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HOBBIT

Summary:

Stell dir vor, die Welt von Der Hobbit würde in unserer modernen Realität spielen – ohne Elben, Zwerge oder Hobbits, aber mit den gleichen mutigen Helden und Abenteuern. In dieser Geschichte trifft der junge Bilbo Beutlin nicht auf Drachen oder tödliche Orks, sondern auf das mächtige Unternehmen ORK, angeführt vom skrupellosen Arzok Schänder. Als Sohn der Besitzer des Microsensor-Unternehmens HOBBIT wird Bilbo auf eine gefährliche und unerwartete Mission geschickt, um sich gegen ORKs dunkle Machenschaften zu stellen. An seiner Seite stehen dreizehn ungewöhnliche Verbündete, darunter der charismatische Geschäftserbe Thorin und noch dazu der rätselhafte Gandalf. Gemeinsam kämpfen sie gegen ein Unternehmen, das alles zerstören will, was ihnen lieb ist. Es erwarten sie brenzlige Abenteuer, unerwartete Freundschaften und die Enthüllung skrupelloser Skandale, die Bilbo an seine Grenzen bringen. In dieser modernen Version von Mittelerde gibt es keine Magie, sondern eine Welt voller Intrigen, Machtspiele und Korruption. Wird Bilbo den Mut finden, sich gegen Arzok zu stellen und diese oligarche Welt verändern? Begleite ihn auf ein Abenteuer, das Tolkiens Klassiker mit einer spannenden, zeitgenössischen Geschichte verbindet.

Chapter 1: Ein unerwartetes Abenteuer

Chapter Text


Eine Unerwartete Reise


Bilbo Beutlin stammte aus einer wohlhabenden Familie, die seit vielen Generationen ein angesehenes und florierendes Unternehmen betrieb. Er hat gerade seinen Schulabschluss mit glänzenden Noten abgeschlossen und startet bald sein Studium an einer Top Universität, alles scheint perfekt. Sein Weg war vorgezeichnet, seine Zukunft so sicher wie das Auenland selbst. Bald würde er das Geschäft seiner Eltern übernehmen, ein Erbe, das von seinen Großeltern und deren Eltern weitergegeben worden war. Er selbst hatte keinen Zweifel daran, dass er eines Tages als wohlhabender und respektierter Geschäftsmann das Unternehmen führen würde. Dank all seines Wohlstands und seiner gesicherten Zukunft war er vollkommen zufrieden, er strebte nichts hohes an und führte ein ruhiges Leben in Beutelsend im Hause seiner Eltern. Die Zeit in seinen Sommerferien verging gemächlich und er genoss die kleinen Freuden des Lebens: die ruhigen Abende, die geselligen Gespräche mit seinen Freunden, das gute Essen seiner Heimat. 

An einem besonders schönen Sommertag, als die Sonne warm auf die grünen Hügel des Auenlandes schien und eine sanfte Brise durch die Bäume wehte, saß Bilbo auf seiner geliebten Gartenbank, tief in Gedanken versunken. Der Duft von Blumen und frischem Gras lag in der Luft, und er ließ sich die Strahlen der späten Nachmittagssonne ins Gesicht scheinen. Er hatte alles, was er brauchte, war glücklich und zufrieden und freute sich auf den angenehmen Sommerurlaub mit seinen Eltern.

Doch plötzlich, wie aus dem Nichts, hallte eine tiefe, vertraute Stimme durch die Stille des Gartens.

„Bilbo, meine Güte, du bist aber groß geworden!“

Überrascht und erschrocken drehte sich Bilbo um. Vor ihm stand ein alter Mann, dessen grauer Bart fast bis zu seinem Gürtel reichte und dessen Augen einen Funken von Weisheit und Geheimnissen in sich trugen. Bilbo musterte den Fremden, versuchte sich schnell zu erinnern, wer dieser Mann war, doch der Name wollte ihm einfach nicht einfallen.

„Ahh, guten Abend, Herr… ähh…“, stotterte Bilbo, während er verzweifelt versuchte, den richtigen Namen zu finden. War er ein Geschäftspartner seiner Eltern? Ein entfernter Verwandter vielleicht?

Der Alte schmunzelte leise, als ob er über etwas nachdachte, das Bilbo nicht verstand. „Was meinst du damit? Wünschst du mir einen guten Abend, oder meinst du, dass es ganz gleich ist, ob ich es wünsche oder nicht? Denkst du, dieser Abend tut dir gut oder, dass man in solchen Stunden einfach gut sein muss?“

Der Mann schien sich in philosophischen Gedanken zu verlieren, und Bilbo fühlte sich mehr und mehr unwohl. Er mochte keine langen Pausen oder stille Blicke. 

„Ich meinte alles zusammen“, murmelte Bilbo.

Der alte Mann blickte ihn eindringlich an, seine Augen durchbohrten Bilbo förmlich, als ob er eine Antwort auf eine Frage suchte, die Bilbo noch nicht einmal stellte. Bilbo rieb sich das Kinn und versuchte sich zu erinnern. Der Mann war ihm irgendwie bekannt, doch der Name… Es wollte einfach nicht in seinen Kopf.

„Bilbo Beutlin, ich fasse es nicht, dass du meinen Namen vergessen hast! Ich bin Gandalf! Erinnerst du dich jetzt?“

„Natürlich! Jetzt wird mir alles klar! Sie sind der Mann, der immer so ein großes Feuerwerk gemacht hat!“ Bilbo hatte sich an den alten Mann sofort wieder erinnert. Als Kind war er oft mit seinen Eltern zu einem großen Fest gegangen, bei dem Gandalf jedes Jahr ein atemberaubendes Feuerwerk in die Nacht brachte. Bunte Funken, die wie Sterne am Himmel explodierten, und das Lachen der Menschen, das durch die Luft hallte. Bilbo hatte immer geglaubt, dass Gandalf ein Zauberer war – wer sonst konnte eine solch magische Atmosphäre erschaffen?

„Ich wusste nicht, dass Sie wieder im Geschäft sind“, sagte Bilbo, ein wenig verblüfft, aber auch neugierig.

Gandalf musterte den Jungen, seine Augen funkelten nachdenklich, als ob er eine Entscheidung abwägen würde. Die Stille zog sich noch länger hin, und Bilbo fühlte sich zunehmend unbehaglich. Der alte Mann schien in eine andere Welt abzutauchen, während er ihm mit seinen durchdringenden blauen Augen anstarrte.

