Chapter Text
Peter hatte sich von Kelly verabschiedet und hatte ihr noch zugewinkt, ehe er zu seinem Auto gegangen war und die Tür geöffnet hatte. Munter summend hatte er sich hinters Steuer gesetzt und den Motor gestartet. Bis dahin war alles normal gewesen. Er
winkte Kelly zum Abschied zu und lächelte gelassen, während er einen letzten Blick auf den Club warf und dann das Auto aufschloss. Er hoffte, seine Eltern würden sich nicht über die paar Minuten Verspätung aufregen. Peter hatte ihnen versprochen, vor Mitternacht zurück zu sein. Entspannt ließ er sich auf den Fahrersitz sinken, während er die Tür hinter sich zuzog und leise die Melodie des Songs im Club summte. Den Schlüssel steckte er ins Schloss und startete schließlich den Motor, um vorwärts vom Parkplatz zu fahren.
Der Unbekannte spürte das Ruckeln des Autos unter ihm und lauschte dem Motor. Ein wenig ließ er den Jungen fahren. Dann richtete er sich ein wenig auf und hob seine rechte Hand, bis der Lauf der Pistole, die er mit der Hand umschloss, gerade in den Nacken des Fahrers stieß. "Dreh dich nicht um!", raunte er bedrohlich ruhig. "Weiterfahren!"
Der Junge vor ihm
fuhr heftig zusammen, als er kaltes Metall im Nacken spürte und sein Fuß wie automatisch etwas die Bremse betätigte. Ein Ruck durchfuhr das Auto, ehe er unruhig die Worte verarbeitete und sich seine Hände ins Lenkrad krallte. Unwilloh betätigte er wieder das Gas. Sein Blick huschte in den Rückspiegel, wo ein Auto ein Stück hinter ihm hupte aufgrund seines plötzlichen Bremsmanövers. Peter schluckte, als er etwas weiter links eine dunkle Gestalt im Rückspiegel wahrnehmen konnte. Und vor allem etwas, was verdächtig nach einer Waffe aussah. "Was- wollen Sie?" Seine Stimme klang nicht ansatzweise mutig oder fest. "Nicht umdrehen!" Kam es gefährlich ruhig von hinten. "Wir unternehmen eine kleine Spritztour. Die nächste Abfahrt nach rechts!"
Nachdrücklich bohrte der Unbekannte das Metall nach vorn. "Sieh dich nicht um und fahr ruhig weiter!" Peter hatte das Gefühl, sein Magen würde sich umdrehen, als das kühle Metall sich mehr in seinen Nacken bohrte. Etwas zittrig begann er Gas zu geben und setzte den Blinker nach rechts. "Wohin fahren wir?" "Fahr einfach" lautete die ruhige Antwort des Unbekannten. Dieser sah zufrieden, wie der Junge gehorchte. So lotste er ihn durch die Straßen bis zum Rand eines Waldes. "Halt an und stell den Motor aus", befahl er drohend. "Sieh nach vorn!" "Hier?!" Peter gefiel nicht, wie seine Stimme ein wenig hoch rutschte und sein Herz schneller klopfte vor Panik. Sein Blick huschte etwas zur Seite über die Bäume hinweg. Niemals würde irgendjemand ihn hier finden, geschweige denn erwarten. "Wissen Sie, meine Eltern warten auf mich." Sein Hals fühlte sich trocken an. "Und sie werden besorgt sein, wenn ich nicht nach Hause komme, und dann suchen sie mich." Seine Hände krallten sich in das Lenkrad, während er bremste und sein Gehirn nach einem Ausweg durchforstete. Nur hatte der Mann noch immer eine Waffe auf ihn gerichtet und Peter wusste weder, wer er war noch, was er wollte. "Und wenn schon", raunte der Mann und schob sich, als das Auto zum Stehen kam, auf dem Rücksitz nach vorn. "Hier finden sie dich nicht" Mit seiner freien Hand beförderte er etwas aus seiner Tasche und presste es dem Jungen blitzschnell auf Mund und Nase. "Wir machen einen Ausflug." Peter zog erschrocken die Luft ein, als ihm etwas auf Mund und Nase gedrückt wurde, was sich als ziemlicher Fehler herausstellte. Benommen versuchte er, den Kopf wegzudrehen und sich gegen den Griff zu wehren, aber sein Körper widersprach. Er merkte, dass ihm dämmerig zumute wurde. Der Unbekannte hielt den Griff stand, bis der Junge erschlaffte. Der Lappen verschwand und die Autotüren öffneten sich. Laub raschelte unter seinen Füßen, als er sich der Fahrerkabine näherte und den Jungen unter den Armen griff, um ihn aus dem Auto zu zerren. Der Junge hing in seinen Armen, während er diesen mit sich über den Waldboden zerrte. Es war nicht sehr weit bis zu ihrer Hütte. Eine zweite Gestalt, ein junger Mann, erwartete ihn und hielt ihm die Tür auf. Ächzend