen zu lassen?
Als sie selbst an Dave, den eher hohl-köpfigen Mitglied, gingen, versuchte Jerky erneut, in einer verzweifelten Taktik von Roses Griff los zu werden, nach Hilfe zu bitten, als er seine Hand zum ihm austreckte, “Dave! Ich befördere sie zum Lieutenant wenn sie mir hier raushelfen!"
Doch ein Blick von Miami Rose, die sich rasch umdrehte, ließ selbst für jemanden wie Dave zu wissen, dass er nicht in der Lage stand, sich hier einzumischen, leicht beängstigend sprach er, “Viel Spaß, Captain.” und salutierte ihn, als er sich rasch abwandte.
“Ohh” entgegnete Jerky ihm empört, dass ein Mitglied ihn so im Stich lässt gegenüber der tobenden Gefahr. Das musste er sich für später merken, doch für den Moment musste er der bitteren Wahrheit ins Auge sehen: Es gab kein Entkommen.
Das war, bis in diesen Moment wohl doch der Gott der Federation ihm Mitleid schenkte und so XioXio um die Ecke schickte. Die so wie aus dem Nichts kam, und Rose fast vor Schreck auf den Boden fielen ließ. Für eine Sekunde vernachlässigte sich ihr Griff, aus Reflex, um Jerkys Bein los.
Doch er selbst brauchte keine Sekunde um die Sachen zu verarbeiten, als er die Gelegenheit in seine eigene Hand nahm und auf sprang, wie ein Blitz, um so weit wie möglich von der Hauptstation weg zu kommen.
Leider war es auch schon zu spät, um ihren Fehler zu realisieren, “Oh, entschuldigt, Lieutenant." sagte sie, ihre Stimme nur ein kleines Flüstern, als Roses Hände sich in Fäuste wandten.
“Keine Ursache, ist ja nicht so, als wäre das jetzt das dritte Mal," und schon war sie wieder weg, seufzte frustriert und begab sich wieder auf die Verfolgung.
Diesmal führte die Spur in den Haupt Maschinenraum, die weit entfernt von der Krankenstation war, natürlich. Rose schaute sich um, in die hohen Schatten der Maschinenhallen, in die Nischen und hinter die gewaltigen Reaktoren, wo sich nur selten Mitglieder der Brücke hin wagten – und wo sich, zu ihrer Überraschung, tatsächlich eine versteckte Gestalt abzeichnete.
Sie selbst war am Ende ihrer Kräfte, und konnte so nur leicht genervt, “Captain,“ sagen als sie ihn näherte, doch er wich, schlich sich nur noch tiefer in den Schatten. Jedoch schien es nicht in der Art zu sein, als wollte er sich wieder von ihr verstecken.
Rose verschränkte die Arme, trat näher und musterte ihn streng. “Wirklich, denken Sie, ich würde Ihnen das durchgehen lassen?" Sie senkte die Stimme und stand nun direkt vor ihm, er hatte sich tief eingepresst unter einer Werkbank, die vermutlich einem Mechaniker gehörte.
Sie sank selbst auf ihre Knien, um ihn näher zu sein, doch schon als sie den Blick unter der Bank warf konnte sie genau sehen, und dies berunighte ihr mehr als es sollte, wie er zusammengerollt da saß, die Arme um seine Beine gelegt und sein Kopf tief zwischen ihnen vergraben. Es war ihr schon unangenehm genug, dass sie ihn vorhin rumschleifen musste wie ein Baby aber nun das?
Wenn dies nun ein weiterer Trick von ihm war, um ihr Mitleid zu gewinnen und so nicht zur Untersuchung gehen zu müssen, dann könnte er das schon einpacken, denn Rose würde nicht noch mal bei einem von dieser Art reinfallen.
Sie streckte ihre Hand aus, um nach seiner Schulter zu greifen, doch er wich von ihrer Berührung. Und schon als sie dachte, dass sie alles für den Tag gesehen hat, ertappte sie ein leichtes Schluchzes. Ein Schluchzes das nur von Jerky kommen konnte.
