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Ein dumpfer Schlag

Summary:

Die Mission stand, auch wenn es keine offizielle war, Inspektieren sie diesen merkwürdigen Geschrei von einem noch unerforschten Planeten. Simple genug, oder? Nun, für einen übermütigen Captain hatte er zu viel von dem abgebissen, als er es vertragen konnte, und nun lag er da, verletzt und seine Kräfte schwanken mit jeder Sekunde.

Doch kann die Crew ihn rechtzeitig noch retten? Oder mehr, kann Rose ihn rechtzeitig retten?

Notes:

Falls es noch nicht offensichtlich ist, aber ich hab mir leider nicht so viel Mühe am Anfang gegeben, da ich hauptsächlich das nur schreiben wollte, um Jerky ein bisschen leiden zu lassen, aber trust, es wird krasser im Verlauf der Fic.

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Die Galaktische Föderation beschreibt einen Kapitän, laut Protokoll C wie folgend: Treu, Mutig, Hilfsbereit und, am vielleicht wichtigstens von allen, jemand mit einem klaren Kopf und an Logisches Denken verfügte. 

Wenn er ehrlich war, schien diese Beschreibung mehr Rose zu ehren als ihm. Stets die wachsame erste Offizierin, die sie war.

Er war, nun ja, mehr derjenige, der mit seinem Kopf erst in jene, noch so kleine Gefahr, sich stürzte. Das begann er auch nun zu begreifen.

Es war fast schon lustig, nach all der Zeit, musste er gerade erst jetzt realisierte wie dumm er nun in Wahrheit war. Und alles nur, weil er nun hier saß, wie eine gebrochene leere Hülle seiner eigenen Seele. Seines eigenen Seins.

Eine Hand auf seinen Bauch, während sein Blick hoch über den Wolken über ihn gerichtet war. Über den Baumgrenzen gerichtet, verzweifelt versuchte er den Schmerz zu ignorieren, der durch seinen Körper strömte, und dennoch mit ansehen musste, wie die warme, dicke Flüssigkeit anfing, durch die Bandage zu beflecken. 

Er wollte in die Wildnis förmlich schreien, all diesen Schmerz und diese Wut mit einem einzigen Schrei herausholen – doch seine Kräfte ließen nach, und das wurde ihm immer mehr bewusst. Zu glauben, dass dies alles in nur einem Augenblick geschehen war.

“Crazon! Laserschwert! Gaymonso!”

Hallte es durch den Raum, als sein gegenüber stehender Gegner nun ein weiteres Mal verlor, gegen dem Laserschwert, den er mit seinen Händen bildete, als der Captain nur darüber stolz lachen konnte. Seine Gewinnsträhne war auch heute nicht zu toppen, als er ein weiteres Dave geschlagen hatte in der Runde.

Dave, der seinen Kopf senkte, verließ Jerkys Seite rasch, um sich seinen Aufgaben wieder zu betätigen, darunter auch nun den Kaffee für ihn vorzubereiten während der Captain zufrieden grinste und sich siegessicher in seinen Kommandosessel zurückfallen ließ, die Arme hinter den Kopf gelegt.

Es war ein friedlicher Morgen im Universum, und die Crew arbeitete routiniert, jeder an seiner Station. Die Stimmung war geradezu träge und lag entspannt, über der Crew – eine Seltenheit in ihrer sonst so turbulenten, abenteuerlichen Routine. Auch wenn sie nur ein Auslieferdienst waren. Wie es aber schon gesagt wurde, ein friedlicher Tag, ohne besondere Aufgaben oder Bedrohungen.

Genau das war es, wo es sich danach schien.

Als Gerade Rose an Jerky ankam um mit ihm über die neuen Aufgaben zu sprechen die sie vor ein paar Minuten von der Föderation zu geschickt bekommen haben, als plötzlich ein Brummen der Konsolen den Raum erstarb, ein schrilles, pulsierendes Signal den die Brücke durchdrang. Das Geräusch hatte eine seltsam drängende Qualität und schien von den Tiefen der Strecke, worin sie sich befanden, zu kommen. 

Die Bildschirme flackerten, und auf dem Hauptmonitor erschien eine chaotische Folge von Zeichen und Symbolen, die sich in unverständlichen Mustern bewegten.

Jerky riss die Augen auf, und in einem einzigen Moment verflog die Lässigkeit seines Gesichts. Die Ruhe auf der Brücke wich einem unbehaglichen Schweigen, als das unheimliche Signal weiterhin hallte – pulsierend, verzerrt, wie ein kranker Herzschlag. “Was zur…?" murmelte er, seine Stimme kaum mehr als ein rauer Hauch, als ob er selbst nicht glauben konnte, was er hörte.

“Captain, das Signal kommt von einem Planeten, extrem dichte Vegetation,” meldete XioXio, ihre Stimme scharf und konzentriert, während sie mit schnellen Fingern durch die Daten scrollte, die auf ihrem Bildschirm aufleuchteten. 

“Können wir herausfinden, was das genau für ein Signal ist?” fragte Rose mit angespanntem Ton. Ihr Blick war auf die Kommunikationskanäle fixiert, die immer noch von den bizarren Klängen geflutet wurden. Das Signal hatte etwas Rohes, Ungefiltertes, und der Gedanke, dass es von einem Schrei stammte, schien sie zu beunruhigen.

“Es ist... einfach nur ein Schrei”, antwortete sie schließlich zögernd. Jerky, währenddessen, rieb sich mit einer Hand den Hinterkopf, als er selbst ratlos von dieser Sache war.

“Ein Schrei könnte alles sein,” sagte Rose.

“Moment, warten Sie.” XioXios Finger flogen erneut über die Konsole, als sie das Signal nochmal abspielte, bis sie schließlich korrigierte, “Es ist.. Ein Hilfeschrei?” selbst überrascht, als sich dieses Signal, das sich dennoch sehr leise anhörte, durch die Brücke hallte.

Jerky’s Augen weiteten sich für einen kurzen Moment, doch sein Blick wurde rasch entschlossen. Er klatschte die Hände zusammen und stand auf, als wäre sein Entschluss schon längst gefasst. “Gut,“ begann er, seine Stimme fest und ohne Zögern. “Wir gehen runter und helfen.“

“Captain.” Die Kommandantin war schon bereits wieder am Ende ihrer Nerven mit ihm und sah ihn nur mit einem müden, leicht genervten Blick an. Sie seufzte und verschränkte die Arme. “Dieser Planet ist kaum bewohnt. Wir wissen nicht, was uns da unten erwartet. Und Sie wollen einfach…”

“Genau deshalb!“ unterbrach er hastig, mit einem entschiedenen Nicken. “Jemand oder etwas braucht unsere Hilfe, und da sind wir gefragt.“ Er drehte sich entschlossen um, bereit, sich aus der Tür zu wagen, als wäre es eine einfache Entscheidung, ohne den Schatten eines Zweifels.

