Actions

Work Header

Ich bin da wenn du mich rufst (Außer wenn ich dich brauch)

Summary:

“Rufen sie an, wenn sie etwas brauchen, egal wann. Ich werde schon annehmen.”

Worte die Sven schon fast vergessen hatte, bis er sie brauchte.

Notes:

Meine Lieblingsbeschäftigung, in den Mini Fandoms zu veröffentlichen!!!
Tatsächlich gab es eine längere Version von diesem Oneshot...Bis ich nicht mehr weiter kam, deshalb das wurde das Oneshot dann eben doch nur so lange wie original geplannt.

Work Text:

Sven war sich nicht mehr sicher, wie er überhaupt in diese Situation gekommen war. Er fühlte sich, als wären seine Gedanken, Erinnerungen ganz weit weg, außerhalb seiner Reichweite.

Eigentlich wollte er nach dem anstrengenden Tag mit ihrem aktuellen Fall nur sich etwas entspannen, hatte deswegen das Büro schon früher verlassen und den Wagen genommen, um zum Chiemsee zu fahren, in der Aussicht einen schönen Abend auf Moby Dick zu verbringen. An dem Fall waren Hofer und er schließlich schon seit Tagen und es war kein Ende in Sicht, auch wenn Sven dachte, er hätte schon längst die Lösung, doch der ältere Kommissar war anderer Meinung. Seit drei Tagen stritten die beiden darüber, der Jüngere war sich sicher, dass Herr Frederik Müller, der Vermieter des Opfers, dieses Erstochen hatte. Korbinian allerdings stimmte diesem nicht zu, hatte für jedes seiner Argumente ein Gegenargument.

Den ersten und auch zweiten Tag war es kein Problem, immerhin waren sie öfter anderer Meinung, bevor sie dann doch irgendwie zusammen fanden. Aber diesmal war es ein ewiger Streit und als es der vierte Tag nach dem Leichenfund war, ein sonniger Donnerstag, wurde es zu viel. Den Großteil des Tages hatten sie darüber gestritten, Mittags hatte Sven sich schon bereit für den Feierabend gefühlt und als es dann 15 Uhr war, hatte er beschlossen, dass er im Büro das Gefühl hatte zu ersticken. Somit hatte er seine Sachen genommen, sich von Hofer, Stockl und auch Mohr verabschiedet, eine Kopie der Akte im Arm und sich auf den Weg zum Time Square gemacht, um noch was zu essen und zu trinken, bevor er zu seinem Boot fuhr.

Es war noch hell, als er am Chiemsee ankam, draußen war es frisch, obwohl es August war, die Nacht versprach kalt zu werden und Sven vermutete, es lag an den Unwettern die vorherige Woche. Es war der erste schöne Tag seit fast 9 Tagen, Sven hatte schon erwartet, dass er diesen Tag nicht nutzen konnte aufgrund des Falles. Also war er schon sehr froh, doch irgendwie raus gekommen zu sein, der Anblick des Sees hatte doch schon dafür gesorgt, dass er sich ruhiger fühlte. Der Frust darüber, dass sein Kollege ihm nicht glaubte und ihm am Ende der Achziger und Mohr auch zugestimmt hatten, war zwar nicht verschwunden, aber immerhin gelindert.

Nachdem er noch einmal seine Wetter-App checkte und sicher ging, dass sich das gute Wetter halten würde, beschloss er noch eine Runde über den Chiemsee zu drehen, Segeln hatte ihm immer geholfen, sich zu entspannen. Selbst als er noch in Hamburg war, hatte der Wind in seinem Haar, wenn er segelte, geholfen, sich frei zu fühlen, als würden seine Probleme zu Hause nicht existieren. Umso mehr half es ihm, auf dem See zu sein, der Wind im Haar, seine Probleme schienen zu verschwinden.