“Captain.. ich..“ begann sie, doch die nötigen Wörter fehlten ihr. Sie war stets für alles bereit, Angriffe, Stromausfälle, man konnte die Sache nur so auflisten, aber dennoch blieb sie verblüfft, sie war sprachlos im Angesicht von jemanden der sonst so charismatisch war, und der nun jetzt so, na ja, zerbrochen war.
Sie konnte nur seufzen, der ganze Stress des Tages auf ihrer Schultern, “Na gut, wenn sie wirklich nicht zur Untersuchung wollen, dann bleiben ja noch Alternativen und.. So,"
“Es ist nicht wegen der Untersuchung,“ murmelte Jerky, die Worte schwer und kaum hörbar. Sodass sich ihr Magen leicht verkrampfte über seiner Stimme.
Sie hielt inne, die Stirn leicht gerunzelt. “Was … was denn dann?“
Er zögerte, das konnte sie selbst hören, während sein Kopf noch tief vergraben war zwischen ihm und seinen Beinen, seine Schultern sanken ein wenig. “Es ist… albern,“ sprach er schließlich, und sein Blick glitt verlegen zur Seite.
“Nichts ist albern,“ entgegnete Rose sanft, “Vertrauen Sie mir, Captain. Da ist nichts, was Sie nicht sagen können.“ und versuchte ihr Bestes, um seinen Blick auf sie zu wenden, "Also?"
Einigermaßen klappte es, da er seinen Kopf leicht gehobt hatte, seine Augen verraten, dass er doch geweint hatte, und es schien nicht, dass dies auch schon ein Ende fand. Er schüttelte nur seinen Kopf, “Nein.“
“Aber warum denn nicht?” Sie wollte ihn nicht noch mehr drängen, und das war auch nicht ihre Absicht, doch dennoch nahm es ihr Captain zu Herzen.
“Weil es albern ist!" entgegnete er, seine Stimme plötzlich lauter. Er sah sie beinahe trotzig an, als erwartete er, dass sie über ihn lachen würde, wenn er doch verraten würde.
Doch ihr Lächeln blieb unantastbar, “Captain, bitte, wie albern kann es denn bitte sein?" hob sie, fragend, mit ihren Händen. Jedoch, frustrierte ihm das nur noch mehr, er erstarrte für einen Moment, als es ihm plötzlich heraus platzte, “Ich will keine Spritze, okay?!"
Sie blieb stumm, die Worte hatten sie völlig überrascht. Und schon begannen die Tränen wieder zu fließen, als er schließlich realisierte, was er gesagt hatte, er schloss seine Hände über den Mund und vergrub seinen Kopf nur noch tiefer.
“Ich habe Angst vor Spritzen, ist es das, was du hören wolltest?" erwähnte er noch mit zitternder Stimme, als es zu viel wurde. Die Fassade komplett am Boden mit seiner Selbstbewusstheit und ließ nur noch, ein winselndes Kind zurück.
Selbst für Rose war es mehr als eine Überraschung, als sie immer noch nach Worten suchte, nach etwas Passendes, etwas Beruhigendes, doch die Stille zog sich. “Sie sind unser Captain, warum sollte denn das albern klingen?”
Jerky zuckte hilflos mit den Schultern, ein Anflug von Scham fiel in seinen Blick und er sprach, zwischen seinen Tränen, “Weil ich nicht wollte, dass die Crew denkt, ich sei… schwach.“
“Captain… das ist völlig in Ordnung.“ Sie räusperte sich unsicher, bevor sie fortfuhr, während sie ihn fest ansah. “Nur weil Sie Angst vor einer kleinen Nadel haben.“
“Sie ist nicht klein,“ unterbrach er mit einem zittrigen Schnauben, “Sie tut weh.“
Rose biss sich leicht auf die Lippe, um ein Lächeln zu unterdrücken, und nickte darauf verständnisvoll. “Na ja..“ Nun machte es auch allmählich mehr Sinn, warum er sich tot erschreckte jedes Mal vor den regelmäßigen Gesundheitskontrollen. Wer hätte es geahnt.
Sie legte ihm vorsichtig eine Hand auf die Schulter, diesmal fest und beruhigend, ohne ihm Raum zum Ausweichen zu geben. “Ich kann dabei sein, wenn sie es benötigen, ich meine, richtig dabei.”
