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Summary:

Noah träumt mal wieder seltsame Sachen.

Notes:

Work Text:

Noah kommt aus dem Bad in das Zimmer, das er und Colin als Schlafzimmer verwenden. Er hat einen verdammt langen Tag in der Filmschule hinter sich und freut sich darauf, mit Colin … kuscheln zu können. Aber der schläft schon tief und fest. Na danke!

Freddy liegt in seinem Korb ein paar Meter neben ihrem gemeinsamen Bett und schläft auch schon beinahe. Noah beugt sich zu ihm hinunter und streichelt ihm über den Rücken. Er flüstert: „Gute Nacht, Großer“ und legt sich zu Colin ins Bett. Das Licht über ihnen ist noch an, aber gedimmt und die Fernbedienung liegt neben Noah auf einem kleinen Tisch. Er macht das Licht aus und kuschelt sich in seine Bettwäsche.

Er dreht sich in Colins Richtung und streichelt ihm nur kurz sanft über den Oberarm, der von einem T-Shirt bedeckt ist. Dann müssen sie eben morgen noch kuscheln, bevor sie rausmüssen.
Kurz, nachdem sich Noah in seine übliche Schlafposition begeben hat, dämmert er auch schon weg.

Als er aufwacht, steht er mit Straßenklamotten in einem vollkommen weißen Raum. Der Boden ist weiß, die Wand und die Decke auch und alles scheint irgendwie zu leuchten. Kurz fragt er sich, ob er tot ist, bevor er eine Stimme hört.
„Hallo, ich bin auch noch hier!“
Neben ihm steht Bernd das Brot und Noah weiß zumindest, dass er noch lebt.
„Bernd? Was machst du denn hier?“
- „Was ich hier mache? An deiner Stelle würde ich mich fragen, was du hier machst.“
Das humanoide Brot wackelt beim Sprechen mit den Armen, was so aussieht, als würde er mit dem ganzen Laib auf einmal sprechen, oder wie der Körper heißt, wenn man ein Brot ist.

„Okay. Was mach ich hier?“
- „Ich hab dich gewissermaßen: bestellt“, antwortet Bernd.
„Bestellt? Wie eine Pizza?“
Noah schaut das Brot mit erhobenen Augenbrauen an. Er hat immer noch nicht so wirklich realisiert, in welcher Situation er hier ist, und ob das Brot nicht doch mehr ist als eine Puppe oder sowas.
- „Eher wie bei einem Termin, den man nicht ablehnen kann“, sagt Bernd und ergänzt: „So wie am Ende von Undercover Boss.“
Das wird immer absurder, findet Noah, aber keine Worte,
Bernd läuft an ihm vorbei, scheint den Raum zu verlassen, kommt aber an dessen andren Ende wieder hinein. Jetzt weiß Noah auch, wo er hier ist: im Nachtprogramm von Kika.

„Du bist aber nicht mein Undercover Boss!“, stellt Noah fest.
- „Na, wenn du wüsstest“, meint Bernd daraufhin kryptisch. „Jedenfalls weiß ich, dass du auch öfter mal Wände anstarrst. Und ich dachte mir, dass wir das dann mal gemeinsam machen könnten.“

Noah sieht sich um. Immer noch ist alles weiß. Nun geht er selbst an Bernd vorbei und probiert die seltsame Physik des Raums aus. Er kommt tatsächlich am anderen Ende des Raums wieder, nur so richtig kann er sich nicht erklären, wie das Ganze funktioniert. Er muss das Colin mal fragen. Die Mathematiker haben doch für alles Mögliche eine Theorie.
Es fühlt sich auch überhaupt nicht komisch an, sondern eher so, als hätte der Raum keine Wände und man würde irgendwie im Kreis laufen.
„Hm… ich schau aber lieber mit meinem Freund Wände an.“
Mittlerweile hat er sich daran gewöhnt, von Colin als seinem Freund zu sprechen.
„Aber das hält uns ja nicht davon ab, das mal zu dritt zu machen.“
- „Aber nicht, dass ihr dann einfach die ganze Zeit rumkutscht!“ Auf Noahs etwas zweifelhaften Blick ergänzt Bernd: „Das ist wie im Kino. Wenn da die Leute um dich herum ständig rumknutschen, bekommst du nichts mehr von dem Film mit.“

Noah nickt verstehend. Er hat Colin am Anfang ihrer Beziehung gesagt, dass Händchenhalten im Kino in Ordnung ist, mehr aber auch nicht. Für Colin war das vollkommen in Ordnung. Er hat verstanden, dass man immerhin ins Kino geht, um sich auf den Film zu konzentrieren.

„Trotzdem kannst du mich nicht einfach ungefragt in diesen weißen Raum bestellen, aus dem es keinen Ausgang gibt. Wie kommst du eigentlich sonst wieder hier raus?“
- „Keine Ahnung. Irgendwann kommt dieser Roboterarm mit der absurd großen Spritze und dann wache ich immer im alten Studio von Tolle Sachen wieder auf. Dabei ist das gar keine so tolle Sache.“
Noah schluckt sein aufkeimendes Mitleid mit dem Brot hinunter. „Trotzdem gehör ich dir doch nicht. Ich bin doch nicht dein Knecht.“

„Hallo? Ist hier jemand? Hat hier jemand nach mir gefragt?“
Ein Mann um die dreißig mit roten Haaren und einem blassen Gesicht kommt von rechts in den Raum.
- „Wer bist du denn jetzt?“, fragt Bernd irritiert.
„Bernd? Bist wirklich du das?“ Der Mann, dessen flaschengrüner Hoodie sich auf spannende Art von seinen Haaren abhebt, schaut auf das Weißbrot und freut sich.
- „Also unter der Prämisse, dass wahrscheinlich niemand tatsächlich von sich sagen kann, dass er wirklich ist, weshalb man diese Zweifel meistens ignoriert: Ja. Ich bin’s tatsächlich.“
„Ich bin Tobias. Tobias Knecht“, stellt der Mann sich vor.

