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Characters:
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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2025-08-01
Completed:
2025-09-29
Words:
56,613
Chapters:
22/22
Comments:
102
Kudos:
132
Bookmarks:
10
Hits:
2,489

Der verschwundene Vogel

Summary:

Kurz vor seiner letzten Prüfung am Ende seines ersten Jahres an der Universität erhält Bob einen Anruf aus Malibu. Dem seltsamen Mr. Speckle wurde ein teures Sammlerstück gestohlen. Kurz darauf finden die drei Detektive sich tief in einem Fall mit unzähligen Verdächtigen und wenigen Spuren. Eigentlich kein Problem, denn bis jetzt haben sie jeden Fall gelöst. Aber zwischen der Hitze des kalifornischen Sommers, seinen Selbstzweifeln und seinen verwirrten Gefühlen ist Bob sowieso schon überfordert. Wie lang kann er seine Probleme ignorieren, ohne seine Freunde im Stich zu lassen?

Chapter 1: Hitze

Chapter Text

Sein Magen knurrte. Er verspürte seit einiger Zeit ein dumpfes Hämmern hinter seiner Stirn und seine Haut war trotz der Klimaanlage in der Bibliothek klebrig vor Schweiß. 

Den ganzen Tag hatte Bob hier verbracht, in der Hoffnung, er wäre produktiver als in seinem Wohnheimzimmer. 

Ihm stand dieses Semester nur noch eine Prüfung bevor, allerdings war es bei dieser Hitze schwer sich zu bewegen, geschweige denn zu lernen und er hatte sowieso seit zwei oder drei Tagen das Gefühl, jegliche neuen Informationen würden von seinem Hirn abprallen. 

Solche Tage waren eher dafür gemacht, um sich entweder in einen dunklen, kühlen Raum zurückzuziehen, oder, wie Peter wahrscheinlich gerade, am Strand zu sein. 

Es war nun beinahe Abend, als Bob sich mit einem Blick auf seine Uhr und einem Seufzen dazu entschloss, das Lernen für heute aufzugeben. Er packte seine Sachen in seinen Rucksack, stand auf und bahnte sich seinen Weg durch die deckenhohen Bücherregale zum Ausgang. 

Als sich die automatische Tür nach außen öffnete, wurde er von einer Welle warmer Luft überrollt. 

Kurz überlegt er ernsthaft, auf der Stelle umzudrehen und sich den Rest der Woche auf den kühlen, fensterlosen Toiletten der Unibibliothek einzuschließen. Keine Prüfung, keine Hitze. Vielleicht konnte er sich Pizza hierher bestellen. Für eine Woche nichts tun, nur dasitzen, seinen Kopf gegen die kühlen Fliesen gelehnt, keine lästigen Gedanken… Fast wie Urlaub. Der Stress hatte definitiv Auswirkungen auf seine logische Denkfähigkeit.

Er machte schließlich doch einen Schritt nach draußen. Der Wind fuhr wie ein Föhn durch seine Haare und hatte überhaupt gar keine kühlende Wirkung. 

Als die Tür schließlich hinter ihm mit einem entschlossenem Klick ins Schloss fiel, machte er sich auf den Weg zu seinem Wohnheim, darauf bedacht, möglichst schnell aus der direkten Sonne zu kommen. 

Viele Studenten waren zu dieser Zeit nicht auf dem Unigelände unterwegs. Die, die sich doch hinaus getraut hatten, lagen in kleinen Gruppen im Schatten der wenigen Bäume und wedelten sich mit Büchern, Heften und Fächern Luft zu. 

Bob stellte sich vor, wie er ebenfalls dort unter den Bäumen saß, mit einem Buch und am besten mit einem großen Standventilator, auf der höchsten Stufe. 

Sommer in Kalifornien waren schon immer furchtbar heiß gewesen, aber wenn man zur gleichen Zeit auch noch für die Prüfungen lernen musste, erreichte die Qual einen neuen Hochpunkt.

Sein Handy klingelte und riss ihn aus seinen Träumereien. Im Laufen warf er einen Blick auf das Display, die Nummer war ihm jedoch unbekannt. Mit gerunzelter Stirn nahm er den Anruf an. 

“Bob Andrews”, meldete er sich. 

“Guten Abend, mein Name ist Archibald Speckle.” Die Stimme am anderen Ende der Leitung war dünn und ein wenig heiser. “Ich versuche, gewisse Detektive zu erreichen, ich habe die Nummer von einem Freund erhalten", fuhr der Mann fort.

