Actions

Work Header

Rating:
Archive Warning:
Category:
Fandom:
Relationship:
Characters:
Additional Tags:
Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2025-06-30
Words:
1,590
Chapters:
1/1
Comments:
2
Kudos:
22
Bookmarks:
2
Hits:
203

Kartenhaus

Summary:

Ein Anruf mitten in der Nacht.
Ein Moment zwischen Schlaf und Wahrheit.

Manche Dinge lässt man hinter sich. Oder man glaubt es zumindest.
Doch Gefühle kennen keine Ordnung, keine Absprachen. Und sie halten sich nicht an Regeln.

Notes:

Heyy, diese Geschichte ist reine Fiktion. Alle Ereignisse, Gedanken und Gespräche sind frei erfunden und dienen ausschließlich der Unterhaltung.
Danke fürs anklicken dieser Story! Viel Spaß mit diesem zusammengewürfelten Haufen an Emotioen und unausgesprochenen Gefühlen <3.

Work Text:

Ein Vibrieren riss Klaas aus dem Schlaf. Benommen versuchte er das leise Geräusch im Dunkeln zuzuordnen. Er schloss die Augen, öffnete sie wieder. Das Geräusch war noch da. Doris drehte sich in ihrem gemeinsamen Bett von einer Seite auf die andere. Ihm wurde zu warm und er streifte sich die Bettdeck vom Körper. Langsam fing Klaas Gehirn an zu laufen. Er ordnete das vibrieren seinem Handy zu. Es lag auf dem kleinen Tischchen neben seinem Bett. Der Bildschirm wurde dunkel und das vibrieren hörte auf bevor er sehen konnte wer es war.

Er hatte das Handy wie jede Nacht im „Nicht Stören“ Modus. Nur eine Handvoll an Leuten kamen durch diesen Modus und waren als emergency Kontakte berechtigt ihn trotzdem anzurufen. Doris, Thomas, seine Mutter und Joko. 25% davon konnte er aus offensichtlichen Gründen ausschließen, denn sie lag neben ihm. Sein Herz pochte auf einmal schneller. Eine Vorahnung breitete sich in ihm aus.

Immer noch leicht benebelt, aber jetzt wacher, durch das Dringlichkeitsgefühl und die Alarmbereitschaft die in ihm anschwoll stand Klaas so leise wie möglich aus dem Bett auf. Er nahm das Handy und tastete sich zur Tür. Er ging ins Esszimmer und setzte sich an den Tisch ohne das Licht einzuschalten.

Der Mond schien durch die Fenster und lies ihn die wichtigsten Umrisse erkennen. Er kniff die Augen zusammen als er auf das helle Display tippte. 3:24 Uhr. Verpasster Anruf von Joko. Klaas Herz setzte einen Schlag aus und er handelte bevor sein Gehirn hinterher kam. Er legte das Handy an sein Ohr, das Tuten viel zu laut in der Stille. Sein Kopf spielte ihm 5 Sekunden lang alle möglichen Katastrophen Szenarien vor. 5Sekunden zu lang. Joko ging nach zweimal tuten ran. Klaas hielt den Atem an.

„Klausi du rufst mich an“, lallte Joko.

„Joko ist alles okay?“ Klaas versuchte leise zu sprechen. Wollte die anderen nicht wecken.

„Ja natürlich. Warum denn nicht?“ Es war Musik zu hören. Klaas atmete tief durch. Anspannung viel von ihm ab. Joko hatte ihn einfach nur betrunken angerufen. Es war nichts passiert. „Klaas bist du da?“

„Ja… ja ich bin noch da. Warum hast du mich angerufen? War’s ein Versehen?“ Klaas Stimme war rau. Er war müde.

„Nein“, sagte Joko lauter, als er es tun müsste, „Nein ich hab dich mit Absicht angerufen.“

„Joko es ist halb vier Uhr in der Nacht. Ich hab geschlafen.“ Er fuhr sich über das Gesicht.

„Aber jetzt bist du wach.“ Jokos Worte waren schwamming, aber wenigstens konnte er noch die richtigen Fakten darlegen.

„Ja, aber-“

„Warum hast du dein Handy nicht aus wenn du schläfst?“ unterbrach ihn der ältere.

„Weil ich-“ er atmete laut aus „für Notfälle halt.“

„Achso,“ sagte Joko nur.

