Actions

Work Header

Rating:
Archive Warning:
Category:
Fandom:
Relationship:
Characters:
Additional Tags:
Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2025-01-03
Words:
1,496
Chapters:
1/1
Comments:
6
Kudos:
9
Hits:
97

Noch 10 Minuten Einsamkeit – eine Silvestergeschichte

Summary:

Kurzgeschichte: Draco ist auf einer Silvesterparty. Die Enge erdrückt ihn, weil er sich davor versprerrt seine Vergangenheit loslassen und endlich glücklich zu sein.

Notes:

Ich wünsche euch viel Freude beim Lesen dieser kleinen Silvestergeschichte.

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Draco verließ den Raum voller Menschen. Sie waren seine Freunde – oder irgendwie hatte er es geschafft, dass sie ihn als Freund bezeichneten. Doch der Lärm, das Gelächter, die Wärme der Menge – all das fühlte sich an, als würde es ihn erdrücken. Er brauchte Luft. Ruhe. Er musste hier raus. Noch zehn Minuten, dachte er, als er auf die Uhr sah. Von draußen drangen bereits knallende Laute herein, Vorboten des nahenden Jahreswechsels.

Er trat ans Fenster und lehnte seinen Kopf gegen das kalte Glas, während er dem tanzenden Farbenspiel des Feuerwerks zusah. Die bunten Lichter spiegelten sich in seinen Augen, doch ihr Glanz erreichte ihn nicht. Draco verlor sich in seinen Gedanken, in Erinnerungen, die er am liebsten vergessen würde. Ein leises Rascheln hinter ihm ließ ihn zusammenzucken. Alarmiert drehte er sich um und blinzelte in die Dunkelheit des Raumes.

„Was machst du hier?“, fragte die Gestalt im Türrahmen. Die sanfte Stimme schickte einen kalten Schauer über seinen Rücken.
„Ein Butterbier holen“, log er lahm. Legte jedoch trotzdem seine Hand auf den Griff des Kühlschranks und öffnete ihn. Das Licht im Inneren erhellte den Raum und tauchte den anderen Mann in einen blassen Lichtkegel. Draco nahm eine Flasche heraus und hielt inne, als die Konturen seines Gegenübers nun deutlicher zu sehen waren. Nicht, dass er es gebraucht hätte – er wusste, wer in die Küche gekommen war.

„Es ist gleich so weit“, sagte der andere Mann, seine Stimme rau, aber ruhig.
Draco nickte kaum merklich, wandte den Blick wieder dem Fenster zu und stellte die Flasche ungeöffnet auf das Fensterbrett. „Ich weiß“, murmelte er.

Ein Moment des Schweigens entstand, in dem nur das leise Summen des Kühlschranks und gedämpfte Stimmen aus dem Salon zu hören waren.
„Gehst du nicht zurück zu den anderen?“, fragte die Stimme schließlich.
„Es wird mich schon keiner vermissen.“ Draco strich mit den Fingern über die kalte Fensterbank, als könnte er sich an der Berührung festhalten. „Geh du ruhig zurück. Es ist okay“, sagte er.
„Mir ist es aufgefallen“, entgegnete der Mann leise. Seine Schritte hallten leise auf dem Holzboden wider, als er näherkam.
Was?“, fragte Draco, seine Stimme abwesend, als würde er die Worte nur halb wahrnehmen.
„Dass du gegangen bist.“ Der Mann trat noch einen Schritt näher. Draco konnte die Bewegung hören. „Mir fällt es immer auf, wenn du dich zurückziehst.“

Draco schwieg. Die Worte hallten in seinem Kopf wider, begleitet vom dumpfen Echo des Feuerwerks draußen. Er wagte nicht, sich umzudrehen. Vielleicht, weil er Angst hatte, dass der Blick des Mannes ihn endgültig entwaffnen würde. Oder vielleicht, weil er wusste, dass er sonst nicht mehr in der Lage wäre, den Abstand zwischen ihnen aufrechtzuerhalten.
„Du wirkst kurz vorher immer so – verloren“, sagte die Stimme hinter ihm sanft, als er nichts erwidert hatte.