„Sag mal, Bilbo“, brach Gandalf schließlich das Schweigen, „hast du Lust auf ein Abenteuer?“

Bilbo blinzelte, als würde er die Worte nicht sofort begreifen. Ein Abenteuer? Das war das Letzte, was er nun erwartet hatte. Er hatte sich gemütlich auf seiner Bank niedergelassen, die Sonne genossen und an nichts anderes gedacht, als an den kommenden Abend und ein gutes Abendessen.

„Ein Abenteuer?!“ wiederholte Bilbo langsam, als hätte er die Worte nicht ganz verstanden. Ein Abenteuer war etwas, das man in Geschichten hörte, etwas, das große Helden erlebten. Doch Bilbo war kein Held. Früher liebte er Geschichten und Filme von tapferen Menschen, die um die Welt zogen, um ein Abenteuer zu erleben, da sie durch ihre Taten zu Helden wurden und hoch angesehen waren. Doch wenn Bilbo genauer darüber nachdachte, war der Titel Held oder Abenteurer nah mit großen Verlusten und Trauer verbunden. Sowas brauchte er nicht. Hier in seinem Auenland hatte er alles, was er brauchte und wenn er Lust auf ein Abenteuer hatte, dann nahm er ein Buch oder einen Film, welche solche beinhalten.

„Nein, danke“, sagte Bilbo entschieden und schüttelte den Kopf. „Abenteuer brauche ich nicht. Ich habe alles, was ich brauche, hier in meinem Heim. Ich bin zufrieden.“

Bilbo war sich sicher, Abenteuer, sowas brauchte er ganz sicher nicht.

„Bist du dir da wirklich sicher?“ 

Der alte Mann schien überrascht von Bilbos Worten, er hatte wohl nicht gedacht, dass Bilbo das Angebot ablehnen würde.

„Ich brauche kein Abenteuer und nun entschuldigen Sie mich bitte, es war angenehm, mit ihnen zu reden, doch ich bin mir ziemlich sicher, dass nun Zeit für das Abendessen ist und die Sonne langsam untergeht.“ 

Ohne eine Antwort abzuwarten, lief Bilbo den Rosengarten, welchen seine Mutter so liebte, durch, in Richtung des Hauses. Der alte Mann schaute dem Jungen hinterher, bis dieser hinter dem rosigen Gebüsch verschwand. Anschließend blickte er in den rosa-orange farbigen Himmel, welcher ein unglaubliches Naturspektakel bot. Er atmete leicht aus.

„So schnell wirst du mich nicht los Bilbo Beutlin.“ murmelte der alte Mann schmunzelnd.

-

Bevor Bilbo die Tür hinter sich schloss, warf er noch einen letzten Blick durch den Garten. Nichts. Keine Spur von dem alten Mann, der ihn vorhin auf so unerklärliche Weise überrascht hatte. Erleichtert atmete Bilbo aus, als er endlich die Tür hinter sich zuzog. Im Innern des Hauses fühlte er sich sofort sicherer.

Er lief den Flur entlang, dessen Wände mit zahlreichen Portraits seiner Vorfahren geschmückt waren – ernste Gesichter, die ihn stumm beobachteten. Die Beutlins, eine Familie, die seit Jahrhunderten Wohlstand und Ansehen im Auenland genoss. Bilbo hatte das Glück, aus dieser stolzen Linie zu stammen. Er erinnerte sich daran, wie seine Eltern oft von den alten Zeiten sprachen, von Familiengeschichten, die sich über Generationen erstreckten und immer noch weitergeschrieben wurden, durch ihn. Die Familie Beutlin hatte viel erreicht, und Bilbo wusste, dass er das Erbe seiner Eltern eines Tages übernehmen würde. Das große Haus, in dem er wohnte war ein Symbol dieses Erbes – alt, stattlich und voller Geschichte. Doch obwohl der Wohlstand und die Traditionen ihm Sicherheit gaben, spürte Bilbo in letzter Zeit immer öfter eine Leere in sich. Es war nicht so, dass er unglücklich war, aber das Leben in Beutelsend erschien ihm zunehmend eintönig. Doch das wollte er sich selbst nicht zugeben.

Seine Eltern waren stolz auf das, was sie und ihre Vorfahren erreicht hatten, und ließen es bei den vielen Festen und Empfängen, die sie gelegentlich veranstalteten, auch gerne sehen. Besonders an seinem achtzehnten Geburtstag hatten sie ein großes Fest gegeben – ein Anlass, bei dem er offiziell in das Erwachsenenleben übertreten war. Doch Bilbo hatte diese großen Feiern nie gemocht. Es war nicht so, dass er es nicht mochte, unter Familie und Freunden zu sein. Doch bei diesen Festen waren auch die ungeliebten Sackheim-Beutlin, die es sich immer wieder zum Ziel machten, ihren Neid auf den Wohlstand der Beutlins auszudrücken, eingeladen. Sie versuchten stets, sich ein Stück vom Erbe seiner Familie zu krallen, was Bilbo nur zur Weißglut trieb. Die Sackheim-Beutlin waren für ihn einfach nur faul, faul und geizig, und er konnte ihre Sticheleien und Versuche, etwas von seinem Erbe zu erhaschen, nicht ertragen.

Als Bilbo im Eingangsbereich ankam, um ins Esszimmer zu gehen, blieb er plötzlich stehen. Er hatte scharfe Ohren, und diese Ohren vernahmen ein leises Kratzen, das von der Eingangstür kam. Verwundert drehte er sich um und starrte auf die Tür. Das Geräusch war merkwürdig, fast als ob jemand versuchte, etwas in die Einganstür zu ritzen. Vorsichtig trat Bilbo näher und beugte sich zum Türspion, um einen Blick nach draußen zu erhaschen.

Was er sah, ließ ihm fast das Herz in die Hose rutschen: Ein riesiges, blaues Auge starrte ihn durch das Türloch an. Erschrocken sprang er zurück, fiel rückwärts auf den Boden und stieß sich dabei den Kopf. Was war das? War es Gandalf?