schleifte er den Jungen in das Innere der Hütte und ließ ihn inmitten eines Raumes zu Boden fallen. Mürrisch befahl er dem anderen, ihm zur Hand zu gehen. Gemeinsam hievten sie Peter auf eine Matratze, die etwas erhöht auf einem Gestell lag. Fachmännisch befestigte der ältere von beiden eine Kette an den Bettpfosten und das andere Ende um Peters Fußgelenk. Die Kette war lang genug, dass er sich in einem kleinen Radius von dem Bett weg bewegen konnte, aber mehr auch nicht. Zufrieden mit seinem Werk trat er einen Schritt zurück. "Sieh nach, dass er nichts in seinen Hosentaschen hat!", befahl er dem jungen Mann namens Jeremias. Jeremias nickte, etwas verstimmt von seiner mürrischen Laune und trat auf Peter zu, ehe er halbherzig, in dessen Hosentaschen griff. Es war nicht wirklich ergiebig. Ein wenig Kleingeld, ein Eintrittsticket für einen Club und auf der anderen Seite einen kleinen Schraubenschlüssel, der im Notfall wohl auch als Dietrich hätte herhalten können. "Mehr hat er nicht" Er zeigte ihm die paar Gegenstände. Der Unbekannte nickte knapp. "Sperr die Sachen weg! Er soll es sich hier ja nicht zu gemütlich machen!" befahl er und blickte dabei abfällig auf Peter herab, ehe er den Raum verließ. "Wir werden heute beide hier schlafen" Jeremias rollte mit den Augen und folgte ihm dann, um die Sachen sorgfältig in einen Safe zu sperren. "Er kann sich doch sowieso nicht hinausbewegen!" motze er. Streng blickte der Unbekannte auf seinen Sohn hinab. „Du solltest den Burschen nicht unterschätzen, du Dummkopf!" grollte er. "Diese kleinen verfluchten Gören haben mein Leben zerstört! Und dafür werden sie nun bezahlen!" Jeremias sah zur Tür und dann zurück zu seinem Vater, wobei er ergeben, aber doch innerlich etwas spöttisch nickte. Das, was er da drin gesehen hatte, war ein normaler Junge. Zwar recht sportlich und trainiert, aber nicht wirklich jemand, von dem eine solche Gefahr ausging auszubrechen, oder? "Wenn du das sagst, dann muss es wohl wahr sein." Sein Vater nickte zustimmend und schloss die Tür mehrmals ab, ehe er sich zur Ruhe legte. Er konnte es kaum erwarten, bis Peter Shaw erwachen würde.
Das Erste, was Peter spürte, als er langsam erwachte, war, dass er auf einer zugegebenen harten Matratze lag. Sie war recht klein, denn seine Beine streckten sich darüber hinaus. Er stöhnte leise. Sein Kopf dröhnte und im ersten Moment fragte er sich, seit wann sein Bett so unbequem war. Erst als er blinzelte und im Halbdunkel schemenhaft begann, den Raum zu erkunden, durchfuhr ihn der Schreck. Er war nicht in seinem Zimmer. Ganz und gar nicht. Er lag auf einer unbequemen Matratze, die auf einem kleinen Holzvorsprung lag. Ansonsten gab es nicht viel zu sehen in diesem Raum. Er war klein und stickig. Sofort beschleunigte sich sein Atem etwas, während er die Augen nun vollständig aufriss. Die Erschöpfung schien verflogen und Peter versuchte sich aufzusetzen, das klappte aber nur zu einem gewissen Grad. Das klirrende Rascheln einer Kette ertönte und bald merkte er, dass da ein Widerstand an seinen Knöcheln war. Mit zunehmendem Schock tastete er danach und spürte eine schwere Eisenkette, die von seinem Knöchel aus ins Nichts führte. Er schluckte und versuchte aufzustehen. Im ersten Moment wollten seine Beine ihm nicht gehorchen, dann schaffte er es schließlich in einen festen Stand. Bei jedem Schritt raschelte die Kette hinter ihm, was Peter einen Schauer über den Rücken jagte. Fahrig griff er in seine Hosentaschen. Sie waren leer. Na toll, dachte er sich im Stillen. Nicht nur eine Entführung, die Entführer waren auch schlau genug gewesen, ihm jegliche Hilfsmittel wegzunehmen. Peter schloss die Augen und versuchte durchzuatmen. Für einen Moment wünschte er sich Justus Rationalität herbei. Er würde schnell auf einen Plan kommen. Zu seinem Pech war er aber eben nicht Justus! Und deshalb fühlte sich sein Kopf eher wie leergefegt an, während er nun doch etwas verzweifelt versuchte herauszufinden, wie weit ihn die Kette voran lassen würde. Peter schaffte es nur gut, einen Meter von dem Bett wegzukommen, bevor sie sich spannte und keinen weiteren Schritt zuließ.