Die verdammte Telefonumleitung. Bob fluchte in Gedanken, entgegnete aber trotzdem mit seiner höflichsten Telefonstimme: “Da sind Sie hier richtig, wie kann ich Ihnen helfen?” 

Mr Speckle schien tief zu seufzen. ”Ein sehr wertvoller Gegenstand wurde in der letzten Woche aus meinem Haus entwendet und-” Seine Stimme kippte. 

“Was wurde denn gestohlen?”, fragte Bob. “Ach”, der Mann redete nun schneller, ”ich möchte das eigentlich wirklich ziemlich, ja, sehr ungern alles am Telefon erklären. Könntet ihr nicht vorbei kommen und ich- ich zeige euch den Tatort und gebe euch alle Details?” 

Bob verdrehte die Augen. “Ja, das lässt sich sicherlich einrichten. Wie passt es Ihnen, ähm…”, er überlegte, ”morgen Vormittag?” 

“Sehr gut, das passt wirklich sehr gut.” Mr Speckle klang nun noch aufgekratzter. 

Er gab Bob eine Adresse in Malibu, die dieser sich im Laufen auf seinen Notizblock kritzelte, während er sein Handy mit der Schulter fest klemmte, und legte anschließend auf, nachdem er sich noch ungefähr sieben mal bedankt hatte.


Bob erreichte schließlich endlich sein Wohnheim und verzog sich so schnell er konnte in sein Zimmer. Seinen Rucksack schmiss er in die Richtung des Bettes, schnappte sich ein Handtuch und ein paar frische Klamotten und verließ sein Zimmer wieder. 

Er schlüpfte in den Waschraum direkt gegenüber von seinem Zimmer und schloss sich in eine der Kabinen ein. Unter dem Wasser, das im Wohnheim immer spontan zwischen lauwarm und eiskalt hin und her wechselte, wusch er sich den Schweiß von der Haut und aus den Haaren und fühlte, wie er sich langsam ein wenig abkühlte. 

Mit geschlossenen Augen stand er unter dem Wasser und stellte sich vor, was er alles tun konnte, wenn diese letzte Prüfung erst vorbei war. Lesen zum Spaß, Filme schauen, die tatsächlich Spaß machten, vielleicht zum Strand gehen, seine Eltern besuchen, etwas mit Justus und Peter unternehmen…

Ein Schwall kaltes Wasser riss ihn aus seinen Gedanken und holte ihn auf den Boden der Tatsachen zurück. Er war immer noch im Wohnheim, es war immer noch heiß, seine Prüfung stand immer noch bevor. Wieso erschien alles andere immer so viel mehr Spaß zu machen, wenn man wirklich keine Zeit hatte?

Zurück in seinem Zimmer, schaltete er den kleinen Ventilator auf seinem Schreibtisch ein. Dieser begann, sich hin und her zu drehen und brachte die Luft im Raum ein wenig in Bewegung. 

Das Rollo war immer noch wie am Morgen runtergelassen und der Raum dadurch ziemlich düster. Nur ein schmaler Lichtstrahl malte eine Linie vom Schreibtisch zur Tür. 

Bob ließ sich mit seinem Handy in der Hand aufs Bett fallen, doch natürlich klopfte es nur ein paar Sekunden später an seine Tür. Grummelnd erhob er sich wieder und schaute durch den Türspion. Auf der anderen Seite erspähte er den ersten Detektiv. 

Er öffnete. “Justus!” begrüßte er seinen Freund mit einem müden Lächeln und hielt ihm die Hand zu einem High-Five hin. 

Justus war ebenfalls leicht verschwitzt, seine Wangen ein wenig gerötet. Er zögerte, schlug dann doch ein. “Hallo, Kollege. Ist unser Zweiter etwa noch nicht da?” Er schob sich an Bob vorbei ins dunkle Zimmer. 

“Äh, nein, ich dachte, ihr kommt wohl zusammen…” , erwiderte Bob. “Er wird uns doch wohl nicht vergessen haben.” 

“Das hoffe ich ja wohl auch, ich habe nämlich einen Bärenhunger.” Justus ließ sich auf dem Schreibtischstuhl nieder. 

Bob schloss die Tür wieder und schmiss sich erneut aufs Bett. "Na, kommst du direkt vom Schrottplatz?"  Justus nickte. “Wie geht es Tante Mathilda und Onkel Titus?” fragte Bob, die Augen geschlossen und das Gesicht zur Decke gewandt. Sich aufs Bett zu legen, war ein Fehler gewesen, denn jetzt drohte ihn sofort wieder die Müdigkeit zu übermannen, die ihn schon seit einer geschlagenen Woche verfolgte.

