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Copaganda

Summary:

Die saarländische Polizei startet eine neue Imagekampagne, und wer würde sich dafür besser eignen als das neue junge und dynamische Kommissars-Team aus der Hauptstadt?

Blöd nur, wenn der Content viral geht und das Internet Dinge sieht, die Adam und Leo sich noch nicht einmal selbst eingestehen wollen...

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„Warum sind in dieser Kommentarspalte alle so thirsty nach Copaganda“ liest Esther mit diesem nervigen Grinsen vor, das sie und Pia seit dem Dreh perfektioniert haben.

„Thirsty…?“, Leo runzelt die Stirn.

Manchmal verhielt Leo sich wirklich wie der letzte Boomer.

„Durstig“, übersetzt Adam trocken. „Sie sind durstig. Also nach uns. Beziehungsweise...“ Er verstummt und schüttelt den Kopf. „Vergiss es einfach.“

Adam konnte das alles nicht mehr.

Notes:

Ich hab diese Idee einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommen. Ich hoffe, ihr habt genau so viel Spaß damit wie ich.

Nur als Vorwarnung: ich habe keine Ahnung, wie Polizeiarbeit funktioniert und ich glaube, das ist auch gut so.

Chapter 1: Raw. Next Question

Notes:

(See the end of the chapter for notes.)

Chapter Text

Pia läuft Kaffee aus der Nase. Vor Lachen. Pia hat sich verschluckt und jetzt läuft ihr vor Lachen Kaffee aus der Nase. Es sieht unfassbar eklig aus. 

Adam hatte es gleich gewusst. Er hatte es in dem Moment gewusst, als der Polizeipräsident mit diesem selbstgefälligen Grinsen verkündete, dass das Saarland eine „moderne und bürgernahe Imagekampagne“ benötige. Er hatte es gewusst, als die Worte „Sie beide sind die perfekten Gesichter dafür“ fielen. Und er hatte es definitiv gewusst, als dieser Social Media Heini, dieser Praktikant – Hannes oder Jonathan oder wie auch immer – anfing, von einer Kampagne, von der „zielgruppengerechten Social Media Präsenz der Polizei“, von Dreharbeiten und von YouTube und TikTok zu schwafeln.

Jetzt, drei Monate später, wischt sich Pia hustend den verschütteten Kaffee vom Hoodie, während sie verzweifelt versucht, Luft zu bekommen.

Raw. Next question“, liest sie zwischen Schluckauf und Kicheranfällen vor und wischt sich über die Augen.

Die erste Folge ihrer sogenannten „Mini-Doku-Serie“ ist seit gestern Abend online. Das sind jetzt genau dreizehn Stunden.

Auf Pias Display läuft gerade die Szene beim Training. Sie beide in verschwitzten Shirts, wie sie einander beim Anlegen der Schutzwesten helfen. Adam erinnert sich noch gut daran. Es war November gewesen, arschkalt, und der Regisseur hatte darauf bestanden, dass sie die Jacken ausziehen. Für die „Authentizität.“

„Was soll das überhaupt bedeuten?“, fragt Leo neben ihm und blinzelt verwirrt auf Pias Handydisplay. Er hat die Arme vor der Brust verschränkt und sieht aus, als könnte er sich nicht entscheiden, ob er die Situation lustig oder peinlich finden soll. 

Esther, die neben Pia sitzt klopft dieser wenig hilfreich auf den Rücken und erstickt dabei fast selbst an ihrem eigenen Lachen. „Das willst du nicht wissen.“

Adam reibt sich die Schläfen. Es ist neun Uhr morgens, viel zu früh für den ganzen Scheiß, und er hat noch nicht mal seinen ersten Kaffee getrunken. Der Gedanke an Kaffee lässt seinen Blick unwillkürlich zu Pias Tasse wandern, deren Inhalt jetzt größtenteils auf ihrem Schreibtisch verteilt ist.

„Können wir jetzt vielleicht arbeiten?“, knurrt er und kann selbst kaum fassen, dass diese Worte ausgerechnet aus seinem Mund kommen. „Wir haben schließlich einen echten Fall auf dem Tisch.“

„Warte, warte“, japst Pia und scrollt weiter, ihre Wangen sind bereits hochrot vom Lachen.“‚Seit wann sind die scheiß Bullen eigentlich so hot?‘ Oh Gott, es wird echt immer besser!“

„Moment mal“, Leo beugt sich näher an den Bildschirm und starrt auf die Kommentarspalte. „‚Verhaften Sie mich, Herr Wachtmeister?‘ – Was stimmt denn nicht mit den Leuten?“ Er schaut verzweifelt zu Adam hoch, als würde er bei ihm Hilfe suchen. Als wüsste Adam, was sie jetzt tun sollten.

Warum sind in dieser Kommentarspalte alle so thirsty nach Copaganda“ liest Esther mit diesem nervigen Grinsen vor, das sie und Pia seit dem Dreh perfektioniert haben.

„Thirsty…?“, Leo runzelt die Stirn.

Manchmal verhielt Leo sich wirklich wie der letzte Boomer.

„Durstig“, übersetzt Adam trocken. „Sie sind durstig. Also nach uns. Beziehungsweise...“ Er verstummt und schüttelt den Kopf. „Vergiss es einfach.“

Adam konnte das alles nicht mehr.