Mit einem Knarren öffnete sich die Tür und der Mann trat in den Halbdunkeln Raum. Er hielt sich bedeckt und beobachtete den Jungen aus der Ferne. Er schien unruhig und das stellte ihn zufrieden. Im halb hellen Schein der Lampe würde er nur seinen Schatten erkennen. "Willkommen Peter Shaw, in deinem Alptraum" verkündigte er mit einem Mal und genoss es, diese Worte auszusprechen. Peter zuckte zusammen und presste die Augen einen Moment zusammen, als er registrierte das er nicht allein war. Erst dann öffnete er sie und sah zur Tür. Da war definitiv eine Gestalt. Er erkannte nicht viel mehr als einen Schatten und da die Kette nicht zuließ, dass er näher kam, konnte er auch nicht einschätzen, wer es sein könnte. Er versuchte, die Unruhe herunterzuschlucken, aber natürlich gelang es nicht. "Was wollen Sie von mir? Wer sind Sie und woher kennen Sie mich?" Der Mann runzelte sichtlich verärgert die Stirn über Peters Gegenftagen. "Das solltest du wissen, Peter Shaw" grollte er. "Nach allem." Selbstsicher trat er einen Schritt nach vorne auf Peter zu. Beglückt stellte er fest, dass es dem Jungen unruhig stimmte. Peter trat sorgfältig einen Schritt zurück, wobei die Kette raschelte. Er hatte sein Zeitgefühl verloren, aber er war sich sicher, dass seine Eltern mittlerweile entweder stinksauer, besorgt oder gleich beides gleichzeitig sein müssten. "Sollte ich das?", fragte er beunruhigt. Mit wenigen Schritten war der Mann bei Peter und drehte ihm ruckartig einen Arm auf die Rücke, während er zischte: "Verkauf mich nicht für dumm!" Peter schauderte und atmete langsam aus. Gut, er hatte wohl irgendwen wütend gemacht. Sofort durchforstete er sein Gehirn, um sich an die Stimme zu erinnern. Justus, Bob und er hatten im Laufe der Zeit mit einigen zwielichtigen Leuten zu tun gehabt und sie meist am Ende überführt und so verärgert,. "Soll das etwa eine Art Rache werden?" Peters Stimme war angespannt. "Sag du es mir", entgegnete der Mann. Seine Lippen waren nun nah an Peters Ohr, während er sich hinter Peter stellte. Sein Griff um Peters Handgelenk verstärkte sich, dann schubste er ihn grob von sich. "Du wirst mir eine Weile Gesellschaft leisen!" Peter stolperte vor, nur dass die Kette nicht zu ließ, dass er sich abfing und er so hart auf den Knien landete. Sein Herz raste, während er sich trotz seiner stechenden Knie wieder aufrichtete. Das würde ein paar blaue Flecken geben," "Mister-" begann er vorsichtig. "Sie könnten deutlicher werden, worum es hier geht! Immerhin wird man mich suchen" Peter schluckte unwohl und versuchte etwas mehr auszumachen, wer der Mann vor ihm war. Er war recht groß, ein wenig breiter gebaut als er selbst und definitiv um einiges älter. Seine Stimme klang ein wenig nasal, nicht als sei er ein starker Raucher gewesen. "Wenn du darauf kommst, kriegst du was zu trinken" versprach der Mann spöttisch und versetzte Peter einen Stoß nach vorn zurück auf die Knie. "Wenn du brav bist, werden wir weniger Probleme miteinander haben." Peter schauderte, als er hart zurück auf die Knie gestoßen wurde. Aber er blieb sitzen, während er versuchte, sich einen Reim aus allem zu machen. "Was bedeutet "brav" in ihren Vorstellungen?" fragte er angespannt. "Was wollen Sie?"