XioXio richtete sich wieder auf ihrer Konsole, “Und bisher hat die Botanische Erforschung nur,” ihre Augen weiteten sich, als ob sie es selbst nicht erwartet hätte, “20% der kompletten Forschung gesammelt”

“Wie ich bereits sagte,” er sprach seinen Satz Wort für Wort, als der diese kurze Unterbrechung nicht wertschätze und sich wieder zur Crew umdrehen musste, als ob er bereits den Entschluss nicht getroffen hätte, “Wir gehen runter, und helfen.”

“Wabou, komm jetzt!” Am anderen Ende erschreckte sich der gesagte Alien, fast so, als wäre er aus einer Trance aufgewacht. Er schaute sich hastig um, seine eigene Panik wurde ihm klar, bevor er fähig war zu antworten, “Äh… ja, Captain!"

Schon waren sie auf dem Weg, Wabou, Jerky und Curly, der gerade widerwillig aus seinem eigenen Labor gezehrt wurde, doch nichts wirklich dagegen sagen konnte, auf dem Weg zum Beam-Raum.

Eine einfache Mission, begann es schon im Kopf des so charismatischen Captains zu spielen, drei tapfere Helden wurden sich auf den weit unbekannten Planeten wagen, um einen Hilfeschrei zu beantworten. Von was genau es nun kam, wussten sie noch nicht, aber genau das verleite diese Mission ihren nervenkitzlichen Abenteuer.

Der Planet empfang sie wie eine Umarmung und hieß sie praktisch willkommen, mit einem atemberaubenden Panorama, das sie für einen Moment in Staunen versetzte. Sie standen auf einer Klippe, die in einen schier endlosen Dschungel überging, voll von gigantischen Bäumen, deren leuchtend grüne Blätter und dicke Lianen wie ein undurchdringliches Dach wirkten. 

Die Blätter, einige so groß wie ihr Kopf, schimmerten in seltsamen Farben, die in der Atmosphäre des Planeten zu leuchtenden wie ein Regenbogen. Der Boden vor ihnen fiel steil ab in eine dichte, nebelige Schlucht, durch die sich ein violett schimmernder Fluss wand, der in der Ferne irgendwo im Dschungel verschwand.

Es war umwerfend Schön, besonders für jemanden wie Wabou, der sich in dieser Natur praktisch wie in seiner eigenen Heimat wiederfand. Und für Curly, einen Botaniker, ließ es seine Nerven von Interesse förmlich sprödeln.

Jerky jedoch blieb nicht lange überrascht von diesem Anblick, er begab sich weg von der Klippe, sog die feuchte, fast süße Luft ein und drehte sich dann zu seinem Kommunikationsgerät. “XioXio, hören sie mich?”

Nach einem kurzen Rauschen ertönte XioXio’s Stimme klar und direkt, “Laut und deutlich, Captain.“

Er grinste zufrieden, bevor er ein übertrieben großes Blatt beiseite schieben musste, das ihm seine Sicht blockierte, und sah sich weiterhin um. “Nun gut, erklären Sie mir doch mehr über diesen…“ Er machte eine dramatische Pause. “…Planeten.“

Sie seufzte und schien am anderen Ende der Verbindung kurz die Stirn zu runzeln. “Captain, wir haben nur 20 % der Daten zu diesem Planeten. Das bedeutet, dass hier möglicherweise 80 % unerforschte Gefahren und Überraschungen auf euch warten konnten”

Jerky wiederum winkte dies ungeduldig ab und grinste. “Ach, das bisschen Risiko”

XioXio versuchte es noch einmal zu erklären, doch schon erschien eine andere Stimme am Ende der Leitung, die natürlich zu keinem anderen gehörte als von Rose, “Captain, hören Sie mir wenigstens für eine Minute zu! Das hier könnte mehr als nur ein bisschen Risiko sein. Wir wissen nichts über die Flora, die Fauna oder was auch immer dieses Signal erzeugt.”

Doch bevor Jerky eine spöttische Antwort geben konnte, wurde die Luft plötzlich von einem tiefen, dumpfen Klang erfüllt, der aus dem Tal unter ihnen zu kommen schien. Es war ein seltsamer, pulsierender Rhythmus, fast wie ein Herzschlag, doch verzerrt, metallisch und unnatürlich – wie eine Art fremdartiges Echo. Der Klang wuchs und sank, als würde er leben und atmen.

Der Captain drehte sich langsam um, seine Augen weiteten sich leicht, während er den Ursprung des Geräuschs zu orten versuchte. Die ganze Gruppe verstummte und tauschte einen angespannten Blick. Für einen Moment herrschte völlige Stille, bis Jerky leise sprach, “Halten Sie diesen Gedanken, Lieutenant.“ Er nickte in Richtung des Signals. “Los, was auch immer das ist scheint unsere unsere Aufmerksamkeit zu wollen“

Wabou blieb stehen in seinen Schritten, als man ihn die Panik förmlich ansehen konnte, sowohl er sich als auch wohl fühlte in diesem Grünen Paradies, ließ der Schrei ihn immer mehr in Angst zerfallen. “Captain… sollten wir nicht zumindest sicherstellen, dass der Rückweg frei ist?“ Er spielte kurz mit seinen Fingern herum, als die zwei sich zu ihm wandten, mit Verwirrung.

"Wovon redest du, Wabou?” fragte Jerky.

Er zuckte mit den Schultern. “Wenn wir uns auf das, was dort unten ist, vorbereiten.." Er blinzelte, und er sah sich kurz in der Gegend herum. “Könnten wir vielleicht ja von hier oben auch.. Überrascht werden?” Nun war es schon längst klar, dass er lediglich nur die Zeit verharren wollte. 

“Du wolltest auf dem Raumschiff bleiben, nicht wahr?” sprach Jerky schließlich, und wie schon erwartet, nickte der Pilot zögerlich. Er seufzte und rieb sich nur seine Stirn, bis der Schrei wieder erklang, doch dieses Mal sprang Wabou wortwörtlich vor Angst in Curlys Armen.