Erst als er wieder am Steg stand, kamen die Probleme wieder zurück und mit einem Seufzen holte er die Akte aus seinem Wagen, genauso wie eine Flasche Rotwein und das Essen, das er von Jo mitgenommen hatte. Mit allem gewappnet ließ er sich auf seinem Boot nieder, bereit, bei einem guten Essen und einem Glas Rotwein sich noch einmal durch die Akte zu arbeiten, in der Hoffnung, diesmal etwas zu finden, das seine Kollegen glauben würden. Das Abendessen war schnell gegessen und somit saß er mit seinem Glas und der Akte auf seinem Boot und beobachtete den Sonnenuntergang. Es war einer der wenigen ruhigen Momente in der letzten Woche, etwas was Sven sehr genoss.

Während die Sonne unterging, wurde es immer dunkler und somit schwerer, die Akte tatsächlich zu lesen. Mit einem Seufzen kletterte er von seinem Boot und zog sich ins Bootshaus zurück, die Lampe gab ihm genug Licht, dass er am kleinen Tisch ohne Probleme arbeiten konnte. Es war nicht das erste Mal, dass er seine Arbeit mitgebracht hatte, ab und an tat ein Szenenwechsel gut und gab ihm eine neue Perspektive. Er ließ leise das Radio laufen, etwas, was ihm immer etwas half, sich besser zu konzentrieren, wenn er aus dem Büro war. Bei der Arbeit war es nie still im Büro, ob es Frau Stockl im Nebenzimmer war, Michi, der mal wieder bei ihnen herum saß oder auch sein Kollege, der auf dem Computer tippte oder durch Akten blätterte. Nun fand er es seltsam, in Stille zu arbeiten und die Musik aus dem Radio gab ihm das Hintergrundgeräusch, das er brauchte.

Es war kurz vor Mitternacht, als er Schritte auf dem Steg zum Bootshaus hörte, diese ließen ihn aufhorchen und seinen Blick zur Uhr schweifen lassen. Er hatte die letzten zwei Stunden anscheinend ohne Pause gearbeitet, die Notizen und Markierungen bewiesen seinen Drang zur Wahrheit. Das Klopfen an der Tür erinnerte ihn an die Schritte vor seiner Tür, etwas, das ihm doch seltsam vorkam. Jo war der einzige, der wusste, dass Sven zum Bootssteg gefahren war und dieser würde nicht so spät vorbeikommen. Also vermutete der junge Kommissar dass es einer der Besitzer der benachbarten Bootsstege war, immerhin waren diese manchmal auch noch um diese Uhrzeit an ihren Booten. Sven seufzte, aber stand auf und machte seinen Weg zur Tür, es klopfte erneut kurz, bevor er die Tür öffnete.

Als diese offen war, merkte Sven sofort, dass es ein Fehler war, vor ihm stand Frederik Müller und dieser sah nicht sehr gut gelaunt aus. “Herr Müller”, grüßte er trotzdem, etwas in der Hoffnung, dass es vielleicht nur Zufall war, seinen Hauptverdächtigen vor seiner Tür stehen zu haben. Diese Hoffnung wurde direkt zerstört, er sah, wie Herr Müller ein Messer aus seiner Tasche zog. Dadurch dass dieser in der Tür stand, hatte Sven keine Chance zu entkommen, er war gefangen. Der Fakt, dass seine Vermutung bestätigt wurde, war nur wenig Trost in der Situation, Müller offensichtlich bereit, ihn ebenfalls abzustechen. Der erste Versuch funktionierte nicht, Sven hatte reagiert und war zurückgewichen. Er hatte kaum eine Chance, der einzige Weg heraus ihm versperren und ansonsten blieb ihm nur die Tür zum Steg, allerdings wusste er nicht, ob Richtung Wasser ihm groß helfen würde.

Sein Gegenüber setzte zum Schlag an, diesen konnte er allerdings abwehren, bevor er die Chance nutzte, die Müller danach brauchte, und weiter ins Bootshaus zurück wich. Frederik Müller kam weiter auf ihn zu, sein Messer hieb striff seinen Arm, während Sven nach dem Tisch griff und versuchte, ihn auf den anderen zu schieben, in der Hoffnung, ihn außer Gefecht zu setzen. Es traf Müller zwar nicht wirklich, allerdings schien es ihn für ein paar Momente zu irritieren. Diese nutzte Sven, um zur nächsten Tür zu hechten, diese Tür brachte ihn zum Steg, in Richtung seines Bootes. Es war nicht optimal, das wusste Sven aber er konnte nicht an ihm vorbei. Allerdings hatte er das Gefühl, dass er eine schlechte Entscheidung getroffen hatte, sobald er das Messer in seiner Magengegend spürte. Anscheinend hatte er unterschätzt, wie lange der andere brauchen würde, um wieder aufzustehen.

