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Beschützersyndrom

Summary:

"Und jedes Mal ging er ins Bett, und Adam lag im Koma. Und jedes Mal wachte er auf, und Adam wurde abgeführt, das Geräusch von Sirenen laut in seinen Ohren.

Dann starb Adam in seinen Armen. "


Leo verliert Adam immer und immer und immer wieder. Gefangen in einer Zeitschleife aus der er nicht entkommen kann, ist er gezwungen, Adams Verhaftung und alles was darauf folgt zu durchleben. Und dabei will Leo Adam doch nur beschützen.

Notes:

was mich dazu bewegt hat, eine fic über den einen spatort zu schreiben, den ich nie rewatched habe weil er mir -50 mental damage gibt? ja, friends, das kann ich auch nicht erklären xx

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Als Adam abgeführt wurde, lauschte Leo den Sirenen schweren Herzens. Dann machte er sich auf den Weg. Er musste einen Fall lösen. Und dann seinen besten Freund vor sich selbst schützen.

Leo war nicht da, als Adams Herz aussetzte. Leo war nicht da, als die Geräte neben Adam nur noch einen einzigen langen Ton von sich gaben. Leo war nicht da, als die Ärzte in den Raum stürzten, bewaffnet mit nichts als der Hoffnung, ein Leben retten zu können.

15.00 . Leo stand unten an der Rezeption der JVA, als Adams Herz aussetzte. 

15:47 . Leo war auf halbem Weg zurück ins Präsidium, als er den Anruf bekam.

16:00 . Leo hatte es gerade so bis zum Parkplatz des Präsidiums geschafft, als er in Tränen ausbrach. 

“Wir mussten ihn in ein künstliches Koma versetzen, Herr Hölzer. Wir werden sie informieren, sobald wir mehr wissen.”

Da war ein Fiepen in seinen Ohren.

Das war alles seine Schuld. Adam hatte ihm vertraut, verdammt nochmal, und jetzt lag er im Koma und die Ärzte konnten nicht sagen, wann er wieder aufwachen würde (ob er wieder aufwachen würde). Und Leo konnte nichts tun- Leo konnte ihn nicht retten. Leo konnte ihn nicht beschützen. 

Wut übermannte ihn und er schlug auf sein hartes Lenkrad. Der Schmerz krabbelte seinen Unterarm herauf und stoppte erst an seiner Schulter (Er wollte nicht, dass es aufhörte). Es war genau wie vor fünfzehn Jahren. Und egal was er und Adam in der Zwischenzeit gemacht hatten- wie viel sie sich verändert hatten- selbst im Grab hielt der Alte noch die Fäden in der Hand. 

Und jetzt saß er hier mit seiner beschissenen Polizeiausbildung und seiner beschissenen Waffe und Adam lag bewusstlos im Knastkrankenhaus und Roland Schürk lag sechs Meter unter der Erde und der Einzige, der gewonnen hatte, war der König. 

Wie er es schaffte, sich ins Büro zu schleppen, wusste er nicht. Es war ja eigentlich auch egal. Esther hatte ihn nach Hause geschickt, nachdem sie nur einen Blick auf ihn geworfen hatte. Pia hatte ihn nur mitleidig angeschaut und seine Schulter gedrückt, bevor sie Esther zugestimmt hatte.

Die Blicke- ihre- die von den Kollegen im Präsidium- All die Blicke ließen ihm übel werden. Er hasste jeden einzigen von ihnen. All die Heuchler, die gestern noch so froh waren, Adam eingebuchtet zu haben. All die Heuchler heulten ihm nun hinterher. Dabei war er gar nicht tot. 

(Noch nicht tot - Noch nicht- Noch nicht . Er wollte diesen Gedanken ignorieren, ihn in die tiefste Ecke seines Kopfes verbannen. Doch je mehr er sich seiner dunklen Wohnung näherte, desto lauter wurde dieser Gedanke, bis es das einzige war, was durch seinen Kopf hallte).

