Work Text:
Es ist eine Fortsetzung des ersten Kapitels der Geschichte Von unendlichen Sommern und vergänglichen Sternen von Burlina. Ich habe quasi an ihr erstes Kapitel angeknüpft, welches ihr gerne im Vorfeld lesen solltet.
Es ist eine Art ungeplante Improvisation oder nennt es spontane Eingebung als Oneshot.
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Prolog: Es spielt in der Zeit, in der Draco demnächst den Brief von Hogwarts erwartet. Draco hat sich mit seinem Vater Lucius zerstritten, weil er in seinen Augen nicht genug war. Daraufhin klettert Draco über einen Ast aus dem Haus und den Baum runter.
Auf und davon
Im Wald roch es nach feuchtem Boden, ein Regenschauer war übers Land gehuscht. Nasses Holz gesellte sich ebenfalls dazu, wie eine leichte pilzige Note. Die Sonne war aus den Wolken gebrochen und blitzte durch die grasgrünen Blätter hindurch. Hier und da hingen einige Tropfen an den Spitzen der Blätter und schienen den Wald regelrecht zum Leuchten zu bringen.
Der blonde Junge war noch gar nicht so weit gekommen, als er plötzlich etwas rascheln hörte. Zunächst vermutete er ein Tier und blieb abrupt stehen, um es nicht zu verschrecken. Doch er stieß auf etwas anderes, was ihn noch mehr in eine Stockstarre versetzte. Ein anderer Junge war genauso stehengeblieben, als könnte er dadurch unsichtbar werden. Oder war er starr vor Schreck, auf jemanden getroffen zu sein? Draco sah, dass der andere ebenfalls geweint haben musste. Denn seine Augen waren gerötet und man konnte die letzten Tränen auf seinen Wangen erahnen. Es war, als würden sie sich eine gefühlte Ewigkeit ansehen, nicht wissen, was sie jetzt tun sollten. Oder als ob etwas Schlimmes passieren würde, wenn sie sich wieder bewegten.
Der andere Junge schaute ihn mit großen Augen an. Sie waren grün, wie der Wald um sie herum. Seine Haare waren schwarz und standen lockig in alle Richtungen ab. Das ganze Gegenteil von Dracos blonden glatten Haaren. Er schätzte ihn in seinem Alter. Doch er war sich nicht ganz sicher, denn auf ihn wirkte er sehr klein und schmächtig, mager traf es wohl eher. Draco wollte den Jungen eigentlich ignorieren, aber es gelang ihm nicht, an ihm vorbeizugehen. „Hi!“, sagte er aus Höflichkeit.
„Hi!“, antwortete der andere unsicher und wischte sich den Rotz von der Nase mit seinem Ärmel ab.
Draco rümpfte die Nase. „Was machst du hier?“ Er kramte in seiner Hosentasche und reichte dem anderen ein frisches Tuch.
Nachdem der Blonde darauf gezeigt hatte, schnäuzte der schwarzhaarige Junge sich die Nase. Draco wandte sich dabei etwas angeekelt ab. Dann sah er aus, als wüsste er nichts mit dem Tuch anzufangen. „Kannst du behalten“, nuschelte Draco. „Also was machst du? Hier?“
„Ähm, ich hab mich verlaufen?“, antwortete der kleine Junge schließlich und rückte seinen Rucksack zurecht.
Der Blonde stutzte. „Ist das eine Frage?“
Der andere schaute verunsichert. „Nein. – Ich bin weggelaufen.“
Der Blonde zog eine Augenbraue hoch. „Du auch?“
Der Schwarzhaarige nickte schüchtern.
Draco musterte den Jungen genauer. An Gepäck hatte er selbst gar nicht gedacht. Er war einfach zu überstürzt geflohen. „Ich bin vor fünf Minuten weg. – Wie lange bist du denn schon im Wald?“
Die Kleidung hing an dem Kleineren, als hätte er mehrere Wochen nichts gegessen. Sie war schmutzig und der Junge auch.
