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Fandom:
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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2016-04-23
Updated:
2016-12-30
Words:
2,693
Chapters:
4/?
Comments:
4
Kudos:
12
Hits:
312

Leichen pflastern (meistens) seinen Weg

Summary:

Eine Oneshot-Reihe über den Gerichtsmediziner Prof. Dr. Karl-Friedrich Boerne, die sich hauptsächlich um Boernes Alltagsleben dreht – trotz (oder gerade wegen) des etwas reißerischen Titels.

Weitgehend ship-freie Zone; der Fokus liegt auf Humor und Wortwitz.

Notes:

Ciao a tutti!

Den Wunsch, wieder mehr im Tatort-Fandom zu schreiben, habe ich schon länger. Das Problem war meine fortgesetzte Ideenlosigkeit bezüglich neuer Geschichten. Dann habe ich fanfiktion.de nach Projekten durchforstet und bin auf „Oneshot-Alarm“ von Pooky aus dem Jahr 2013 gestoßen. Schon beim Durchlesen der Prompts hatte ich einige Ideen fürs Tatort Münster-Universum im Kopf und möchte es deshalb mal mit diesem Projekt probieren.

Für „Oneshot-Alarm“ soll man insgesamt 50 in sich abgeschlossene Oneshots schreiben, die Pookys Prompt-Liste auf http://forum.fanfiktion.de/t/20980/1 der Reihenfolge nach aufgreifen. Eine Deadline dafür gibt es nicht (und wer um das Schneckentempo der Updates bei meiner Krimi-Geschichte „Novemberblues“ weiß, kann sich vermutlich denken, warum ich mir kein Projekt mit Deadline ausgesucht habe...)

Der Fokus der Oneshots soll auf dem Genre Humor liegen, soweit es die Prompts zulassen, und auch bei denen, die es nicht zulassen, möchte ich versuchen, ein wenig Wortwitz einzubringen. Der Humor und die Sprüche sind es schließlich, die mich ins Tatort Münster-Fandom gezogen haben. Ships soll es nicht geben, höchstens ein paar kleinere Anspielungen, die sich z.B. in Richtung Boerne/Alberich oder Boerne/Susanne Clemens interpretieren lassen. Gegen Slash habe ich im Prinzip nichts, kann mir Boerne und Thiel aber beim besten Willen nicht als Liebespaar, sondern nur als so etwas wie Freunde vorstellen.

Cari saluti e buon divertimento!
storica

P.S.: Wenn ich mit dem Titel meiner Geschichte schon den deutschen Filmtitel eines Italo-Westerns aufgreife, möchte ich zumindest Begrüßung und Schlussformel stilecht auf Italienisch halten... ;-)

Chapter 1: Gültig oder ungültig, das ist hier die Frage...

Notes:

(See the end of the chapter for notes.)

Chapter Text

Mit einem triumphalen Lächeln legte Boerne alle sieben Scrabble-Steine auf einmal ab: XANTHEN.

„Das sind sechzehn Punkte“, verkündete er. „Hinzu kommt noch ein Bonus von fünfzig Punkten dafür, dass ich alle sieben Steine auf einmal abgelegt habe, also sind es insgesamt sechsundsechzig Punkte. Eine schöne Schnapszahl, nicht wahr, Thiel?“

Doch, befand er bei sich, es hatte sich wirklich gelohnt, das alte Spiel seiner Mutter, das wohl noch aus den fünfziger Jahren stammen mochte, aus dem Keller zu kramen. Allein schon, um Thiels Wortschatz zu erweitern.

Der starrte ungläubig auf Boernes Scrabble-Wort. Nach ein paar Sekunden hatte er sich wieder gefangen. „Das zählt nicht!“, rief er. „Das ist doch ein Eigenname! Irgendwas aus der Nibelungensage, stimmt’s?“

Noch immer lächelnd lehnte sich Boerne zurück. „Mein lieber Thiel“, sagte er selbstzufrieden, „was Sie meinen, ist der Geburtsort des Helden Siegfried, der der Sage nach aus Xanten am Niederrhein stammte. Diese Stadt schreibt man allerdings ohne h. Das Wort, das ich gelegt habe, ist hingegen Xanthen. Dabei handelt es sich um einen Ether, also eine organische Verbindung, die bestimmten Farbstoffen zugrunde liegt.“

Thiel schüttelte den Kopf und verschränkte protestierend die Arme vor der Brust. „Nee, nee, ich besteh darauf, dass wir das Wort mal im Duden nachschlagen. Sie könnten mir ja sonst was erzählen und ich wäre dann der Dumme, der Sie einfach machen lässt.“

Boerne, der direkt an der Quelle saß, was das Überprüfen strittiger Scrabble-Wörter betraf, nahm das Wörterbuch von der Lehne seines Stuhls, schlug die entsprechende Seite auf und reichte sie Thiel noch immer lächelnd.