Der Captain zog seine Waffe, sein Grinsen kaum zu verbergen als er sprach, “Nun denn, ein Fall für Team Jerky und seine treuen Gefährten"

“Also ich bin immer noch dafür das wir uns die Drei Huren-"

“Schon gut, schon gut”, rief Jerky, unterbrach so Curly während er den ersten Schritt auf einen schmalen Pfad machte, der sich die Klippe hinabwand und tiefer in den Dschungel führte. Er warf den anderen einen zuversichtlichen Blick zu, “Wir können über unseren Namen später entscheiden, lösen wir erstmal das Mysterium des Schreis"

Die zwei sahen sich gegeneinander an, Curly ließ nun Wabou nieder auf dem Boden und sie zwei folgten ihm vorsichtig, ihre Hände bereits auf ihre Waffen gerichtet.

Der Weg brachte sie bald zu einem versteckten Höhleneingang, halb verdeckt von riesigen Wurzeln und herabhängenden Lianen, aus dem das unheimliche Geräusch zu kommen schien. Der pulsierende Klang wurde lauter, dröhnte nun wie ein verzerrter Atemzug, der den Boden unter ihnen vibrieren ließ. In der Dunkelheit der Höhle leuchtete etwas, das wie Silber wirkte – doch als sie näher kamen, stellten sie fest, dass es nur die Außenschicht von etwas, viel größeres war.

Kaum hatten sie die Höhle betreten, kniff auch zu schnell Wabou zusammen. Seine Augen weiteten sich im Angesicht des, was ihn seit geraumer Zeit auf seinen eigenen Planeten heimgesucht hatte. Nur, viel, viel größer. Eine art Eidechse. 

Sein Gehirn schien wie als hätte es sich von selbst ausgeschaltet und er konnte nur vor Angst schreien. Er schoss in eine andere Richtung raus aus der Höhle, so schnell, dass die zwei kaum Zeit hatten, darauf zu reagieren, was seinen Schrei auslöste. Curly jedoch war schon weit entfernt und rannte nur so hinter seinem aufgeregten Freund hinterher.

Während Jerky, nun allein vor dem Stand, was vermutlich auch hinter dem Signal steckte. Mit einer schuppigen Haut, wie ein Schild und Krallen so scharf, dass sie Funken schlugen, wenn sie über die Felsen kratzen, öffnete es träge die Augen und starrte den Eindringling an.

Er lächelte schwach an. Als hätte er sich in der falschen Höhle geirrt.

Er drehte sich um und wollte den beiden folgen, doch dann schoss plötzlich ein massiver, peitschender Schwanz quer durch die Höhle und blockierte seinen Fluchtweg. Das riesige Tier richtete sich auf, die geschuppten Augen fokussierten auf ihn. Es hatte ihn im Visier.

“Ach, komm schon!“ rief er genervt und duckte sich hastig, als das Biest nach ihm schnappte. Es bewegte sich überraschend schnell für seine Größe, seine Krallen schlugen donnernd in den Boden, und der Stein splitterte unter der Wucht seiner Schläge. Jerky wich einem Hieb nach dem anderen aus, rollte sich geschickt zur Seite und zog schließlich seine Waffe. Er zielte und drückte ab – doch der Energiestrahl prallte einfach von der harten Schuppenhaut des Tieres ab, ohne auch nur eine Delle zu hinterlassen.

“Och nöö” seufzte Jerky, bevor ihn das Biest mit einer Klaue erwischte und gegen die Wand schleuderte. Benommen sammelte er sich hastig auf, nur um festzustellen, dass das riesige Tier sich langsam über ihn beugte und ihn erneut ins Visier nahm. Doch bevor es ihn mit Haut und Haar verschlingen konnte, schob sich eine zweite Eidechse dazwischen. Es hatte sich so hart in das andere Biest geschubst, dass es kurz auf dem Boden lag. Die beiden Riesen stießen donnernd gegeneinander und fingen an zu kämpfen, Zähne und Krallen in einem wilden Tumult, mit Jerky ausgerechnet genau in der Mitte des Chaos.

Gefangen zwischen den beiden Ungeheuern, suchte er verzweifelt nach einem Ausweg. Die Schuppen der Kreaturen glitzerten in dem spärlichen Licht, während sie sich gegenseitig ansprangen und mit ihren Schwänzen durch die Luft peitschten. Jerky konnte diese gerade noch ausweichen, als der Schwanz der einen Eidechse haarscharf über seinem Kopf hinweg sauste und gegen die Höhlenwand donnerte.

“Das wird ja immer besser“, murmelte er sarkastisch und duckte sich, als ein Schwung Klauen nur Zentimeter an seinem Kopf vorbei rauschte. Er spürte die Vibrationen im Boden, als die beiden Giganten aufeinander prallten, er hatte keine Zeit mehr zu verlieren,  er musste hier schnell raus, bevor einer der Kämpfer beschloss, dass er eine bessere Beute abgeben würde.

Er hob den Kopf und entdeckte über sich einen Lichtschimmer, der durch ein großes Loch in der Decke in die Höhle fiel. Vielleicht war das seine Chance. Wenn er nur irgendwie dorthin gelangen könnte… Doch seine Gedanken wurden unterbrochen, als einer der peitschenden Schwänze direkt vor ihm auf dem Boden aufschlug und Gestein splittern ließ. Er machte sich hektisch daran, den Ausgang zu erreichen, die Stelle, durch die Curly und Wabou zuvor geflohen waren. Der Weg war nun frei, die zwei Giganten waren zu sehr in ihrem eigenen Kampf vertieft, um ihn zu bemerken.

Ohne einen weiteren Blick zurück warf er sich durch die Öffnung und rannte hinaus. Gerade, als das grelle Licht der Außenwelt seine Augen blendete und er die kühle Luft des Dschungels einatmete, trat er auf eine falsche Felskante. Ein Riss durchzog den Boden unter ihm, und im nächsten Moment wurde der Boden wortwörtlich unter seinen Füßen weggerissen, als er den steilen Hang hinunter stürzte.

Er rollte unkontrolliert über den felsigen Abhang, wirbelte durch dichte Büsche und riss an Dornen und Ästen vorbei. Scharfe Kanten und harte Steine setzten ihm zu, und er kniff die Augen fest zusammen, als er spürte, wie seine Ausrüstung um ihn herum in alle Richtungen flog. Doch dann, mit einem überraschend weichen fang, kam er plötzlich auf etwas Sanftem zum Liegen.