Er blickte sie unsicher an, sein Gesicht errötet durch die Tränen und seine eigene Angst, eine Mischung aus Verlegenheit und Hoffnung. Er zögerte, die Worte, die er schon auf den Lippen hatte, verschluckte er mit einem verkniffenen Gesichtsausdruck. Seine Augen wanderten zu Roses Hand auf seiner Schulter, und seine Brauen zogen sich leicht zusammen.
“Du wirst mich doch nur auslachen.” sagte er schließlich, seine stimme rau.
“Nein, wirklich nicht.” Sie schüttelte rasch ihren Kopf und versicherte ihn erneut, “Ich verspreche, dass es unter uns bleibt.” Zumindest gelang ihr das seine Aufmerksamkeit wieder.
"Wirklich?" fragte er unsicher, eine Spur vom Misstrauen in seiner Stimme, als könne er nicht glauben, dass sie es ernst meinte.
“Ja, wirklich,“ sagte sie, und gab ihm so ein aufmunterndes Lächeln und streckte ihre offene Hand zu ihm aus.
Er zögerte jedoch, bevor er seine eigene hob und die, mit einem zittern, in ihre Lag. Schon bei der Beruhigung konnte er die Erleuchtung förmlich spüren, die durch seinen Körper fließte, er nahm kurz den Ärmel seines Shirts um den Schnodder abzuwischen, doch wurde darauf schon schnell mit einem Taschentuch geschenkt.
“Und wenn Sie es wollen… könnte ich auch Ihre Hand halten.” Er war ja kein kleines Kind, das war klar, auch wenn er sich meistens so verhielt, doch selbst diese einfache Geste half ihm mehr, um sich zu beruhigen.
Langsam kam er unter der Bank hervor, mit einem Ausdruck auf dem Gesicht, der irgendwo noch zwischen Angst und einer stillen Panik lag.
Doch Miami Rose dabei zu haben, wäre wohl besser als Wabou, oder irgendjemand anderes zugleich, der ihn nicht auslachen würde. Und wenn er ehrlich war, erleichterte ihm dies auch wirklich. Natürlich hatte er noch Todesangst von dieser Spritze, aber sie dabei zu haben, konnte hoffentlich die Sache angenehmer machen, er hoffte bloß darauf.
Zusammen, gangen sie nun zur Station. Freiwillig dazu. Doch auf dem Weg dahin, schlich Jerky mit langsamen Schritten nur so hinter ihr her. Die Angst war immer noch da, in seinen Augen und in seinen zitternden Händen, zumindest tat er sein Bestes, um ruhig zu wirken im Angesicht der Crew, die von Sekunde zu Sekunde durch die Gänge gingen.
Und nun kam es dazu, dass sie es auch erreichten. Die Krankenstation. Die Panik kehrte zurück mit voller Wucht. Unbewusst, befand sich seine Hand auch in Roses wieder, der griff fest und fast so, als wäre sie das einzige, was ihm Halt gab in dieser grausamen Realität.
Dr. Xian, der mit ruhiger Routine die Spritze vorbereitete, schaute kurz auf und musterte Jerky mit einem milden, aber verständnisvollen Lächeln, da Rose die Situation ihm erklärt hatte, natürlich durch Einverständnis von Jerky. Und wahrlich hätte er es selbst wissen müssen, nach all den Zeiten, dass der Captain der einzige war, der jedes Mal seinen Raum entwich.
“Kein Grund zur Sorge,” begann er in ruhigem Ton, “es wird wirklich nur einen Moment dauern.“
Jerky atmete tief durch, doch der Klang der Nadel, die gegen das sterile Glas klirrte, ließ ihn steif werden. Der Drang, einfach wieder aus dem Raum zu fliehen, war übermächtig, doch er fühlte den festen Druck von Roses Hand.