„Kristalline Substanz, die die Grundlage bestimmter Farbstoffe bildet“, las Thiel vor. „Okay, Sie hatten wohl doch Recht damit, dass das ein Begriff aus der Chemie ist“, musste er grimmig zugeben. Er notierte sechsundsechzig Punkte für Boerne. „Das ist aber auch echt unfair, wenn Sie beim Scrabble immer Ihre komischen Fachbegriffe legen!“, beschwerte er sich gleichzeitig.

„Tja, Thiel“, sagte Boerne ungerührt, „es hindert Sie niemand daran, auch Fachbegriffe aus Ihrer Arbeit als Polizeibeamter zu legen.“

„Na toll.“ Thiel schnalzte mit der Zunge. „Wie großzügig von Ihnen!“ Seine Stimme triefte vor Ironie. „Im Unterschied zu Ihnen kann ich nicht mit irgendwelchem lateinischen oder griechischen Gedöns glänzen. Ich hab auch keine Zeit, mir so was anzulesen, damit Sie mir nicht irgendwelchen Unsinn als regelkonformes Wort andrehen können!“

„Das ist doch vollkommen in Ordnung, mein lieber Thiel!“, beschwichtigte Boerne seinen Nachbarn und zog sieben neue Steine aus dem Samtbeutel, der von Anfang an zum Scrabble-Spiel seiner Mutter gehört hatte. Da Thiel die Regelkonformität von Boernes Wort angezweifelt hatte, erhielt er nach der Spielvariante, für die sie sich entschieden hatten, keinen Punktabzug, sondern musste eine Runde aussetzen.

„Sehen Sie!“, verkündete Boerne zufrieden lächelnd, als er sein neues Wort an das A von XANTHEN anlegte. „Manchmal ist es überhaupt nicht nötig, über einen besonderen Wortschatz zu verfügen, um sechzehn Punkte zu erzielen.“

Wieder starrte Thiel das Wort an, das Boerne gelegt hatte, diesmal in einer Mischung aus Unglauben und komischer Verzweiflung.

YACHT, war auf dem Spielfeld zu lesen.

Notes:

Pookys Prompt für Oneshot 1: „Im OS muss das ABC in Substantiv-Form vertreten sein; es müssen also mindestens 26 Substantive auftauchen, die das Alphabet abdecken – jawohl, auch X und Y müssen vorkommen ;-) aber die Reihenfolge des Alphabets muss nicht zwingend eingehalten werden“.

Die Substantive, die ich mir für den Oneshot ausgesucht habe, sind: Anfang, Bonus, Chemie, Duden, Eigenname, Farbstoffe, Geburtsort, Helden, Ironie, Jahren, Kopf, Lächeln, Mutter, Nachbarn, Ordnung, Polizeibeamter, Quelle, Recht, Schnapszahl, Thiel, Unsinn, Verbindung, Wortschatz, Xanthen, Yacht und Zeit. Im Gegensatz zu den Scrabble-Regeln schloss Pookys Prompt Eigennamen nicht aus, also habe ich auch ein paar verwendet. ;)

Ein Hinweis für die Scrabble-Spieler unter euch: Ich habe mich an der Punkteverteilung orientiert, die für Scrabble-Standardausgaben zwischen den fünfziger Jahren und 1987 gültig war. Nach der leicht abweichenden aktuellen Punkteverteilung ergäbe „Xanthen“ fünfzehn und „Yacht“ sogar siebzehn Punkte.

Die kleine Shakespeare-Anspielung im Oneshot-Titel ist eine leicht verspätete Hommage im Gedenken an den vierhundertsten Todestag des „Barden“. (Vielleicht auch eine verfrühte, wenn man bedenkt, dass zu Shakespeares Zeit in England der julianische Kalender galt, der Jahrestag nach dem heute geltenden gregorianischen Kalender also eigentlich auf den dritten Mai fiele...)