Work Text:
Seit sie das Krankenhaus verlassen hat, ziehen Pias Tage noch langsamer ins Land, wie als sie noch ans Krankenhausbett gefesselt war. Zuhause rumliegen liegt ihr halt einfach nicht. Hat es noch nie. Wird es auch nie.
Zum dritten Mal in der letzte Stunde checkt Pia ihr Handy. Keine Nachrichten. Wie auch. Adam ist bei Leo, kümmert sich um ihn und sorgt dafür, dass er wieder gesund wird. Und Esther… was Esther macht, weiß Pia gar nicht so genau. Arbeiten tut sie nicht. Keiner aus ihrem Team arbeitet gerade. Seit dem Radek-Fall vor 4 Wochen, wurden sie alle freigestellt bis Leo und sie selbst wieder dienstfähig sind. Das könnte laut ihr jetzt mal langsam passieren.
Mit etwas mehr Frust im Bauch packt Pia das Handy wieder weg und start auf ihren Fernseher. Irgendeine Kochsendung läuft. Als wenn Pia kochen würde. Sie muss selbst schmunzeln, als sie sich dabei erwischt, wie sie das Programm beobachtet.
Schließlich setzt sie sich langsam auf, ihr Bein macht sich bemerkbar, aber zum Glück ist wenigstens der scheiss Gips ab und die Schmerzen auszuhalten. Gestern war sie zum ersten Mal bei der Physio und nachdem sie kurzzeitig dachte, sie kann nie wieder vernünftig laufen, hat sich rausgestellt, dass sie überhaupt erstmal wieder stehen lernen muss, bevor sie irgendwo hinlaufen kann. Dass Muskeln so schnell abbauen können, sollte verboten sein. Scheiß Evolution. Scheiss Körper. Alles scheisse.
Ihr Blick fällt wieder auf die Kochsendung. Hunger hat sie ja schon. Aber sie hat kein Bock schon wieder was zu bestellen, um dann hundert Jahre zur Haustür zu humpeln, nur um dann ihre Pizza auf ihrem Teppich zu versenken. Den Fleck hat sie nur bedürftig rausgekommen. Muss sie halt einen neuen kaufen. Ist jetzt auch egal.
Sie hätte auch natürlich Esther wieder anrufen können und fragen können, ob sie ihr hilft, aber das hat sie sich dann doch nicht getraut. Seit sie zuhause ist hat sie sich kein einziges Mal bei Esther gemeldet.
Ein bisschen schlecht fühlt sich Pia schon dabei, aber was hat sie denn groß zu berichten? Dass sie es geschafft hat auf Klo zu gehen ohne sich lang zumachen? Dass sie ihre Teppiche mit Pizzabelag verschönert? Oder etwas dass sie seit Tagen ekelhaften Instantkaffee trinkt, weil ihre Bohnen leer sind und sie nicht einkaufen gehen kann? Niemals.
Diese Blöße will sich Pia nicht geben. Sie kriegt das auch alleine hin. Sie hat immer alles alleine gemacht, also wird sie ein angeschossenes Bein auch hinbekommen. Irgendwie.
Eine Weile start sie noch auf die Kochsendung, bis ihr Magen sich erneut meldet. Etwas mühselig greift sie zur Fernbedienung und will den Fernseher ausschalten, als plötzlich ihre Klingel geht. Pia zuckt zusammen. Wer klingelt denn bitte bei ihr? Sie hat nichts bestellt und ihre Vermieter sind im Urlaub. Schnell greift sie nach ihren Krücken und stützt sich hoch, und humpelt langsam zur Haustür. Etwas irritiert öffnet sie diese und zu ihrer Überraschung gucken sie zwei braune Augen wartend an.
„Ich dachte, du brauchst länger.“ Esther hebt ihre Augenbraue fast anerkennend. Aber auch nur fast, weil Pia kann sofort sehen wie Esthers Augen sie scannen, als würde sie nach Verletzungen suchen. Pia reckt ihr Kinn stur in die Luft.
„Ich kann laufen. Nicht schnell, aber es reicht.“ Ihr Tonfall klingt fast ein bisschen trotzig. Doch Esther geht nicht darauf ein und nickt nur, guckt eine Sekunde an Pia vorbei in die Wohnung, bevor sich ihre Blick wieder treffen. Ein Räuspern.