Mit einem raschen Ruck sprang er auf und riss die Tür auf, bereit, sich dem alten Mann zu stellen. Doch als die Tür aufriss, fand Bilbo sich in einem leeren Vordergarten wieder – keine Spur von Gandalf. Verwundert und leicht verwirrt schloss er die Tür wieder und drehte sich um. „Was in aller Welt war das?“, murmelte er vor sich hin und machte sich auf den Weg zum Esszimmer.

Als er eintrat, blickten ihn seine Eltern bereits erwartungsvoll an. Sie saßen gemütlich am Tisch und luden ihn mit einem freundlichen Nicken ein, sich zu ihnen zu setzen.

„Setz dich, mein Junge“, sagte sein Vater und deutete auf seinen gewohnten Platz.

„Ist alles in Ordnung, Bilbo?“, fragte seine Mutter besorgt, als sie den nachdenklichen Ausdruck auf seinem Gesicht bemerkte. Sie kannte ihren Sohn gut genug, um zu wissen, dass ihn etwas beschäftigte.

Bilbo setzte sich, den Blick seiner Eltern auf sich spürend. Er schob den Teller zu sich und nahm das Besteck in die Hand und versuchte sich zu sammeln. „Alles gut, ich habe nur… nachgedacht… über… ähm…“, stammelte er und suchte verzweifelt nach einer Ausrede. Doch es fiel ihm nichts ein, was er ihnen hätte sagen können.

„Hast du über dein zukünftiges Studium nachgedacht?“ fragte sein Vater, der den Moment, in dem sie endlich miteinander sprechen konnten, sofort ergriff. Bilbo seufzte innerlich. Wenn er jetzt mit „Ja“ antwortete, würde sein Vater wieder stundenlang über das Studium und die vielen großartigen Möglichkeiten sprechen, die vor ihm lagen. Wenn er jedoch „Nein“ sagte, würde er noch mehr Fragen beantworten müssen und mit einer anderen Ausrede aus der Sache herauskommen müssen. So oder so, er würde sich nicht aus diesem Gespräch befreien können.

„Joaa, ein bisschen schon“, antwortete Bilbo schließlich, ohne viel Begeisterung. Er nahm eine Kartoffel und schob sie in den Mund, um das Thema schnell hinter sich zu bringen.

„Ich sag dir, mein Sohn“, begann sein Vater mit leidenschaftlicher Begeisterung, „du musst dich nicht vor dem Studium fürchten! Es wird eine tolle Zeit – vielleicht die beste Zeit deines Lebens! Du wirst neue Leute kennenlernen, in interessante Vorlesungen gehen, die dir wirklich etwas beibringen. Ganz anders als der langweilige Unterricht in der Schule!“ Und schon war der Staudamm, der mit Worten überfüllt war, gebrochen. Bilbos Vater konnte nicht aufhören zu reden, sobald er über das Studium sprach. Der Monolog über die vielen Vorteile und Chancen, die das Studium mit sich brachte, lief wie von selbst.

Bilbo hörte nur halb zu, während er mechanisch weiter aß. Es war nicht so, dass er keine Lust auf das Studium hatte, ganz im Gegenteil. Programmieren und Geschäftsführung interessierten ihn durchaus, doch es ging ihm alles zu schnell. Vor einem halben Monat hatte er noch als Klassenbester seinen Abschluss gemacht, und nun sollte er schon im Oktober mit dem Studium beginnen. Kein Raum für Pause, keine Zeit für andere Dinge. Eigentlich hatte er sich vorgenommen, noch eine große Reise zu unternehmen, bevor der Ernst des Lebens ihn wieder einholte. Er wollte es sich nicht einmal selbst eingestehen, aber tief im Inneren wünschte er sich ein Abenteuer – etwas anderes als das, was ihm jetzt bevorstand. Doch immer, wenn ihm ein Abenteuer angeboten wurde, schlich sich die Angst in sein Herz – die Angst vor dem Unbekannten, vor dem Risiko, vor dem Verlust. Abenteuer bedeuteten immer auch Gefahren und die konnte niemand vorhersehen.

„Und ganz zu schweigen von den tollen Hallen der—Hallo? Hörst du mir überhaupt zu?“, riss ihn die Stimme seines Vaters aus seinen Gedanken. Bilbo zuckte zusammen. Er hatte völlig in seinen eigenen Gedanken versunken, den Faden verloren und dabei fast seinen gesamten Teller leer gegessen.

„Ja, natürlich höre ich zu, du hast gerade von den Hallen gesprochen“, erwiderte Bilbo schnell und schob sich eine weitere Kartoffel in den Mund, um nicht mehr sagen zu müssen.

„Bilbo, ich und dein Vater müssen dir noch etwas Wichtiges sagen“, sagte seine Mutter mit ernster Miene und sah ihn an.

„Wir werden nächste Woche auf eine Geschäftsreise gehen und werden ungefähr zwei Monate weg sein“, erklärte sie. Bilbo runzelte die Stirn. Zwei Monate? Das klang nicht nach einer gewöhnlichen Geschäftsreise.

„Das Unternehmen ORK ist in letzter Zeit sehr gewachsen und stellt eine große Gefahr für Unternehmen wie unseres dar. Wir müssen zu einer Konferenz, um uns mit anderen Firmen zu verbünden und uns gegen ORK zu wappnen. Denn wir können das nicht alleine schaffen. „Dieses verbrecherische Unternehmen hat schon vor einiger Zeit sein Unwesen getrieben, doch aus einem unerklärlichen Grund ist dessen Macht, welche es auf dem Markt hat, gestiegen.“ Seine Mutter schaute ihn ernst an. „Es es ist so, ORK wendet illegale Methoden an, um ihre Konkurrenz auszuschalten, auch gegen Datenschutzgesetze verstößt es. Leider ist es keinem Unternehmen gelungen, dies juristisch nachzuweisen, weshalb ORK immer unversehrt davon bleibt. Heute morgen haben wir eine E-Mail bekommen, dass es an der Zeit ist, die Firmenchefs zu versammeln, um uns zu verbünden.“ Sein Vater blickte auch ernst zu Bilbo, bevor er etwas sagte, musste er sogar schweren Herzens seufzen.

„Uns ist auch klar, dass dieses Treffen nicht ungesehen bleiben wird und sich ORK dadurch direkt angegriffen fühlen wird. Es ist eine heikle Situation, welche uns direkt betrifft, genau deswegen dürfen wir diese Gefahr nicht ignorieren, wie wir es zuvor getan haben.“ Nun warteten beide auf Bilbos Reaktion ab, es erschienen Sorgenfalten auf ihren Gesichtern, was ein seltener und trauriger Anblick für Bilbo war.

