Chapter Text
Er lächelte, als er seine letzte Nachricht an Klaus geschrieben hatte.
Er hatte es geschafft, seine Brüder würden nicht enttäuscht sein und er konnte sich von Klaus verabschieden.
Vater hatte recht gehabt, er hat wirklich Seelenfrieden erlangen können.
Er fühlte sich auf einmal ganz wohlig, als wäre er in Watte gehüllt. Alles schien auf einmal so leicht und er spürte, wie er langsam seinem Körper entwich und ein kleiner Teil seiner Lebnsenergie in das Pergament überging.
Alles war gut… er würde zwar sterben, aber das war es wert. Er wurde immer müder und das tiefe Gefühl der Leichtigkeit sog ihn immer weiter zu sich, bis er völlig weg glitt.
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Dunkelheit.
Ein scheinbar endloser Raum in völlige Leere und zerreißende stille gehüllt.
Verschreckt zuckte er zusammen und schaute sich um. Was war denn passiert? Wo war er auf einmal, er war doch gestorben. War es seinen Brüdern irgendwie gelungen, ihn zurückzuholen?
Nein, das konnte nicht sein, dann wäre er jetzt nicht an so einem dunklen Ort, sondern irgendwo, wo es schön war. Er würde es zwar nie zugeben, aber seine Brüder bedeuteten ihm alles und tief in seinem Inneren wusste er, dass er seinen Brüdern genauso viel bedeutete.
Was ging hier also ab?
„Hallo?“, rief er in die Dunkelheit hinein.
Keiner antwortete, was ein Wunder. Was hatte er denn auch anderes erwartet?
Von sich selbst genervt, schüttelte er den Kopf.
Jetzt fang ich schon an, mit mir selbst zu reden! Nein, das lass ich gleich bleiben, ich will doch nicht so enden wie Zeke!
Er guckte an sich herab, nur um zu bemerken, dass da nichts war. Klar, er hatte einen Körper, das spürte er, aber er sah absolut nichts, als würde diese Dunkelheit ihn auffressen.
Auf einmal hörte er eine verrückte Lache: „Siehst du Hase, du hast versagt, wir hätten dir niemals eine so wichtige Aufgabe anvertrauen sollen“ Zeke.
Das konnte doch nicht sein.
Erschrocken drehte er sich um, doch natürlich konnte er nichts sehen.
„Zeke, Bruder, wo sind wir hier, was ist passiert?“ „Was passiert ist? Du bist passiert.“, antwortete eine zweite Stimme.
Ein Schauer lief ihm über den Rücken, als er seinen Bruder Ruhn erkannte. Reflexartig drehte er sich um, nur um der Dunkelheit ins Gesicht zu starren.
„Ruhn, was geht hier vor, antworte mir doch einfach!“, schrie er nun verzweifelt.
Was war los mit seinen Brüdern, warum taten sie ihm das an? Er hatte doch den Stein repariert, warum waren sie denn dann so wütend? Und warum behielten sie ihn hier an diesem schrecklichen Ort gefangen?
„Fips, ich bin enttäuscht von dir“ ein Stich fuhr durch sein Herz. Klaus?
Selbst er war jetzt gegen ihn?
Er hatte sich doch entschuldigt, hatte alles wieder gut gemacht.
Klaus wollte ihn doch mit offenen Armen empfangen, das hatte er ihm versichert.
„K-Klaus? Was ist hier los? Warum zeigt ihr euch mir nicht? Was hab ich getan?“ „Du bist an allem Schuld!“ kam es jetzt von vier stimmen. Vier?
„Wärst du nicht gewesen, wäre alles gut. Wir würden uns nicht distanziert haben, wir wären noch eine Familie!
Wir waren alle so stark, wir hätten es schaffen können. Wir hätten den endlosen Qualen des Klosters entgehen können, hätten wir nicht immer auf dich Feigling Rücksicht nehmen müssen!
Es ist alles deine Schuld! Wir wären glücklich gewesen.
Ruhn hätte keine dunkle Seite, die ihn plagt und Zeke wäre nicht verrückt geworden.
Weißt du überhaupt, wie schlecht es ihnen geht? Natürlich nicht, du bist ja nie da. Viel zu beschäftigt damit, den Helden zu spielen.“
Klaus kam dabei immer näher und wurde immer bedrohlicher.
