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Back to the Crime Scene

Summary:

Random Oneshot, der einige Jahre nach dem dritten Zurück in die Zukunft-Film spielt, und in dem Jules, Verne & Einstein selbst Zeitreisen machen. Zum Beispiel ins Deutschland der 2020er, nach Saarbrücken...

Notes:

(See the end of the work for notes.)

Work Text:

 

for the person with whom i watched the last bttf movie :)

 

"Einstein! Einstein, komm wieder her, ich hab es doch nicht so gemeint!"
Jules linste unter das Bett, unter dem Einstein sich verkrochen hatte, wobei er uncharakteristisch traurig aussah. Von seiner Zahnlücke, die sonst sein breites Grinsen unterbrach, sah Einstein nur ein ganz kleines Stück. Natürlich tat ihm Jules dann leid, also kroch er unter dem Bett hervor und setzte sich auf den Teppich davor; legte den Kopf schief und sah stattdessen Verne einigermaßen vorwurfsvoll an.
Der seufzte und ließ sich neben Einstein auf den Boden sinken, vergrub seine Hände in dessen flauschigem Fell. "Ich meinte es auch nicht so, Steini. Wir wollten nur nett sein zu unserem neuen Freund, verstehst du?"
Jetzt war es James Dean, der Einsteins Blick aus Hundeaugen abbekam, und James Dean hob ergeben die Hände - immerhin er ließ sich noch immer leicht einschüchtern. Seit sie den Kerl vor ein paar Wochen irgendwo in den Fünfzigern aufgegabelt hatten, waren Jules und Verne total begeistert von ihm, weil er ein Popstar oder etwas in der Art war, Einstein hatte es nicht so genau verstanden. Wollte er auch gar nicht, Hauptsache war nur, dass die Brüder ihn versetzt hatten, um James Dean den Fluxkompensator zu erklären. Oder um ihn mit ihrem Halbwissen noch weiter zu verwirren; wahrscheinlich hatte der verirrte Schwarm der Fünfziger es auch nicht so leicht, und Einstein sollte ihm etwas mehr durchgehen lassen. Klarer Fall von Eifersucht vermutlich.
"Ich will echt nicht, dass ihr euch meinetwegen mit dem Hund streiten müsst", versuchte James Dean die Situation wieder unter Kontrolle zu bringen.
"Der Hund will sich streiten, das ist ja das Problem", erklärte Jules, der Einstein auch ohne Worte immer sehr gut verstand. Einstein war heute auf Krawall gebürstet, was vermutlich damit zusammenhing, dass Jennifer McFly ihm einen Pony geschnitten hatte. Und Marty hatte lachend mit James Dean auf dem Sofa gehangen und sie dabei angefeuert; die beiden verstanden sich viel zu gut. Sie waren ein bisschen wie die gleiche Idee, nur in anderer Schriftart und anderem Zeitalter. Also doch nicht so gleich, wenn Einstein länger darüber nachdachte.
"Warum gehen wir nicht irgendwo hin", schlug Verne auf einmal vor. Er stritt sich ungern mit Einstein, der für ihn wie ein zweiter, caniformer Bruder war und eine kleine Reise durch die Zeit war einer seiner liebsten Zeitvertreibe. Jules hatte kein Problem damit, in der Zeit der McFlys zu bleiben, aber Verne träumte vom Universum und fernen Zeiten und Orten. Er war in allen davon irgendwie zu Hause, ohne jemals wirklich so zu wirken, als wäre er angekommen, und Einstein verstand nicht so ganz, wie zwei Brüder so unterschiedlich sein konnten. Aber gut, solange sie beide glücklich waren, war es ihm recht, und auch Verne war auf seine Art glücklich, solange seine Familie ab und zu mit ihm durch die Zeit reiste.
"Wannhin?", fragte Jules also nur, der schon wusste, dass Widerspruch nicht viel bringen würde.
"Mir egal." Verne zuckte mit den Schultern. "Wo würdet ihr gerne hin? Jim, Vergangenheit oder Zukunft?"
James Dean überlegte einen Moment. "Zukunft."
"Jules, eine Zahl zwischen drei und sieben."
"Fünf."
"Das ergibt den 6. April 2025." Niemand verstand so richtig, nach welchem Algorithmus Verne aus einer einzigen einstelligen Zahl ein ganzes Datum errechnete, oder ob er nur tat, als ob er rechnen würde, und sich in Wahrheit etwas ausdachte. Schlussendlich war es ja auch egal - wenn keiner einen klaren Wunsch äußerte, wohin er wollte, ging es ja mehr um das Reisen an sich.