“Ganz gut”, antwortete Justus. ”Sie lassen grüßen. Tante Mathilda hofft, dass ihr bald mal wieder vorbeikommt. Sie hat auch Kirschkuchen versprochen." 

Bob grinste. “Solange wir bei der Hitze nicht zur Arbeit verdonnert werden.” 

“Dafür kann ich nicht garantieren.”

"Also, als Arbeitskräfte vermisst sie uns wahrscheinlich sehr”, sagte Bob mit einem Seufzen. Und prompt klopfte es wieder an die Tür. 

“Ja?” fragte Justus laut, bequemte sich aber nicht, aufzustehen. 

"Pizza-Lieferung!" rief eine bekannte Stimme von draußen. 

"Herein", sagte Bob mit einem Schmunzeln. 

"Ihr müsste mich schon reinlassen, Kollegen, ich habe keine Hand frei", entgegnete die Stimme von draußen. Bob stützte sich auf seine Ellbogen, während Justus die Tür öffnete. 

Peter. 

Er stand im Flur mit einem leuchtenden Lächeln auf den Lippen, balancierte drei Pizzakartons auf einem Arm und hielt in seiner anderen Hand eine Tüte mit Coladosen. Auch ihm war sichtlich warm, aber bei ihm sah das auf diese, wie Bob fand, unausstehliche Art sogar irgendwie richtig aus. Und gut. 

Die Schweißperlen auf seiner Stirn sahen aus, als gehörten sie zu seinem Outfit. Seine Wangen hatten ein wenig mehr Farbe als gewöhnlich. Seine Haare waren ein bisschen durcheinander vom Wind. 

Wäre Peter nicht endlich an Justus vorbei ins Zimmer getreten, hätte Bob seinen Blick wahrscheinlich stundenlang über sein Gesicht gleiten lassen können, um sich jedes Detail ganz genau einzuprägen. Den Effekt hatte Peter einfach auf ihn.

Justus nahm dem Zweiten die Pizzakartons ab und stellte sie auf den Tisch. 

Während Bob seine Beine über die Bettkante schwang und sich aufsetzte, fischte Peter eine der Dosen aus der Tüte. Ehe dieser reagieren konnte, drückte er sie Bob in den Nacken. 

"Peter!" quietschte er, als sich das eiskalte Metall gegen seine Haut presste. Er duckte sich weg und wand die Dose aus Peters Griff, dessen Grinsen noch ein wenig breiter geworden zu sein schien. 

Mit einem misstrauischen Seitenblick auf seinen besten Freund, schob er sich mit der Dose in der Hand auf dem Bett weiter zurück, bis er mit dem Rücken an der Wand lehnte. 

Justus hatte seinen Pizzakarton schon geöffnet und verspeiste das erste Stück. Peter reichte Bob einen Karton und setzte sich dann neben ihn aufs Bett. Auch sie begannen zu essen. Ein paar Minuten herrschte Stille, abgesehen von dem leisen Surren des Ventilators.

Bob genoss diese Momente. Seit sie alle studierten, hatten sie versucht, mindestens alle zwei Wochen gemeinsam Pizza zu essen, egal wie hektisch ihre Leben geworden waren. Und tatsächlich hatten sie die letzten paar Wochen recht wenig voneinander gesehen. Alle waren mit den Prüfungen beschäftigt gewesen, Peter zusätzlich mit der Fußballmannschaft, und Justus mit unzähligen anderen Projekten, die er "nebenbei, zum Spaß" machte.

Aber jetzt waren sie hier, in Bobs Wohnheimzimmer, da er als einziger sowohl auf dem Campus wohnte als auch ein Einzelzimmer hatte. Justus auf dem Schreibtischstuhl und Bob und Peter, Schulter an Schulter, auf dem Bett.

Doch plötzlich wurde Bob viel zu bewusst, wie nah sie beieinander saßen. Peters Ellbogen streifte seinen, als er den Arm bewegte und ihre Oberschenkel waren so nah, dass Bob die Wärme, die von Peter ausging, spüren konnte. 

Es wäre vor ein paar Monaten komplett normal gewesen, vielleicht hätte Bob sich auch tief im Inneren darüber gefreut, aber jetzt bildete sich ein Kloß in seinem Hals. Irgendwie passierte das andauernd seit diesem einen Tag am Strand. 