"Keine Detektivspielchen" spezifizierte der Fremde. Dabei betonte er das Wort ‚Detektiv‘ besonders. Langsam legte sich eine schwere Hand auf Peters Schulter. "Verstehen wir uns? Du willst doch sicher nicht auf Grundbedürfnisse verzichten müssen, oder? Sicher bist du Lagen wie diese bereits gewohnt" Peter schauderte bei der schweren Hand auf seiner Schulter. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass er eine Weile mit ihm hier festsitzen würde. Schließlich würde bis morgen früh erst einmal niemand vermuten, dass ihm überhaupt etwas passiert sein könnte und auch danach gab es keinerlei Zeugen. Natürlich war da der Typ gewesen, der ihn angehupt hatte. Aber warum sollte das jemandem komisch vorkommen, schlechte Autofahrer gab es überall! Peters Herz wurde schwerer und Angst legte sich über seine Gedanken. "Ja-" Peter wagte es nicht noch eine Frage zu stellen, aber sein Kopf ratterte. Er hatte auf Detektivarbeit hingewiesen. Das bedeutete, sie kannten sich auf jeden Fall. Das würde auch erklären, warum er so sehr darauf bestand, dass Peter wissen musste, worum es ging. Vermutlich war es also ein alter Fall und in dem Sinne auf jeden Fall Rache. Jetzt fragte sich nur, Rache wofür? Peter schluckte und drehte den Kopf zurück zu dem Mann. Er musste ihn erkennen. Nach seiner Vermutung konnte es nicht einer der aktuellsten Fälle gewesen sein! Nein, es musste eine Zeit lang zurückliegen. Der Fremde sah von oben auf ihn herab. "Ja?" Peters Entführer bemerkte den Blick und sah förmlich, wie sich die Zahnräder des Jungen drehten.
„Ja, ich habe es verstanden! Keine "Detektivspielchen" fügte Peter zähneknirschend hinzu. Peter dachte scharf darüber nach, ob er diese Stimme kannte. Es hätte wirklich jeder sein können und er hasste es noch immer nicht sicher zu sein, wo sie sich begegnet waren. Er vermutete, es musste in einer Haftstrafe geendet haben. Das wäre logisch, bezüglich der Wut dieses Mannes.
Eine dunkle Wolke huschte über die Augen des Entführers als er Peter ziemlich grob am Haarschopf packte und seinen Kopf hochriss. "Antworte!" Peter zuckt etwas zurück und verzog das Gesicht, als er ihm an den Haaren zog. „Ich weiß es nicht-", antwortete Peter angespannt. Er versuchte in seinem Kopf alle Fälle der letzten Monate auszuklammern und nur an diejenigen zu denken, die eine Haftstrafe zu Folge hatten. Das klammerte zwar ein paar aus, half aber auch nicht weiter, genau diesen herauszufinden. Ihm wurde ganz schlecht, während er den Mann ansah. Er hatte ihn schonmal gesehen, natürlich hatte er das. Irgendetwas mit Geld. Aber sie hatten viele Diebstähle oder Betrugsfälle gehabt. "Es wird mir einfallen aber- das hier ist gerade eine Drucksituation." "Was denn, ist es unserem Peter Shaw nicht fein genug hier?" Höhnte der Fremde. "Ich gebe das, was mir angetan!" Er ließ von Peter ab und musterte den Jungen verachtend. Peter schauderte. Er mochte es nicht, wie der Mann seinen Namen sagte und den Spott dahinter. Die Aussage allerdings hatte seine Idee bestätigt. „Ich nehme an, Sie wurden unseretwegen verhaftet, richtig?" Peter überlegte angespannt. "Es ist kein Problem persönlicher Ebene mit mir, sondern eher dem Fakt, dass ich mit meinen Freunden dafür gesorgt habe, dass sie hinter Gitter kamen" Peter kämpfte sich etwas mühsam auf die Beine trotz seiner schmerzenden Knie und sah ihn dann an. Er prägte sich das Gesicht ein und durchsuchte jegliche Fälle in seinem Kopf. Irgendetwas sagte ihm, dass es nichts Offizielles gewesen war. Irgendetwas war mit irgendeinem Bekannten von Onkel Titus gewesen … oder spinnte er jetzt komplett? Peter wusste nicht, ob er sich seinen Geistesblitz einbildete oder nicht. Aber er hatte das Gefühl, einen Namen im Kopf zu haben … war es Brad? Oder Brandy? "Hast ja doch was in der Birne" Der aufmerksame Blick ruhte auf Peter. "Du solltest den Namen des Mannes kennen, dessen Leben ihr zerstört habt! Peter spannte sich leicht an und wich etwas zurück, um Platz zwischen ihn selbst und den Mann zu bringen, "Mr. Brady?