Work Text:
Manchmal kam es Adam vor, als schlüge sein Herz nicht für seinen Körper, vielleicht nicht einmal in seiner eigenen Brust.
Fremd wirkte sein Puls, das dumpfe Klopfen, als gehörte es hinter Rippen, die nicht seine waren.
Womöglich lag das teilweise daran, dass es ihn des öfteren überraschte, wie lebendig er war und wie stark sein Herz pochte.
Wie stark er mittlerweile dafür pochte, lebendig zu sein.
Die kleinen Momente waren es meist, in denen er das bemerkte. Wenn Esther ihm lächelnd Hörnchen anbot, ganz ohne Hintergedanken.
Wenn er nachts um drei eine Nachricht von Pia bekam, weil er nicht schlafen konnte und sie auch nicht und es dann, zwölf Reels und vier ernste Nachrichten später, irgendwie trotzdem funktionierte.
Und so ziemlich jeder schöne Moment mit Leo, die sich in letzter Zeit zu häufen schienen.
Eine warme Hand auf Adams Unterarm und ein „komm mit nach Hause”, wo er normalerweise allein (oder mit Pia) Nachtschicht geschoben hätte. Belegte Brötchen, die immer mal wieder plötzlich auf seinem Schreibtisch lagen, wenn er das Essen vergaß, und ab und zu ein Post-It mit fein säuberlich handgeschriebenen, liebevollen Nachrichtchen.
Da klopfte sein Herz immer mal wieder ein wenig heftiger oder stolperte gar ganz, und obwohl das schön und ein bisschen kribbelig war, war es oft auch ein wenig seltsam.
Dieses Herz, das sein Vater versucht hatte, zu verderben und er selbst versucht hatte, zu verbrennen und einzumauern, sprang und tanzte in seiner Brust und leuchtete in allen Farben des Regenbogens.
Oft meldete sich da immer noch ein kleines schwarzes Stimmchen. Versuchte vehement, ihm zu erzählen, dass er das nicht verdiente. Dass die Buntheit, die Schönheit, temporär war und es ohnehin bald wieder schlimm werden würde, aber es wurde immer einfacher, sie wegzuschieben.
Denn je länger dieses Herz so lebendig war, desto einfacher wurde es, sich daran zu gewöhnen, dass es seins war.
Solange es klopfte, durfte er leben und solange er lebte, hatte er Zeit.
Genug Zeit, um Dinge richtig zu machen, um zu lachen und zu fühlen und dafür, sich zu fragen, ob sein Herz jemals ganz seins sein würde.
Und wenn sich sein Herzschlag mit Leos mischte, weil sie so ineinander verschlungen waren, dass die Grenze verschwamm, gab es ohnehin kein „seins” mehr. Er gehörte Leo und der ihm, und Leos Puls gab seinem Herzen den Takt vor und alles verfloss ineinander.
Metronom für den jeweils anderen, und ein Herz in zwei Körpern.
