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Fandom:
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Characters:
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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2025-02-23
Words:
938
Chapters:
1/1
Comments:
8
Kudos:
6
Hits:
41

let me kiss you now (and I'll fade away)

Summary:

Bob und Ty packen Tys Leben in Babylon in Kisten. (Und haben Gefühle.) | Vignettes. Mehr ein Vibe als ein Plot.

Notes:

mehr zur überwindung meiner schreibblockade, lol.

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Ty küsst Bob auf einer Party in Williamsburg. Bloß flüchtig auf den Mundwinkel, gerade lang genug, um ein hoffnungsvoll lächelndes Mädchen mit roten Haaren abzuschrecken. Er hebt mit einem bedauernden Lächeln die Schultern, und Bob umfasst den Plastikbecher in seiner Hand ein bißchen fester, aber er bekommt nur ein gepresstes „Nicht“, heraus.

Nicht zum Spaß. Nicht aus Mitleid.

„Sorry“, sagt Ty, „Ging schneller als ein Korb. Außerdem“, er zwinkert, und es ist wieder so, als wäre Bob vierzehn und sähe Justus’ weltbereisten Cousin zum ersten Mal in Tante Mathildas winziger Küche, „Vielleicht hilft’s ja auch bei Trennungsschmerz.“

„Bild’ dir nichts ein“, sagt Bob harscher als notwendig, „So unwiderstehlich bist du nicht.“

Das ist eine Lüge und sie tut ihm leid, noch bevor er sie fertig ausgesprochen hat, aber Ty lacht gutmütig und schlingt ihm den Arm um die Taille. „Andere Mütter haben hübschere Söhne“, sagt er, und nickt einem Jungen in einem schwarzen Netzhemd zu, „Declan. Der war in meiner Kunstklasse. Soll ich ihn dir vorstellen?“

Bob zögert. Dann lehnt er die Stirn gegen Tys Schläfe, eine Geste der Versöhnlichkeit, und schüttelt leicht den Kopf. „Sorry. Ich glaub’, mit mir ist heute nichts mehr anzufangen.“

Irgendjemand legt Only By The Night von den Kings of Leon auf und dreht die Lautstärke so hoch, daß Ty seine Antwort dagegen anschreien muss, „Willst du zurück? Ich hatte Parker gesagt, daß wir bis Morgen bleiben, aber…“

„Nee“, Bob winkt ab und trinkt den lauwarmen Rest Bier in seinem Becher aus, „Nee, ich“, er deutet unbestimmt auf den Flur, „Ich such’ mir irgendwo eine Ecke. Hab’ mal deinen Spaß.“

 

Es ist fast drei, als sich die letzten Gäste verabschiedet haben. Parker schließt ihnen das Zimmer seines Mitbewohners auf. „Das ist okay, oder“, sagt er und zeigt auf das schmale Bett. Ein verstohlener Blick, eine implizite Frage, die Bob die Hitze in die Wangen steigen lässt. 

Er macht ein unbestimmtes Geräusch und Ty sagt: „Ja. Bei mir zu Hause schlafen wir schon zu viert auf einem Zimmer“, mit einer Stimme, als würde er einen Witz erzählen. 

Parker lacht höflich und legt ihnen Handtücher und T-Shirts auf die Kommode. „Oh“, bemerkt er im Hinausgehen, „Guckt mal. Es schneit. Gibt’s sowas bei euch in Kalifornien?“

„Nur in Hollywood“, sagt Bob, „Auf der Leinwand oder durch die die Nase.“

 

„Weißt du noch, wie ihr zum ersten Mal zu Besuch nach Babylon gekommen seid?“, fragt Ty, als sie nebeneinander unter der erstaunlich warmen, karierten Decke liegen. 