"Get in, losers." Verne öffnete die Tür des TukTuks, das sein Vater zur straßenverkehrsordnungskonformen Zeitmaschine für die Kinder umgebaut hatte, als diese vierzehn geworden waren. Er schwang sich hinters Steuer, und Jules kletterte neben ihn auf den Beifahrersitz, um die Zeitleitung zu bedienen, womit Einstein sich wohl oder übel neben James Dean auf die Rückbank quetschen musste. Leider musste er zugeben, dass es die einzig sinnvolle Sitzverteilung war. James Dean wusste noch nicht so ganz, wie das Zeitreisen-Ding funktionierte, und Einstein hatte leider keine Hände, weswegen er sich gerne mal vertippte. Sie hatten das direkt am ersten Tag ausprobiert, und manchmal durfte er immer noch tippen, wenn sie ein komplett zufälliges Datum wollten.
Verne legte den Schalthebel um, mit dem man das TukTuk durch die Zeit beschleunigen konnte - irgendwann hatte Doc herausgefunden, wie man die Fluxkompensatoren so bauen konnte, dass sie nur in der vierten Dimension beschleunigt wurde, ansonsten aber stationär blieben - und sie sausten hinaus in die sternenklare Nacht der Zukunft.
***
"Irgendwie ist das hier nicht Amerika", stellte Jules fest, als das TukTuk auf einer kopfsteingepflasterten Straße hoppelnd zum Stehen kam, und Einstein kam nicht umhin, ihm zuzustimmen. Es war Nacht, klar, über ihnen glitzerten ein paar verirrte Sterne, um sie herum waberte das gelbe Licht von Natriumdampflampen und Einstein fühlte sich seltsam losgelöst, als würde er durch einen Ozean aus Licht treiben, steuerlos und ohne Hast.
Sie hatten die letzten zwei Monate zu viel Zeit bei den Dichtern der Romantik verbracht.
"In der Tat", pflichtete Verne seinem Bruder schließlich übertrieben bei. Er hängte sich aus dem Fahrerfenster und kniff die Augen zusammen, in dem Versuch, ein Straßenschild zu entziffern. "Deutschsprachig, wenn mich nicht alles täuscht", war seine abschließende Einschätzung.
"Wollen wir ein Stück aus dem Weg rollern?", schlug James Dean vorsichtig vor. "Da hinten schleicht ein Polizeiauto an."
"Ach verdammt." Verne drückte die Kupplung, schaltete im Dunkeln ohne zu schauen, und jagte das TukTuk im Rückwärtsgang Richtung Polizeiwagen.
"Grandios gemacht, Bruderherz." Jules lehnte den Kopf gegen das Fenster und schloss für einen Moment die Augen.
Im nächsten öffnete er sie wieder, während alle vier im Auto zusammenzuckten, weil es am Fenster geklopft hatte. Verne drehte es schlecht gelaunt nach unten.
"Halt, Stopp. Ausweis zeigen!" Einer der Polizisten war neben ihnen aufgetaucht und hing halb durchs Fenster in den Innenraum, was durch die Tatsache, dass es sich um das Fenster eines quietschgelben zeitreisenden TukTuks handelte, stark an Bedrohlichkeit einbüßte. Einstein persönlich fand das alles eher bizarr bis komödiantisch, andererseits würde er auch auf keinen Fall wegen illegalen Fahrens verhaftet werden. Hunde wurden nie verdächtigt.
Verne kramte umständlich in der Mittelkonsole herum, anscheinend hatten die drei Jahre Deutsch in der Schule ihn dazu befähigt, herauszufinden, was der Polizist von ihm wollte. Unauffällig legte er dabei den Zeitreisen-Hebel erneut um, und nickte Jules zu, der begann, am Zeitleiter herumzuschalten. 19. Juli 1989.
"Haltet euch fest", meinte Verne, natürlich auf Englisch, und latschte dann voll aufs Gaspedal, so wie Clara das manchmal bergab auf dem Highway gerne tat. Niemand hatte so viel Spaß an den Achtzigern wie sie, und es lag einzig und allein an den Autos.
Die Zukunfts-Zeitreise war irgendwie enttäuschend gewesen, dachte er, als sie auf den Rückweg in die Vergangenheit machten. Die einzig positive Seite, die Einstein erkennen konnte, war, dass James Dean danach vielleicht keine Lust mehr auf Zeitreisen im Allgemeinen hatte, und Einstein diese wieder alleine mit den Jungs machen konnte.