Und als Leo in der Stille seiner Wohnung saß, war die Couch hart, unnachgiebig unter ihm (Tür aufschließen. Licht anmachen. Fenster auf. Etwas trinken. Hinsetzen)- Als er da in der Stille saß, konnte er nicht mehr atmen. 

Es wurde schwarz um ihn herum, und nur noch unterbewusst nahm er wahr, wie er gegen die abgerockte Lehne fiel.

Als Adam abgeführt wurde, schlug Leo die Augen auf. Die Sirenen rissen ihn aus der Dunkelheit, in der er schwebte. Bis er sich orientiert hatte, dauerte es einen Moment. Bis er sich orientiert hatte, war es schon zu spät.

Er war am See. Adam wurde verhaftet. In der JVA würde er zusammengeschlagen werden. In der JVA würde er ins Koma versetzt werden. In der JVA würde Leo ihn nicht beschützen können. (Schon wieder- schon wieder - schon wieder).

Nach dem sechsten Mal hatte Leo aufgehört, die Verhaftung verhindern zu wollen. Es war sein erster Ansatz gewesen, nachdem er verstanden hatte, was mit ihm passierte, dass er immer und immer wieder diese Zeitschleife durchlebte. Es hatte sechs Mal nur noch mehr Schmerz gebracht. 

Das erste Mal hatte er noch gedacht, er träume. Es war alles genau wie vorher. Das Rauschen des Windes, die Worte, die er Adam an den Kopf geworfen hatte. Der leichte Sommergeruch in der Luft. Er war wie gefangen in einem schlechten Film, konnte sich selbst nur zusehen, wie sich alles wiederholte. Es änderte nichts. Am Ende lag Adam im Koma und Leo öffnete seine Augen erst wieder, als Adam abgeführt wurde. 

Das zweite Mal verlor er seinen Job. Er konnte gar nicht mehr genau sagen, wie es dazu gekommen war. Es war alles hektisch, schnell- zu schnell- gewesen. Nur an Esthers Blick würde er sich immer erinnern. Diese anklagenden, dunklen Augen hatten sich in seine Seele gebohrt, als er das Präsidium verlassen musste. Wie konntest du?

Sie stellte die falsche Frage. Wie konnte er nicht? Wie konnte er nicht, wenn Adam schon dreimal in ein Koma geprügelt wurde? Wie konnte er nicht, wenn das alles seine verdammte Schuld war? Wie konnte er nicht, wenn er diese beschissene Tage immer und immer und immer wieder leben musste und doch nichts ändern konnte? 

(Er vergab Esther erst, als er schon aufgehört hatte, zu zählen).

An das dritte Mal konnte er sich nicht mehr erinnern.

Er wusste immer noch nicht, was passiert war. Aber er wusste jetzt, dass Adam unschuldig war. Er wusste es auf die Art, wie er wusste, dass der Himmel blau und das Gras grün war. Weshalb sonst war er dazu verdammt, die ganze Scheiße immer und immer wieder zu durchleben, wenn es nicht darum ging, Adams Unschuld zu beweisen? Wenn es nicht darum ging, Adam zu beschützen?

Das vierte und fünfte Mal dachte er, er hätte es geschafft, diesmal wirklich. Beide Male schlug er sich die Hände wund, als er den Anruf kriegte (jedes Mal um Punkt 15.47, die Uhrzeit auf seinem Handy-Display inzwischen eingebrannt). Danach trank er so viel, dass er nicht mehr geradeaus schauen konnte und sein Kopf sich drehte. 

Unsaubere Beweiskette . Das ging ihm ja sowas von am Arsch vorbei. Sein bester Freund schwebte in diesem beschissenen Gefängnis in Lebensgefahr, und es kümmerte niemanden. Nicht Esther. Nicht Pia. Keinen interessierte es einen Scheiß-Dreck, egal wie sehr er sie anflehte, ihm doch nur zuzuhören. Ihn doch nur einmal anzuhören.