Eine Pause trat ein, während die Schwere der Situation auf Bilbo lastete.

„Deshalb wird unser Sommerurlaub dieses Jahr leider auch ausfallen. Es tut uns leid.“ Bilbos Vater schob sich ein Stück Brot in den Mund und blickte besorgt auf seinen Teller.

Bilbo verstand, dass dies eine ernste Angelegenheit war. Seine Eltern mussten sich darum kümmern, in solchen Situationen waren Sommerurlaube zweitrangig. Ein Klos steckte in seinem Hals, weshalb es keinen Ton rausbringen konnte, deswegen nickte er nur zustimmend, obwohl er eigentlich noch so viele Fragen stellen wollte. Schweren Herzens stand er auf, brachte seinen Teller und das Besteck in die Küche und legte es in die Spülmaschine. Er hatte sich riesig auf den Urlaub gefreut. Enttäuscht kehrte er in sein Zimmer zurück und legte sich auf sein großes Bett. Tausende Gedanken wirbelten gleichzeitig in seinem lockigen Kopf, die ihm Kopfweh gaben. Die Situation war ernst, das hat er an den Mienen seiner Eltern gesehen, es war eine ernste Situation, welche vermutlich ihre Existenz in den Abgrund stoßen könnte. Nein das war unmöglich! Er wollte all die Dinge am besten nicht glauben, doch seine Eltern erzählen keine Lügen, vor allem nicht so schreckliche. 

Bilbo schloss die Augen und wünschte, dass es einen Knopf gäbe, der Gedanken ausschalten konnte. Doch so etwas wurde noch nicht erfunden, also musste er mit seinem kleinen Gedankenwirbel besorgt einschlafen.

-

Eine Woche war vergangen und es war der Abreisetag für die Geschäftsreise von Bilbos Eltern gekommen. Gandalf hatte sich nach dem merkwürdigen Vorfall in der letzten Woche nicht mehr blicken lassen. Ein kleines Stück Traurigkeit machte sich in Bilbo breit, denn er hatte nach langem überlegen beschlossen, dass er doch gerne gewusst hätte, was der alte Mann mit „Abenteuer“ meinte und ob er vielleicht doch noch zu einer unerwarteten Reise aufbrechen sollte. Doch all seine Freunde waren bereits im Urlaub, und Bilbo konnte sich nicht entscheiden, was er mit den zwei langen Monaten, die vor ihm lagen, anfangen sollte. Er hatte so viele Möglichkeiten – und doch wusste er nicht, was er machen sollte.

Am Morgen des Abreisetages seiner Eltern war das Wetter herrlich. Die Vögel zwitscherten, und die Sonne strömte durch Bilbos Fenster. Im Halbschlaf stand er auf und ging mit zerzausten Haaren nach unten, um seinen Eltern eine gute Reise zu wünschen. Er hoffte, dass die Konferenz erfolgreich verlaufen würde und dass das wachsende Unternehmen ORK keine Gefahr danach mehr darstellen würde.

„Tschüss, mein Junge, und stell ja keine Dummheiten an!“, rief seine Mutter mit einem strengen, aber liebevollen Blick. Doch beide wussten, dass Bilbo niemals etwas Dummes tun würde.

„In deinem Alter hätte ich mein ganzes Erspartes gegeben, um so lange sturmfrei zu haben“, scherzte Bilbos Vater, während er lachte. „Ich hoffe, das Haus ist noch in ganzen Stücken, wenn wir zurückkommen!“

Bilbo konnte sich nicht helfen und musste lachen. Seine Eltern umarmten ihn ein letztes Mal, dann stiegen sie in das Taxi, das bereits in der Einfahrt wartete. Bilbo winkte ihnen nach, bis das Auto um die Ecke verschwand. Eine Weile blieb er stehen, unschlüssig, was er nun mit seiner Freiheit anfangen sollte. Er hatte so viele Optionen – aber irgendwie war ihm nicht nach Feiern oder spontanen Reisen. Seine Gedanken über ORK wirbelten noch immer in seinem Kopf, er fühlte sich machtlos, da er nichts gegen dieses Unternehmen tun konnte. Schließlich setzte er sich zum Entspannen in den Rosengarten, auf die Bank, an der Gandalf ihm vor einer Woche das Abenteuer angeboten hatte. Es war Bilbos Lieblingsplatz, von dem aus er die wunderschöne Aussicht auf Beutelsend genießen konnte.

Den ganzen Tag verbrachte er dort, las ein Buch und ließ seine Gedanken schweifen. Die Sonne wanderte weiter über den Himmel, bis die ersten Grillen zirpten und die Nacht hereinbrach. Bilbo hatte unglaublichen Hunger, also rannte er in die Küche, um sich eine leckere Forelle anzubraten. Er war ein guter Koch und genoss es, ab und zu für seine Eltern zu kochen. Diesmal hatte er sich etwas Besonderes ausgedacht: Eine Forelle mit Kartoffeln und einer selbstgemachten Soße. Als er den Teller anrichtete, konnte er kaum warten, zu essen.

Gerade als er anfangen wollte, klingelte es an der Tür. Stirnrunzelnd ging Bilbo zur Tür – er hatte keinen Besuch erwartet und wusste nicht, wer es sein könnte. Als er die Tür öffnete, stand ein kräftiger, wenn auch etwas kleiner junger Mann vor ihm, der vielleicht ein oder zwei Jahre älter war als Bilbo. Die beiden starrten sich einige Sekunden verwirrt an.

„Dwalin, zu Euren Diensten!“, sagte der junge Mann und verbeugte sich. Bilbo tat das gleiche, ebenfalls verwirrt.

„Bilbo Beutlin, zu Euren, ähm, Diensten!“, erwiderte Bilbo schließlich. Dann trat Dwalin einfach in das Haus, als sei es das Normalste der Welt, und schaute sich neugierig um.

„Oho, es riecht lecker nach Fisch! Obwohl ich eher Fleisch mag, aber das lässt sich nicht ändern. Wo geht’s zum Esszimmer?“ Dwalin fragte, als hätte er das Recht, sich hier jederzeit zu bedienen.