„Ohhh!“, quietscht Pia plötzlich so schrill, dass Adam zusammenzuckt. „Hier hat jemand ein Herz-Emoji unter das Video gesetzt und geschrieben ‚Die Chemie zwischen den beiden ist...‘“

„Ich geh’ Kaffee holen“, unterbricht Adam sie barsch. Er dreht sich auf dem Absatz um und verlässt das Büro, bevor er den Rest des Satzes hören muss. 

Er hatte es gewusst. Diese beschissene Serie war von Anfang an eine furchtbare Idee gewesen.

Hinter sich hört er Pia schon wieder lachen.

   


 

Urban Dictionary

Raw. Next Question.
When someone is just so hot that you would let them hit it without protection. Raw meaning without protection and next question meaning that's all you need to say about that person in order to get your point across about the level of hot they're on. *Sees a video on tik tok of the most drop dead gorgeous man and he's smirking at the camera with a twinkle in his eye „Raw.  Next question.“*

Er starrt auf seinen Bildschirm und bereut sofort überhaupt gegoogelt zu haben, was dieser verdammte Kommentar bedeutet. Seine Ohren werden heiß, als unwillkürlich die Erinnerung an diese beschissene Szene im Video hochkommt. Leo, der ihm die Schutzweste über den Kopf streift. 

„Ohne Schutz. Keine weiteren Fragen.“

Hastig klickt er den Tab weg, als im Flur Schritte näherkommen. Keine Sekunde zu früh. Es ist Leo und er hat diesen Gesichtsausdruck aufgesetzt, den er leider nur zu gut kennt. Es ist der gleiche, wie vergangene Woche, als er ihm gestanden hatte, dass er Adams Lieblingskaffeebecher hat fallen lassen.

„Nein“, sagt er sofort, dankbar für die Ablenkung. Verdammt, für eine Sekunde fällt es ihm tatsächlich schwer, Leo direkt anzusehen.

„Ich hab doch noch gar nichts gesagt.“ Leo bleibt vor seinem Schreibtisch stehen, die Hände in den Hosentaschen vergraben. Er schaut immer noch... schuldbewusst. Ja, das ist es. Schuldbewusst.

„Du hast diesen Blick. Der bedeutet nie was Gutes.“ Er konzentriert sich darauf, seinen Bildschirm auszuschalten. Seine Wangen fühlen sich heiß an.

Leo zieht den Stuhl von gegenüber zu sich und setzt sich vor ihm. Auch ein schlechtes Zeichen. Wenn Leo sich setzt, kommt garantiert nichts Gutes.

„Also“, beginnt Leo vorsichtig. „Jonas hat gerade angerufen.“

„Wer?“

„Der Social Media Manager.“

„Dieser Praktikant.“

„Social Media Manager“ beharrt Leo. „Aber ja. Genau der“, Leo rutscht auf seinem Stuhl hin und her. „Die erste Folge... sie ist viral gegangen.“

„Was heißt viral?“

„Über 500.000 Aufrufe seit der Veröffentlichung. Scheinbar sogar in den YouTube-Trends. Es ist der erfolgreichste Content, den die saarländische Polizei je produziert hat.“

Adam ächzt abfällig. „Pah, als ob das jetzt eine Überraschung ist. Was haben die überhaupt bisher produziert?“

Aber Leo geht gar nicht darauf ein. „Sie wollen mehr.“

„Mehr?“ Adam spürt, wie sich seine Kiefermuskeln anspannen. „Was heißt mehr?“

„Mehr Folgen, mehr Behind-the-Scenes, mehr...“ Leo holt tief Luft. „Sie wollen, dass wir einen TikTok-Account erstellen.“

„Sie wollen was

„TikTok. Das ist eine App, wo-“

„Verdammt, ich weiß, was TikTok ist“, unterbricht er ihn scharf. „Meine Antwort lautet nein.“

„Adam-“

„Nein.“

„Es ist nur für ein paar Wochen“, versucht Leo es weiter. „Und es würde der Polizei wirklich helfen, weißt du? Mehr Transparenz, bessere Öffentlichkeitsarbeit.“ Nach einer kurzen Pause ergänzt Leo leiser. „Es würde mir helfen. Nach der Sache mit der internen Ermittlung und meinem alten Kollegen...“

Adam spürt, wie sein Widerstand langsam bröckelt. Verdammt.

„Ich mache aber keine...“ Er gestikuliert wild in der Luft, „...keine Tanzvideos oder was auch immer die da machen!“

„Natürlich nicht“, sagt Leo schnell. Zu schnell. Er kannte ihn einfach zu gut.

„Leooo?“

„Ja?“

„Was genau steht in der Mail von diesem Praktikanten?“

Leo steht hastig auf. „Ich muss los, ich hab noch einen Bericht zu schreiben.“

„Leo!“

„Wir sprechen morgen drüber!“, ruft Leo über seine Schulter, während er zur Tür eilt.

„Leo, ich werde nicht tanzen!“, brüllt er ihm hinterher.

Leos einzige Antwort ist ein hastiges Winken, bevor er um die Ecke verschwindet.

Adam lässt seinen Kopf auf die Tischplatte sinken. Und warum, verdammt nochmal, flüsterte sein verräterisches Hirn beim Anblick von Leo Hintern grade eigentlich: „Raw. Next question?“

Notes:

Danke fürs Lesen! Ich freue mich immer über Kudos oder Kommentare.

Außerdem: Schickt mir super gerne eure horny Kommentare und the most unhinged Takes zu den beiden... dann kommen die vielleicht sogar im nächsten Kapitel vor <3