„Drei Tage.“
Draco konnte sein Entsetzen nicht verbergen und riss die Augen auf. „Und da sieht man so aus?“ Vielleicht sollte er sich das mit dem Fliehen doch noch mal überlegen. Wenn man danach so dreckig und fertig aussah.
„Weiß nicht“, nuschelte der Kleinere. „Ich bin über einen Ast gestolpert und in eine Pfütze gefallen.“ Er wischte sich mit dem anderen Ärmel übers Gesicht, wahrscheinlich um die Tränen verschwinden zu lassen.
„Hast du deswegen geweint?“
Der Schwarzhaarige schüttelte zögerlich den Kopf und setzte seine Brille wieder auf, die er wohl vorher abgenommen hatte.
„Hast du Heimweh?“
Der Junge verneinte das vehement und ein bitteres Lächeln zeichnete sich auf seinem Gesicht ab. Es war, als überdenke er seine Antwort und schien sich endlich entschieden zu haben: „Ich hab Hunger.“ Sein Blick wich Dracos aus und er schaute zu Boden.
„Oh.“ Draco legte den Kopf schief und überlegte eine Weile, bis seine Augen aufblitzten, denn er schien eine Idee zu haben. Dann er brabbelte etwas vor sich hin, bis ein „Plopp“ zu hören war und er sich verdächtig umdrehte, als würde er etwas verbergen wollen.
Der schwarzhaarige Junge versuchte, irgendwas zu erhaschen, doch es gelang ihm nicht an dem anderen vorbeizuschauen. Er sah nur etwas Lederndes links und rechts von dem blonden Jungen auf Brusthöhe hervorlugen und ihn etwas murmeln hören. Insgesamt kam ihm das etwas seltsam vor. Doch es war bereits so viel Verrücktes in letzter Zeit passiert, dass er sich einfach keine Gedanken mehr machen wollte. Sein Magen knurrte, als würde er aufheulen.
„Dobby, bring mir was zu essen und zu trinken. Ruhig etwas mehr, für zwei Personen für ein paar Tage. Sag aber Mutter und Vater nichts davon, hast du gehört?“, flüsterte Draco.
„Was macht Master Junior im Wald?“
„Mach dir keine Gedanken. Ich mache einen Ausflug. Hol mir die Sachen, um die ich dich gebeten habe.“
„Ja, Mr. Malfoy, Sir. Dobby holt alles“, quietschte eine hohe Stimme.
Ein erneutes „Plopp“ ließ das Etwas hinter Draco verschwinden.
Er schaute sich ein wenig verlegen um. „Essen kommt gleich.“
Die Augen des anderen Jungen wurden groß. „Wie?“
„Ähm“, druckste Draco rum. „Es bringt jemand.“
„In den Wald?“
Draco nickte. Schon machte es wieder „Plopp“ und er drehte sich erneut weg. Die piepsige Stimme erklang nochmal. „Hier Mr. Malfoy, Sir. Dobby hat alles gepackt.“
„Danke, Dobby. Denk dran, nichts zu verraten. Es ist eine, ähm, eine Überraschung, ja genau“, log Draco den Hauselfen an.
„Ja wohl, Mr. Malfoy. Dobby nix verraten. Überraschung nicht kaputt machen. Versprochen, Sir.“ Der Blonde bedankte sich und kurz danach war erneut das seltsame Geräusch zu hören und nichts mehr von einer anderen Person zu erahnen.