„Noah“, ergänzt der, und reicht Tobias die Hand, die dieser schüttelt. „Wie hast du das gemacht?“
- „Was gemacht?“, fragt Tobias.
„Na, der Raum. Du bist einfach von der Seite reingekommen. Dabei kommt man immer nur rein, indem man von oben runterfällt.“

Tobias macht Hm und geht testweise an den Rand des Raums, aus dem er einfach so gekommen ist. Jetzt kommt auch er aus der anderen Richtung. Komisch. Er ist definitiv hier reingekommen, kommt aber nicht wieder raus. „Scheiße. Ich muss bald wider die Enten füttern.“
- „Komm nicht auf dumme Gedanken!“, mahnt das Brot und nun stehen sie zu dritt in diesem Raum.
„Laufen wir eigentlich gerade im Fernsehen?“, fragt Tobias und sieht in die Richtung, die komischerweise immer als vierte Wand bezeichnet wird.
- „Nein, wir sind Relikte aus der Vergangenheit“, meint Bernd und erklärt auch jetzt nicht, was er damit meint.

„Kuschelwuschel, bist du hier?“
Von hinten kommt ein weitere, sehr tiefe, aber doch angenehme Stimme. Ein dunkelhaariger Mann in Tobias‘ Alter steht im Rahmen von etwas, das wie eine Tür aussieht.
„Hier ist eine TÜR!?!“ Bernd ist verständlicherweise ganz aus der Kruste.
„Tommy, wie gut, dass du hier bist!“, ruft der Rothaarige. Er geht auf diesen Tommy zu und küsst ihn, euphorischer als er es Tobias zugetraut hätte. Noah kennt ich noch nicht lange, aber der Mann scheint die Grundstimmung von Karl Lauterbach zu haben.

„Bleib gefälligst in der Tür stehen!“, ruft Noah und duzt Tobias‘ Freund damit gleich mal.“
- „Klaro“, sagt Tommy und stupst mit dem Schuh einen Holzkeil an. „Den hier könnten wir aber auch hier drunterlegen.“ Er schiebt den Holzkeil mit der Schuhspitze geschickt an die richtige Stelle, bleibt trotzdem dort stehen.
„Sorry, wir wussten nur nicht, wie wir hier wieder rauskommen. Bernd hat hier drin immerhin ganze Nächte verbracht.“ Noah geht auf Tommy zu, schüttelt auch ihm die Hand und stellt sich ihm vor.

„Jetzt kann ich endlich wieder zu Colin“, meint Noah erleichtert.
- „Ist das dein Freund?“, fragt Tommy interessiert, der sich nun lässig gegen die Tür lehnt. Mit welchen Techniken hat dieser Tobias es wohl geschafft, dass Tommy ausgerechnet mit ihm zusammen ist?
„Jah“, meint Noah. „Wir waren zuerst Freunde, beste Freunde sogar, bevor wir dann zusammengekommen sind.“
Obwohl er die ganzen Stellen ausgelassen hat, bei denen er sich nicht mit Ruhm bekleckert hat, fragt er sich gerade, weshalb er das einem Fremden erzählt, der einfach in einen scheinbar endlosen Raum gekommen ist.
„Oh ja, verstehe“, meint Tommy, „beste Freunde sind ein total unterschätztes Beuteschema.“
Das erklärt einiges über die Beziehung der beiden. Tommy sieht verliebt in Tobias‘ Richtung.

„Ich störe ja nur sehr ungern“, unterbricht das Brot die Unterhaltung. „Können wir jetzt diese weiße Hölle bitte verlassen? Auf arte läuft nachher eine Dokumentation über Raufasertapeten, die ich nicht verpassen möchte.“
- „Oh ja“, antwortet Tobias, meint aber sicher nicht die Raufasertapetendoku.
„Vergesst mich nur nicht, du und dein Freund!“, ergänzt Bernd, der zwischen Tommy, Tobias und Noah auf die offene Tür zuläuft und in dem Moment wie vom Erdboden verschluckt ist, in dem er den Raum verlassen hat.

Nach Tommy und Tobias verlässt auch Noah den Raum. Die Tür lässt er offen stehen.

„Noah“
Nur widerwillig öffnet er die Augen und sieht in das schönste Gesicht der Welt. Colin hat eine kleine Lampe angemacht.
- „Hm? Was ist denn?“
„Hast du schlecht geträumt? Du hast gesagt, das sei eine beschissene Truman-Burbank-Tür.“
Colin sieht irritiert aus. Noah findet es aber immer verdammt attraktiv, wenn sein Freund auf seine Filmkritiken Bezug nimmt und sie auch ernst nimmt.“
- „Halt mich nicht für verrückt, bitte, aber ich hab Bernd dem Brot angeboten, mit uns die Wände anzustarren.“

Colin setzt sich im Bett auf, lächelt sein schönstes Lächeln, das, für das man ihn nur lieben kann, und zuckt mit den Schultern. „Okay. Willst du noch ein bisschen kuscheln?“
Eigentlich hatte er das für morgen geplant, aber er nickt und Colin legt sich wieder hin und schmiegt sich ganz eng an ihn.
Wie konnte er davor jemals Angst haben?