Für einen Moment war er benommen und blinzelte in das grüne Gewirr unter sich. Doch als er sich umsehen wollte, fühlte er, wie das sanfte Polster unter ihm nachgab, es war keine feste Oberfläche, sondern eine riesige, seltsame Pflanze, die sich unter seinem Gewicht wie eine gespannte Feder aufgeladen hatte. Ehe er wusste, was geschah, wurde er mit voller Wucht in die Luft geschleudert, und er flog wieder hoch über den Boden, drehte sich in der Luft und schrie.

Als die Schwerkraft ihn erneut packte und er auf einen Haufen dichter Lianen zusteuerte, ergriffen diese regelrecht nach ihm, verfingen sich an seinen Beinen und Armen und hielten ihn abrupt in der Luft fest.

Er hing kopfüber, die Arme über sich verschränkt, völlig verdreht und gefangen wie eine Fliege im Netz. “Na super,“ seufzte er und baumelte hilflos über dem Boden. Er versuchte, einen Arm zu befreien, doch die Lianen zogen sich enger zusammen, je mehr er sich bewegte.

Ein leichtes Knacken erfang ihm noch rechtzeitig, zum Glück ging sein Kommunikator noch nicht so wie seine Ausrüstung, da seine Waffe nun weg war. Die Stimme über den Funk war jedoch nicht die, auf die er sich erhofft hatte, als Rose sprach, "Captain! Hören Sie mich?“

“Schlechter Zeitpunkt, Rose!” schrie er, der Kommunikator, weit entfernt von ihm an seinem Arm, der sich verschränkt vor seinen Augen hielt. 

Plötzlich gab es ein weiteres, lauteres Knacken. Er hatte gerade noch Zeit, vor sich hin zu fluchen, bevor die Lianen unerwartet nachgaben und ihn unsanft zu Boden schickten. Der Aufprall war hart, und er spürte einen scharfen, durchdringenden Schmerz, als sein rechter Arm sich unter seinem Gewicht verdreht hatte und mit einem lauten Knacken brach. Ein Schrei entwich ihm, lauter, als er beabsichtigt hatte, ein dumpfer, qualvoller Laut, der durch den Dschungel hallte.

“Oh,” er kniff seine Augen zusammen, überwältigt von dem Schmerz, “Scheiße!” schrie er erneut.

Gerade, als er noch damit beschäftigt war, sich wieder zu fangen und den pochenden Schmerz in seinem Arm zu unterdrücken, hörte er das Rascheln von Bewegungen ringsum. Ein Schauder lief ihm über den Rücken, als er in die Büsche blickte und die Augen von wilden Wolf ähnlichen Kreaturen entdeckte, die sich leise und zielgerichtet näherten, die Fänge gefletscht und die Augen weit vor Hunger.

“Nicht euer ernst” murmelte er, kämpfte sich auf die Beine und begann zu rennen. So schnell er konnte mit dem Schmerz, zumindest. Der wiederum seinen ganzen Körper durchzog, mit jeder Bewegung, aber die Nähe der Kreaturen ließ ihm keine andere Wahl. Er preschte durch die Dichte, wich herabhängenden Ästen und Dornen aus, als die Tiere ihn verfolgten. 

Er musste nur so schnell wie möglich raus, bevor er noch als Tierfutter endete. Doch schon als sich die Panik in ihm breit machte, sprang eines der Tiere von hinten auf ihn und riss ihn so zu Boden. Er musste keuchte, als das Gewicht des Tieres ihn festhielt und seine scharfen Krallen sich in seinen Bauch gruben.

Er hatte kaum Zeit, über die Intensität des Schmerzes nachzudenken, als ihm ein Gedanke kam. An seinem Armband – das einzige Stück Ausrüstung, das noch intakt geblieben war. Er streckte sich mit seiner linken Hand danach und zerrte die winzige Waffe hervor. Mit einer schnellen Bewegung zielte er und feuerte auf das Tier, das sich mit einem jaulenden Laut zurückzog und zur Seite taumelte.

Die anderen hielten abrupt an, beobachteten ihn bedenklich, als ob sie ihre Chancen wogen gegenüber jemandem mit einer Waffe. Sie zogen sich, bei seinem Glück, doch zurück. Doch nur für wie lange würde das auch so bleiben, und wer konnte genau wissen, ob sie nicht fort gingen, nur um noch mehr von ihnen zu holen?

Er hustete und begab sich mühsam auf die Beine, der pochende Schmerz in ihm, und von seinem gebrochenen Arm machte jede Bewegung zur Qual. Sein Atem ging in unregelmäßigen Abständen, während er darum kämpfte, wach zu bleiben. 

Nun begann er zu begreifen, was tatsächlich mit ihm passiert war, ob er wollte, ob es wahr war oder nicht. Seine Hand war gegen seinen Bauch gedrückt und sein Blick kämpfte mit jeder Sekunde. Es ging ihm schlecht, selbst für jemanden wie ihn, er spürte, wie jedes letzte bisschen Kraft nachließ, wenn er einfach nur versuchte, einen Schritt nach dem anderen zu machen.

Und seine Seh war sicherlich nicht besser, da die Dunkelheit ihn zu verschlingen drohte. Die Natur schloss sich um ihn an und bot ihm sowohl Zuflucht als auch weitere Gefahr. Was war das nur für ein kranker Planet, deswegen war er wohl nur zu 20% erforscht.

Es gab kein einziges Geräusch mehr, bis auf das sanfte Rascheln der Blätter und das ferne Singen von irgendetwas, das ihn nicht wirklich interessierte. 

Er konnte weiterhin nicht so im offenen Gelände bleiben. Er sah sich nach einem Unterschlupf um, suchte die Umgebung mit schnellen Blicken ab und entdeckte einen halb verfallenen Felsüberhang etwas abseits im Dschungel. Es war nicht perfekt, aber es würde ihn zumindest für eine Weile vor weiteren Angriffen schützen.

Zitternd und gegen die Wellen des Schmerzes ankämpfend, schleppte er sich zu dem Unterschlupf, lehnte sich gegen den kühlen Stein und versuchte, seine Atmung zu beruhigen. “Rose,” keuchte er schließlich in den Kommunikator, "Können Sie mich hören?"

Seine Augen weiteten sich, ausgerechnet das auch noch. Sein Kommunikator hatte einen Riss, es muss wohl beim Fall kaputt gegangen sein, er wollte nun wirklich schreien, nichts als alles andere.

Er versuchte sich aufrecht gegen den Felsen zu halten, doch presste seine Zähne zusammen, als ein weiterer Schmerz ihn durchfuhr. Das Blut begann nun zu fließen, leicht aber dennoch da.