Draco wusste, er würde eine Eule schicken, wenn er angekommen war. Doch nun wendete er sich zu dem anderen, der sich auf einen Baumstamm gesetzt und seinem Rucksack abgestellt hatte. Draco reichte ihm etwas Eingewickeltes. Dieser griff mit Zurückhaltung danach, packte es dennoch vorsichtig aus. Zunächst schaute er skeptisch auf das vor ihm Liegende, doch der Hunger war stärker und schlussendlich biss er genüsslich in das belegte Brot. Es schmeckte wie die beste Schnitte, die er jemals gegessen hatte. „Danke“, murmelte er noch kauend. „Was war das eben? Wo kam die Person jedes Mal so plötzlich her?“, fragte der Dunkelhaarige mit Neugier in der Stimme. „Wie wusste sie, dass sie kommen soll?“
Draco verzog das Gesicht aus mehreren Gründen. Einerseits, weil der Junge ihm gegenüber mit vollem Mund sprach. Andererseits, weil er abwog, was er erzählen sollte. Klar, sie waren im Gebiet der Zauberer, aber das bedeutete nicht, dass es ein Zaubererkind sein musste. Deshalb hatte er den Hauself versteckt gehalten und anscheinend hatte der andere auch keine Ahnung von Hauselfen, sonst würde er sicherlich nicht so fragen. „Es war ein Bote. Er ist schnell. Das Haus meiner Eltern ist noch ganz in der Nähe.“
Dem Gesichtsausdruck nach schien der Schwarzhaarige das nicht zu glauben, doch er widmete sich lieber dem zweiten Brot und der Flasche Wasser, die Draco ihm ebenfalls gereicht hatte. Er sah ihn dankbar an und sagte: „Ich bin übrigens Harry“, und rückte seine Brille zurecht.
„Ich bin Draco“, erwiderte der Blonde, zog es jedoch vor, dem anderen nicht die Hand zu reichen, wenn er schon so lange im Wald umherirrte.
„Das ist ein seltsamer Name“, entkam es dem Schwarzhaarigen sofort zwischen zwei Bissen.
Draco zuckte mit den Schultern. „Ein seltener.“
Der Schwarzhaarige nahm es hin, denn seinen gab es wie Sand am Meer.
„Wo willst du eigentlich hin?“, fragte der Blonde nachdem ein wenig Zeit vergangen in der er Harry beim Essen zugesehen hatte.
„Keine Ahnung. Ich bin einfach weg. Hab nicht darüber nachgedacht. Und du?“, fragte dieser genauso interessiert.
„Ich will zu meiner Tante.“ Etwas Stolz schwang in Dracos Stimme mit.
Der Schwarzhaarige hörte auf zu essen und legte das Brot zur Seite. Sein Blick verklärte sich. „Ich bin von meiner Tante weg.“
Dracos fragende Augen trafen den Schwarzhaarigen. „Wieso?“ Der Ton seiner Stimme klang, als hätte er gleich mehrere Fragen auf einmal.
„Ich wohne bei ihnen, bei meiner Tante, Onkel und Cousin.“ Weiter sprach er zunächst nicht.
„Okay, aber wieso bist du weg?“
„Ich konnte dort nicht bleiben. Sie sind schrecklich.“
„Schrecklich?“
Der Kleinere zögerte einen Moment, bis er doch alles sagte, was er erlebt hatte. „Sie haben mich in mein Zimmer eingesperrt, welches eigentlich nur ein Schrank ist. Ich habe nichts zu essen bekommen und musste den ganzen Haushalt machen.“ Als er sprach, hörte Draco zunächst ein Rascheln, was er als Wind interpretierte, doch nach und nach fingen die Blätter um Harry an zu schweben, bis es aussah, als würden sie tanzen um ihn herum tanzen. Irgendwann drehten sie sich förmlich um den anderen Jungen im Kreis. Vor Erstaunen zog der Blonde die Augenbrauen hoch.
Zunächst ging er nicht weiter darauf ein und auch nicht auf das, was er eigentlich gefragt hatte, denn es war nicht das ‚Wieso‘, was Draco meinte. Doch jetzt trieb ihn eine ganz andere Frage um. „Das ist ja furchtbar. Haben deine Eltern nichts gesagt?“
Harry blieb eine Weile still und bewegte sich kein Stück.
„Sie sind tot“, flüsterte er.
Draco fummelte nervös an seiner Kleidung. „Das tut mir leid.“ Sein Blick traf auf grüne traurig Augen und er sah den anderen mitleidig an.