Bilbo war vollkommen perplex. Konnte das wirklich sein Ernst sein? War das vielleicht ein Einbrecher, der sich als Gast ausgab? 

„In diesen Flur und dann geradeaus“, sagte Bilbo, unfähig, sich gegen das Eindringen des Fremden zu wehren.

Dwalin schritt in Richtung Esszimmer und setzte sich direkt an Bilbos Platz. Bilbo folgte ihm immer noch verwirrt und setzte sich auf den Stuhl daneben. Dann beobachtete er, wie Dwalin gierig den Fisch verspeiste.

„Die Soße ist sehr lecker! Hast du noch mehr davon?“, fragte Dwalin, während er den letzten Bissen von seinem Teller nahm. Bilbo starrte auf den leeren Teller und wollte gerade etwas sagen, als erneut die Tür klingelte.

Misstrauisch und zunehmend genervt stand Bilbo auf, um zu sehen, wer diesmal an seiner Tür stand. Als er die Tür öffnete, blickte er auf einen breiten, grauhaarigen jungen Mann, dessen Haare fast weiß waren, aber der dennoch höchstens 30 Jahre alt aussah. Wahrscheinlich hatte er verrückte Gene.

„Balin, zu Euren Diensten“, sagte der Mann mit einem höflichen Lächeln und verbeugte sich.

Bilbo stand völlig verwirrt da. Wer waren diese Leute und was machten sie in seinem Haus? 

„Balin! Lange nicht mehr gesehen! Komm her, alter Freund!“ Dwalin sprang auf, gab Bilbo seine Jacke und umarmte Balin kräftig, das Grinsen auf seinem Gesicht war riesig.

„Ha! Ich freu mich auch, dich wiederzusehen! Sind die anderen schon da?“, fragte Dwalin begeistert.

„Wartet mal! Es kommen noch mehr?“ Bilbo starrte fassungslos zwischen den beiden hin und her. Wer hatte diese Leute eingeladen? Seine Eltern konnten es nicht gewesen sein. Sie hätten ihm Bescheid gesagt. Die einzige plausible Erklärung war, dass sie das falsche Haus gefunden hatten. 

Doch die beiden Männer marschierten ohne ein weiteres Wort in Richtung Esszimmer, und Bilbo blieb ohne Erklärung zurück. Schließlich kehrte er wieder in den Flur zurück und bemerkte, dass er die Jacke, die ihm Balin in die Hand gedrückt hatte, immer noch in den Händen hielt. Schnell hängte er sie an die Garderobe und eilte den beiden hinterher, immer noch vollkommen ratlos.

Als er das Esszimmer betrat, holte er tief Luft und versuchte, eine klare Frage zu stellen: „Es tut mir leid, aber…“

„Entschuldigung angenommen!“, unterbrachen ihn Dwalin und Balin im Chor.

Bilbo starrte sie mit weit geöffneten Augen an. „Halt Stopp! Was machen ihr hier? Warum seid ihr in meinem Haus?“

„Gandalf hat uns hierhergerufen. Wieso?“, antwortete Dwalin, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt.

Bilbo schloss für einen Moment die Augen, als ihm ein Gedanke wie ein Blitz durch den Kopf schoß. Gandalf! Der alte Mann hatte ihn vor einer Woche versucht, in ein Abenteuer zu verwickeln. Hatte dieser alte Zauberer etwa genau das hier geplant? Eine Art geheimes Treffen oder eine Einladung zu einem Abenteuer, das Bilbo eigentlich abgelehnt hatte? Kannte er den unterschied von Ja oder Nein vielleicht nicht?

„Gandalf hat euch geschickt?“, fragte Bilbo schließlich, seine Stimme mischte sich aus Erstaunen und Ärger. 

Doch bevor er weiterreden konnte, klingelte es ein drittes Mal an der Tür. Bilbo atmete tief durch. Wenn das jetzt Gandalf war, dann würde er ihm endlich gehörig die Meinung sagen.

„Wenn du das bist, Gandalf, dann wirst du hören, was du davon hast!“, murmelte Bilbo vor sich hin, während er sich auf den Weg zur Tür machte. Doch als er die Tür öffnete, stand er vor einer Gruppe von zehn weiteren Leuten. Und da war auch Gandalf, der ihn unschuldig angrinsend ansah.

„Ah, Bilbo, schön dich zu sehen!“, sagte der alte Mann, als wäre nichts ungewöhnlich.

“Das hier sind Kili und Fili, Dori, Nori, Ori, Oin, Gloin, Bifur, Bofur und Bombur!“

-

„Was bitteschön soll das, Gandalf? Was machen zwölf unbekannte Menschen in meinem Heim, und warum bedienen sie sich an meiner Vorratskammer, als stünde ihnen all dies zu?“

Bilbo war selten wirklich wütend, aber diesmal hatte Gandalf es eindeutig zu weit getrieben. Er hatte es geschafft, Gandalf in eine Ecke zu drängen, um eine Antwort zu bekommen – und Bilbo konnte seine aufwallende Wut kaum noch unterdrücken. In seinen Augen funkelte es, als er den alten Mann anstarrte.

„Sagtest du Zwölf?“ Gandalf kratzte sich am Kopf, als er die Szene im Esszimmer betrachtete. Die anderen, von denen Bilbo nur eine vage Vorstellung hatte, amüsierten sich lautstark, als sie sich an den Vorräten aus Bilbos Küche gütlich taten.

„Du hast recht, der Wichtigste fehlt noch“, sagte Gandalf.

„Gandalf!“ Bilbo war fast erschrocken, wie laut er plötzlich geworden war. Aber er konnte nicht anders – die Situation war einfach zu absurd.

„Gleich wird alles Sinn ergeben, Bilbo. Aber jetzt setz dich erst einmal zu den anderen und genieße ihre Gesellschaft. Zusammen sind sie ein wirklich lustiges Pack.“

Bilbo stand völlig fassungslos da, als Gandalf ihm einfach den Rücken zukehrte und wieder zu den anderen stiefelte. Es war unverschämt. Bilbo hätte am liebsten alle aus seinem Haus geworfen, aber er wusste, dass er nicht den Mut hatte, sich gegen den alle aufzulehnen um sie aus dem Haus zu schmeißen.

