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Punkt, Punkt, kein Komma, Strich

Summary:

Adam ist kein Freund der großen Worte. Die Kommunikationswege, die er lieber wählt, sind meist sehr einseitig.

Notes:

Zwei Uhr nachts abgenerdet und inspiriert worden. Viel Spaß!

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Dass Morsecode Bullshit war, hatte Adam früh gelernt.
Bereits in der Grundschule, nachdem sie über Notfallsignale aufgeklärt worden waren und er noch am selben Tag eine Taschenlampe im Schrank versteckt hatte.
Damit er, wenn er die Nacht mal wieder darin verbringen musste, die Tür einen winzigen Spalt aufpressen und mit dem emittierten Lichtstrahl Richtung Fenster zielen konnte.
Oder auch einfach so aus dem Fenster, wenn er nicht im Schrank eingesperrt war. Mit stetig kurz aufflammender Hoffnung, sobald ein Polizeiwagen oder überhaupt irgendein Wagen vorbei fuhr.
Kurz, kurz, kurz. Lang, lang, lang. Kurz, kurz, kurz.
S-O-S.

Immer wieder, immer ein klitzekleines bisschen hoffnungsvoll, danach immer enttäuscht.
Leer.
Ungesehen, ungehört, wie das eben war bei ihm.

Das ganze Alphabet hatte er sich angeeignet, ein paar Nummern und Sonderzeichen dazu.

Die SOSs aus der Nacht wurden an schönen Tagen zu H-D-Ls, die er in der Schule auf Leos Handrücken tippte oder im Baumhaus auf welches von Leos Körperteilen eben in erreichbarer Nähe war.

Er hatte keine Antwort erhalten. Nie. Weder auf die Hilferufe, noch auf die Beinahe-Liebesgeständnisse.

In der Polizeischule hatten sie das auch lernen müssen und in der Sekunde, in der Adam herausgefunden hatte, dass Leo auch Polizist geworden war, hatte er sich gefragt, ob der nun verstand.
Ob er jetzt antworten würde, wenn Adam ein schüchternes, zögerliches HDL auf seinen Arm tippte.

Ausprobiert hatte er das nie.

Losgelassen hatte ihn der Morsecode allerdings trotz der ausbleibenden Antworten nicht, und so hatte er Jahre später ILY auf die Arme seiner Freundin getippt, ihr ein hastiges GN8 auf die Wange geküsst, in der Nacht, in der er auch sie verließ.

Die zweite Freundin sowie sein erster Freund hatten sogar ein vollständig ausgetipptes SORRY bekommen, bevor er ohne ein weiteres Wort verschwunden war und die Nummern blockiert hatte.

XO am Lagerfeuer auf Arme gekritzelt, weil die Zeichen für XOXO einfach zu lang waren, um sie auszuschreiben.

KYS gegen seinen eigenen Kopf getippt, immer wieder, manchmal geschlagen, in der Zeit, in der alles dunkel war.
Nicht den Mut gehabt, die Buchstaben überhaupt auszusprechen.

Manchmal war es beruhigend, zu wissen, dass niemand verstand.
Niemand hörte, was er nicht sagte. Sondern tippte, leuchtete, schnipste. Es wurde zur Gewohnheit, irgendwie.

HDLs für Vincent und Moritz, in der Berliner ChaosCop-WG, bis Moritz mal „ich dich auch” gesagt hatte und Adam erschrocken zurückgewichen war.
MYs für jeden Gedanken an Leo, für das Baumhaus, für die warmen Teile Saarbrückens.
MYs für Vincent und Moritz, als er es wieder nach Saarbrücken geschafft hatte.
FUs für Esther, am Anfang. Später nicht mehr, viel später sogar mal ein THX, als sie ihm beim Tragen eines zweiten Bettes in Leos Wohnung half, weil Leo nach den Nachwirkungen der Explosion noch nicht schwer heben durfte.

Über die Jahre hatten sich die verzweifelten Hilfeschreie in genauso verzweifelte Liebes- und Wertschätzungsbekundungen gewandelt. Getippt, nicht ausgesprochen, weil Gefühlsworte immer verloren gingen auf dem langen Weg zwischen Herz, Hirn und Mund.
Weil es einfacher war, wenn man wusste, dass keine Antwort kam.

Auch jetzt würde keine Antwort kommen.
Jetzt konnte er nicht mal schreien, weil ihm mittlerweile die Kraft fehlte, konnte lediglich die Faust kraftlos auf den Boden fallen lassen, in der Hoffnung, irgendjemand fände ihn hier.
Er schaffte nicht mal ein SOS.
Lediglich stetiges Klopfen, bis auch das zu anstrengend wurde.

Das Blut, das aus einer Wunde irgendwo an seinem Kopf strömte, war warm unter seinem linken Zeigefinger.

. - . . , zeichnete er hinein. L.
.
- - -

Der letzte Strich zog eine Spur aus der Lache auf bisher trockenes Holz.
Er erhielt keine Antwort.

Notes:

Adam ist bestimmt nur bewusstlos und wird ganz kurz darauf gefunden und gerettet und so. Ich weiß schon, warum ich normalerweise keine unhappy endings schreibe.

Lasst gern Kudos und/oder Kommentare da! ^^