„Du bist der erste, der das sagt.“ Harrys Augen leuchteten das erste Mal ein wenig auf.
Eine Weile saßen sie schweigend nebeneinander. Draco kam sich mit seinen Gründen, von zu Hause weggelaufen zu sein, fast heuchlerisch vor. Doch häusliche Gewalt war nicht besser und es war genau die Frage, die Harry als Nächstes stellte: ‚Warum er weggelaufen sei.‘
„Es ist wegen meines Vaters. Er erwartet Großes von mir und ich kann das nicht erfüllen. Es ist für alle besser, wenn ich nicht mehr da bin.“ Das war alles, was er sagen konnte. Er schluckte und Harry nickte verstehend.
Das eben Gesehene schoss wieder in seine Gedanken. „Sag mal, das eben mit den Blättern.“
„Welche Blätter?“ Harry sah ihn erstaunt an.
„Die geschwebt sind?“ Draco hob eine Augenbraue.
„Geschwebt?“ Harry schaute verwirrt, den Mund leicht geöffnet.
„Ja, sie sind geschwebt, als du über deine Verwandten gesprochen hast.“ Draco fragte sich, ob sich das eingebildet hatte oder ob er es gewesen war? Aber das konnte nicht sein. Er kannte seine Magie. Es musste ein Magieschub des schwarzhaarigen Jungen gewesen sein, aber anscheinend wusste er nicht, dass er ein Zauberer war oder verbarg er es genauso wie Draco es vor ihm? Er überlegte die nächste Frage, die er stellte genau. „Ist dir schon mal was richtig Seltsames passiert, Harry?“, fragte der Blonde also ganz beiläufig.
„Wie meinst du das?“ Der andere schaute zu ihm auf.
„Hm, etwas Ungewöhnliches. In Situationen, in denen es dir nicht gut ging? Ist mal was explodiert oder verschwunden?“
Harry legte den Kopf schief und sprach eine Weile nicht. "Keine Ahnung, was du meinst.“
„Etwas richtig außergewöhnliches, was du dir nicht erklären konntest. Bei mir war es zum Beispiel, dass mein Spielzeug unauffindbar war, wenn jemand zu Besuch kam.“
Harry grübelte. „Ich war mal plötzlich auf dem Dach der Schulküche als mich diese Idioten Freunde von meinem Cousin verprügeln wollten. Ich weiß nicht, wie ich dort hingekommen bin. Meinst du sowas?“
„Ja, genau sowas. Noch irgendwas anderes Unerklärliches?“, hakte Draco nach.
„Oh, warte. Ich denke, ich habe eine Schlange auf meinen Cousin gehetzt“, schoss es Harry durch den Kopf und sprach seine Gedanken diesmal sofort aus.
„Du hast was?“ Draco war ein Stück an Harry herangerückt.
Dieser kam aus seinen Gedanken zurück.„Ich hab das Glas vom Terrarium im Zoo verschwinden lassen und mit ihr gesprochen“, erzählte Harry, als wäre es das normalste der Welt.
„Mit ihr gesprochen?“ Draco sprang aufgeregt auf und lief neben Harry auf und ab.
Der nickte verlegen.
„Du bist ein Parselmund?“ Dracos Erstaunen war über sein gesamtes Gesicht zu lesen.
„Ein was?“, fragte Harry verwirrt.
„Parselmund!“, schrie der Blonde ihm förmlich ins Gesicht.
„Kenne ich nicht. Was soll das sein?“, fragte der andere ebenfalls etwas lauter.
„Jemand, der mit Schlagen sprechen kann. Das ist selten. Eigentlich gibt es nur eine Familie, die das spricht.“ Es war, als würde Draco ihn mit ganz anderen Augen betrachten und er schaute ihn bewundernd an. „Wie heißt du mit Nachnamen?“
„Potter. Wieso?“
Draco dachte zunächst, der Name passt nicht, doch dann machte es klick. „Wie war nochmal dein Vorname?“ Er spürte, wie sein Körper richtig hibbelig wurde, doch er versuchte sich zu drosseln.