Und jedes Mal ging er ins Bett, und Adam lag im Koma. Und jedes Mal wachte er auf, und Adam wurde abgeführt, das Geräusch von Sirenen laut in seinen Ohren. 

Dann starb Adam in seinen Armen. 

Der Schuss klingelte, warf ein Echo über den großen See und hallte in seinen Gedanken nach, wann immer es still um ihn herum wurde.

Wenn Leo die Augen schloss, konnte er das Blut immer noch sehen. Dann konnte er Adams Röcheln immer noch hören. Konnte immer noch Adams warmen Körper an seinem fühlen, wie er immer und immer wieder von Husten erschüttert wurde, bis es irgendwann still war. Dann konnte er immer noch spüren, wie Adam in sich zusammenbrach wie eine Marionette, deren Fäden durchschnitten waren. 

Wenn Leo die Augen schloss, spürte er immer noch den Dreck in seinen Hosenbeinen, als er auf die Knie fiel. Spürte er immer noch die Hände, die ihn von Adam weggezogen hatten. 

Weg von Adam, den er nicht beschützen konnte, den er niemals beschützen konnte. Adam, der erschossen in seinen Armen lag.

Weg von Adam, der immer für ihn da gewesen war. Adam, der, als er gegangen war, auch ein Stück von Leo mitgenommen hatte. Adam, der für Leo schon immer der Mittelpunkt der Welt gewesen war. Adam, der Leo alleine gelassen hatte. 

Weg von Adam, der diesmal nicht wiederkommen würde. Der diesmal nicht auf magische Weise fünfzehn Jahre später in seinem Büro stehen würde und ihm die Hand hinhalten würde, als sehen sie sich gerade zum ersten Mal. 

Als Leo das siebte Mal die Sirenen hörte, schloss er die Augen zum ersten Mal in Erleichterung und atmete durch. 

Er konnte-wollte-durfte- nicht daran denken, was wäre, wenn er nicht wieder hier aufgewacht wäre. Was wäre, wenn es keinen magischen Reset-Button mehr gab, der seine Fehler einfach ausradierte? 

Dann wäre allein er für Adams Tod verantwortlich, nur er. Dann müsste er das mit sich rumtragen, das Wissen, dass nur wegen ihm ein weiterer Mensch tot war. Dass nur wegen ihm sein bester Freund tot war. Verdammte Scheiße, das hätte so schief gehen können und was hätte er dann gemacht? Ja, was hätte er dann gemacht? 

(Hätte er ohne Adam einfach weiter gelebt? Das war keine Option gewesen, und das wusste er)

Vielleicht hätte er damals nicht schießen sollen, da im Wald. Als Adam seine Hand gehoben hatte, und er auf einmal so angeekelt war, von seinem besten Freund, von sich selbst, dass sie diesen Gedanken überhaupt zugelassen hatten. Aber dann wäre Roland Schürk schon tot gewesen und Adam läge jetzt nicht im Koma. Aber dann wäre Roland Schürk schon tot gewesen und Adam wäre nicht in seinen Armen gestorben.

Das siebte Mal war das erste Mal, dass er sich wieder mit dem Fall beschäftigte. Das erste Mal, dass er nicht in der JVA war, um Adam zu sehen. Das erste Mal, dass er Adam komplett ignorierte, als sei er nie zurück nach Saarbrücken gekommen. 

Das siebte Mal war das erste Mal, dass Leo in Erwägung zog, dass die Zeitschleife rein gar nichts mit Adam zu tun hatte. Also verbiss er sich auf den Fall, wollte- nein, musste- die Aufnahmen finden.  Versuchte, nicht daran zu denken, dass er dann vielleicht auch endlich entdeckte, was wirklich mit Adam und dem Alten geschehen war. 

Er brauchte genau drei Zeitschleifen, um den Fall zu lösen. Erst nachdem er das neunte Mal aufgewacht war, als Adam das neunte Mal abgeführt wurde, hatte er die Beweise zwischen seinen Fingern.

