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Fandom:
Relationship:
Characters:
Additional Tags:
Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2025-06-14
Completed:
2026-05-27
Words:
5,755
Chapters:
2/2
Comments:
20
Kudos:
46
Bookmarks:
2
Hits:
328

Plus One

Summary:

Pia erhält eine Einladung zu einer Hochzeit. Ihre Cousine, die sie seit Jahren nicht mehr regelmäßig gesehen hat, heiratet ihren Partner - und die Hochzeit soll schick werden. Pia hat aber nichts passendes zum Anziehen. Gut, dass Esther ihr da helfen kann. Und gut, dass Pia noch niemanden als Plus One angegeben hat, denn wenn sie Esther überzeugen kann, sie zu begleiten, wird die Hochzeit vielleicht ein bisschen weniger awkward als sie befürchtet.

Chapter 1

Notes:

Auch diese Geschichte ist dank einiger wundervoller Unterhaltungen auf Discord entstanden - Liebe für euch!!

(See the end of the chapter for more notes.)

Chapter Text

Pia starrt auf die Nachricht auf ihrem Display, die ihr entgegenstrahlt. „Hochzeitsgruppe Sarah und Simon <3“ und etwa einhundert ungelesene Nachrichten. Und viel zu viele Smileys. Pia ist Smileys nicht abgeneigt, sie liebt es, den richtigen Smiley zu finden, um eine Nachricht zu unterstreichen, aber das… das ist hart an der Grenze des Erträglichen. Und so viele unnötige Glückwünsche. Manchmal fragt sie sich, warum die Leute das nicht im privaten Chat klären können. Sie seufzt, als sie ihr Handy entsperrt und durch die vielen Nachrichten scrollt, in der Hoffnung, dass etwas, irgendetwas Gehaltvolles dabei ist. Endlich ist sie ganz oben angekommen. Die erste Nachricht ist tatsächlich von der Braut.

Liebe Alle, wir feiern an Pfingsten unsere Hochzeit!!!!! Einladungen habt ihr zwar schon bekommen, aber hier können wir spontane Dinge planen 😊 <3 Hier noch ein paar Infooos: Wir haben keinen „richtigen“ Dresscode, aber bitte zieht euch schick an!! Es wird Spiele geben, bitte bringt irgendwas persönliches mit , was ihr mit mir oder Simon verbindet :D und vergesst nicht, ordentlich gute laune einzupacken!! :*

Pia seufzt erneut. Sie hat Sarah, ihre ein Jahr jüngere Cousine, seit dem Abitur nicht mehr oft gesehen. Damals sind sie richtig eng befreundet gewesen, haben gemeinsam heimlich Bier getrunken, eine Zigarette probiert und auch über Küssen und alles geredet – und sie hatten sich geschworen, dass sie sich nicht aus den Augen verlieren würden, aber dann kam das Leben dazwischen. Unterschiedliche Studiengänge, dann Pias Abtauchen nach Maras Verschwinden – da ging nicht mehr viel. Und dann haben sie den Draht zueinander nicht mehr in diesem Maß gefunden. Irgendwie überraschend, dass Sarah sie hier tatsächlich eingeladen hatte. Pia schiebt das Schuldgefühl in eine tiefe Ecke ihres Brustkorbs, wo es nicht mehr so schlimm an der Oberfläche kratzen kann.

Und sich schick anziehen – das einzige Schicke, was in ihrem Kleiderschrank hängt, ist ein pastellfarbenes Kleid, das sie für die Party zu ihrem Abschluss von der Polizeiakademie getragen hat. Das ist auch schon eine Weile her. Aber vielleicht findet sie ja doch noch was Passendes dazu. Vielleicht kann sie es einfach in einen dieser Läden mitnehmen und dann schauen, was sich ergibt.

Sie hasst es, shoppen zu gehen. Zumindest Kleidung, insbesondere elegante Kleidung. Die feinen Details machen sie teilweise wahnsinnig. Vor allem, wenn es über mehrere Geschäfte geht. Und dann noch all die Entscheidungen alleine treffen… anstrengend.

Vielleicht kann sie ja Esther fragen, ob sie ihr hilft. Esther hat ein Auge für Feinheiten. Und sie nimmt kein Blatt vor den Mund. Außerdem – wenn Esther zu der Einladung „ja“ sagt, dann ist sie vielleicht einen Schritt näher an der Antwort, ob die Blicke, die sie in letzter Zeit wechseln, die gelegentlichen Besuche, vielleicht mehr bedeuten könnten.

Sie wechselt zum Chat mit Esther. Am besten, sie schreibt ihr gleich.