Draco schluckte schwer, den Blick weiterhin auf die Dunkelheit draußen gerichtet. „Verloren?“ Er lachte zynisch. Verloren war gar kein Ausdruck. Er fühlte sich fehl am Platz. Unerwünscht. Überflüssig. Unsicher. Seine Finger krallten sich in die Fensterbank. „Sicher“, sagte er schließlich, verbittert.
„Du musst nicht allein sein“, sagte der andere leise.
„Vielleicht will ich aber genau das“, entgegnete Draco und hob das Kinn, als wollte er sich selbst überzeugen.
„Das glaube ich dir nicht. Ich habe es dir nie abgenommen. Niemand ist gerne allein.“ Der Mann trat noch näher, seine Stimme ein Raunen in der Dunkelheit. „Du hast dir selbst diese Strafe auferlegt. Hör auf, dich zu quälen. Wir alle haben dir verziehen, weil wir verstanden haben, warum du es tun musstest. Verzeih dir endlich selbst.“
Der Blonde atmete schwer aus. „Ich kann nicht.“
Der Mann zögerte, bevor er weitersprach. „Du musst deine Vergangenheit loslassen.“
„Hatten wir das alles nicht schon?“
„Ja Draco, wir hatten das schon so oft und immer wieder lässt du all das nicht zu. Aber diesmal gebe ich nicht auf. Diesmal weiß ich, was du empfindest.“

Draco wirbelte herum. Die plötzliche Bewegung ließ seine Stimme scharf klingen. „Was weißt du?“
„Ich empfinde genauso“, sagte der andere leise, seine Augen suchten den Blick des Blonden.
„Was meinst du?“, fragte Draco, seine Stimme brüchig. Er schaute zu Boden.
„Tu nicht so.“ Die Kränkung des Mannes war deutlich herauszuhören. „Du weißt, was ich meine.“
„Nein“, stieß Draco hervor und wich zurück. Er wollte es nicht hören und nicht wissen. „Lass mich in Ruhe und geh zu den anderen.“

Der Mann hielt inne. Seine Stimme klang nun eindringlicher. „Du willst es nicht wahrhaben. Ich habe an dem einen Abend mit Pansy gesprochen, weißt du? Ich habe ihr gesagt, dass ich mir Sorgen um dich mache. Und… das eine ergab das andere.“

Draco starrte ihn an, unfähig zu antworten. Schließlich drehte er sich wieder zum Fenster und er stieß gegen die Flasche, welche polternd zu Boden fiel. Er ließ sie liegen. Die Feuerwerke draußen schienen erloschen, nur die Dunkelheit blieb.
„Es wird nicht funktionieren“, sagte er schließlich, die Worte kaum mehr als ein Flüstern.
„Draco, ich versuche schon die ganze Zeit, mit dir zu reden, aber ich komme nie an dich ran. Weil du dich vor allem verschließt.“
„Es ist besser so“, sagte Draco und ließ die Hände in die Taschen sinken. „Besser für… Die Leute werden reden. Und in ein, zwei Wochen bist du weg, weil dir alles zu viel wird.“
„Draco, ich bitte dich. Gib mir eine Chance. Gib uns eine Chance. Lass es mich dir beweisen. Lass mich dir zeigen, wie ernst es mir ist. Und verdammt noch mal – lass dich selbst glücklich sein!“ Seine Stimme klang kraftvoll und überwältigend.

Die Mauer, die Draco um sich gezogen hatte, drohte zu wanken, doch er konnte das nicht zulassen. Er war es so oft in Gedanken durchgegangen. Es ging nicht, es machte keinen Sinn. Wer auf der Welt würde das verstehen? Er war ihm die letzten Tage bewusst aus dem Weg gegangen und er würde ihn weiterhin meiden. Er konnte nichts hervorbringen oder entgegnen. Die Kehle war ihm eng geworden.