Die Sirenen hörte er inzwischen, wenn er nur die Augen schloss, um sich für einen Moment auszuruhen. Sie waren eine Erinnerung, dass was auch immer er tat, es würde nicht genug sein. Es würde nie genug sein. 

Und dann hielt er endlich den USB-Stick mit den Videos in seinen zittrigen Händen - einmal die seines Falles- dann die von Adam. Und dann hielt er endlich den Beweis für Adams Unschuld in seinen Händen, schwarz auf weiß. 

Und dann lag Adam wieder im Koma. Und dann wachte Leo wieder am See auf.

Dieses Mal blieb er am See sitzen, bis es dunkel wurde. Die Dämmerung kam langsam, schmiegte sich über die Landschaft und tauchte sie in sanfte Farben, bevor die Sonne endgültig verschwand. 

Es war so still. 

Leo wollte schreien. Schreien bis Adam aus seinem Koma aufwachte. Schreien bis seine Stimmbänder aufgaben. Schreien bis all die Verwirrung in ihm endlich Ruhe gab. Aber ihm kam kein Ton über die Lippen. Er konnte nur sitzen und zusehen, wie die Sterne über den Himmel wanderten. 

Dann wurde Adam abgeführt. Und dann wurde Adam wieder abgeführt. Wieder und wieder und wieder. Und Leo saß nur da, am See. Und manchmal lag er zuhause und ertrank in seinen Gedanken. Manchmal wusste er nicht mehr, welcher Tag es war. Manchmal schlief er, in der Hoffnung all die ganze Scheiße würde endlich ein Ende finden. 

Was hatte er denn verdammt nochmal getan, damit er das hier verdient hatte? Verdammt dazu, zuzusehen, wie sein bester Freund zu seinem sicheren Tod lief, immer und immer wieder, und er konnte rein gar nichts tun dagegen. 

Leo Hölzer gab nicht auf. Was auch immer passierte, er glaubte daran, dass es immer eine Lösung gab. Auch wenn sie tief in den Akten steckte, in einem Zeitungsbeitrag von vor zehn Jahren, in den Geheimnissen, die niemand direkt zugab. Irgendwo versteckte sich für Leo  immer eine Lösung. Es war das, was ihn zu einem so guten Polizisten machte. 

Aber was sollte er denn noch tun? Er konnte Adam nicht vor der Verhaftung schützen, und nicht vor seinem Koma. Er konnte Adams Unschuld beweisen, aber was brachte das, wenn Adam nicht da war, um seine Freiheit zu leben? 

Leo Hölzer gab nicht auf. Aber er war in eine Einbahnstraße abgebogen und stand jetzt vor einer Sackgasse. Da war keine Mauer, über die er klettern konnte, kein HIndernis, dass er überwinden musste, damit es weiterging. Nicht einmal umdrehen konnte er. Er stand vor dieser beschissenen Mauer und konnte nur die Steine zählen.

"Leo, was ist denn los mit dir? Du sitzt seit Tagen hier rum, während Esther und ich uns den Arsch aufreißen. Eine Frau wurde ermordet, und du kannst nur an Adam denken.”

“Ich weiß, wer unser Täter ist und wo die Videos sind.” Leo schaute hoch. Er wusste nicht mehr, wann er das letzte Mal mit jemandem geredet hatte. Die Worte fühlten sich schwer auf seiner Zunge an, unförmig, irgendwie als gehörten sie nicht in seinen Mund. Sie waren wie ein Fremdkörper, den er Pia vor die Füße spuckte.

 “Und ich weiß, dass Adam verdammt nochmal unschuldig ist. Das Schlimmste ist, dass keiner von euch mir glauben wird, bis es zu spät ist. Und dann wird Adam abgeführt. Immer und Immer wieder. Und ich kann nichts machen. Ich sitz einfach nur hier wie ein-”

Wham . Pias Hand traf seine Wange mit einem lauten Geräusch, das durch den Gang schallte. Es war das erste Geräusch, das Leo hörte, wirklich hörte. Der brennende Schmerz war das erste Gefühl, das Leo wirklich fühlte.