Peter hatte sich mit ein paar Freunden zum Surfen am Strand in Rocky Beach verabredet. Bob, der keine Lust hatte, den Tag im Halbdunkel in seinem Zimmer im Haus seiner Eltern zu verbringen, ließ sich von Peter überreden und begleitete ihn. 

Während die anderen sich in die Wellen warfen, saß er auf einer Düne und sah zu. 

Es war einer dieser Tage, an denen Bob das Gefühl hatte, seine Gedanken hörten nicht auf, sich zu drehen. Immer und immer wieder schossen ihm die gleichen Wortfetzen und Sorgen durch den Kopf, und auch auf die Wellen und die Surfer zu starren, was normalerweise einen leicht hypnotisierenden Effekt auf ihn hatte, half nicht. 

Bob kramte in seiner Hosentasche nach seinem Notizblock, warum wusste er auch nicht. Vielleicht, um sich mit alten Fällen abzulenken oder neue Ideen aufzuschreiben, in der Hoffnung, etwas Ordnung in seine Gedanken zu bringen. 

Als er den Kugelschreiber auf das Papier setzte, entstanden allerdings keine Worte. Stattdessen formten sich aus ein paar Strichen die Wellen, die er vor sich sah, und darüber die wenigen Wolken. Alles ohne dass Bob so wirklich darüber nachgedacht hatte. Frustriert schlug er die Seite um.

Er zwang sich, an etwas anderes zu denken, aus dem Moment zu entkommen. Er stellte sich einen anderen Strand vor. Einen mit großen, schroffen Felsen, die aus dem Wasser ragten. Als er den Stift vom Papier nahm, waren es keine Felsen, die er sah. 

Es war Peter. 

Unverkennbar war es seine Silhouette, zwischen Wellen und Wolken. Seine Haare vom Wind zerzaust, die Linie seiner Nase und seine Lippen, sein Kinn, sein Kiefer und sein Adamsapfel und- 

Bob schlug den Block zu. Genau das hatte er verdammt nochmal nicht gewollt. 

Er starrte wieder auf das Meer und den Himmel und versuchte alles andere auszublenden. Aber vor seinem inneren Auge sah er wieder und wieder Peters Gesicht und seine Haare und seine verdammten leuchtenden Augen, wie sie ihn, Bob, ansahen und wie er lachte. Und Bob war einfach so verliebt in Peter. 

Und genau das war er. Der Gedanke, mit dem es anfing. 

Nicht, dass Bob nicht schon eine Weile klar gewesen war, was Sache war. Er wusste, wie seine Gefühle mit ihm durchgingen, wenn er verliebt war. Er hatte einen guten Kampf abgegeben, denn immerhin war bei Peter für die meisten Außenstehenden nicht klar, wo genau die Grenze zwischen platonisch und romantisch lag. 

Aber Bob kam bisher damit klar, er kannte Peter bereits so lang, dass es für ihn komisch gewesen wäre, wenn Peter nicht dauernd seine Hand nahm, ihn umarmte, oder spaßhaft mit ihm flirtete. Trotzdem, oder vielleicht auch genau deswegen, schlug ihm die Realisation, dass er quasi darauf reingefallen war, unsanft wie ein Vorschlaghammer ins Gesicht.

Bis jetzt war es, als hätte sein Unterbewusstsein eine Art Geheimnis vor ihm gehütet, etwas, das er zwar fühlen konnte, aber nie explizit gedacht hatte. Als hätte er jedes Mal die Stimme in seinem Kopf unterbrochen, bevor sie es sagen konnte. Heute aber war die Stimme schneller als er. Und jetzt hatte er den Salat. 

Er konnte nicht aufhören, darüber nachzudenken. Fast krampfhaft versuchte er zu ergründen, wann oder viel mehr warum das Ganze angefangen hatte. Denn, dass Peter attraktiv war, war ihm lang klar gewesen, aber immerhin waren sie seit Ewigkeiten befreundet. 

Es wäre einfach gewesen, den Tag am Strand dafür verantwortlich zu machen. Immerhin wäre die Kombination Peter und Sonne und Strand ein guter Grund gewesen, sich in ihn zu verlieben. Oder vielleicht der Stress unter dem Bob stand, so eine Art emotionale Verwirrung. Beides waren einfache Erklärungen. Zu einfach, wahrscheinlich. 

Außerdem war das ja auch nicht das einzige Problem, dass Bob an der Sache finden konnte. Für Tage danach drehten sich seine Gedanken sich jetzt noch wilder um einige ungeklärte Fragen und sein Gehirn ließ ihm einfach keine Ruhe. 