Er biss die Zähne zusammen und griff nach dem Stoff seiner Jeans mit seinem guten Arm. Er atmete kurz tief ein, bevor er sich der Wunde widmete. Es tat so weh, mehr als was er jemals erlebt hatte. Er kniff seine Augen zusammen, kleine Tränen machten sich schon bekannt in seinen Augenwinkel, er hasste diese Schwäche in sich, doch gleichzeitig wusste er, dass es nicht zu ändern war. Mit einem zittrigen Atemzug zog er die Bandage so fest wie möglich und verknüpfte den Stoff in einem ungeschickten Knoten, der die Wunde gerade so verschloss.

Er schloss die Augen und stützte seinen Kopf an den Felsen, sein Atem flach und unregelmäßig. Doch selbst in diesem Moment konnte er ein leichtes Grinsen nicht verhindern. Nun wollte er zu gern Rose hören, als sie immer gern behauptete, dass er nichts von der Akademie gelernt hatte.

Die Ironie entging ihm aber nicht. 

Zum ersten Mal fühlte er die Last seiner Entscheidungen wirklich auf seinen Schultern. Er hatte sie nie hinterfragt, nie gezweifelt, doch jetzt, im stillen Moment des Alleinseins, brach all das auf. War er wirklich so stark, wie er immer geglaubt hatte? Oder war er bloß ein Narr, der zu spät erkannte, wie hochmütig er in Wahrheit war?

Er musterte ein bitteres Lächeln zugleich. Er war wohl ein Idiot, nun gut.

In diesem stillen Moment schien das Universum, jedoch nicht allzu schwer. Es war erträglich, da lebte er nun für Monate auf einem Raumschiff, wandte sich jederzeit an seine Aufgaben als Captain und dennoch fiel ihm dieser Moment von stiller Ruhe so schwer auf sein Herz. Was er nicht geben würde, um dies mit seiner Crew zu teilen.

Während es sich aber auf der Brücke, gar nicht gut entfaltete.

Die meisten standen verstreut, angespannt um XioXios Kontrolle, da das Signal von ihrem Captain einfach so schien, als ob es in nur ein paar Sekunden verschwand. Sie konnte noch die Signale von Curly und Wabou orten, aber von Jerky fehlte jede Spur.

Sie war sprachlos, zugleich sehr beunruhigt, als sie wild auf ihren Screen tippte und jegliche Methode versuchte, das Signal wieder zu finden. Der Gedanke, dass das Kommunikationsgerät des Captains zerstört worden sein könnte, ließ sie unruhig schlucken. Jahrelang hatte die Akademie darauf hingewiesen, dass ein Signal nur unter bestimmten Umständen so abrupt abbrechen konnte. Entweder, weil das Gerät von einer äußeren Störung beeinflusst wurde – oder schlimmer, wenn es bewusst zerstört wurde.

Jerky war natürlich kein vorsichtiger Mann, doch selbst jemand wie er würde sein Funkgerät einfach nicht so zerstören lassen. Außer, es wurde aus Absicht zerstört.

"Und? Ist es wirklich komplett weg?" fragte Rose. Ihre Stimme klang angespannt, beinahe gepresst. Die Vorstellung, dass Jerky einfach so verschwunden war, war schwer zu ertragen.

XioXio zögerte, ihre Finger schwebten über die Kontrollen. "Ich... ich kann ihn nicht erreichen, aber das heißt nicht, dass er nicht mehr auf dem Planeten ist" Sie dachte fieberhaft nach. “Ich könnte höchstens seinen Herzschlag erreichen, oder vielleicht...”.

"Übertrag es," sagte die Kommandantin fest und ohne zu zögern.

XioXio nickte und tippte die nötigen Befehle ein. Ein leises, dumpfes Brummen erfüllte den Raum, das jedoch zu den Captain gehören sollte, also warum war es dann so langsam und unregelmäßig. Das sonore Pochen verblasste.

“XioXio, was passiert da?" fragte Rose, eine Spur von Panik machte sich breit in ihrer Stimme.

Während XioXio auf die Anzeige starrte, waren ihre Augen geweitet. “Ich… ich weiß es nicht! Es scheint…” Sie hielt inne, während ihre Finger hektisch über die Tastatur flogen. “Sein Herzschlag... er wird immer schwächer.”

Rose griff sofort zu ihrem eigenen Funkgerät und schrie in den Kommunikator, “Captain?! Hören Sie mich?” Doch nichts kam, wie sie befürchtet hatte.

Ein dumpfer Schlag hallte noch immer durch den Raum.

“Captain! Melden Sie sich!“ schrie sie erneut, ihre Stimme klang fast verzweifelt.

Zwei Schläge.

“Jerky!“ Das letzte Wort verließ sie beinahe wie ein Flehen, und das pochende Signal verblasste völlig. Der Herzschlag verstummte.

Eine schwere Stille senkte sich über den Raum, als würden die Wände die Verzweiflung und Angst der Crew in sich aufsaugen. Kein Flackern der Konsolen, kein weiterer Herzschlag. Es war, als hätte das Universum für einen Moment angehalten.

“XioXio?“ flüsterte Rose schließlich, kaum in der Lage, ihren eigenen Atem zu kontrollieren.

“Ich weiß es nicht!" schrie sie plötzlich auf, und in ihrer eigenen Verzweiflung vergrub sie ihre Finger in ihrem Haar und riss ein paar Strähnen heraus. “Er… er scheint noch irgendwo da draußen zu sein, aber ich… ich habe selbst das schwächste Signal seines Herzschlags verloren!”

Nun realisierte sie auch, was das bedeutete und ein kaltes Gefühl breitete sich in ihrer Brust aus.

„Wir müssen ihn sofort da rausholen!“ rief sie, ihre Stimme scharf und entschlossen.

Die Angst strömte durch seine Adern und machte ihm den Schmerz seiner Verletzungen deutlich bewusst. Sein Atem ging flach und sein Geist war ein Wirbelwind seiner eigenen Panik, die er noch versuchte zu unterdrücken. Er konnte sie klar wie der Tag hören, er konnte die schwachen Echos der Rufe hören, die immer näher kamen, es würde nicht mehr lange dauern, bis sie ihn doch ergriffen.

Sein Körper schmerzte, sowohl wegen dem körperlichen Trauma, den er erlitten hatte, als auch wegen der Kälte, die ihm unbemerkt in die Knochen gekrochen war. Witzig, obwohl dieser Ort warm war, fühlte er sich dennoch von ihnen so leer und bitterlich kalt an.

Er zitterte unkontrolliert, rollte sich zusammen und zog die Knie dicht an sein Kinn.