Mit einem tiefen Seufzer marschierte Bilbo in Richtung Esszimmer, wo die Unbekannten sich inzwischen lautstark amüsierten. Der Tisch war mit Essen bedeckt, und die Jungs, alle in etwa in seinem Alter, stürzten sich mit großer Lust auf die üppigen Mahlzeiten. Es war ein Chaos aus Lachen, Rufen und Scherzen. Der Wein floss in Strömen, und immer wieder wurden die Bierflaschen hektisch entleert. Es war eine Gruppe von jungen, kräftigen und vor allem lautstarken Männern, die keinen Funken Anstand zeigten.

„Aufpassen! Die Teller sind aus Porzellan und wertvoll!“ Bilbo konnte nur entsetzt zusehen, wie die Teller nach dem Essen durch die Luft flogen und in großen Bögen in die Küche geworfen wurden. Zwei von ihnen fingen sie gekonnt auf und brachten sie sicher in die Spülmaschine, als wären sie erfahrene Hausangestellte. Bilbo musste zugeben, dass sie erstaunlich geschickt dabei waren, aber trotzdem war es eine völlige Respektlosigkeit gegenüber ihm.

Als schließlich die Vorratskammer leer war und die meisten von ihnen den letzten Tropfen Bier getrunken hatten, fiel plötzlich ein vierter Klingelton an der Tür. Sofort verstummte die Gruppe, und eine ernste Atmosphäre machte sich breit. Ein Junge lief zur Vorratskammer, um mehr Essen für den vielleicht letzten Gast zu besorgen. Bilbo ging, ohne ein Wort zu sagen, zur Tür.

Er öffnete die Tür langsam, vor ihm stand ein gut aussehender junger Mann mit schwarzen, nach hinten geflochtenen Haaren. Er war ein Kopf größer als Bilbo und hatte eine athletische, muskulöse Statur, die sofort ins Auge fiel. Doch was ihn noch mehr auszeichnete, waren seine tiefen, mysteriösen blauen Augen, die Bilbo direkt anstarrten. Dieser Junge wirkte so, als hätte er etwas, das ihn besonders machte.

„Thorin Eichenschild.“, sagte der Junge mit einer leichten, aber nicht zu tiefen Verbeugung.

„Ich bin Bilbo Beutlin.“ Bilbo nahm die Jacke des Jungen und führte ihn zu den anderen in das Esszimmer. Diese schauten sofort auf, als sie Thorin erkannten, und begrüßten ihn mit herzlichem Lächeln und Rufen.

Bilbo beobachtete, wie Thorin sich an einen freien Platz setzte. Er nahm das Besteck, setzte sich aufrecht und begann zu essen, mit einer Art von Anstand, die Bilbo sofort auffiel. Anders als die anderen, die sich kaum um Tischmanieren scherten, aß Thorin mit ruhiger Präzision.

Bilbo seufzte innerlich, als er den Anstand des Jungen mit der groben Art der anderen verglich. Thorin wirkte ruhig und gelassen, beinahe königlich in seinem Verhalten. Das war eine angenehme Abwechslung.

Nachdem Thorin seinen Teller geleert hatte, blickte er auf und sagte mit ruhiger Stimme: „Gandalf, dieser Ort war schwer zu finden, ich habe mich zwei Mal verlaufen, ohne das Zeichen an der Tür hätte ich nie hergefunden.“

Bilbo war ein wenig überrascht von der ruhigen Art, mit der Thorin sprach. Es war schwer, sich vorzustellen, dass jemand wie er mit all diesen wild gewordenen Männern zusammenarbeitete. Aber Bilbo konnte das Gefühl nicht abschütteln, dass hinter all dem Chaos ein ernsterer Plan steckte – und er war ein Teil davon, auch wenn er es noch nicht genau verstand oder wollte.

„Was genau ist hier los, Gandalf? Warum all diese… Leute? Und warum ausgerechnet bei mir?“, fragte Bilbo, als er endlich wieder den Mut fand, sich dem alten Mann wieder zu nähern.

„Es wird Zeit, dass wir unserem hoffentlich zukünftigen vierzehnten Mitglied der Mission erklären, was es mit unserem Besuch hier auf sich hat“, sagte Gandalf, während er die Pfeife ansetzte, die aus Holz geschnitzt war und den Rauch tief in seine Lungen sog. Der Raum war still, die Anspannung beinahe greifbar. Er lehnte sich zurück in seinen Stuhl, als wolle er sich auf das bevorstehende Gespräch vorbereiten.

„Ich werde Bilbo alles von Anfang an erklären, wenn es euch nichts ausmacht“, fuhr Gandalf fort, seine Stimme ruhig und doch bestimmt. „Ich werde dir nicht nur die Geschichte eines Unternehmens erzählen, sondern auch das Schicksal einer ganzen Familie und sogar die Auswirkung auf dein eigenes.Also, Bilbo, vor zehn Jahren existierte ein Unternehmen namens ARKEN. Erinnerst du dich daran?“

Bilbo schüttelte den Kopf. Ein flimmerndes Gefühl von Unbehagen kroch in ihm hoch, als er merkte, dass diese Geschichte eine düstere sein würde.

„Nun“, begann Gandalf nach einer kurzen Pause, „ARKEN war wie euer Unternehmen HOBBIT, ein erfolgreiches Familienunternehmen, aber auf einer viel größeren und mächtigeren Ebene. Der Besitzer von ARKEN war zu jener Zeit Thorins Großvater, und sie waren berühmt für ihre Edelsteine und Schmuckstücke. Kein Unternehmen in der Branche konnte mit ihnen mithalten. Doch es gab einen Mann, der einen unendlichen Hass auf ARKEN hatte.  Arzok Schänder. Ein Mann von düsterem Ruf, der keine Grenzen kannte, wenn es darum ging, seine Ziele zu erreichen. ARKEN hatte Beweise gesammelt, um gegen die Intrigen und bösen Machenschaften von Azok zu kämpfen. Sie wollten ihn vor Gericht zerstören. “

Gandalf machte eine Pause und warf einen Blick auf die anderen Jungs am Tisch, die aufmerksam lauschten. Die Atmosphäre war geladen, jeder spürte, dass eine düstere Geschichte auf Bilbo wartete.