“ Überlegte er etwas ungläubig. Die Puzzleteile hatten sich langsam in seinem Kopf wieder zusammengefügt und er war froh darüber, denn das bedeutete, dass er einen Moment lang weniger Angst haben musste. Solange Peter beschäftigt war, hatte er keine Zeit darüber nachzudenken, was passieren könnte. Der mutmaßliche Mr. Brady antwortete nicht, aber er machte auch keine Anstalten, wieder handgreiflich zu werden. Stattdessen verschwand er aus der Tür und kam wenig später mit einer Wasserflasche wieder, die er Peter in die Hand drückte. "Trink!", befahl Mr. Brady. Peter blinzelte überrumpelt, als er ihm die Flasche in die Hand drückte. Gut, er hatte dann also richtig gelegen. Aber seine Gedanken
ratterten schon weiter. Warum genau suchte Matt Brady jetzt Rache? Was könnte er bezwecken? Wäre es nicht schlauer, sich an seinem Geschäftspartner Charly Ross zu rächen?
Um keine weitere Gewalt zu provozieren, begann Peter zu trinken und Gott sei Dank schmeckte das Wasser normal. Mr. Brady begutachtete Peter genau. "So verstehen wir uns.", lobte er spöttisch. "Ihr kleinen Plagen liebt doch Rätsel, oder? Ich werde dir eines stellen und wenn du es lösen kannst, kriegst du was zu essen." Jetzt, wo Peter zumindest wusste, wen er vor sich hatte und die Chance hatte, sich Gedanken darüber zu machen, warum er hier war, wurde die Situation ein wenig weniger furchteinflößend. "Rätsel sind dann doch eher Justus Ding", entgegnete Peter mit einem etwas trockenen Tonfall. Er versuchte sich ruhig zu halten. Matt Brady war wohl wütend wegen seines Gefängnisaufenthalts, aber das bedeutete, er würde ihm wohl hoffentlich nichts tun, außer ihn etwas hierzubehalten. Mr. Bradys Blick änderte sich schlagartig bei dem trockenen Tonfall. "Glaube mir, Justus Jonas wird seine Überheblichkeit bald bitterböse bereuen", warnte er und fixierte ihn mit stechendem Blick. "Was hat am Morgen 4 Beine, mittags 2 und am Abend 3?" Peter verkniff sich einen Kommentar dazu. Er war hier eingesperrt, eine Kette band ihn fest an das Bett hinter sich. Er hatte keine Lust auf Rätsel, nicht in diesem Moment unter diesen Umständen. Trotzdem sprach es für sein Glück, dass er dieses kannte. Peter hatte es in einem dieser Rätselbücher in der Zentrale gelesen, die Justus nur da herumliegen hatte, um sie zum Spaß in sekundenschnelle zu lösen. "Der Mensch, morgens als Baby auf vier Beinen am Krabbeln, mittags auf zwei Beinen als Erwachsener und abends als alter Mensch mit Gehstock" Peter hatte nicht die Nerven auf noch ein Rätselspiel, also fragte er vorsichtig. "Mr. Brady, was genau bezwecken Sie hiermit? Ich meine, was soll es bringen mich hier festzuhalten? Wollen Sie eine Erpressung durchführen und wieder im Gefängnis landen-" Brady antwortete nicht, sondern nickte seinem Sohn zu, der darauf hin ein Tablett hereinbrachte. Darauf befand sich ein Teller mit einer trockenen Brotscheibe. Eine hauchdünne Schicht Butter versteckte sich unter einer Scheibe Käse. "Gefängnis fraß für dich. Vielleicht lässt dich das darüber nachdenken wie es den Leuten geht, die ihr einbuchtet!" Peter sah zu dem Tablett. Besonders appetitlich sah es nicht aus. Aber das spielte wohl keine Rolle, solange er nicht verhungerte. Er würde also klarkommen. "Deine kleinen frechen Freunde sollen doch wissen, dass ich nett sein kann, wenn man kooperiert" Brady sagte es beiläufig aber es klang erneut wie eine Drohung. Peter wiederholte im Kopf die Worte "nett sein kann". Das klang