Bob kann das fremde Vanille-Duschgel an ihm riechen, und muss sich sehr konzentrieren, ihm nicht am Oberarm zu fassen, um die weiche Haut zu berühren. „Ja“, sagt er, „Da hat es auch geschneit. Ich hatte noch nie echten Schnee gesehen.“

„Und du bist die ganze Nacht lang wach geblieben, weil du Angst hattest, er würde dir wegschmelzen“, Ty lächelt hörbar, „Ich dachte, du würdest tagsüber einschlafen und enttäuscht sein, daß du nichts mehr davon haben würdest.“

„Bin ich aber nicht.“ — „Bist du aber nicht.“

Weil du da wars. Weil ich keine Sekunde verpassen wollte. Weil ich gehofft habe, daß —

„Hast du mir damals Espresso in die Schokolade getan?“, fragt Bob, und kann das Herzklopfen fast auf der Zunge schmecken.

„Du wirst lachen, aber ich habe darüber nachgedacht.“

 

Am Morgen frühstücken sie in einem Diner in der Nachbarschaft. Parker besteht darauf, daß er noch ein paar Stunden über seiner Dissertation verzweifeln müsse, ehe er sich auf den Vorweihnachtsstress einlassen könne, also geben sie ihm ein vegetarisches Sandwich und einen doppelten Americano zum mitnehmen aus, bevor er sich verabschiedet.

Sie setzen sich an einen Tisch am Fenster. Bob bestellt einen Blaubeermuffin und Filterkaffee, Ty ein Gelee-Omelette und Orangensaft. 

„Traubenmarmelade“, erklärt er, als er Bobs misstrauischen Blick bemerkt, „Ich weiß. Da drüben esst ihr sowas nicht.“

„Auf einem Erdnussbutter-Sandwich schon“, meint Bob. Ty verdreht die Augen. „Ich erinnere mich. Smucker’s Goober. Bist du da nicht langsam zu alt für?“

„Nicht, wenn ich dann Gelee-Omelettes essen muss.“

 

Bob küsst Ty an der Gapstow Bridge im Central Park. Fast instinktiv, überwältigt von dem Anblick der handbreiten Schneedecke, die wie Zuckerguß über der Stadt liegt. 

Ty blinzelt. „Wofür war das?“, fragt er, und Bob bemerkt, daß sie fast auf Augenhöhe sind, obwohl Ty noch immer wie Ralph Macchio in Karate Kid aussieht, als wäre er seit damals keinen Tag gealtert. Als hätte er auf diesen Moment gewartet.

„Dafür, daß du mich mitgenommen hast“, sagt er.

 

Zurück in Babylon schaltet er sein Handy an. Sieben verpasste Anrufe, dreiundzwanzig ungelesene Nachrichten. Er löscht sie, ohne sie zu öffnen, und blockiert Matts Nummer.

 

„Schlechte Idee“, murmelt Ty gegen seine Lippen, als Bob den rechten Oberschenkel zwischen die Beine schiebt. „Ich zeig’ dir, was eine schlechte Idee ist“, flüstert Bob zurück, und macht sich am Reißverschluß seiner Jeans zu schaffen. 

Zum ersten Mal fühlt er sich nicht wie der fünfzehnjährige Junge, der einen ganzen Sommer zu Heartbeat City von The Cars in sein Kopfkissen geheult hat, weil Ty zu seinem Selbstfindungstrip nach Zentralamerika aufgebrochen war. Er weiß nicht, mit wie vielen Leuten Ty geschlafen hat, aber er ist nicht unerfahren. Nicht nach der einmaligen (oder dreimaligen) Geschichte mit Jeffrey, für die Peter eine Woche nicht mit ihm gesprochen hat, und anderthalb Jahren mit Matt.

Ty beißt sich auf die Unterlippe, um ein Keuchen zu unterdrücken, als Bob ihn durch seine Boxershorts berührt. Sie haben keinen Grund, leise zu sein. Sie sind erwachsen und alleine im Haus. Aber die Heimlichkeit hat etwas Verlockendes; als würden sie sich einem Verbot widersetzen.

„Ich—ich meine“, Ty fällt zurück auf die Matratze, und schließt die Augen, „Wir sollten viel— vielleicht reden, oder?“

„Mhm“, macht Bob, und zerrt ihm mit einem Ruck die Boxershorts runter, „Oder.“

Notes:

der titel ist von plushgun geklaut.