“Sag mal, hast du sie eigentlich noch alle?”

Aber vielleicht musste er die Mauer, vor der er stand, nicht alleine überwinden.

Als Adam abgeführt wurde, versuchte er, Pia die Sachlage zu erklären ( “Soll ich einen Krankenwagen für dich rufen, Leo?” )

Als Adam abgeführt wurde, schrie er Pia an, sie solle ihm doch bitte glauben ("Ich gehe jetzt zur Personalabteilung und lasse dich beurlauben, bis der Fall vorbei ist” )

Als Adam abgeführt wurde, flehte er Esther an, ihm doch nur zu helfen ( “Ich rede nicht mehr mit dir, Hölzer” )

Als Adam abgeführt wurde, brach er vor Esther und Pia in Tränen aus. Er weinte und weinte und weinte, und dann saßen sie zusammen im dunklen Büro. Saarbrücken schlief schon und auch der letzte übereifrige Neuling hatte sich nach Hause verzogen. Es waren nur sie drei im Büro. Pia. Esther. Leo. Adam

“Ach Leo, was ist denn los mit dir?”

Er konnte nicht mehr aufhören, als er einmal angefangen hatte. Die Worte sprudelten einfach aus ihm heraus und mit ihnen all die Sachen, an die er sich nicht erlaubt hatte, zu denken. Er erzählte ihnen zuerst von ihrem Fall. Danach erzählte er ihnen von Adam. Er erzählte davon, wie Adam ihn in der Schule beschützt hatte, damals, und davon, wie er es nie geschafft hatte, Adam zu beschützen, selbst heute nicht.

Irgendwann erzählte er ihnen auch davon, wie es sich angefühlt hatte, als Adam in seinen Armen gestorben war. Wie mit dem Licht aus Adams Augen auch ein Stück Leo gegangen war. Wie das Blut an seinen Händen niemals wirklich wegging, und da war es egal, wie oft und wie gründlich er sie sich wusch. Wie kein Wasser der Welt die Schuld, die er fühlte, weg waschen konnte. 

(“Mensch, du liebst den ja wirklich”)

“Wenn du Adam nicht vor der Verhaftung schützen kannst, vielleicht kannst du ihn ja danach schützen?”

Das nächste Mal, als die Sirenen ertönten, ließ Leo sich auch abführen. 

Das tat er genau einmal. 

Vielleicht machte ihn das zu einem schlechten Menschen. Vielleicht machte ihn das zu einem Feigling. Er spürte die Schläge immer noch, wenn er seine Augen schloss. Er wusste nicht einmal, was mit Adam passiert war. Vielleicht hatte er ihn beschützt. Vielleicht hatte er das nicht.

In der JVA verschwamm alles ineinander, die Tage in Stunden in Minuten in Sekunden. Leo wusste nicht mehr, wo er war - wann er war. Adam war mal da und dann war er nicht da. Dann war da Boris, und dann waren sie in einer Kirche.

Irgendwann lag er am Boden. Daran erinnerte er sich. Die Fliesen waren kalt und hart und seine Rippen taten furchtbar weh. Schreie. Adam, der irgendwen von ihm runtergezogen hatte. Mehr Schläge. Dann- Stille. 

Adam, der ihn an seinen Schultern schüttelte. Adam, dessen Nase blutete. Adam, den er schon wieder nicht beschützen konnte. Leo sah nur Adam- Adam - Adam. Dann sah Leo nichts mehr.

Sterben war kein schönes Gefühl. 

Es war kalt und still und Leo fühlte nur noch die allumfassende Leere, die sich in seinem Inneren ausbreitete und alles auffraß, was ihn ausmachte. All der Schmerz und die Anstrengung und die Tränen waren wie weggeweht und es war all das, was er sich gewünscht hatte, seit dieser ganze Scheiß angefangen hatte. Er hasste es.