Trotz dieser bitteren Kälte und Angst hatte er keine Kontrolle über die Tränen, die zu fließen begannen. Sie fielen Stück für Stück aus seinen Augen, über seine tauben Wangen und auf seine dreckigen Hände bis auf seine Knien. Er wusste nicht, warum er plötzlich anfing zu weinen, vielleicht war er einfach überwältigt von all dem, oder es vielleicht an der Kälte lag, es war ihm im Moment einfach egal.

Wenn er ehrlich war, wollte er einfach nur wieder zurück aufs Schiff. Oder vielleicht sogar, einfach nur nach Hause. Doch dies schien so weit weg zu sein, wie sein Atem es auch nun war.

Sein Körper selbst zeigte keine Anzeichen dafür, dass es sich beruhigte, er zitterte weiterhin unerbittlich, nicht nur wegen der Kälte, sondern auch wegen der bitteren Erschöpfung. Es wurde immer schwieriger, seine Augen noch länger offen zu halten.

“Lieutenant Rose!” rief es vom Eingang der Brücke. Ein Crewmitglied stürmte herein und rief hektisch, “Wabou und Curly haben sich soeben hochgebeamt!” Rose fuhr fort, völlig perplex. “Was?!“ rief sie. Noch bevor sie es richtig verarbeiten konnte, stolperten Wabou und Curly tatsächlich auf die Brücke, den Schweiß auf der Stirn und die Panik in den Augen. “Captain?!“ keuchte Curly, als beide sich auf der Brücke nun umher schauten nach ihm.

“Wieso ist Jerky nicht bei euch?“ fragte er scharf. “Hat er sich nicht hochgebeamt?“

Rose antwortete zornig zurück, “Nein! Er ist noch immer dort unten!” Sie schüttelte fassungslos ihren Kopf. “und–und, was macht ihr eigentlich hier?!”

Wabou schluckte schwer, unsicher, was er antworten sollte. “Ja, ähm, also… wir dachten… wir dachten, dass der Captain sich schon selbst wieder hochbeamt hätte”

Curly nickte. “Seitdem wir diesem riesigen Echsen-Ding begegnet sind und Wabou einfach losgerannt ist, sind wir irgendwie getrennt worden. Es gab plötzlich keine Spur mehr von ihm.“

Rose’s Augen verengten sich, und sie nahm zornig einen Schritt auf die beiden zu. “Und ihr habt nicht mal für eine Sekunde nachgedacht, ob ihr zurück gehen solltet, um ihn zu suchen, oder zu helfen?!” Sie starrte die beiden an, ihr bloßer Anblick ließ die zwei Männer schon in Angst zurückweichen.

Die beiden senkten die Köpfe, offensichtlich peinlich berührt. Ihre Gesichter waren jetzt von Schuldbewusstsein gezeichnet, und sie tauschten einen unsicheren Blick.

“Oh…“ murmelte Curly schließlich und scharrte mit dem Fuß über den Boden, unfähig, Rose direkt anzusehen.

Die Kommandantin presste ihre Lippen zusammen, ihre Hände gingen zu ihrer Stirn, als sie gegen eine Migräne an kämpfte. Sie hätte sich am liebsten die Haare herausgerissen, so wie es XioXio bereits wortwörtlich tat, ein Gedanke, sie entnahm weiterhin ein paar Strähnen und aß sie aus purem Stress. Rose wandte sich wieder zu ihr.

“XioXio!“ rief sie, die Stimme heiser vor Anspannung. “Sag mir, dass du eine Idee hast, wo er sein könnte, irgendwo, irgendetwas!”

Er drückte seinen Körper gegen die kalte, raue Felswand, als wollte er in ihr verschwinden. Jeder Muskel in seinem Körper war angespannt, seine Finger zitterten leicht, während sie seine Lippen bedeckten, er wagte es kaum zu atmen, geschweige denn, sich zu bewegen, als ob er überhaupt noch konnte. 

Er konnte die Tiere hören, wie sie um ihn herum schliefen. Man konnte sich wohl seine Angst vorstellen, als sie ihn schließlich dennoch gefunden hatten.

Die Idee kam ihm in einer Welle aus Panik und Hoffnung zugleich, Es gab eine schmale Felsleiste, ein gutes Stück neben ihm, das ihn weiter oben zu der Klippe führen würde. Wenn er es schaffen könnte, hinaufzuklettern, wäre er vielleicht in Sicherheit. Es schien für ihn unmöglich, doch was hatte er noch zu verlieren?

Er starrte nach oben, das schwache Licht, das durch ein Loch im Felsdach fiel, schimmerte über die Kante, die ihm wie ein flüchtiger Rettungsanker erschien. Doch seine Rippen schmerzten unerbittlich, und sein Arm pochte so heftig, dass er fast schwindelig bei jeder noch so kleinsten Bewegung wurde.

Er schüttelte den Kopf, versuchte den Schmerz zu ignorieren. Nur einen Schritt nach dem anderen, traute er sich selbst zu und ballte seine Hände zu Fäuste, um die Angst zu unterdrücken. Er drückte seine Handfläche vorsichtig gegen den Felsen und testete den Griff. Die steinige Oberfläche war uneben, brüchig, aber für ihn die einzige Option.

Langsam zog er sich nach oben, Zentimeter für Zentimeter, dabei jeden Atemzug kontrolliert, um nicht zu stöhnen. Sein verletzter Arm hing schlaff an seiner Seite, und er musste sich allein auf seine linke Hand verlassen, die inzwischen vor Anstrengung schmerzte. Jeder Zug fühlte sich an, als würde er einen riesigen Berg überwinden, seine Muskeln brannten vor Anstrengung, doch seine Entschlossenheit ließ ihn nicht los.

Unten hörte er plötzlich ein Knurren, leise und bedrohlich, als eins der Tiere die Nase hob. Die Ohren des Wesens zuckten, und Jerky konnte förmlich spüren, wie die Bestie nach ihm witterte. Er hielt den Atem an, sein Herz schlug ihm bis zum Hals, und er wartete angespannt darauf, ob das Tier ihn entdeckte.

Doch als nichts passierte, zwang er sich weiter, schob sich noch ein wenig höher. Der Schmerz in seiner Schulter war beinahe unerträglich, und ihm wurde noch mehr schwindelig als zuvor. Er tastete vorsichtig mit seiner Hand die schmale Kante über ihm ab, er hatte es geschafft.