jetzt nicht besonders gut. Er konzentrierte sich stattdessen darauf, das Brot zu nehmen und hineinzubeißen. Es war trocken aber zumindest essbar also verschlang er es. Brady reichte Jeremias, kaum das Peter fertig war das Tablet damit er abräumte. "Du sollst uns ja nicht sofort vom Fleisch fallen", bekannte er spöttisch. "Ihr solltet mir dankbar sein. Ich erteile euch eine wertvolle Lektion" Brandy verpasste Peter einen Klaps auf den Hinterkopf und ging zur Tür. "Und danach wird Justus Jonas nie wieder so etwas Dummes tun …" Peter sah angespannt zur Tür als Brady darauf zu ging und trat etwas vor, zumindest so weit es die Fußfessel erlaubte. "Aber das ist nicht der richtige Weg dazu!" Brandy drehte sich mit blitzenden Augen zu ihm um. "Was sagst du Bursche?!" Peter schauderte bei dem Blick und atmete durch. "Mr. Brady" begann er schlichtend. "Denken Sie denn wirklich eine Entführung wird dazu führen, dass Sie Gerechtigkeit erfahren? Ich meine, es ist sicher schon Morgen! Meine Eltern wissen spätestens jetzt, dass etwas nicht stimmt. Bald wird auch die Polizei nach mir suchen" Peter nahm einen tiefen Atemzug. "Ich verstehe, dass es blöd gelaufen ist für Sie" Der zweite Detektiv trat zurück und schauderte bei dem Rascheln der Kette. "Sie wurden in Untersuchungshaft gesperrt während ihr Geschäftspartner sich Mithilfe der Kaution freikaufen konnte. Aber wollen Sie wirklich jetzt, nachdem Sie wieder draußen sind dafür sorgen, dass Sie direkt wieder ins Gefängnis rein wandern? Dazu kommt, dass Sie kaum eine Verwendung für mich dabei haben" fügte er etwas unwohl hinzu. Brady sah Peter ausdruckslos an und schwieg einen ganzen Moment. Dann stampfte er mit großen Schritten auf ihn zu und blieb direkt vor ihm stehen. Auge um Auge. Er schweig und starrte ihn unentwegt an.
Augenblicklich trat Peter einen Schritt zurück. Nur dass er jetzt direkt an der Bettkante stand während ihm mulmig zumute wurde. Vielleicht hatte er auch einfach falsch gelegen und Brady wollte auf etwas ganz anderes hinaus. Peters Nerven lagen blank und er hatte wirklich keine Lust sich mit dem Mann vor ihm anzulegen. "Schon schweigt der feige Detektiv Peter Shaw", höhnte Brady wobei er Peter starr fixierte. "Wo ist dein Mut hin?" Seine Hand schnellte vor und packte Peter grob am Kragen. Peter hielt wie automatisch die Luft an und bemühte sich ruhig zu bleiben. Sein Blick huste flüchtig zu der Tür. Im schwachen Licht erkannte er eine Holzeinrichtung wie in einer alten Hütte. Bradys Worte holten ihn aber wieder etwas zurück und er räusperte sich. "Ich habe also recht?" Peter hätte sich erhofft, dass seine Stimme zumindest ein wenig mehr Stärke zeigte. Doch man hörte, dass er sich eindeutig unwohl in der Situation fühlte. Auch wenn es Peter ein wenig aufstieß, dass Brady ihn in dieser Situation als feige betitelte. Brady verstärkte seinen Griff. "Angst ohne den ersten Detektiv, Peter Shaw?" Spöttelte er weiter. "Bist wohl doch nur ein Mitläufer. Ihr seid wohl wirklich nur seine Gimmicks" Peter hätte ihm gern einiges an den Kopf geworfen. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass er ihm langsam mit dem Griff die Luft abschnürte. Peter entschied sich intuitiv und trat Brady heftig auf den Fuß damit er ihn losließ. Eine gewisse Form von Trotz hatte sich in ihm festgefahren. Ob Brady provozieren wollte oder nicht. Peter war hier drin so oder so festgekettet aber das musste er sich nicht bieten lassen. Bradly ließ ihn vor Schmerz keuchend los. Der Tritt hatte ordentlich gesessen. Mit blitzenden Augen holte er aus und rammte seine Faust in Peters Magen. Peter keuchte erstickt auf bei dem plötzlichen Schlag und stolperte etwas zurück als ein explosionsartiger Schmerz in seinem Magen entflammte.