 

xxx

„Nee, Pia. Der Blazer sitzt überhaupt nicht. Guck mal, wie die Schultern hängen! Den können wir ausschließen. Das passt auch nicht zu dem Kleid.“

Esther steht hinter ihr und guckt kritisch auf den Stoff. Ihr Blick wandert über Pias Figur, dann wieder zum Kleiderstapel. Gut, dass sie nicht auf Pias Wangen guckt, denn Pia ist sich sicher, dass sie unter Esthers Blicken mittlerweile ziemlich rot geworden sind.

„Den hier vielleicht? Das ist auch ein schöneres Material.“ Esther hält ihr den anderen Blazer hin, den sie von der Stange mitgenommen haben.

Pia dreht sich zu ihr und ächzt. „Essen wird mit dem Kleid echt ne Herausforderung.“ Das Kleid, das sie von Zuhause mitgebracht hat, hängt bestimmt auch schon seit zehn Jahren bei ihr im Kleiderschrank, sie hatte weder Zeit noch wirklich Gelegenheit gehabt, es anzuziehen.

„Willst du dir das wirklich antun, Spätzchen? Essen ist doch der eigentliche Grund, um sich länger auf Hochzeitsfeiern aufzuhalten.“ Sie grinst leicht und stupst Pia in die Seite.

Immer, wenn Esther sie wie aus dem Nichts Spätzchen nennt, läuft Pia ein angenehmer Schauer über den Rücken. Vor allem, wenn sie dabei so dicht hinter ihr steht, dass sie Esthers Wärme durch den dünnen Stoff spüren kann.

„Außerdem soll es sehr warm werden. Gut atmen können ist wichtig, nicht, dass du umkippst!“

Wenn Esther ihr weiterhin in diesem Ton Dinge ins Ohr – gut, nicht ganz, aber so dicht, wie sie neben Pias Schulter steht, zählt das fast schon als Ohr – spricht, dann besteht tatsächlich die Gefahr, dass Pia umkippt. Oder Esther küsst. Eins von beidem. Potentiell beides. Vielleicht hat sie es nicht ganz zu Ende gedacht, als sie Esther um Rat gefragt hat, was Hochzeitsoutfits angeht.

„Komm, wir gucken nochmal nach anderen Kleidern. Oder wir gucken auch mal in die Abteilung für Anzüge. Manchmal hilft der Kontrast, um sich entscheiden zu können. Allein zu der Farbe was Passendes zu finden, das wird schwierig. Die Farbe ist gerade nicht wirklich in Saison.“

Pia seufzt. Shoppen ist immer so furchtbar anstrengend. Aber Esther hat Recht. So richtig gut gefällt ihr das Kleid eh nicht mehr, aber es war teuer gewesen, als sie sich es gekauft hatte. Eigentlich hat sie keine Lust, wieder viel Geld für etwas auszugeben, das sie dann höchstens zwei- bis dreimal tragen würde.

Esther hat währenddessen schon die ausgemusterten Kleidungsstücke auf die Stange vor der Umkleide gehängt und steht nun wieder mit einem auffordernden Blick vor ihr. Pia dreht sich gehorsam um, damit Esther den Reißverschluss öffnen kann. Kurz darauf spürt sie Esthers warme Hände auf ihrem Rücken. Schade, dass sie in einem Kaufhaus sind, sonst würde sie es wahrscheinlich mehr genießen, wie Esthers Finger über ihre Wirbelsäule streichen und ihr eine Gänsehaut verpassen. Allein die schrillen Stimmen aus der Nachbarkabine tragen dazu bei, dass sie nicht komplett schmilzt, so direkt vor Esthers Augen, in nicht viel mehr als in ihren BH und Unterhose gekleidet. Vielleicht sollte sie ihnen dankbar sein.

„Ich warte draußen, ja?“

Wenn Pia sich nicht täuscht, ist Esthers Stimme auch ein bisschen rauer als sonst. Es könnte Wunschdenken sein, es wäre fast zu gut, um wahr zu sein, aber oh. Pia nickt.

„Okay.“ Ein paar Sekunden, um sich zu sammeln, das ist vielleicht auch nicht schlecht.

Und es ist wirklich angenehmer ohne das Kleid. Esther hat schon Recht. Schnell zieht sie sich ihr T-Shirt und ihre Hose wieder über, steckt das alte Kleid in die Tasche und atmet kurz durch, bevor sie den Vorhang beiseiteschiebt und wieder zu Esther tritt, die am Durchgang zu den Verkaufsräumen lehnt.