Klaas stand auf. Aufeinmal rastlos. Er ging in die Küche und öffnete den Schrank, um sich ein Glas zu holen. „Ist das ein Notfall Joko?“

„Ich mag es wie du meinen Namen sagst. Jogo. Mit G und nicht mit K. Das machst nur du. Ich mag das.“ Die Musik wurde leiser.

Klaas hielt kurz in der Bewegung inne. Das hier nahm eine gefährliche Richtung. Er suchte nach einer Lösung. Ließ sich kurz Zeit. Füllte sein Glas mit Wasser und trank einen Schluck. „Du, ich würde jetzt wieder auflegen und weiterschlafen. Geh mal zurück zu den Leuten mit denen du auf der Party bist.“

„Ich bin alleine hier. Die anderen sind schon gegangen.“

„Dann ruf dir ein Taxi.“

„Nein ich will noch nicht gehen.“

„Warum hast du mich angerufen Joko?“ Klaas wurde ungeduldig.

„Ich… Klaas ich-“

Klaas hörte Joko atmen. Er wartete. Wartete was sein Kollege ihm gerade nicht sagte.

„Klaas ich vermisse dich.“ Klaas war mittlerweile hellwach. Jokos Worte kamen schnell und gelallt. Aber er
sprach leiser als es er davor getan hatte. Klaas wollte schreien. Er wollte rennen. Aber er wollte auch schweigen und sich einfach wieder hinlegen. Sie hatten doch eine sichere Distanz zwischen ihnen aufgebaut. Sie hatten dieses Thema hinter sich gebracht. Ein Kartenhaus hatten sie sich aufgebaut. Unausgesprochene Regeln.

„Wir haben uns letzt Woche erst noch gesehen.“ Einfach weiter Fakten darlegen. Rational denken. Gehirn an. Herz aus.

„Nicht so,“ flüsterte Joko.

Klaas schloss die Augen. Atmete tief durch. Sagte nichts. Stellte das Glas in die Spüle. Setzte sich wieder an den Tisch. Fuhr sich durch die Haare. Raufte sich die Haare. Zog kurz leicht an ihnen.

„Mehr Klaas. Ich vermisse unser mehr. Ich vermisse dich.“

Klaas rieb sich mit der Hand über die Augen. Schluckte. Versuchte die Worte an sich abprallen zu lassen. Rational. Was war die Sachlage? „Joko du bist betrunken.“

„Na und? Ich vermisse dich auch wenn ich nicht betrunken bin.“

Unfair. Das war so unfair. Joko brach gerade alle ihr ungesagten, aber gut aufgebauten Regeln.

Klaas hielt stur an seiner rationalen Taktik fest. „Du bist in München. Da wolltest du sein. Ich bin in Berlin. Wir sehen uns bei der nächsten Aufzeichnung wieder. Die ist schon übernächste Woche.“

Joko schnaubte, „Das reicht mir nicht.“

„Du hast dich entschieden nach München zu ziehen. Du hast dich gegen-“ Klaas beendete den Satz nicht. Drehte sich um. Die Schlafzimmertür war noch geschlossen. Er stand auf und ging auf die Terrassentür zu. Kalte Sommernachtsluft kam ihm entgegen.

„Klaas mein Herz tut weh.“

Klaas war froh das er Joko gerade nicht sah. Hätte den Ausdruck in seinen warmen braunen Augen jetzt nicht ertragen. „Du hast das morgen wieder vergessen. Du bist betrunken. Du solltest nicht weiter reden.“

„Du redest in ganz schön vielen Du Botschaften. Du musst dies, du musst das. Ich kann nicht mehr Klaas.“

Klaas lief langsam auf und ab. Er wollte dieses Gespräch nicht nochmal führen. Nicht nach so langer Zeit. Das lag alles hinter ihnen.

„Dein Herz wird morgen wieder aufhören weh zu tun. Es wird besser werden. Ist es immer.“

„Das geht garnicht. Ich hab nur die Hälfte meines Herzens bei mir.“ Warum wurde Joko immer so philosophisch wenn er betrunken war?

„Das macht keinen Sinn“, flüsterte Klaas genervt. Er war nicht genervt, er machte sich Sorgen. Sorgen was Joko als nächstes Sagen würde. Sorgen das er ihr ganzes mühsam aufgebautes Kartenhaus mit einem Hauch in sich zusammenfallen ließ.