Die Sterne wirbelten über die Windschutzscheibe, und dann standen sie wieder in der Sommernacht Ende der Achtziger am See bei Hill Valley zwischen den Zypressenbäumen. Grillen zirpten, das Wasser plätscherte in kleinen Wellen sacht ans Ufer, irgendwo ein Stück weiter weg grillten ihre Eltern gemeinsam mit den McFlys und der Geruch der Zypressennadeln hing ätherisch in der Luft. Alles war friedlich.
Dann drehte Verne sich um und starrte die drei anderen aus großen, schreckgeweiteten Augen an, was auch Jules und Einstein zum Anlass nahm, die unmittelbare Umgebung des TukTuks noch einmal eingehender zu betrachten.
"Verdammte Scheiße", murmelte Jules.
"Was los?" James Dean starrte ebenfalls in die Nacht hinaus, konnte vom Rücksitz aus aber nicht viel erkennen, bis sich auf einmal zwei dunkle Gestalten wie Scherenschnitte gegen den helleren Hintergrund der Wasseroberfläche abzeichneten.
"Bitte sagt mir, dass das nicht heißt, was ich vermute, was es heißt, weil sogar ich weiß, dass das ziemlich schlecht wäre." James Dean sprach jetzt ziemlich leise.
"Leider doch, fürchte ich." Verne zog den Zündschlüssel ab. "Wir haben die Cops mitgenommen."
"Doc wird uns umbringen."
"Nee." Verne schüttelte den Kopf. "Die gesamte Familie wird uns lynchen."
Immerhin verdächtigte niemand jemals den Hund.
**
James Dean sprang aus dem TukTuk, weil Jules und Verne sich nicht trauten und Einstein nicht wusste, wie man mit einem Polizisten aus der Zukunft kommunizieren sollte.
"Alles okay bei euch, Jungs?", fragte er mit dem Charme eines Fünfzigerjahre-Popstars.
Die Polizisten sahen sich kurz an, dann meinte einer der beiden: "Sorry, aber du siehst total aus wie James Dean."
Vielleicht hatte den beiden die Zeitreise nicht so gutgetan, das war ein Nachteil des TukTuks. Nach den ersten paar Malen hatte James Dean immer reihern müssen, einmal leider sogar in den Fußraum hinter dem Fahrersitz.
"Oh hell no", murmelte James Dean.
Jetzt hängt Verne sich doch durch das offene Fahrerfenster, um an der Konversation teilzunehmen. "Er ist James Dean."
Den armen Polizisten fehlte offensichtlich einiges an Kontext. "Sind wir tot?", fragte der, der bisher nichts gesagt hatte.
James Dean schüttelte den Kopf. "Ich glaube nicht, und alle anderen glauben das auch nicht."
"Wo sind wir dann?"
"Die Frage ist eher, wann seid ihr dann?" Jules stieg auf der Beifahrerseite aus und rutschte über die Motorhaube, um sich dazuzugesellen. Er breitete die Arme aus, um seine Worte mystisch zu unterstreichen. "Für euch ist das hier die Vergangenheit."
Die Polizisten starrten ihn an. "Und für euch?"
"Alles", meinte Jules. "Zukunft, Vergangenheit, Gegenwart." Die Lichterketten am anderen Seeufer spiegelten sich in Jules' Augen, sein etwas zu lange nicht mehr geschnittenes Haar trieb unter der Schiffermütze im Sommerwind und das übergroße blaue Kurzarmhemd von Marty mit den kleinen weißen Punkten hüllte ihn ein wie ein Stück Nachthimmel. Anstelle der Polizisten hätte Einstein irgendwie Angst vor ihm gehabt. Manchmal hatte er selbst fast ein bisschen Angst vor Jules.
"Für mich nicht, möchte ich an der Stelle hinzufügen", wandte James Dean ein. "Für mich ist es die Zukunft. 1989."
"1989?" Der blonde Polizist lehnte sich gegen das TukTuk, aus dem immer noch Verne hing. "Scheiße, Mann."
"So schlimm ist auch nicht", meinte Verne. "Oder?" Er sah hilfesuchend zu James Dean.
James Dean nickte. "Passt schon."
"Ist das hier wie bei Zurück in die Zukunft, oder was?"
"Touché."

 

Notes:

Allererste Fanfiction auf ao3 jemals, let's go ig?
Macht es Sinn, dass die Geschichte 1989 spielt, wenn der dritte Film erst 1990 rauskam? Nicht wirklich, aber Zeitreise dies das :p
Meine besten Freunde zwingen mich, das hier zu posten; aber falls es irgendwen entertainen konnte, freut mich das sehr! Vielleicht kommt irgendwann was auf dem Account, das minimal weniger silly ist