Work Text:
Sie sitzen am Ende des Tages wieder bei Fanny. Wie eigentlich immer. Frau Baers Aussage ist aufgenommen, der Fall damit soweit abgeschlossen. Den Bericht haben sie auf Morgen verschoben.
Anna redet mit Fanny über den Fall, während diese ihr ein Weinglas hinstellt. Und es könnte ein ganz normaler Feierabend sein, wenn sie nicht auch nochmal erwähnen würde, dass er Frau Baer gut fand. Das stimmt nicht mal. Und zum wiederholten Mal in den letzten 4 Tagen fragt Paul sich, ob Anna das einfach gar nicht sehen will.
Er weiß nicht, wie er das in Worte fassen soll. Hat es doch versucht. Wieder und wieder. Ihr gesagt, dass das Kleid super aussieht. Und dass er das vermisst. Und dass er sie fühlt, wenn sie im Raum ist. Und nichts davon scheint bei ihr angekommen zu sein, außer dass Annette Baer ihm einen Kuli geliehen hat. Ja okay, dann will Anna ihn gar nicht auf diese Weise. Aber er kann sie auch nicht denken lassen, dass er was von Anette Baer wollte.
„Kannst du's einfach lassen?“ Das kam aggressiver rüber als er wollte, aber sie verstummt. Fanny hält auch inne in dem, was sie tut. Jetzt, wo alle anderen Gäste gegangen sind. Das fehlende Geklapper der Gläser, macht die Stille um einiges schlimmer.
„'Tschuldige. Das kam grad nicht rüber wie ich wollte.“ Er nimmt einen Schluck aus seinem eigenen Glas, bevor er es wagt Anna anzusehen. Sie schaut nachdenklich in ihr Glas, fährt mit ihrem Finger über den Rand. Und vielleicht sollte er einfach komplett ehrlich sein. Auch wenn das zerstören wird, was sie haben. „Aber wenn es irgendjemanden gibt, von dem ich irgendwas will, dann bist du das.“
Anna starrt Brix an. Es fühlt sich an, als würde sie fallen, während sie versucht zu vearbeiten, was er gerade gesagt hat.
„Und mir ist schon klar, dass du das nicht willst“, fährt Paul fort, wendet sich wieder von ihr ab. Er klingt dabei viel zu resigniert, und sie will das nicht weiter hören. Will nicht, dass er das denkt. Aber scheinbar ist ihr die Fähigkeit zu sprechen, abhanden gekommen. „Und das ist in Ordnung, ich kann das weiter ignorieren. Aber es wär mir trotzdem wichtig, dass du nicht denkst, ich fand Frau Baer in irgendeiner Weise anziehend.“
„Ich?“, fragt sie, als sie endlich ihre Stimme wiederfindet.
„Ja, wir können auch gern wieder vergessen, dass ich das gesagt hab.“
Das will sie aber gar nicht. Weder die Worte, noch das Gefühl von Wärme, dass ich gerade in ihr ausbreitet.
„Seit wann?“
Er lacht trocken auf. „Das ist doch nun wirklich nicht wichtig.“
Das ist es tatsächlich nicht, sie würde trotzdem gern wissen, wie lange sie blind durch die Gegend gelaufen ist. Wie lange sie unnötig gelitten hat, weil sie dachte, er teilt ihre Gefühle gar nicht. Andererseits wäre das wahrscheinlich nicht wirklich hilfreich. Ändern kann sie's jetzt eh nicht mehr.
„Und warum glaubst du, ich will das nicht?“, fragt sie in die Stille hinein, unterdrückt das Bedürfnis ihren Blick abzuwenden, sich vor seiner Antwort zu verstecken.
Er dreht seinen Kopf zu ihr, schaut sie überrascht an. „Das … war für mich irgendwie klar. Bis vor 5 Sekunden.“ Er sieht ein bisschen hilflos aus, auf dem Barhocker neben ihr. „Du wirktest aber auch nicht sehr angetan, die letzten Tage“, fügt er mit einem kleinen Schulterzucken hinzu.
„Ich hab gedacht, ich bilde mir das ein.“
Ein Lächeln flackert über sein Gesicht. „Soll ich dir einfach nochmal sagen, wie gut du in dem Kleid aussahst?“
Anna schließt ihre Augen, dreht ihren Kopf mit einem Lächeln zur Seite. Nur für einen kurzen Moment, in dem sie Luft holt, bevor sie ihn wieder ansieht. „Vielleicht brauch ich das tatsächlich“, flüstert sie in die Stille der Bar hinein, und für einen Moment fragt Paul sich, wo Fanny eigentlich hin ist.
Dann streckt er seine Hand aus, legt sie auf Annas Arm, der neben ihrem Weinglas auf dem Tresen liegt. Sie dreht ihre Hand fast automatisch, um ihre Finger zu verschränken. Ihre Hände gleiten vom Tresen, während er aufsteht und einen Schritt auf sie zugeht. Innerlich darüber flucht, wie weit die Barhocker von einander entfernt stehen.
„Du siehst super aus in grün. Muss nichtmal 'n Kleid sein, auch wenn das extra Bonuspunkte im Ablenken gibt.“ Seine andere Hand streicht ihr eine Strähne hinters Ohr, bleibt auf ihrer Wange liegen. „Rot geht auch gut“, fügt er mit einem kleinen Nicken zu ihren Fingernägeln hinzu.
„Das war Türkis und nicht Grün.“
„Wen kümmert's?“ Ob er das sagt oder nur denkt weiß er nicht, weil er gar nichts mehr weiß. Nur wie sich Annas Lippen anfühlen, und ihre Hand, die über seinen Rücken fährt und ihn näher zieht.