„Harry. Ich heiße Harry Potter.“
Draco stolperte zurück, sodass er fast über eine Wurzel fiel. Dann brabbelte er: „Das glaubt mir niemand.“ Er starrte Harry mit großen Augen an. „Du bist Harry Potter? Der Harry Potter?“ Er konnte mit Schlangen sprechen, also musste er es doch sein, oder nicht? Wenn es jemand konnte, dann wohl er. Seine Eltern waren tot. Das würde auch passen. Draco hatte alles über ihn gelesen. Das konnte doch kein Zufall sein. Doch wieso wusste er nicht, dass er ein Zauberer war? Er wusste ja nicht mal, was ein Hauself ist. Konnte es wirklich Harry Potter sein und konnte er ihn einfach so im Wald getroffen haben? „Ok, ok. Anscheinend ist hier was ganz falsch, aber ich muss einen Test mit dir machen.“
„Einen Test?“ Harry wich ein kleines Stück zurück.
„Keine Sorge, ich zeige dir zuerst was. Es ist nichts Schlimmes.“ Draco wusste, dass Kindermagie keinen Alarm beim Ministerium auslösen würde. Er konzentrierte sich auf seine Wut auf seinen Vater und im nächsten Augenblick explodierte die leere Flasche, die er vor sie auf einen Stein positioniert hatte.
Harry schaute Draco ungläubig mit weit aufgerissenen Augen an. „Was war das denn bitte?“
„Ein Zauber und ich glaube, dass du das auch kannst!“
„Ein was?“ Harry starrte den blonden Jungen fassungslos an. „Ein Zauber? Du spinnst doch!“
„Nein, nein. Ganz und gar nicht. Das, was du mir erzählt hast. Überleg doch mal. Das Dach, die Glasscheibe, das Sprechen mit der Schlange.“
„Ja, das waren seltsame Dinge.“
„Ich denke, du bist ein Zauberer, deshalb sind dir diese Sachen passiert. Wir müssen es ausprobieren, ob es stimmt.“
„Ausprobieren?“
„Ja, konzentrier dich auf deine Wut auf deine Verwandten und denk ganz fest an sie und sende die Aggression zu der Flasche da vorne.“ Draco hatte eine neue bereitgestellt. Harry fixierte ihn immer noch ungläubig mit seinem Blick.
„Ich denke, du hast die gleichen Fähigkeiten wie ich. Worauf wartest du?“, fragte der Blonde ungeduldig.
Harry war geschockt, was der Junge ihm gegenüber erzählte. Das konnte auf keinen Fall sein. Doch wie waren all die Dinge, die vorgefallen waren zu erklären. Vielleicht war der alte Pulli von Dudely doch nicht in der Wäsche geschrumpft? Und was war eigentlich mit seinen Haaren, die andauernd nachwuchsen?
Und das eben hatte er gesehen. Das andere war ihm wirklich passiert. Unsicherheit umfing ihn, doch graue Augen blitzen ihm aufmunternd zu. Er probierte nach einigem Hin und Her sich auf die Flasche zu fokussieren, doch zunächst geschah nichts. Einige Male passierte genauso wenig. Schlussendlich gab Draco ihm ein paar Anweisungen und mehr Hinweise und „Boom.“ Harry hatte eine ähnliche Explosion wie Draco hervorrufen, doch sie war deutlich gewaltiger.
„Krass“, sagte der Blonde und starrte den anderen verblüfft an. „Das glaubt mir niemand. Vielleicht willst du mit mir kommen?“, fragte Draco plötzlich aus dem Blauen heraus, als wäre es jedoch die beste Idee, die er jemals hatte.
Harrys Blick war eine Mischung aus Erstaunen und Zweifeln.
„Du kannst doch nicht alleine hier im Wald bleiben, ohne Essen und Trinken“, stellte der Blonde klar.