„Ich wusste nicht, ob du einkaufen kannst und ich war sowieso gerade unterwegs. Deswegen hab ich dir paar Aufback‘ Croissants mitgebracht und deinen komischen Schokoladenaufstrich.“
Pias Frust verpufft auf der Stelle und ihre Brust zieht sich angenehm zusammen. Ungläubig guckt sie ihre Kollegin an.
„Du… hast mir Croissants mitgebracht? Und Nutella?“
Esther guckt sie nun etwas verwirrt an, ob sie herauszufinden versucht, ob Pia ihr nicht zugehört hat.
„Ja?“
Croissants. Nutella. Esther.
„Oh mein Gott, Baumann, du bist meine Rettung!“ Bevor sie sich selbst stoppen kann, hat sie eine Krücke beiseite geworfen und umarmt Esther freudig. Diese versteift kurzzeitig unter der plötzlichen Berührung, doch nach einer kurzen Sekunde, spürt Pia tatsächlich wie sich Esthers Arme vorsichtig um sie legen und sie zart an sich drückt.
„Schon gut“, murmelt Esthers Stimme gegen ihre Schulter und Pia kann ich anders als zu grinsen. Ob es daran liegt, dass sie so euphorisch ist, dass sie Esther wirklich gerade umarmt oder ob es der Gedanke an Hörnchen ist, weiß Pia nicht. Ist auch egal. Beides fühlt sich gerade einfach verdammt gut an.
Etwas widerwillig, aber immer noch lächelnd, zieht sie sich schließlich aus der Umarmung zurück und guckt esther erwartungsvoll an. Diese erwiderte ihren Blick sofort und auch ihr Gesicht zeichnet ihr kleines typisches amüsiertes Lächeln. Pias Brust zieht sich nochmal ein bisschen mehr zusammen.
„Lag ich also nicht ganz so falsch mit meiner kulinarischen Auswahl.“
Pia grinst. „Ne, lagst du gar nicht.“
„Gut.“ Esther hebt die Einkaufstüte in ihr Sichtfeld. „Lässt du mich rein? Oder muss ich die Tüte, wie ein Lieferdienst hier draußen stehen lassen?“
„Natürlich. Komm rein.“ Pia humpelt zurück und macht Platz, so dass Esther eintreten kann. Mit schnellen Schritten geht diese an ihr vorbei, ihr brauner Mantel weht über den Boden, als sie direkt den Weg in die Küche findet. Pia bückt sich mühselig, nimmt ihre zweite Krücke wieder auf und folgt Esther, die bereits anfängt die Lebensmittel auszupacken.
Eine Sekunde beobachtet sie ihre Kollegin, wie diese wie selbstverständlich die Einkäufe auf ihren Küchentisch verteilt. Dabei ist es nicht selbstverständlich. Noch nie hat sie Esther hier hin eingeladen. Und hatte es auch nicht unbedingt vor. Ihre Wohnung ist nicht unbedingt, dass was man als Vorzeigewohnung nimmt. Sie verbringt nicht gerne Zeit hier. Ein weiterer Grund oft im Büro zu sein. Da ist sie wenigstens beschäftigt und nicht ständig alleine mit ihren Gedanken. Pia schüttelt unbewusst den Kopf.
„Warum schüttelst du den Kopf?“ Esthers Stimme reist sie aus ihren Gedanken und sie sieht auf. Ihre Kollegin hat alles sorgfältig auf ihren Tisch abgelegt. Selbst ihren Mantel scheint sie in der Zwischenzeit ausgezogen zu haben, den plötzlich liegt dieser über einem ihrer Küchenstühle und Esthers dunkle Augen mustern sie prüfend.
Pia blinzelt und schenkt Esther ein hoffentlich überzeugendes Lächeln.
„Alles gut. Ich versuche noch damit klarzukommen, dass du für mich eingekauft hast und hergekommen bist.“
„Natürlich. Ich brauche kein Medizin studiert zu haben und kein Kommissar zu sein, um zu wissen, dass du nichtmal mit einem gesunden Bein einkaufen gehen würdest. Geschweige denn kochen würdest. Also -“, Esther hebt eine Packung Croissants, „sorge ich dafür, dass du nicht verhungerst.“
Esther sagt, dass schon wieder mit so viel Ernsthaftigkeit, dass Pia wieder so unglaublich warm wird. Sie ist sich sicher, dass auch ihre Wangen anfangen zu glühen. Esther kennt sie halt. Etwas verlegen beißt sie sich auf die Lippe.