Als Adam abgeführt wurde, schlug Leo die Augen auf. Die Sirenen rissen ihn aus der Dunkelheit, in der er schwebte. Bis er sich orientiert hatte, war es zu spät. 

Er ließ Adam ziehen. 

Er konnte Adam nicht beschützen. Nicht vor der Verhaftung, nicht in der JVA, nicht vor dem Koma- er konnte Adam nicht vor sich selbst schützen. Das wusste er schon, hatte er schon immer gewusst, auch wenn er es nicht wahrhaben wollte. 

Aber er wusste jetzt auch, dass er Adam nicht beschützen musste. 

Adam war Adam. Adam lief davon, vor seinen Problemen, vor der Gefahr, manchmal auch vor seinen Freunden. Manchmal waren alle drei dasselbe. Leo war das Gegenteil. Egal, wie unangenehm es wurde, er blieb. Er hielt alles aus, wie ein Stein in der Brandung. Er ließ alles an sich abprallen und stand da, bis es aufgehört hatte, weh zu tun. 

Aber Adam war Adam. Es brachte nichts, ihn festhalten zu wollen. Das hatte es schon damals nicht. Adam brauchte den Freiraum, um seine Sicherheit zu finden, und das Wissen, dass er zurückkommen konnte. 

Leo wollte Adam in seine Arme ziehen, hinter sich verstecken und ihn nie wieder gehen lassen. Leo wollte Adam in seinen Armen vor der Welt beschützen, so wie Adam es damals mit ihm getan hatte. Leo wusste jetzt, dass Adam das alles gar nicht brauchte.

Also fuhr er aufs Präsidium. Er arbeitete an ihrem Fall. Er fuhr zur JVA. Er konnte wieder nicht mit Adam sprechen. Er fuhr zurück aufs Präsidium. 

15:46.

Er wartete auf den Anruf. Jedes verficktes Mal kam der Anruf um 15:47 und jedes Mal brach seine Welt zusammen. Um 15:47 hörte die Erde auf, sich zu drehen, und er wurde immer und immer wieder an ihren Anfang zurückversetzt. Dann wusste er, dass egal, was er auch getan hatte, alles umsonst gewesen war. 

Und dann war es 15:48 und sein Handy klingelte nicht.

Und dann war es 15:48 und seine Welt drehte sich weiter.

Und dann hielt er Adam in seinen Armen (Adam, dessen Arm eingegipst war. Adam, der müde war und trotzdem lächelte. Adam, der unter seinen Armen zitterte und so warm war. Adam, der so lebendig war). Und dann hielt er Adam in seinen Armen und er wollte ihn nie wieder loslassen.

Und dann hielt er Adam in seinen Armen, und wusste, dass es manchmal einfach ausreichte, da zu sein. Wenn die ganze Welt auseinanderfiel, und oben nicht mehr oben und unten nicht mehr unten war, reichte es manchmal aus, zu wissen, dass jemand da war, zu dem man zurückkehren kann. 

Und dann hielt er Adam in seinen Armen und er wusste, er würde ihn zwar loslassen, aber nie wieder verlieren. 

Notes:

mausis falls das ganze chaotisch und unorganisiert wird, ich mach gerade ne Trennung durch also seid ganz lieb bitti das hier war mein coping mechanism <3

Warum Leo in der Zeitschleife ist? Gibt es überhaupt eine Zeitschleife? War das alles nur ein elaborierter Plot des Universums, damit fic!Leo kapiert, er muss Adam nicht schützen? Fragen, Fragen, Fragen (Ich hab die Antworten nicht und nutze als bescheidene Autorin meine Macht nur aus, um meine eigenen Probleme zu vergessen)

anyways, ich hab n bisschen herumexperimentiert mit dem Pacing des Ganzen und am ende hat es einfach spaß gemacht zu schreiben, auch wenn es bei weitem nicht perfekt ist :)

Ich hoffe ihr konntet dem ganzen auch was abgewinnen! Ich freue mich immer über kudos und kommis- take care of yourselves <33