Als er nichts erwiderte, sprach der andere erneut: „Mir ist egal, was die anderen sagen.“ Die Worte hingen im Raum, als würden sie Draco noch mehr einschnüren. Er schluckte hart und konnte keinen klaren Gedanken fassen. So lange hatte er sich dagegen gesträubt, seine Gefühle verbannt. Er konnte – nein, wollte es nicht zulassen. Aus Liebe zu diesem Mann, der mit ihm hier stand. Er wollte das Leben von ihm nicht zerstören, kein Chaos in dieses bringen. Er sollte es nie erfahren, was er empfand. Dass Pansy auch nie ihre Klappe halten konnte. Draco atmete schwer. Verwirrter als jemals zuvor. Das sollte so alles nicht sein. Er drehte sich um, entschlossen den Raum zu verlassen.

Die Stimmen waren aus dem Salon entfernt zu hören. Wie ein Rauschen drangen sie in die Küche vor und ließen die beiden den Countdown vernehmen.

„Zehn.“
Ein leises Knistern begleitete die Spannung in der Luft. Der andere Mann wagte einen Schritt nach vorn, der Abstand zwischen ihnen schrumpfte, als wäre er nie wirklich da gewesen.

„Neun.“
Draco spürte, wie sein Atem stockte. „Was machst du da?“, fragte er unsicher, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern.

„Acht.“
Der Mann antwortete nicht. Stattdessen machte er einen weiteren Schritt auf Draco zu. Seine Augen ließen ihn nicht los.

„Sieben.“
„Potter“, hauchte Draco, ein Hauch von Panik mischte sich in seinen Tonfall, doch er konnte sich keinen Zentimeter bewegen.

„Sechs.“
Der Mann lächelte. „Wann sagst du endlich Harry?“, fragte er leise, die Worte fast spielerisch, aber mit einer unterschwelligen Ernsthaftigkeit.

„Fünf.“
Noch ein Schritt, und die Distanz zwischen ihnen war kaum mehr als ein Atemzug. Draco konnte jetzt die Wärme spüren, die vom Körper des Anderen ausging.

„Vier.“
Eine Hand hob sich zögernd nach vorne und legte sich schließlich auf Dracos Brust. Die Berührung war leicht und doch schossen kleine Blitze durch Dracos Körper.

„Drei.“
Ohne ein weiteres Wort drückte der Mann ihn sanft zurück, bis Dracos Rücken die Kühlschranktür berührte. Das kalte Metall im Kontrast zur Wärme der Hand auf seiner Brust ließ ein Schauer durch ihn fahren.

„Zwei.“
„Draco“, säuselte die Stimme, jetzt so nah, dass Draco jedes einzelne Zittern darin spüren konnte. „Bitte… gib uns eine Chance glücklich zu sein.“

„Eins.“
Der Raum schien sich um sie herum zu schließen, die Welt wurde kleiner, enger, bis nur noch sie beide übrig waren. Dracos Herz setzte einen Moment aus, als er den Hauch des anderen auf seiner Haut spürte.

„Null. – Happy new year!“
Gejubel drang zu ihnen durch. Gläser klirrten in der Ferne. Ihre Silhouetten verschmolzen, als der andere sich vorbeugte und ihre Lippen sich trafen. So weich und sanft. Draußen explodierte das Feuerwerk mit einem ohrenbetäubenden Knall, ein wilder Tanz aus Licht und Farben, der das Zimmer erhellte und einen Schatten über ihre Gesichter huschen ließ. Doch Draco bekam nichts davon mit.

Das einzige Feuerwerk, das er wahrnahm, war das, welches in seinem Inneren tobte – ein Sturm aus Wärme, überwältigenden Emotionen und einer plötzlichen Klarheit. Dieser Mann vor ihm durchbrach die Dunkelheit, die ihn so lange umgeben hatte und tauchte alles in ein strahlendes Licht aus tausenden Farben.

 

Mehr von mir findest du auf: Fanfiktion.de

Notes:

Habt ein wundervolles 2025!

Danke fürs Lesen, eure Kudos oder Kommentare. ♡

 

_______________________

Die Charaktere sind nur von J.K. Rowling ausgeliehen.
Bis auf meine eigenen Figuren, die gehören mir sowie diese Geschichte an sich.
Ich verdiene damit kein Geld.

Es versteht sich von selbst, dass meine Geschichte nicht kopiert und wieder veröffentlicht oder übersetzt werden darf ohne meine Zustimmung.