Für einen Moment registrierte er nicht einmal den Schmerz, der Adrenalinschub brachte ihn dazu, sich gegen seinen Angreifer noch einmal zu wehren und Müller ins Wasser zu schubsen. Dieser allerdings zog dadurch nur das Messer aus seinem Bauch, welches Sven ihm stolpernd aus der Hand stieß. Das Messer flog ins Wasser, Müller sah nur kurz, wie es unterging, bevor er wieder auf Sven losging. Dieser merkte erst jetzt den Schmerz und versuchte, den Blutfluss zu stoppen, indem er Druck auf die Wunde ausübte. Müller schubste den Kommissar erneut, wodurch dieser stolpernd auf sein Boot fiel, sein Kopf stieß gegen das Holz. Schmerz durchfuhr Sven, die Wunde wollte nicht aufhören zu bluten und sein Kopf pochte, schwarze Punkte tauchten in seinem Sichtfeld auf. Er nahm kaum wahr, wie sein Angreifer aufs Boot kletterte und über ihm stand, seine Schläge und Tritte nahm er zwar wahr, aber sie schienen weit weg. Nach ein paar Minuten schien Müller zufrieden mit seiner Arbeit. Mit einem letzten Blick auf den Kommissar, drehte er sich um und verließ den Steg und damit Sven seinem Tod.

Dieser kämpfte damit nicht bewusstlos zu werden, seine Augenlieder fühlten sich unglaublich schwer an. Sein Atem ging schwer, er fühlte sich schwach. Seine Hand presste noch immer gegen seine Wunde, allerdings fehlte ihm die Kraft, um tatsächlich genug Druck auszuüben, das Blut floss trotzdem. Mit seiner freien Hand versuchte er sein Handy aus seiner Hosentasche zu bekommen, ein altes Versprechen zwischen ihm und seinem Kollegen wieder frisch im Gedächtnis.

“Rufen sie an, wenn sie etwas brauchen, egal wann. Ich werde schon annehmen.”

Korbinian hatte es ihm versprochen, nur ein paar Wochen nachdem Sven nach Rosenheim gekommen war, als sie endlich ihre unendlichen Streitigkeiten beiseite gelegt hatten. Es war bei einem der doch seltenen gemeinsamen Abendessen auf dem Hof der Hofers, Marie hat gekocht und Sven natürlich herzlichst mit essen lassen.

Sven hatte sich nicht wirklich daran erinnert, er hatte es nie gebraucht, aber jetzt wo er am Sterben war, war die Erinnerung wieder da. Alleine sein Handy zu erreichen und herauszuziehen, zog ihm gefühlt alle seine letzten Kräfte, sein Atem ging schwer, als er sein Handy etwas anhob, nur genug um das Display zu sehen. Seine Finger waren am Zittern, es war fast unmöglich für ihn, die Nummer von seinem Kollegen zu finden und dann auch zu wählen. Irgendwie schaffte er den Lautsprecher anzuschalten, dann ließ er seinen Arm wieder sinken. Sein Handy piepste gleichmäßig, während er darauf wartete, dass der ältere den Anruf annahm. Alle seine Hoffnungen wurden zerschlagen, als das altbekannte Geräusch als der Anruf auf die Mailbox lief. Sven brauchte ein paar Sekunden um seinen Atem zu fassen, er fühlte sich, als könnte er weinen, sich bewusst, dass er sterben würde. “Hofer- Korbinian”, fing er an, schnappte Luft, bevor er wieder ansetzen, “Müller, am Bootssteg.” Sven musste husten, die schwarzen Punkte nahmen fast sein gesamtes Sichtfeld ein und jetzt, wo er zumindest wusste, dass seine Kollegen wissen würden, wo er war, ließ er sich in die Bewusstlosigkeit ziehen.