„Ich bin ja noch nicht verhungert.“
Esther hebt nur amüsiert die Augenbraue. „Noch nicht. Aber der Fleck auf dem Teppich sagt mir auch, dass die Pasta oder was auch immer du hattest, es nicht ganz heile zu dir geschafft hat.“
Pia seufzt verlegen. Natürlich hat Esther den roten Fleck bemerkt. Verflucht.
„… Pizza.“
„Was?“
„Es war Pizza, Baumann.“
„Naja, dann halt die Pizza.“ Esther zuckt mit den Schultern und beginnt die Ärmel ihrer blauen Bluse hochzukrempeln. Bildet sich Pia das ein oder wird es wärmer in dem Raum? Warum findet sie es auch immer so verdammt attraktiv, wenn Esther das tut? Reiß dich am Riemen, Heinrich.
„Was machst du?“ Ihre Stimme klingt etwas zu unsicher in Pias Ohren und sie räuspert sich.
„Essen“, antwortete Esther, wie als würde Pia sie nach etwas so offensichtlichen, wie dem Wetter draußen fragen. Und tatsächlich. Ihre Kollegin beginnt eine Packung der Croissants aufzureißen und dreht sich um, um nach einem Blech zu greifen. Pia verlagert ihr Gewicht ein bisschen. Das tut weh, aber hier so dumm rumstehen, während Esther ihr Essen macht, will sie auch nicht.
„Kann ich dir irgendwie helfen?“, wagt sie es vorsichtig zu fragen, wollwissend dass ihre Kollegin es ablehnen wird.
Wie erwartet schüttelt Esther den Kopf und nickt Richtung Wohnzimmer.
„Nein. Setz dich lieber hin. Ich ruf dich, wenn’s fertig ist.“ Pias schlechtes Gewissen meldet sich wieder und sie sieht Esther zweifelnd an.
„Esther, ich kann aber auch -“
„Ich brauche deine Hilfe aber nicht. Jetzt setzt dich doch einfach hin.“
Esthers Stimme hat wieder diesen bestimmenden Tonfall angenommen und der Blick den Pia abbekommt, ist mehr als eindeutig. Pia beißt sich auf die Innenseite der Wange. Auf der einen Seite will sie das Esther bleibt und ihr hilft, aber sie kann das doch auch alleine. Sie braucht niemanden, der sie bemuttert.
Als Esther merkt, dass Pia sich immer noch keinen Millimeter bewegt hat, entfährt ihr ein fast genervtes Seufzen und sie guckt auf. Aber sobald ihre Augen auf Pias treffen verändert sich ihr Blick. Sie sieht fast ein bisschen schuldbewusst aus. Aber auch nur fast. Stattdessen werden ihre Augen sanfter. So sanft, dass Pia denkt, sie hört gleich auf zu atmen.
„Pia…. Ich schiebe nur Croissants in den Ofen. Mehr nicht, ok? Ruh dich bitte ein bisschen aus.“
„…na gut“, hört sich Pia selbst sagen. Ihre Stimme klingt leise und eingeknickt, aber wenn Esther sie mit so viel Sorge anguckt, kann sie nicht anders als zustimmen. Sie ist so schwach. Schwach für Esther, wenn sie Gefühle zeigt. Also gibt sie sich geschlagen und verlässt unter Esthers eindringlichem Blick die Küche. Humpelt ins Wohnzimmer. Sie fühlt sich mies. Und hilflos. Zwei kack Gefühle.
Mit einem Plumpsen lässt sie sich aufs Sofa fallen und schließt frustriert die Augen.
Eigentlich sollte Pia dankbar sein, dass Esther hergekommen ist. Einkaufen war für sie.
Aber nach der anfänglichen Euphorie, fühlt sie sich jetzt ein bisschen nutzlos. Als bräuchte sie jemanden, der sich um sie kümmert. Sie ist Pia Heinrich. Die kriegt das doch auch so hin. Oder denkt Esther etwa, sie kann das nicht? Pia seufzt nochmal und blickt runter auf ihr Bein, welches schon wieder so unangenehm pocht. Die paar Schritte waren doch wieder ein bisschen zu viel und vorsichtig beginnt sie ihren Oberschenkel zu massieren. Es brennt und tut unglaublich weh, aber der Physiotherapeut hat gesagt, es bringt was. Also schließt Pia wieder die Augen und konzentriert sich auf ihren Oberschenkel. Nicht auf Esther. Nicht auf den Geruch von Croissants, der ihr in die Nase fliegt und ihr das Wasser im Mund zusammen laufen lässt.