“Hey,“ flüsterte sie ihm sanft zu, “denken Sie an etwas anderes. Es ist nur für eine Sekunde, und ich bin hier.“
Momente, Sekunde, ihm war es egal, für wie lange das gehen sollte. Er wollte nicht, er hatte seine Meinung wieder im Angesicht seiner Angst geändert, doch Rose, Rose, ließ ihn nicht. Und das brachte ihm eine merkwürdige innere Ruhe. Er hatte es ihr versprochen, dass er nicht noch mal wegrennen würde, und ein Captain hält immer sein Versprechen. Wie sehr er diesen Code auch hasste.
Er stöhnte vor sich selbst hin, und versuchte sich so gut es ging sich klein zu machen, was fast schon amüsant aussah.
Dr. Xian nickte, er saß auf seinem kleinen Stuhl und rollte so rüber zu dem Captain, der auf der Untersuchungsliege saß. Er sprach mit ruhiger, sicherer Stimme. “Hier kommt’s. Nur ein kleiner Stich … Sie machen das großartig, Captain.”
Der winzige Einstich der Nadel ließ Jerky zusammenzucken, und er drückte Roses Hand mit solcher Kraft, dass sie es deutlich selbst spürte. Seine Augen waren fest geschlossen, und das Zittern zog sich über seine ganze Hand.
Er konnte es wirklich nicht ertragen, doch so gleich der Schmerz auch erschienen war, sogleich hörte es auch schon auf in einer kurzen Sekunde. Rose konnte nur vor sich her schmunzeln, als sie ihn kurz umarmte, während der Arzt noch ein Pflaster auf die Stelle tat.
Er öffnete vorsichtig ein Auge, dann das andere. Er sah die leere Spritze, die Dr. Xian gerade weg legte, und realisierte, dass es wirklich vorbei war. Unglaublich. Er blinzelte überrascht, fast ein wenig beschämt über seine Reaktion, davor hatte er Jahre lang Angst gehabt?
“Sehen sie, es war doch nur ein kleiner Piekser"
Nun ja, die Spritze sah nun nicht so bedrohlich aus mit ihrem leeren Inhalt, aber das machte sie nicht weniger gefährlicher. Wer weiß ob sie von selbst aufstehen würde.
“Sehr witzig, Rose..” murmelte er kurz und räusperte für eine Sekunde, “Danke aber.” ihr Moment wurde hastig unterbrochen, als der Doktor schon wieder aufsprach, “Wenn Sie bei den nächsten Terminen auch so tapfer erscheinen.." Er drehte sich momentan um zu einem Schubfach, aus dem er einen bunten Lollipop hervor holte, “Habe ich immer welche parat." Er gab den Lolli zu dem Captain, bevor Rose sprach.
“Ich danke ihn wirklich noch vielmals, Doktor.” Sagte sie, und drehte sich zu Jerky um, sodass er ihn auch bedanken würde, “Nicht wahr, Captain?”
Jerky, der mit immer noch leicht benommenem Blick auf den Lolli fixiert war, blinzelte, als wäre er erst gerade wieder in der Realität angekommen. “Huh?“ Er räusperte sich und nickte dann mechanisch. “Oh, .. natürlich.“ Doch ohne zu zögern, reichte er den Lolli dann an Rose weiter. "Seien Sie so freundlich und bewahren Sie den für mich auf.“
Sie nahm den Lolli ohne weiteren Befehl an, “Ähm, klar, Captain.”
Er richtete sich ein wenig auf, sein Blick wurde wieder fest, und er sprach, “Und wenn Sie mich jetzt… entschuldigen…“ Doch bevor er den Satz beenden konnte, verlor er das Gleichgewicht, und mit einem erschöpften Seufzen fiel er in Ohnmacht, sein Körper gab nach, und er kippte fast geräuschlos zur Seite auf der Liege.
Dr. Xian, der alles ruhig beobachtet hatte, verschränkte die Arme und sah zu, wie Rose ihn gerade noch auffing. “Ich hab mich schon gefragt, wann das passieren würde,“ murmelte er trocken, bevor er ihr einen weiteren Lollipop reichte. “Lieutenant Rose,“ sprach er mit einem anerkennenden Nicken, um ihr so selbst zu danken, dass sie nicht auf den hartnäckigen Captain aufgab.
Sie nahm den Lolli entsprechend an, und lächelte nur leicht, “Danke,”