Da hatte der andere wohl recht, doch: „Ich habe schlechte Erfahrungen mit Tanten.“ Harry verzog das Gesicht zu einer Grimasse.
„Oh“, entkam es Draco. „Keine Sorge, meine Tante ist nicht so wie deine. Sie ist die herzlichste Person, die ich kenne. Ich hatte Glück. Mutter hat mich zu ihrer Schwester gelassen. Wenn es nach Vater gegangen wäre, dann hätte ich keinen Fuß in dieses Haus gesetzt. Denn sie hat einen muggelstämmigen Zauberer geheiratet.“
„Einen was?“, fragte Harry, der festen Überzeugung, sich verhört zu haben.
„Ähm.“ Draco zog die Stirn kraus. „Einen Zauberer, der von Nichtmagiern abstammt. Das entspricht nicht der Familienhierarchie und unserem Rang“, korrigierte er schließlich.
Harrys Augenbrauen verengten sich. „Was bist du?“ Er machte eine Pause, in der er überlegte. „Ein Prinz?“
Draco lachte verlegen. „Nein. Kommst du nun mit? Dann erkläre ich es dir.“
„Weiß nicht.“ Harry sank wie ein Häufchen Elend auf dem Baumstamm zusammen.
„Andromeda ist toll und Nymphadora auch. Sie ist ihre Tochter und ein paar Jahre älter als ich, aber sehr lustig. Sie würden dich nicht wegschicken“, erklärte der Blonde munter.
„Was habt ihr denn alle für Namen? Sicher, dass du kein Prinz bist?“, fragte Harry mit Verwunderung in der Stimme.
Draco legte verlegen den Kopf schief. „Meine Familie hat ein Faible für Ausgefallenes. Du kommst auf jeden Fall mit zu den Tonks“, beschloss er und packte alles zusammen. Das Lunchpaket und die Wasserflaschen von Dobby. „Du bist ab jetzt mein bester Freund.“
„Ich hatte noch nie einen Freund. Also okay, bester Freund.“ Beide Jungen strahlten übers ganze Gesicht und machten sich gemeinsam auf den Weg ins Abenteuer. Harry hatte seinen Rucksack geschultert.
„Sag, und du bist wirklich ein Zauberer und ich soll auch einer sein?“, fragte Harry immer noch mit Skepsis in der Stimme, als sie ihren Weg gemeinsam fortsetzten.
„Jaha, wenn ich dir es doch sage! Warte, dann müsstest du ja auch den Brief dieses Jahr bekommen. Du bist doch auch zehn, oder?“ Draco wusste einfach alles über Harry Potter und wenn sein Geburtstag jetzt noch stimmte, dann war er sich ganz sicher, dass er es war.
„Ja, ich werde im Juli elf. Aber was für einen Brief meinst du? Ich habe noch nie einen bekommen.“
Draco fühlte Genugtuung und auch ein wenig Stolz in seiner Brust. „Ach Harry, ich muss dir noch so viel erzählen und beibringen. Wie kannst du nur so ahnungslos sein?“ Der Monat stimmte ebenfalls. Draco hatte immer weniger Zweifel daran, dass der andere Junge sein Vorbild war, über den er alles gelesen hatte und nun hatte er ihn gefunden. Er konnte es immer noch nicht glauben, dass Harry Potter neben ihm lief und sie gerade beste Freunde geworden waren.
Der Wind huschte zwischen ihnen hindurch und ließ ein paar Tropfen von den Bäumen fallen. Die Jungen schüttelten sich und verfielen in ein glucksendes Lachen.
Oder war das alles nur ein seltsamer Traum, weil er mal wieder über dem Buch über seinen Helden eingeschlafen war? Wenn er Streit mit seinem Vater gehabt hatte, dann beruhigte ihn das. Würde er morgen mit der Seite an seinem Gesicht klebend erwachen?
••• Ende •••
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Danke für deine wundervolle Vorlage, liebe Burlina. Meine Empfehlung für euch zum Lesen aus der Feder von ihr ‚Erinnermich‘.