„Arzok Schänder“, fuhr Gandalf fort, „war ein skrupelloser Geschäftsmann, der mit illegalen und brutalen Methoden arbeitete, um seine Macht zu vergrößern. Er wusste, dass ARKEN mit seinen Beweisen ihn zu fall bringen konnte, also schmiedete er einen Plan, der das Unternehmen von innen zerstören sollte. Er schickte einen Hacker, der unter dem Decknamen ‘Smaug’ bekannt war, in die Führungsetagen von ARKEN. Dieser Hacker arbeitete sich langsam, aber sicher an die sensibelsten Daten und Systeme heran.“

Bilbo hörte gespannt zu, er fragte sich, wie all dies mit ihm zu tun haben konnte, er konnte es erahnen.

„Smaug“, fuhr Gandalf fort, „programmierte einen Virus, der das gesamte Computersystem von ARKEN infiltrierte. Er fälschte Dokumente und fügte falsche Informationen in die Akten der Führungskräfte ein. Als Thorins Großvater einen externen Hacker beauftragte, den Virus zu finden, stießen sie auf die gefälschten Daten. Es war ein Meisterstück der Täuschung – die falschen Informationen beinhalteten den Handel mit Drogen und schweren Menschenrechtsverletzungen, Dinge, die das Unternehmen zerstören sollten. Und als es vor Gericht ging, war es so gut inszeniert, dass es niemandem schwerfiel, ARKEN zu verurteilen.“

Bilbo saß wie erstarrt da, seine Gedanken wirbelten. Alles klang wie ein düsteres Spiel, in dem er sich plötzlich selbst wiederfand, ohne es je gewollt zu haben.

„Nach dem Fall“, sagte Gandalf leise, „mussten Thorins Großvater und Vater ins Gefängnis. Und auch die anderen führenden Köpfe von ARKEN wurden hinter Gitter gebracht. Noch heute sitzen sie dort, ohne Hoffnung auf ein Wiedersehen mit der Freiheit. Sie hatten bei der Gerichtsverhandlung nicht die Chanche gehabt, die Beweise gegen Azok zu zeigen, da alle Richter von Azok erpresst wurden und somit auf seiner Seite waren.“

Bilbo war sprachlos. Alles schien so weit entfernt und doch war es auch irgendwie nah – ein Netz aus Lügen, Verrat und Verlust, das sich um Thorins Familie gezogen hatte. Doch was hatte das mit ihm zu tun?

„Das ist tragisch, Gandalf“, sagte Bilbo langsam, „aber was hat das mit uns zu tun? Was habt ihr alle mit diesem alten Unternehmen zu schaffen?“

Gandalf blickte ihm in die Augen. „Die Jungs, die sich hier heute Abend versammelt haben“, sagte er und deutete auf die Jungs, „sind die Söhne und Enkelsöhne jener, die in ARKEN das Sagen hatten. Thorin, der rechtmäßig Anspruch auf das Erbe seines Großvaters hat, erfuhr an seinem neunzehnten Geburtstag die Wahrheit. Seine Familie, sein Leben, wurde zerstört, und er wollte sich an Arzok und Smaug rächen, den Drahtziehern hinter der ganzen Sache.“

Bilbo spürte, wie sich etwas in ihm regte. Rache? Was hatten diese Leute vor?

„Thorin“, fuhr Gandalf fort, „kontaktierte mich, da ich gut mit seinen Großeltern befreundet war. Er erzählte mir alles, und seine Pläne waren ebenso klar wie verzweifelt. Er wollte in das Hauptquartier von Arzok eindringen, die Beweise finden und die Wahrheit ans Licht bringen. Die Lügen aufdecken und das Erbe seiner Familie wiederherstellen. Doch er braucht Hilfe – und hier kommst du ins Spiel.“

Bilbo starrte Gandalf an. „Und was soll ich tun?“, fragte er ungläubig. „Ich bin kein Hacker, ich habe nie etwas Derartiges getan! Ich kann ein paar Seiten programmieren und ab und zu ein Spiel hacken, aber – eine Hauptzentrale knacken? Welche eine Milliarden Umsatz macht?“

Eine ernste Stille folgte.

„Natürlich weiß ich, dass du kein Meisterhacker bist, oder noch nicht, Bilbo“, sagte Gandalf ruhig. „Aber wir müssen uns Schritt für Schritt vorbereiten, und der erste Schritt ist, die Beweise wieder zu bekommen. Thorins Vater hat Thorin erzählt, dass diese sich alle auf einem USB-Stick befinden, der in einem Safe im Büro von Thorins Großvater aufbewahrt wurde. Doch nach dem Fall von ARKEN wurde das gesamte Gebäude geräumt. Ich habe Nachforschungen angestellt und herausgefunden, dass die Möbel und nicht wiederverwendbaren Gegenstände auf einen Schrottplatz gebracht wurden. Und dieser Schrottplatz… das ist unser erstes Ziel.“

Bilbo saß still, der ganze Raum schien sich zu verengen. War er wirklich der Schlüssel zu all dem?

„Und was hältst du von der Mission, Bilbo Beutlin?“, fragte Thorin, der bis dahin still zugehört hatte. Alle Augen richteten sich auf ihn, und Bilbo spürte, wie der Druck auf ihm lastete. Was erwartete man von ihm? Ein Hacker – ein vermeintlich unschuldiger Junge – der sich nun auf eine gefährliche Reise begeben sollte, um gegen ein Unternehmen zu kämpfen, das keine Skrupel kannte.

„Hat dieser Arzok etwas mit dem Unternehmen ORK zu tun?“ fragte Bilbo leise, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. Ein seltsames, kaltes Gefühl kroch in ihm hoch, als er die Worte ausgesprochen hatte. Die Luft im Raum schien plötzlich schwerer zu werden.

Gandalf schaute ihn mit einem ernsten Blick an. „Aber natürlich hat er das“, sagte er, als wäre die Antwort so offensichtlich wie der Himmel am Tag. „Er ist der Geschäftsführer von ORK. Das ist der wahre Grund, warum Thorin und die anderen hier sind. Arzok hat weit mehr als nur ARKEN in den Ruin getrieben. Er hat sich mittlerweile auch ORK unter den Nagel gerissen und es zu einem seiner gewaltigsten Werkzeuge gemacht. Es war davor schon ein dubioses Unternehmen, doch durch Arzok ist es gewachsen und bedrohlicher geworden“

Bilbo blinzelte und für einen Moment konnte er kaum fassen, was Gandalf ihm gerade gesagt hatte. ORK – dieses riesige Unternehmen, das in den letzten Jahren immer mehr Einfluss gewonnen hatte, das Unternehmen, weswegen seine Eltern zu einer Konferenz von zwei ganzen Monaten gehen musste. Und der Mann, der dieses Imperium mit eisernen Fäusten hielt, war der gleiche Arzok, der schon ARKEN in den Abgrund gestürzt hatte.