Mit letzter Kraft versuchte er sich auf die schmale Klippe zu ziehen, doch dann, ein Tritt auf einen losen Stein, ließ ihn hängen. Die Tiere hatten es selbst gehört und fingen nun an, nach ihm zu springen. Jetzt nur nicht in Panik geraten, das war das Letzte, was er brauchte. Er zog sich hoch, schwer und doch mit seiner Entschlossenheit. Er rollte sich flach auf den Rücken, den Blick zum Himmel gerichtet. Er schloss die Augen und versuchte, seinen Herzschlag zu beruhigen. 

Unten hörte er die Tiere, die noch immer nach ihm bellten. Er hatte es überstanden, zumindest für diesen Moment. Denn der Schmerz ließ ihn nicht so einfach entkommen.

“Wollen sie wissen wie lange ich dafür gebraucht hab Wabou aus dem Baum zu kriegen!?” schrie Curly empört und warf seine Hände wild durch die Luft, “Und dabei von wilden Simiiformes ausgelacht zu werden?” Schließlich verschränkte er seine Arme, als er seine Wahl getroffen hat, “Ich gehe kein zweites Mal darunter.”

Sie konnte kaum glauben, was sie dort hörte, und warf ihm einen entsetzten Blick, “Tun sie es doch wenigstens für ihren Captain!”

Curly verstummte und schaute sie an, das Kinn trotzig vorgeschoben, doch seine Haltung wirkte zögerlich, als ihre Worte ihn trafen. Für einen Moment starrte er auf den Boden und schwieg, bevor er schließlich aus atmete, aber nichts weiter sagte.

Sie konnte nur verzweifelt seufzen, schaute sich um und ließ ihren Blick über die anderen Crewmitglieder schweifen. “Also gut,“ sagte sie laut. “Wer meldet sich freiwillig, um mich zu begleiten?" Ihre Stimme hallte in der Stille der Brücke.

Doch die Crew, von dem sie es selbst befürchtet hatte, standen alle stocksteif da, niemand wagte, auch nur den Kopf zu heben. Sie alle schauten angestrengt auf ihre Bildschirme oder die gegenüberliegende Wand, jeder versuchte, sich so unsichtbar wie möglich zu machen.

Sie zog scharf die Luft ein. Die Situation war schlimm genug, dass sie weit entfernt von der Föderation waren oder jegliche andere Schwester Schiffe um denen nach Hilfe zu bitten. Es war nicht ihre Angelegenheit, sich einfach darunter zu stürzen. Doch dass niemand auch nur ansatzweise bereit war, ein Risiko einzugehen, frustrierte sie.

Rose schüttelte den Kopf, die Verärgerung stand ihr ins Gesicht geschrieben, als sie dann seufzte und sich entschlossen, umdrehte.

Jeder Atemzug brannte wie Feuer in seiner Brust.

Sein Arm, ohnehin schon schmerzhaft genug, pulsierte jetzt wie ein eigenes Wesen, ein hartnäckiger Schmerz, der bei jeder Bewegung schlimmer wurde. Die improvisierte Bandage, die er zuvor angebracht hatte, war während des Kletterns aufgegangen und nun, da er endlich in Sicherheit schien, sah er das ganze Ausmaß seiner Verletzungen deutlich, Die Wunde war blutig und angeschwollen, der Arm steif und unnatürlich verdreht.

Es hat sich alles verschlechtert, obwohl er es nur aus guten Absichten tat.

Er fluchte leise, dann biss er die Zähne zusammen, während er vorsichtig die blutige Bandage neu verknotete. Der Schweiß lief ihm über die Stirn, und seine Sicht verschwamm für einen Moment vor Erschöpfung. Wann war das letzte Mal, dass er überhaupt was getrunken hatte?

Er konnte nicht hier bleiben, nicht mehr. Die Tiere unten hatten seinen Geruch längst aufgenommen, es war nur eine Frage der Zeit, bis sie irgendeinen Weg fanden ihn zu erreichen. Langsam zwang er sich, aufzustehen, jeden einzelnen Muskel zu sammeln, den er noch kontrollieren konnte.

Als er jedoch einen Fuß vor den anderen setzen wollte, fiel er. Natürlich hart auf dem Boden, sodass er husten musste, vor dem, was unkontrolliert aus ihm herauskam. Durch seine verschwommene Sicht sah er diese fatalen roten Tropfen direkt vor ihm. Was passierte hier nur? 

Der Dschungel dehnte sich vor ihm aus, riesig, undurchdringlich und voller Gefahren. Ein paar Vögel kreischten umher, und dann sah er es, sein Funkgerät, es blinkte hellblau. Er ertappte darauf, so schnell er nur konnte im Moment.

Kaum hatte er den Knopf gedrückt, knackte es in seinem Ohr. Rose' Stimme durchbrach es, fast ungläubig, dass die Hoffnung noch auf ihrer Seite mitspielte, “Captain! Captain, hören Sie mich?!”

Doch er konnte nichts sagen, und das begreifte er zu spät. Egal wie sehr er sich anstrengte einen Laut von sich zu geben, kam nichts.

Es schien, dass Selbst Rose das begriff, jedoch war sie mehr ausgebildet in solchen Situationen, also sprach sie sofort danach, “Captain, Sie müssen sich konzentrieren. Hören Sie mich!?“ Ihre Stimme zitterte, und man konnte die Anspannung deutlich heraushören. “Gibt es irgendetwas, egal was, in Ihrer Umgebung, das auffällig ist?”

Er blinzelte schwerfällig und blickte sich um, seine Sicht vernebelte sich immer mehr, doch dann sah er etwas. Etwas in der Ferne, schwach und violett schimmernd, wie eine Blüte, die in der Düsternis leuchtete. Die Worte entglitten ihm kaum hörbar über die Lippen, “Blume... violett…”

Rose hörte ihn, er hörte ihn um der Föderations Willen, sie konnte kaum das erleichterte Lächeln auf ihrem Gesicht unterdrücken. So gleich die Freude in ihr aufkam, verschwand sie aber auch so schnell, bevor sie etwas erwidern konnte, verstummte der Funk erneut. Es kam nichts mehr.

“Jerky?! Jerky!!” Ihre Stimme wurde lauter, fast verzweifelt, aber das Funkgerät blieb stumm. Es herrschte eine bedrückende Stille in ihrem Ohr, eine Stille, die sie so nicht akzeptieren konnte.

Mit aufgerissenen Augen starrte Rose auf das Display vor ihr. “Nein…” Sie hob eine Hand zu ihren Mund, Furcht und Schock durchdrangen sie. Doch in der nächsten Sekunde schüttelte sie den Kopf, sie konnte sich jetzt nicht so verlieren, es gab keine Zeit für Panik, sie musste handeln.