„Und ich! Ohne dich hätte ich eine Kindheit gehabt, hatte ich aber nie, weil ich mich die ganze Zeit immer nur um dich kümmern musste! Du hast immer gesagt, ich wäre dein Lieblingsbruder, dabei bin ich dir scheißegal.“
„Nein! Klaus das stimmt nicht. Du weißt, dass das nicht stimmt“
„Man gibt dir Rat und Hoffnung, und was kriegt man dafür? Man wird verraten. Meine Kirche ist abgebrannt wegen dir, weil du deinen Stein dort verstecken musstest. So viele Stunden, die wir geredet haben, ich dachte, das würde dir auch etwas bedeuten, aber scheinbar habe ich mich ja geirrt.“
Nein, das kann nicht sein. Vater? Die vierte stimme war er? Seine Brüder waren ja das eine, aber Vater? Er war der Einzige, bei dem er das Gefühl hatte, gemocht zu werden. Der Einzige, der nicht Kontakt mit ihm hatte, weil sie dasselbe Blut teilten, sondern weil er ihn wirklich mochte.
Und selbst ihn hatte er verraten.
Er verstand einfach nicht was los war.
Er spürte nur noch Tränen über sein Gesicht fließen und seine Knie unter sich nachgeben.
Zerstört hockte er da auf dem kalten Boden, umringt von seinen Geliebten.
„Guckt ihn euch doch mal an, liegt heulend auf dem Boden wie der Angsthase, der er nun mal ist“, das Gespött seiner Brüder war kaum mehr als ein Flüstern.
Es war zu viel, sie redeten alle auf ihn ein und ließen ihn sich wünschen, einfach wieder zu sterben!
Alles wäre besser als das hier.
In dem verzweifelten Versuch, die Stimmen irgendwie loszuwerden, drückte er sich die Ohren zu, welche erstaunlich menschlich waren.
Aber um das zu bemerken, hatte er momentan keine Kraft, und auch nicht, um zu merken, dass er mit jeder Beleidigung immer kleiner und jünger wurde.
All das war gerade egal, alles woran er denken konnte, war „bitte, lass es aufhören. Lass es einfach aufhören, ich würde alles tun.“
Er hatte mittlerweile angefangen, erbärmlich herumzuwippen und zu schluchzen. „Bitte, lass es einfach aufhören. Bitte!“
„Vielleicht kann ich dir ja behilflich sein“ kam eine Stimme aus der Dunkelheit.
Sie war so sanft und wie Musik in seinen Ohren. Hoffnungsvoll blickte er auf, als er merkte, dass die anderen Stimmen weg waren.
Der Mann hatte eine unfassbar beruhigende stimme, auch wenn sie ihn etwas an die von Ruhn erinnerte.
Der Unbekannte sprach weiter auf ihn ein: „ich kann dich hier rausholen, du musst nur meine Hand nehmen“
Plötzlich wurde die Dunkelheit durch ein schwaches Licht um ihn herum erhellt, das einen glatzköpfigen Mann vor ihm enthüllte.
Irgendwas in seinem Hinterkopf schrie ihn an, es nicht zu tun, doch der Gedanke daran, wieder mit den grässlichen Stimmen alleine zu sein, ließ ihn an nichts anderes mehr denken.
Raus! Weg! Einfach nur weg hier, mehr wollte er nicht.
Zögerlich ergriff er die Hand des Mannes und plötzlich spürte er einen Sog, der ihn in die eiskalte Realität schleuderte.
Er spürte wieder, wenn auch etwas distanziert, seinen Körper. Spürte, wie er sich langsam aufrichtete.
Er öffnete die Augen und sah wie durch einen dunklen Schleier hindurch.
„Willkommen zurück, mein Bruder“
Nein, das konnte doch nicht sein. Bruder - das müsste doch heißen, dass einer seiner Brüder vor ihm stand. Eos. Nein nein nein, das durfte nicht sein. Wenn Eos zurück war, dann hatte er tatsächlich versagt!
Und dieser komische Schleier, durch den er sah, konnte nichts Gutes bedeuten. Er spürte, wie alles um ihn herum an Farbe zu verlieren schien. Das war das Ende, alle Hoffnung in ihm war nun endgültig erloschen.
Er war ein Verräter.
