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Kapitel 1 – Unter Seide verborgen
Tony POV
Das Tablett in meinen Händen ist schwerer, als es sein sollte. Silber, bestickt mit dem Wappen, das meine gesamte Welt repräsentiert. Macht. Kontrolle. Furcht. Doch hinter der Tür, die ich nun öffne, zählt keines von diesen Dingen.
Der Raum ist dunkel, nur die leisen Schatten der Stadtlichter tanzen über die teuren Möbel. Das Bett aus schwarzem Mahagoni, überzogen mit dunklen Seidenlaken, ist wie ein Thron – und doch liegt darin mein König, nein, mein Schatz. Zusammengekauert. Atmend, unruhig.
„Peter,“ flüstere ich, als ich das Tablett auf dem Nachttisch abstelle. Er rührt sich nicht. Ich trete näher. Die Seide verrät es – wie sie feucht an seiner Stirn klebt. Fieber. Mein Herz zieht sich schmerzhaft zusammen.
Die Mafia würde mich schwach nennen, wenn sie mich so sähen. Den gefürchteten Superior Iron Man, gebrochen durch ein Kind, das kaum in diese Welt passt. Doch sie wissen nicht, dass meine Stärke hier beginnt. Bei ihm. Bei dem ungeborenen Mädchen, das er unter seinem Herzen trägt.
Ich ziehe die Decke vorsichtig zurück. Peters Wimpern zucken, sein Atem stockt. Ich lege die Hand an seine Stirn. Verdammt heiß. Viel zu heiß. Die Kälte meiner Finger entlockt ihm ein schwaches Geräusch, fast ein Wimmern.
„Shh, Baby,“ murmele ich. „Ich bin hier. Ich kümmere mich.“
Ich setze mich an seine Seite, mein Blick bleibt an seinem Gesicht hängen. Fieber ist kein Feind, den man einfach erschießt. Und trotzdem werde ich ihn besiegen – so wie alles andere. Für ihn.
Peter POV
Etwas Kühles auf meiner Stirn zieht mich aus dem fiebrigen Halbschlaf. Meine Lider sind schwer, doch ich erkenne ihn sofort. Die Stimme. Tief, vertraut, gefährlich für jeden anderen – aber für mich der einzige sichere Ort.
„Tony…“ Meine Stimme klingt rau, brüchig. Ich versuche, mich zu bewegen, doch mein Körper protestiert. Wärme brennt in meinen Knochen, Hunger nagt an mir, und gleichzeitig ist mir übel.
Ich spüre, wie er sich neben mich setzt. Das Gewicht der Matratze verändert sich. Seine Präsenz füllt den Raum – nicht wie eine Drohung, sondern wie ein Schutzschild.
„Ruh dich aus, Peter,“ sagt er leise. Seine Hand fährt über meinen Arm, streift den Stoff meines Schlafshirts. „Essen später. Du brauchst Ruhe.“
Mein Herz stolpert. Ich kenne Tony als Mafiaboss. Als Mann, der mit einem Blick Tod befiehlt. Doch hier ist er anders. Weicher. Meine kleine, zerbrechliche Welt – und die des Babys in mir – hängt an ihm.
„Tut mir leid,“ murmele ich schwach, als hätte ich versagt, weil ich krank geworden bin.
Er antwortet sofort, streng, aber sanft: „Du entschuldigst dich nie dafür, krank zu sein. Verstanden?“ Seine blauen Augen funkeln im Halbdunkel, ein Sturm, den nur ich bändigen darf.
Ein Zittern läuft durch mich, doch diesmal ist es nicht nur das Fieber. Es ist auch das Gefühl, dass ich für ihn mehr bin, als ich je geglaubt hätte.
Tony POV
Er entschuldigt sich. Das unschuldigste, törichteste, zerreißendste Wort auf seinen Lippen. Wie konnte ausgerechnet er in diese Welt gezogen werden?
„Verstanden?“ wiederhole ich schärfer. Er blinzelt, nickt schwach. Gut.
Ich nehme das feuchte Tuch vom Tablett, das ich vorsorglich mitgebracht habe. Kaltes Wasser perlt über meine Finger, als ich es ausdrücke und erneut an seine Stirn lege. Er seufzt. Ein leises, gebrochenes Geräusch, das mich mehr trifft als jede Kugel.
„Du bist alles, Peter,“ flüstere ich, obwohl ich es nicht sollte. In meiner Welt sind Worte gefährlicher als Waffen. Doch er darf sie hören. Er allein.
Meine Gedanken wandern kurz zu Pepper – ihrer Kälte, ihrem Gift. Wenn sie ihn ansieht, sieht sie nur Schwäche. Ich sehe Stärke, Leben. Zukunft. Unser Kind.
Ich streiche über seinen Bauch, sanft, besitzergreifend. „Sie braucht dich stark, und ich brauche dich lebend. Deshalb wirst du jetzt schlafen. Ich werde hier sein.“
Peter lächelt matt, schon wieder halb in Träumen versunken. Dieses Lächeln gehört mir. Nur mir.
Bucky POV
Von draußen, im Schatten des Flurs, habe ich alles gehört. Meine Aufgabe ist es, ihn zu beschützen. Den Jungen. Peters Sicherheit bedeutet Tonys Ruhe – und Tonys Ruhe bedeutet, dass diese ganze Mafia-Familie weiter existiert.
Aber während ich hier lehne, das Gewicht meiner Waffe vertraut an meiner Seite, sehe ich mehr. Ich sehe, wie Tony fällt. Nicht in Schwäche – sondern in Liebe. Eine Liebe, die gefährlicher ist als jede Kugel.
Pepper ist ein Risiko. Ich weiß es. Andere auch. Doch wenn sie jemals die Hand gegen Peter erhebt, wird sie nicht gegen Tony verlieren. Sie wird gegen mich verlieren.
Ich bin Soldat. Killer. Leibwächter. Aber als ich Peters fieberrotes Gesicht sehe, schwöre ich mir leise: Sollte jemand ihm etwas antun, wird die Stadt im Blut ertrinken.
Denn er ist nicht nur Tonys Schatz. Er ist unser aller Schwachpunkt. Und Schwachpunkte schützt man mit Zähnen und Klauen.