Esther lächelt, als sie sie sieht. Und wie könnte sie da anders, als zurückzulächeln?! Verknallt in eine Kollegin. Und wie. Sie blickt schnell zur Seite, bevor sie sich noch in Esthers Augen verliert. Schlimm genug, wenn sie gleich wieder damit konfrontiert ist, dass Esther sie gleich wieder mit diesem Blick mustern wird, sie so genau scannt, dass sie sich selbst in ihren normalen Alltagsklamotten gleichzeitig nackt und so gesehen fühlt, dass sie gar nicht mehr weiß, wo ihr der Kopf steht.

Pia schüttelt den Kopf und reißt den Blick von Esther los. „Wo als nächstes?“

Esther räuspert sich. „Dahinten gibt es Kleider mit viel Tüll, ich glaube, das ist nichts. Bei den Anzügen ist viel weiß und beige dabei, nicht unbedingt das Beste für eine Hochzeit. Da drüben sind längere Kleider ohne Tüll und sehr elegante Jumpsuits, vielleicht sollten wir da mal schauen?“ Sie spielt an ihrem silbernen Ring, den sie trägt. Bislang ist Pia noch nicht hinter das Geheimnis des Rings gekommen. Falls es dazu überhaupt ein Geheimnis gibt. Vielleicht mag Esther den auch nur, aber Pia ist dennoch neugierig. Wo hat sie ihn her? Wie ist sie zu ihrem Stil gekommen? So viele Fragen.

„Hmm“, macht Pia etwas verzögert, „klingt gut.“

Esther lächelt schon wieder. Ihr Gesicht ist so weich, wenn sie Pia so anguckt. „Dann mal los.“

Die Reihen sind schier endlos. Von den Kleidern gefällt Pia das Wenigste, die meisten haben ein bisschen zu viel Strass oder hatten sowohl zu viel Beinausschnitt als auch zu viel Einblick in die Oberweite – nicht, dass es bei ihr allzu üppig wäre, aber dennoch. Auf einer Hochzeit vielleicht auch nicht unbedingt das Beste. Und ganz furchtbar sind auch diese Mermaid-Schnitte. Darin kann man ja kaum anständig zum Buffet laufen! Wenn sie ihr altes Kleid schon wegen zu wenig Bauchfreiheit aufgibt, dann muss auch wirklich was Besseres her.

Etwas unmotiviert zieht sie ein violettes, etwa knielanges Kleid heraus. Es wäre ihre Größe. Aber es ist auch sehr synthetisch. Sie schielt zu Esther, die nachdenklich auf zwei Kleidungsstücke guckt.

Pia hängt das Kleid wieder auf die Stange und schlendert zu Esther. „Was hast du da?“, fragt sie, und wenn sie nun etwas näher an Esther steht, als sie eigentlich müsste, geht das niemanden etwas an.

Esther reicht ihr einen langen, blauen Jumpsuit mit weitem Bein. Dünner Baumwollstoff, ein leichter V-Ausschnitt – Pia blickt sie überrascht an. „Der ist hübsch!“

Esther hält den Jumpsuit vor Pias Körper. „Könnte auch passen“, meint sie. Pia greift danach. Ihre Hand streift Esthers und es jagt schon wieder eine Horde Schmetterlinge durch ihren Magen.

Esther scheint für einen Moment den Faden verloren zu haben, bevor sie weiterspricht. „Und das Modell in diesem dunklen Orange, das hat mich an deine eine Sportjacke erinnert.“

Esther kennt ihre Jacken. Die orangene hat sie ewig nicht mehr angehabt, aber dennoch ist sie in Esthers Gedächtnis geblieben. Wenn sie könnte, würde sie quietschen.

Stattdessen presst sie den dünnen Stoff an ihre Brust und beißt sich auf die Lippe. „Die sind echt toll.“ Genau wie du, will sie anfügen, und vielleicht sprechen ihre Augen auch für sie, ohne dass sie ihre Zunge überreden muss, diese Worte auch wirklich zu formen.

„Der eine hat Knöpfe am Rücken“, sagt Esther. „Sag Bescheid, wenn ich dir damit helfen soll.“ Ihr Blick ruht irgendwo auf Pias Gesicht.

Pia nickt. Sie fühlt ihre Wangen beim Gedanken an Esthers Hände an ihrem Rücken schon wieder warm werden. Gut, dass Esther einen halben Schritt hinter ihr durch die schmalen Reihen zurück zur Umkleide geht.