Wie lange sie dort sitzt, und ihr Bein behandelt, weiß sie nicht. Sie merkt erst, dass sie nicht mehr alleine ist, als sich eine Hand vorsichtig auf ihre legt. Überrascht öffnet sie die Augen und sieht Esther vor ihr knien. Ihre Hand auf Pias Oberschenkel.
„Wie schlimm ist es?“
„Nicht schlimm“, erwidert Pia zögernd. Eine Lüge. Sie hat ständig Schmerzen aber sie will nicht zugeben, dass diese paar Meter sich so anfühlen, als wäre sie einen Marathon gelaufen. Sie will nicht, dass Esther sich Sorgen macht. Nicht noch mehr, als sie letzten Wochen eh schon. Doch Pia sieht es in Esthers Blick. Ihre Augen sehen sie wieder so verdammt sanft an. Schnell schließt sie ihre Augen wieder, versucht sich nicht auf Esthers Blick oder Esthers Hand auf ihrer zu fokussieren. Doch ihre Kollegin macht keine Anstalten, diese wegzuziehen.
„Du spricht schon wieder nicht mit mir“, hört sie schließlich Esther leise sagen, und spürt wie die Hand der Schwarzhaarigen vorsichtig ihre eigene Hand beiseite schiebt. Pias Hand fällt neben ihr auf Sofa. Verdutzt will Pia fragen, was das soll, aber dann spürt sie zwei Hände auf ihrem Oberschenkel, die sanft aber bestimmt Druck auf ihrem Oberschenkel ausüben. Pia beißt sich überrascht auf die Lippe und unterdrückt ein Stöhnen, dass sich in ihrer Kehle formt.
Esther massiert sie.
Sie massiert ihren Oberschenkel.
Und es fühlt sich so gut an. So verdammt gut. Sie unterdrückt ein weiteres Stöhnen als Esther nahe ihrer Wunde ihre Daumen kreisen lässt. Für eine kurze Sekunde spürt sie Esther zögern.
„Du sagst mir, wenn ich dir wehtue, ja?“
„…. Mmmmh“, erwidert Pia nur atemlos und lehnt sich zurück.
Nichtmal im Traum würde Pia jetzt eingestehen, dass sie Schmerzen hat, weil dann würde Esther aufhören und das will sie nicht. Dafür fühlen sich Esthers Hände zu gut auf ihrem Oberschenkel an.
Zu ihrem Glück scheint aber auch Esther, keine Anstalten zu machen, aufhören zu wollen. Immer wieder beginnt sie von oben nach unten Pias verspannte Muskeln rund um die Wunde zu massieren. Daran könnte sich Pia gewöhnen.
Die Stille, die sich über die beiden legt, ist geladen. Geladen mit unausgesprochenen Gedanken und Emotionen, das spürt Pia.
Aber sie kann sich gerade nicht darzubringen, irgendetwas auszusprechen, von dem was sie empfindet. Und solange Esther auch schweigt, ist alles ok.
Erst als der Wecker ihres Ofen sie aus der Trance reißt, öffnet Pia ihre Augen.
„Die Croissants.“ Eine offensichtliche Feststellung.
Esther sieht von Pias Oberschenkel auf und ihr Blick verhadert sich in Pias. Da ist er wieder. Dieser unleserliche Blick, den diese Frau perfektioniert hat. Eine Sekunde denkt Pia Enttäuschung in Esthers Blick zu sehen, bevor sich die Ältere erhebt und nickt.
„Ich hole sie. Bleib du hier.“ Und dann verschwindet sie auch aus Pias Blickfeld in die Küche.
Ihr Bein kribbelt immer noch, aber nicht vor Schmerzen, wie vor ein paar Minuten, sondern von den Berührungen zweier Hände, die nicht ihre eigenen sind.
Und ihr pochendes Herz trägt nicht unbedingt dazu bei, dass Pia sich beruhigen kann. Ein Glück reißt sie Esther gleich wieder aus ihren Gedanken, als diese mit zwei Teller und zwei Croissants, um die Ecke biegt und auf dem Sofa neben Pia platzt nimmt für Pias Geschmack ein bisschen zu sehr bedacht darauf, dass eine Lücke zwischen ihnen ist.
„Hier.“ Sie reicht Pia ihren Teller und das Nutella. Pia traut ihrer Stimme noch nicht also nickt sie dankbar und greift nach dem Messer. Auch Esther nickt und schenkt ihr ein kleines Lächeln, bevor auch sie auch in ihr Croissant beißt, aber ohne Nutella.