Peter hatte das Gefühl das Brot, was er soeben noch gegessen hatte, müsse wieder hochkommen. Stattdessen atmete er flach aus. Gut, vielleicht war Angriff als Reaktion auf Provokation doch eher die falsche Wahl gewesen. Peter schlang die Arme schützend, um seinen Oberkörper um diesen vor einem erneuten Schlag zu schützen. Brady packte Peters Handgelenke und riss sie grob zur Seite. Dann schubste er Peter grob zum Bett. "Leg dich hin!" Knurrte er. Peter schauderte und drehte seine Handgelenke zur Seite um sich aus dem Griff zu befreien. "Nein-" keuchte Peter. Unruhe überkam ihn und er versuchte einen Arm so zur Seite zu drehen, dass er sich befreien könnte und Brady ihn loslassen würde. Dummerweise war da die Fußfessel. Sonst wäre er wohl einfach losgerannt. Brady runzelte die Stirn bei dem bockigen Verhalten und ließ einen Moment los. "Schluss jetzt!" Er packte Peter grob bei den Schultern und drückte ihn runter auf die Matratze. "Lass das Theater und tu was man dir sagt!" Peter Schauerte als er auf die Matratze gedrückt wurde. Die Ketten seinem Fußgelenk klirrte bei dem Handgemenge unheilvoll. "Was wollen sie von mir?" Peter rutschte zurück. Zumindest so weit wie die Kette es zuließ. Brady verdrehte die Augen und verpasste Peter eine Ohrfeige. Knurrend befahl er ihm ruhig liegenzubleiben. Wie ein drohender Schatten hatte er sich über dem Jungen aufgebaut. Seine Hände umschlossen Peters Handgelenke und fesselten ihm die diese auf dem Rücken. Dann trat er gelassen zurück. "Spar dir dein Atem für später, hier hört dich eh keiner" mit diesen Worten wandte er sich wieder der Tür zu. Peter schauderte als Brady zur Tür trat. Er selbst blieb still liegen. Was blieb ihm auch anderes übrig. In dieser Position würde er wohl kaum schlafen können aber er war sich sicher, dass es auch längst Morgen war. Zumindest hoffte er das. Denn das würde bedeuten man suchte bereits nach ihm. Sein Magen tat noch immer weh von dem plötzlichen Schlag und Peter spürte wie die Unruhe stieg. Was hätte er jetzt für sein Dietrich Set gegeben, um diese Fesseln möglichst schnell zu öffnen und zu verschwinden. Durch die geöffnete Tür konnte er Stimmen hören. Beziehungsweise hörte er Brady. Er befahl seinem Sohn gut auf ihn aufzupassen. Er selbst würde in zwei Stunden zurückkehren. Dann entfernten sich Schritte. Schließlich vernahm Peter das Zuschlagen einer Autotür. Besonders dick schienen die Wände der Hütte nicht zu sein. Peter überlegte, ob es sinnvoll wäre zu schreien. Er meinte ein zweites Paar Füße durch die Hütte gehen zu hören. Es klapperte und klirrte. Peter vermutete, das Bradys Sohn vielleicht in der Küche zugange war. Peter zog probehalber etwas an der Kette und überlegte was zu tun war. Er sah zur Tür und wartete eine ganze Weile ab. Peter wusste nicht wie viel Zeit vergangen war aber irgendwann machte er sich verbal bemerkbar. Kurze Zeit später vernahm Peter auch schon schlurfende Schritte. Wenig später schob sich ein genervt wirkendes Gesicht in Peters Sichtfeld. Bradys Sohn war offenbar höchst motiviert. In einem motzigen Tonfall der perfekt mit seiner Körperhaltung harmonierte, fragte er Peter was los war. Peter hob den Kopf. "Ich muss mal" in Peters Kopf nahm ein Plan Gestalt an.