Manchmal überlegt sie, ob sie sich nicht einfach mal wagen sollte, den Blick nicht abzuwenden. Vielleicht auch mal die Hand auf Esthers zu legen, oder ihr einfach mal sagen sollte, dass sie schöne Hände hat. Und nicht nur schöne Hände. Dass sie das Gefühl von Esthers Fingerspitzen auf ihrer Haut mehr als angenehm findet – vielleicht ist das ein bisschen zu viel für den Anfang, auch wenn sie sich relativ sicher ist, dass Esther es auch genießt, diese Zeit hier mit ihr zu verbringen. Sie bildet sich ein, dass Esthers Hände einen Hauch länger als direkt notwendig auf ihrer Haut verweilen, das muss zwar nichts heißen, aber allein der Gedanke an diese Möglichkeit lässt ihr Herz schneller schlagen. Und eine Bestätigung, dass es nicht so wäre – diese Blase will sie nicht platzen lassen, es ist zu schön, sich das Potential auszumalen.

Der Vorhang der Kabine schirmt sie vor den Blicken der anderen ab. Es ist eng, mit Esther zusammen hier drin wäre es schwierig, sich umzuziehen, aber sie würde Esther gerne beobachten, wie sie reagiert, wenn sie sich umzieht. Ob sie ihr helfen würde, mit einem Blick, der zwischen Zuneigung und Verlangen liegt? Wäre es ihr egal? Ersteres würde Pia deutlich besser gefallen. Allein zu sehen, wohin Esthers Blicke wandern würden. Würde sie gucken, sich Zeit nehmen? Pia hätte nichts dagegen.

Der blaue Jumpsuit ist weich und geschmeidig, gleitet über ihre Haut wie Seide. Pia holt tief Luft. Es fühlt sich gut an.

„Esther? Kannst du mir mit den Knöpfen helfen?“ Ein Glück, dass ihre Stimme nicht so belegt ist, wie sie befürchtet hat.

Der dunkle Vorhang bewegt sich und Esther tritt zu ihr. Es ist so dicht, dass Pia den Luftzug spüren kann, sobald sie sich bewegt. Sie sieht im Spiegel, wie Esther stehenbleibt und innehält. Einen langen Augenblick sagt sie nichts, bevor sie ihren Blick von Pias Spiegelbild loslöst. „Bereit?“, fragt sie, und ihre Stimme ist dunkel. Sie räuspert sich.

Pia schluckt und nickt.

Und dann endlich spürt sie Esthers Finger auf ihrer Haut. Die Fingerknöchel streichen knapp unterhalb von Pias Brustwirbelsäule entlang, ziehen den Stoff fester um ihren Oberkörper, ab und an streifen die Fingerspitzen zwischen den Knöpfen über ihre Haut. Pia muss sich sehr zurückhalten, um nicht wohlig zu seufzen. Sie hat beinahe Angst, in den Spiegel zu schauen – falls ihre Augen Esthers dort treffen sollten, würde sie Pias Gefühle dort wie in einem offenen Buch lesen können. Mit geschlossenen Augen kann sie sich eh besser auf Esthers Hände auf ihrem Rücken konzentrieren. Viel zu schnell kommt der Moment, in dem Esther den letzten Knopf über ihrem Kreuzbein schließt und die Hand wegnimmt.

„Dreh dich mal um, Spätzchen.“ Esthers Stimme ist leise. Pias Herz macht einen Sprung. Esthers Augen sind dunkel und warm, ihre Lippen leicht geöffnet, als sie Pia von oben bis unten betrachtet. Sie sagt kein Wort. Ihre Hand hebt sich wie im Trance, streicht über den dünnen Stoff an Pias Schultern. Die Wärme, die von ihr abstrahlt, ist betörend. Als ihre Finger an Pias Hals entlangstreichen, taumelt Pia einen halben Schritt vor, nicht mehr in der Lage, ihre weichen Knie zu kontrollieren. Esthers Augen halten sie gefangen. Ihre Hand ist immer noch an Pias Hals. Sie muss Pias Herzschlag fühlen können, da ist Pia sich sicher.

„Wir schließen in einer halben Stunde, bitte kommen Sie zum Ende!“ Die energische Stimme der einen Verkäuferin ist wie ein Eimer kalten Wassers. Esther tritt einen halben Schritt zurück und lässt ihre Hand sinken. Kurz guckt sie zur Seite, bevor sie wieder Pias Augen findet.

„Du siehst umwerfend aus. Magnifique.“

Pia würde gerne nach Esthers Hand greifen, sie nah zu sich heranziehen, aber der Moment ist vorbei. Sie beißt sich auf die Lippe. Esthers Worte zaubern ihr dennoch ein Lächeln auf die Lippen.