Schweigend sitzen die beiden auf dem Sofa, starren auf die Kochsendung, die immer noch im Fernsehen läuft. Pia überlegt fieberhaft, was sie sagen soll. Ob sie überhaupt was sagen soll. Aber egal wie sehr sie sich anstrengt, ihre Gedanken schweifen immer wieder zu der Situation ein paar Minuten zuvor. Wie Esther vor ihr kniete. Sie massierte. Dieser besorgte Blick als sie langsam ihre Hände über Pias Haut bewegte. Pia schließt die Augen einen Moment. Diese Frau macht sie fertig.
„Magst du noch eins?“, reißt sie Esthers Stimme aus ihren Gedanken und sie dreht den Kopf. Esther beobachtet sie wieder, ihre Augen bohren sich in Pias und sie hat das Gefühl, als würde Esther versuchen ihre Gedanken zu lesen. Vielleicht kann sie es auch. Pia weiß gar nichts mehr.
„Danke, aber ich bin erstmal satt“, bringt sie überraschend gefasst über die Lippen.
„Es sind noch drei da. Für später, wenn du wieder Hunger haben solltest.“ Pia nickt nur.
Esther mustert sie eine weitere Sekunde, bevor sie sich aus dem Sofa hochdrückt und die Hand nach Pias Teller ausstreckt. Pia gibt ihn ihr wortlos. Als Esther sich dann umdreht und Richtung Küche geht, findet sie plötzlich ihre Stimme.
„Esther?“
Ihre Kollegin stoppt sofort und dreht sich um, ein fragender Gesichtsausdruck auf ihrem Gesicht. „Ja, Pia?“
Verdammt. Warum ist Esthers Pokerface nur so gut. Pia kann nichtmal erkennen, ob es irgendwas mit Esther macht, dass sie Pia so intim berührt hat. Pias Wangen glühen, da ist sie sich sicher. Aber es ist ihr egal. Sie muss das jetzt fragen. Schließlich ist Esther diejenige, die ihr ständig sagt sie solle reden. Kann ja nicht so schwer sein.
„Willst du… ich meine… würdest du…ähm…wäre es ok für dich…“, sie stammelt bisschen vor sich hin und Esthers Augenbrauen ziehen sich zusammen. Okay. Es ist schwerer, als sie sich das gerade eingeredet hat.
„Wäre es was?“, ermutigt Esther sie und lehnt gegen den Türrahmen. Verdammt warum sieht auch das bei Esther so cool aus?!
„Würdest du… das nochmal machen?“, presst sie endlich hervor, versucht diesen hoffnungsvollen Unterton aus ihrer Stimme zu verbannen.
Esther blinkt kurz verwirrt. Hat es Pia doch geschafft ihre Kollegin wenigstens für eine Sekunde aus der Verfassung zu bringen?
„Was genau?“ Esther hat sich wieder gesammelt. „Das Essen oder die Massage?“
„… ähm…beides?“, traut Pia sich zu antworten und zwingt sich Esthers Blick standzuhalten und sich ihre Unsicherheit nicht anmerken zu lassen. Ist das zu viel? Geht das zu weit? Sie weiß Esther hat es nicht so mit Körper Kontakt aber ihre Hände auf Pias Oberschenkel…
„Natürlich.“
Jetzt ist es an Pia verdutzt zu blinzeln. Ein kleines Lächeln zeichnet Esthers Gesicht und bildet sich Pia das ein oder… sieht auch Esther erleichtert aus?
„Ja?“, fragt Pia vorsichtig nach. Sie muss sicherstellen, dass sie sich nicht verhört hat. Sie bildet sich das nicht ein, oder?
„Ja, Heinrich. Natürlich. Soll ich es dir aufschreiben? Oder aufmalen?“, fragt Esther amüsiert, doch in ihren Augen sieht Pia dieses Strahlen, was Esther manchmal hat. Wenn sie Fußball guckt zum Beispiel. Oder als sie und Esther im Büro rumgeblödelt haben und Esther ihr sagte, dass Pias Herz bereits ihr gehöre. Wie recht Esther damit hat, will Pia sich selbst nicht eingestehen. Aber dass sie diesen Blick erneut Pia schenkt, lässt die Luft im Raum noch heißer werden. Sie beißt sich auf ihre Lippe und flüstert ein leises „Ne, alles gut.“
Esther nickt ein bisschen zu zufrieden und dreht sich schließlich um, um die Teller in die Küche zu bringen. Pia sieht ihr nach. Vielleicht ist nach Hilfe fragen, doch gar nicht so schlimm.