Die Farben des Dschungels verschwammen um ihn herum, und das Rauschen der Blätter vermischte sich mit dem Dröhnen seines pochenden Kopfes. Er hatte nie damit rechnen können, dass er jemals so erleichtert war, Roses Stimme zu hören. Besonders in dem Moment, als es schien, dass alles verschwamm zu einem dumpfen Summen. 

Ein Teil von ihm staunte selbst, dass er es überhaupt so weit geschafft hatte, während sein Körper am Rande des Zusammenbruchs stand und er spürte, wie die Dunkelheit immer näher rückte, sich um ihn legte wie eine kalte, schwere Decke. Seine Augenlider wurden schwer, und der Kampf, sie offen zu halten, schien ihm fast aussichtslos.

Gerade als die Schwärze begann, ihn vollständig einzuhüllen, bemerkte er es, ein Licht. Zuerst war es kaum mehr als ein Schimmer, doch dann schälte sich ein hellblauer Schein aus der Dunkelheit vor ihm heraus. Er bekam nichts wirklich mehr mit, er bezweifelte auch daran, dass dies überhaupt mehr Realität war.

Sein Körper gehorchte ihm kaum mehr, er streckte schwach die Hand aus, die zitternd in die Luft griff, bevor seine Finger schlaff zur Seite sanken. Mit einem letzten, schweren Atemzug und dem Bild dieses blauen Lichts, das in seinen Augen tanzte, gab sein Körper nach. Die Dunkelheit überkam ihn endgültig, und er verlor das Bewusstsein.

Wie witzig, es schien alles wie in einem Traum.

Da schwebte man, war umgeben von sanften Lichtern und schien, als ob man unsterblich war, als ob man für immer fliegen konnte, hoch durch Wolken.

Vielleicht war dies aber auch nur die neue gefundene Erleichterung, wovon die Rede war, die sich durch seinen Körper bekannt machte.

Soweit er wusste, blinzelte er, und konnte seine Augen wieder öffnen, das grelle Licht jedoch ein wenig anders von dem, was er erhofft hatte. Ein leises Summen und der sterile Geruch, ließ ihn langsam aber sicher begreifen, dass er tatsächlich zurück war. Auf dem Schiff.

Sein Kopf jedoch fühlte sich an, als hätte er eine ganze Welt ertragen müssen, vielleicht war das auch nur von dem frühen Schmerz noch.

Langsam erkannte er auch die Gesichter um ihn herum. Wabou, Curly, die beiden standen um ihn herum, als ob er tot wäre, doch er war es nicht, oder? Sie beide sahen besorgt aus, die Hände wie in einer hilflosen Geste vor sich gefaltet. Curly sah ihn ernst an, aber seine Arme waren verschränkt, als wollte er sich nicht ganz eingestehen, wie tief ihn die Sorge tatsächlich getroffen hatte. 

Doch schon in der nächsten Sekunde, als er Rose erkannte, schlug sie ihre Arme fest um seinen Körper, als müsste sie sich selbst zusammenhalten. Sie erblickten sich, doch ihr Blick war unsicher, fast verletzlich, so hatte er sie noch nie gesehen.

“Wir..“ flüsterte sie, und ihre Stimme klang, als hätte sie etwas in der Kehle, das sie kaum hinunterschlucken konnte. “Wir dachten, wir hätten Sie verloren.“

Jerky zwang sich zu einem müden Lächeln, obwohl selbst das Anheben seiner Mundwinkel schmerzte. “Ich?” murmelte er, aber seine Stimme war rau. “Was ist.. Eigentlich passiert?”

Sie alle schweigten, was Jerky jedoch nicht durchmachen musste, war der unerträgliche Zweifel, der sich durch das ganze Schiff breit gemacht hatte. Die die Crew ergriffen hatte und sie nie zum Atmen ließ, ständig im ewigen Kreis der Frage verbannt, würde er es überleben?

Rose war die erste, die ihn so gesehen hat, zerbrochen. Sie konnte selbst kaum glauben, dass diese Person ihr Captain sein sollte.

Curly schien dies zu spüren, als sie sich nun zurück hielt, und trat einen Schritt näher ans Bett. Er suchte selbst nach Worten, die niemand auszusprechen wagte. “Ich glaube, es wäre fürs Beste, wenn wir das erstmal auslassen.”

“Was wichtig ist, dass sie nun hier sind.”

Jerky schloss für einen Moment die Augen, ließ sich seine Worte in seinen Kopf zergehen. Die Erinnerung an das, was passiert war, fühlte sich wie ein Fiebertraum an, als er ehrlich war, “Ihr wart es, die mich gefunden haben?" murmelte er, seine Stimme rau. Er erinnerte sich nur an ein Gefühl, Hände, die ihn vorsichtig anfassten, die ihn irgendwie zurück in die Realität gezogen hatten.

Curly lachte leise, ein Geräusch, das die Anspannung für einen Augenblick auflockerte. “Natürlich. Wer sonst? Dachten Sie wirklich, wir lassen Sie da unten?”

Er sank tiefer das Krankenbett, “Ach.. Nichts.“ Seine Stimme verklang.

Rose, trat jetzt vor. Ihre Augen waren glasig, ihre Stimme jedoch fest, als hätte sie sich geschworen, ihre Fassung nicht zu verlieren. “Captain… es wird noch ein Weilchen dauern, bis Sie sich erholen.” Sie sprach mit sanft, sehr untypisch von ihren üblichen Verhältnis gegenüber ihm, aber dennoch mit einer kaum merklichen Wärme in ihrem Ton. “Bitte… tun Sie uns den Gefallen, und lassen Sie uns ein bisschen besser auf Sie achten.”

"Waaas.." Seine Augen verengten sich, als er die Person vor ihm gar nicht erst erkennen konnte.

Er sah kurz hinter Rose, wo Curly nervös mit seinen Händen herum fuchtelte, als ob er sagen wollte, sag einfach nichts und akzeptier es.

Und er wusste nicht mehr, was ihn mehr an der Sache beunruhigte. Er lächelte nur leicht, und gerade als die drei sich aus dem Zimmer begabten, um die Neuigkeiten nun mit der Crew auf der Brücke zu teilen, hielt Jerky sie auf.

“Ach und, Leute.” Sie wandten sich wieder zu ihm, als er seine Hand hob. Das würde jetzt für sie so erschrocken klingen, aber er hielt es einfach für angemessen.

“Danke.”

Notes:

Wurde so müde nahe dem End, sorry mäuse 😔