Warum bin ich in meinen besten Freund verliebt? Was mache ich, wenn ich in meinen besten Freund verliebt bin? Was muss ich machen, um nicht mehr verliebt zu sein? Bin ich ein schlechter Freund, weil ich mich in meinen Freund verliebt habe? 

Wäre nicht allein der Gedanke daran, seine Fragen in die Suchmaschine einzugeben, für Bob zu peinlich gewesen, hätte er Stunden damit verbringen können. Als Recherche quasi.

Einen wirklichen Plan, wie er jetzt mit sich, der Situation und mit Peter umgehen sollte, kristallisierte sich bei seinen Überlegungen auch nicht wirklich heraus. Er konnte wohl kaum einfach auf seinen besten Freund zugehen und es ihm erzählen. 

"Hey Peter, ich wollte nur sagen, dass ich mich in dich verliebt habe und…" Und was? Nein, so ging das auf keinen Fall. Allein bei dem Gedanken, mit Peter so ein Gespräch zu führen, drehte sich Bobs Magen um, weshalb er in seinen Grübeleien auch nie über diesen einen Satz hinauskam. 

Ihre Freundschaft war ihm wichtiger als so ziemlich alles andere und nach ein paar Tagen war er zu der festen Überzeugung gekommen, dass sein kleiner Crush sich bestimmt wieder von selbst verflüchtigen würde. Er würde nichts tun, was die freundschaftliche Beziehung zwischen ihm und Peter in Gefahr bringen würde.  

Er durfte mit niemandem darüber reden. Das Risiko, die Nachricht könnte irgendwann bis zu Peter durchdringen, war einfach zu hoch.

Er musste so tun, als wäre alles wie immer. Kein Zusammenzucken, kein Rotwerden, kein peinliches Stottern. Wenn irgendjemandem, oder sogar Peter selbst, auffiel, dass mit Bob etwas nicht stimmte, würde alles auffliegen.

Und, und das war vermutlich auch der wichtigste Punkt, auf keinen Fall durfte Justus bemerken, was in Bob vorging. Der erste Detektiv hatte ein Händchen dafür, Sachen zu bemerken, die den anderen nicht auffielen und manchmal hatte Bob das Gefühl, Justus wusste, was Bob dachte, bereits bevor er selbst es gedacht hatte. 

Wenn Justus irgendwie herausfand, dass Bob sich gerade in Peter von allen Leuten verliebt hatte, würde das die Gruppendynamik unweigerlich verändern. Und Bob wünschte sich mehr als alles andere, dass sich nichts veränderte.


Aber es war, als hätte jemand einen Filter vor die Kamera geschoben und jetzt sah Bob alles in einem anderen Licht. Nicht unbedingt ein schlechteres Licht, aber auch nicht wirklich besser. Ihm war plötzlich bewusst, wie oft er seinen besten Freund schamlos anstarrte. Und wie oft sie sich im Alltag berührten. 

So wie gerade. Und auch wie gerade, hatte Bob immer häufiger das Gefühl, andere um sie herum, vor allem Justus, wussten, worüber er nachdachte. Als wären seine Gedanken auf seine Stirn geschrieben. 

Vielleicht wäre es hilfreich gewesen, denn wenigstens müsste er dann keine Geheimnisse vor seinem besten Freund halten und wüsste, woran er war. Ein saurer Geschmack breitete sich in seinem Mund aus. Bildete er sich das ein oder schaute Justus häufiger als sonst zu ihm herüber?

Er räusperte sich. "Ich habe heute übrigens", er biss von seinem Stück Pizza ab und fuhr mit vollem Mund fort, "einen Anruf erhalten. Von einem gewissen Mr. Speckle. Potenzieller neuer Fall." Er zog die Augenbrauen hoch. 

"Wirklich?" Justus Augen leuchten auf. "Worum geht es denn?" 

Bob erzählte von seinem Gespräch mit Mr. Speckle. 

"Na, das ist ja reichlich geheimnisvoll", meinte Peter skeptisch und nahm einen Schluck von seiner Cola. Bob erwischte sich dabei, wie sein Blick sich auf Peters Hals heftete und die Bewegungen seines Adamsapfels verfolgte, als er schluckte. Nicht starren!

"Dann schlage ich vor, Kollegen, wir fahren morgen nach Malibu und schauen uns die Situation persönlich an. Einwände?" Justus schaute die anderen beiden erwartungsvoll an. Peter schüttelte den Kopf. 

Auch Bob stimmte zu. "Alles, was mich aus der Bibliothek rausholt, ist mir recht."