„Frag mich wo die andere Hälfe meines Herzens ist,“ flehte Joko.

„Nein.“ Klaas blieb stur. Er stellte sich vor das Kartenhaus, schützte es mit seiner ganzen Willenskraft vor dem Windhauch, den er schon auf seiner Wange spüren konnte.

„Du hast sie. Die Hälfte meines Herzens. Man müsste denken ich könnte mit nur einem halben Herzen nicht leben. Eigentlich müsste ich verbluten oder so. Aber ich kann damit leben. Aber es tut weh. Es tut so weh.“ Joko‘s Stimme brach.

Der Windhauch traf das Kartenhaus und mit einem mal riss er alle Karten ein. Klaas war vollkommen wehrlos. Alles fiel in sich zusammen. Klaas stemmte sich dagegen, wollte nicht das es auseinanderbrach. Es half nichts.

Klaas Augen brannten. Dachte er müsste nie wieder solche Worte von Joko hören. Wollte doch nur das dieser auch mit seinem Leben weiter machte. So wie er es auch getan hatte. Er dachte München wäre Joko‘s Heilung gewesen. Wie naiv er war das einfach so zu glauben. Einfach so die Augen vor der Wahrheit und vor allem zu verschließen. Alle Gefühle, alle Erinnerung. Alles. Es war alles noch da.

„Klaas?“

Klaas riss sich zusammen. Er musste. Für Joko. „Ja. Joko bitte geh nachhause.“

„Ich kann nicht.“ Es waren Schritte zu hören.

„Läufst du grade nachhause?“

„Ich weiß nicht.“

„Verdammt Joko, bitte kooperier doch mal. Ruf jemanden an der dich abholt.“ Klaas fühlte sich so hilflos. Er war so weit weg. Er konnte nichts tun.

„Nein ich lauf lieber, ich weiß wo es langgeht.“

Klaas gab auf. Er lies sich auf einen Gartenstuhl fallen. „Okay ich bleib dran bist du sicher daheim angekommen bist.“

Joko schnaubte erneut „Daheim…“ Er sprach das Wort so verächtlich aus.

Kurz waren nur Schritte zu hören. Klaas starrte den Mond an. Sterne waren keine zu sehen. „Es ist so lange her das ich das letzte mal Sterne gesehen habe. Ich muss mal wieder weiter aufs Land fahren.“ Er wusste nicht warum er das laut aussprach. Wollte vielleicht einfach das Gespräch mit Joko aufrecht halten. Wissen das er ihn nicht verlor. Das er nicht einfach so entglitt.

„Ja ich seh hier auch keine Sterne. Aber der Mond scheint voll hell. Sieht ziemlich cool aus. Nur er am Himmel.“

Klaas blickte weiterhin den Mond an. „Ja, das stimmt.“

„Es ist derselbe Mond den wir grade anschauen obwohl wir so weit entfernt sind voneinander.“

Ein amüsierter Laut entfuhr Klaas. Er sparte sich irgendwelche besserwisserischen Kommentare, „ja“ sagte er nur sanft.

„Das tröstet mich irgendwie,“ sagte Joko, mittlerweile viel weniger lallend.

Mich nicht, dachte Klaas. Eine Träne tropfte auf seinen Handrücken. Wann er aufgegeben hatte gegen die Tränen zu kämpfen wusste er nicht.

„Es tut mir leid das ich alte Wunden wieder aufgerissen hab,“ sagte joko leise. Klaas schluckte nur. Wischte sich übers Gesicht. Es brachte nichts. Der Damm war gebrochen. „Ich bin jetzt am Haus.“ ein Schlüsslklappern war zu hören.

„Gut.“ Es war mehr ein Krächzen als ein Wort.

„Danke das du drangebliebn bist.“

Klaas wusste nicht was er sagen sollte. Er wusste nicht was er fühlen sollte. Er wusste garnichts mehr.

Am anderen Ende rauschte ein Wasserhahn. Joko war sicher. Er war daheim. Er trank Wasser. Er würde schlafen gehen. Morgen würde er einen Kater haben. Aber egal. Die Gefühle würde er wieder in die hinterste Ecke schieben. Und alleine, und vielleicht auch irgendwie gemeinsam, würden sie das Kartenhaus wieder aufbauen. So malte Klaas es sich aus. So würde es sein. So musste es sein.

„Gute Nacht Joko.“

„Gute Nacht Klaas.“