„Ja?“

Etwas gleitet über Esthers Gesicht, etwas Raues, Verlangendes. Dann schnaubt sie. „Jetzt fischst du nach Komplimenten. Schau in den Spiegel, wenn du mir nicht glaubst.“

Pias Wangen werden heiß. Sie wendet den Blick ab und dreht sich wieder in Richtung Spiegel.

Der Jumpsuit passt wirklich wie angegossen. Das dunkle Blau betont ihre Augen und lässt ihr Haar geradezu golden erscheinen. Vielleicht liegt es auch an dem warmen Licht, das hier in der Umkleide scheint, aber ihre Gesichtszüge sind weich und sie fühlt sich, als würde sie strahlen.

„Probier mal aus, ob du dich damit gut hinsetzen kannst.“ Esther scheint wieder etwas Contenance wiedergewonnen zu haben. Sie klaubt Pias Alltagsklamotten vom Hocker in der kleinen Kabine und gestikuliert dorthin. Pia folgt ihrem Fingerzeig.

Auch hier ist der Jumpsuit bequem, sogar tief einatmen geht, nichts drückt oder zwickt.

„Passt“, sagt Pia. „Das einzige Problem ist, dass ich die Knöpfe niemals alleine schließen kann.“ Ihr Blick gleitet zu Esther, dann zu ihrem Spiegelbild, dann zum Boden, bevor sie Esther in die Augen blickt. „Du hast am Pfingstwochenende nicht zufällig Zeit?“

Esthers Augenbrauen schießen überrascht nach oben. „Quoi?“

Pia holt tief Luft. „Ich habe noch kein Plus One eingetragen“, hört sie sich selber sagen. „Es gibt gutes Essen.“ Den Puls spürt sie jetzt bis in die Ohren.

Esther starrt sie eine Weile lang an. „Okay“, sagt sie langsam, „okay. Nein, ich habe noch nichts vor.“

Pia, bei der sich der Magen erst kurz zusammengezogen hatte, als sie das Wort „Nein“ gehört hat, atmet auf. „Du kommst mit?“, fragt sie. Ganz kann sie es immer noch nicht fassen.

Esther schüttelt leicht den Kopf, lacht leise. „Scheint so“, antwortet sie.

„Viertelstunde bis Ladenschluss!“ Wieder tönt die Stimme durch den Vorhang.

Esther seufzt. „Dann dreh dich um, dass wir hier rauskommen, bevor sie unsere Kollegen von der Streife rufen.“ Das Aufknöpfen geht schnell und flüssig. Dann spürt sie Esthers Hand auf ihrer Schulter, als wolle sie ihre Träger abstreifen. Esther scheint kurz zu zögern. „Ich warte draußen auf dich“, sagt sie schließlich. Bevor sie geht, streift ihre Hand langsam über Pias Rücken.

„Bis gleich“, schafft Pia zu antworten. So schnell hat sie sich selten umgezogen. Den Jumpsuit kauft sie, sehr zur Freude der Verkäuferin. Sie will Esther noch auf ein Essen einladen, als Dankeschön für ihre Hilfe, mit dem Potential, dass es sich zu einem richtigen Date entwickelt – da klingelt das Diensthandy. Leichenfund an der Saar, sie müssen arbeiten und schaffen es gerade noch, sich eine Nudelbox beim Asia-Imbiss zu holen. Ein bisschen enttäuscht ist sie schon, aber bei den Blicken, die ihr Esther immer wieder zuwirft, kann sie gar nicht anders, als zurückzulächeln.

Als sie abends irgendwann allein im Bett liegt, kann sie Esthers Hand immer noch auf ihrer Haut spüren. Diese Berührungen heute, diese Blicke - sie kann es kaum erwarten, dass das Pfingstwochenende kommt. Die Leute werden denken, dass sie ein Paar sind, ziemlich sicher. Und Esther wird mit Sicherheit auch unfassbar umwerfend aussehen. Das tut sie immer, in jeder Lebenslage, aber Esther in ihrer eleganten Garderobe? So hat sie Esther noch nie gesehen. Eine neue Seite von Esther, die sie entdecken kann. Würde Esther mit ihr auf der Party tanzen, ihre Hände auf Pias Taille oder ihre Hände in Pias Nacken, wie heute in der Umkleide? Schon wieder pocht ihr Herz mindestens doppelt so schnell. Sie legt ihre Hand dorthin, wo Esthers vorhin an ihrem Hals lag. Die Wärme aus ihrem Bauch breitet sich in ihrem ganzen Körper aus. Pia seufzt sehnsüchtig. An Esthers Seite einschlafen, das wäre schön. Vielleicht ist es ja bald so weit.

Notes:

Bin gespannt zu hören, was ihr dazu denkt!