Schlagartig drehte sich Bilbos Magen um. Ein unangenehmes Gefühl, als würde sich der Boden unter seinen Füßen wegziehen. Die Vorstellung, dass Arzok nun das größte Unternehmen der Welt kontrollierte, war wie ein Schatten, der sich über alles legte, was Bilbo bisher gekannt hatte – dieses Unternehmen, ORK, hatte zu viel Macht. 

„Das bedeutet…“ Bilbo stockte, seine Stimme versagte beinahe. „Das bedeutet, dass, wenn ich mich euch anschließe, wir gegen Arzok kämpfen müssen? Gegen den Mann, der in der Lage ist, mit einem Finger schnippen alles zu zerstören?“

Gandalf nickte langsam, seine Miene blieb dabei undurchdringlich. „Ja, genau. Wenn du dich uns anschließt, wirst du gegen Arzok kämpfen. Aber sei dir eines klar: Du bist nicht alleine. Wir sind eine Gemeinschaft. Und Thorin hat mehr als nur das Erbe seiner Familie verloren, sondern auch die Ehre seines Nachnamen. Arzok hat uns alle ins Visier genommen. Aber Thorin ist entschlossen, dies zu ändern. Es ist der einzige Weg, den Namen seiner Familie zu retten. Und wenn wir versagen, wird Arzok mit HOBBIT und anderen Unternehmen genau das tun, was er mit ARKEN gemacht hat: er wird sie alle vernichten.“

Bilbo spürte, wie die Dunkelheit der Worte Gandalf tief in ihm wucherte. Ihm wurde klar, dass alles, was er liebte, in Gefahr war. Wenn Arzok wirklich der Geschäftsführer von ORK war, dann hatte er nicht nur Macht – er hatte auch Einfluss. Einfluss, der sich bis zu Bilbos Familie erstrecken konnte. Und er wusste, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis diese dunklen Kräfte auch bei ihm und seinen Eltern anklopfen würden.

Er fühlte sich hin- und hergerissen. Einerseits wollte er sich nicht in diese gefährliche Welt stürzen, andererseits wusste er, dass es keine Flucht vor diesem Schicksal gab. Wenn er nicht jetzt handelte, wenn er nicht gegen Arzok kämpfte, dann würde irgendwann auch er in die Fänge dieses Mannes geraten. Thorins Familie war das beste Beispiel dafür.

„Und wenn ich es nicht tue?“, fragte Bilbo, seine Stimme war jetzt fester, obwohl ein Hauch von Angst immer noch in ihr mitschwang. „Was passiert, wenn ich mich nicht eurer Mission anschließe?“

„Dann“, sagte Gandalf ruhig, „wirst du genau das erleben, was Thorins Familie ertragen musste. Arzok wird kommen, mit seinen Lügen und seinen Machenschaften. Und wie bei ARKEN wird er auch alles in deinem Leben zerstören. Er wird deine Familie, deine Freunde, alles, was dir lieb ist, ins Visier nehmen, bis nichts mehr übrig bleibt.“

Bilbo fühlte, wie ihm das Herz in der Brust raste. Der Gedanke an seine Eltern, an sein Zuhause – an all das, was er liebte – ließ ihn zögern. Er war ehrlich, er hatte Angst vor einem Mann wie Arzok. Vor jemandem, der über Leichen ging, nur um seine Macht zu sichern.

„Also bleibt mir nichts anderes übrig, als mich euch anzuschließen, oder?“ sagte Bilbo schließlich, seine Stimme entschlossen. „Aber was genau soll ich tun? Was kann ich tun, wenn ich nicht einmal weiß, wie man in ein Unternehmen hackt?“

Gandalf lächelte leicht, aber es war nicht nur ein fröhliches Lächeln – es war ein wissendes, fast schon geheimnisvolles Lächeln. „Du wirst lernen, Bilbo. Schritt für Schritt. Und du wirst überrascht sein, was du alles erreichen kannst, wenn du dich einer Sache wirklich verschreibst. Wir haben die nötigen Informationen und die richtigen Leute, um es zu schaffen. Aber wir brauchen dich, deinen Verstand, deine Fähigkeiten. Du bist mehr als nur ein einfacher Beutlin. Und vielleicht ist es gerade deine Unwissenheit, die uns den Vorteil verschafft.“

Bilbo starrte Gandalf an, das Gewicht der Entscheidung lastete schwer auf seinen Schultern. Aber tief in seinem Inneren wusste er, dass er keinen anderen Weg hatte. Es war entweder Arzok besiegen – oder sich für immer in den Schatten seines Imperiums beugen.

„Okay, ich werde mich euch anschließen.“ 

Kaum hatte Bilbo diese Worte gesagt, brach lauter Jubel auf.

 


Hey! Ich hoffe, dass euch das erste Kapitel gefallen hat :D

Mir ist die Idee von dem modernen Bilbo Beutlin und seinem großen Abenteuer vor kurzem gekommen, als ich nach langer Zeit Mal wieder mit meiner Familie den Hobbit angeschaut habe. Ich habe eine grobe Idee in welche Richtung diese Geschichte gehen soll, aber ich bin offen für eure Ideen, wenn ihr welche habt die ihr unbedingt teilen wollt.

Ich hoffe, das dieses Kapitel keinen zu holprigen einstiegt hatte und man es generell gut lesen konnte. Es ist etwas gewöhnungsbedürftig, sich Bilbo und die anderen in einer „normalen“ Welt vorzustellen, aber jeder (auch ich) wird sich schon Stück für Stück daran gewöhnen.

Für die, die Fanfictions lieber auf Englisch lesen, werde ich bald eine Übersetzung rausbringen. Doch erst einmal werde ich ein paar Kapitel in der Deutschen Version schreiben, um mich in die Welt einzugewöhnen.

Ich wünsche euch viel spaß beim weiteren Lesen!!!!