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Der Fluch der Hexe

Summary:

Eigentlich verbrachte Peter gerade seine Tage damit, über Bob und seine Gefühle zu ihm nachzudenken. Und damit, wahrscheinlich viel zu viel in seine Worte hineinzuinterpretieren. Doch aus dem Nichts versucht eine selbsternannte Hexe, ihm zu drohen. Aber warum eigentlich?
Peter ist sich sicher, dass sein letztes Stündlein geschlagen hat. Aber Justus und Bob entwickeln zusammen mit ihm einen Plan, um ihren neuen Fall zu lösen.

Und vielleicht bleibt zwischendurch auch etwas Zeit, um andere Fragen aufzuklären ;)

Notes:

Die Geschichte ist größtenteils fertig, ich will nur noch ein bisschen was überarbeiten. Aber das heißt, es sollten alle ein bis zwei Wochen Updates kommen! :)

Chapter 1: Der Fluch

Chapter Text

Ach Peter, du darfst mich doch immer umarmen!“

 

Peter stocherte nachdenklich in seinem Essen herum, während sich seine Eltern über ihren Tag unterhielten. Es war eigentlich ein ganz normaler Satz gewesen. Es war ja selbstverständlich zwischen ihm und Bob, das hätte er nicht aussprechen müssen. Trotzdem konnte Peter nicht aufhören, darüber zu grübeln, ob Bob ihm mehr sagen wollte – oder ob das nur sein eigenes Wunschdenken war.

 

„Betty aus der Maske hat sogar den Verdacht, dass sie Materialien vom Set mitgehen lässt!“, hörte Peter seinen Vater sagen, der mittlerweile regelrecht aufgebracht klang. Peter schaute ihn verwirrt an. „Wer?“

„Na, die neue Azubi!“, antwortete sein Vater. „Das habe ich doch gerade erzählt.“

„Ah, diese Callie, die wir neulich im Supermarkt getroffen haben?“

„Genau die!“, er wirkte jetzt etwas weniger beleidigt. „Das wäre wirklich unmöglich, wenn sie uns bestiehlt. Und sehr schade, sie macht sich nämlich eigentlich wirklich gut.“

„Gibt es denn Beweise?“, fragte Peter.

„Es scheint zumindest einiges an Silikon und Make-Up zu fehlen. Aber wenn es richtige Beweise gäbe, wäre sie schon längst gefeuert.“

„Hm. Also wenn ihr Hilfe-“

„Nein, Peter. Das regeln wir intern.“ Damit schmetterte Peters Vater den Vorschlag ab, noch bevor er ausgesprochen war. Peters Eltern waren nie große Freunde von der Arbeit der drei Fragezeichen gewesen. Sie machten auch keinen Hehl daraus, dass sie begrüßten, dass die Drei seit Beginn ihres Studiums deutlich weniger Zeit mit Detektivarbeit verbringen konnten.

 

„Wie war’s denn gestern im Kino?“, wechselte sein Vater das Thema. „Du warst doch mit Bob im neuen Alien-Film, oder? Was sagst du zu den Special Effects?“

 

Peter wurde wieder rot, als er daran dachte, wie er sich für ungefähr die Hälfte des Films an Bob geklammert hatte. Eigentlich hätte sich Peter so einen Film freiwillig gar nicht angeschaut, wenn er nicht Freikarten von seinem Vater bekommen hätte. Und wenn Bob nicht so begeistert ausgesehen hätte, als er ihm davon erzählt hatte. Der hatte in den letzten Monaten so viele Filme und Bücher des Franchises konsumiert, wie er hatte finden können. Die Karten zum neusten Film hatte er Peter beinahe aus der Hand gerissen.

Bob hatte auch mindestens fünfmal nachgefragt, ob sich Peter sicher war, den Film gemeinsam im Kino anschauen zu wollen. Und eigentlich hatte Peter auch gewusst, dass es eine dumme Idee war, aber er konnte auch nicht Nein sagen.

Die erste halbe Stunde des Films hatte Peter versucht, ruhig zu bleiben, sich dann aber immer fester in die Lehne des Kinosessels gekrallt. Bis Bob ihm seine Hand hin hielt.

 

Peter merkte, dass er zu lange brauchte, um seinem Vater zu antworten. „Äh, ja, die waren auf jeden Fall überzeugend! War ganz schön heftig, der Film.“, sagte er schließlich.

 

Heftig, naja… Wenn Peter ehrlich war, hatte er nicht so wahnsinnig viele Erinnerungen an den Film. Als er endlich Bobs Angebot angenommen und sich bei allen gruseligen Szenen an Bobs Arm geklammert hatte, war der Film eigentlich gar nicht mehr so schlimm gewesen. Aber es hatte sich auch angefühlt, als sei er selbst in seinem eigenen Film gewesen, im Dunkeln des Kinosaals. Denn seit er vor einigen Wochen realisiert hatte, dass er sich in seinen besten Freund verliebt hatte, hinterfragte er jede Interaktion mit ihm. Bei jeder Umarmung fragte er sich, ob das okay ist. Aber Gelegenheiten wie dieser Horror-Film, bei denen Peter bekanntermaßen Angst hatte, waren wie eine Ausrede, um die Nähe zu suchen.

Und als sie wieder draußen im Tageslicht standen, hatte alles irreal gewirkt – und nicht richtig. Peter hatte lange darüber nachgedacht, was sein Problem in dem Moment gewesen war. Und mittlerweile wusste er es: Er wollte nicht länger eine Ausrede brauchen.

Doch gestern vor dem Kino hatte er verschämt herumgedruckst. „‘Tschuldigung, dass ich mich die ganze Zeit an dir festgeklammert hab.“, hatte er zu Bob gesagt. „Ach Peter, du darfst mich doch immer umarmen und so.“, hatte der lachend geantwortet und ihn in die Arme gezogen. Und so… Diese zwei kleinen Wörter sorgten bei Peter am meisten für Kopfzerbrechen. Bob meinte sicherlich nichts weiter damit, außer das übliche, was sie schon immer taten – durch die Haare wuscheln, sich anlehnen und so weiter. Nichts anderes. Oder vielleicht doch?

 

Die Türklingel riss ihn aus seinen Gedanken und bewahrte ihn vor weiteren Nachfragen seines Vaters. „Ich geh schon!“, sagte Peter betont motiviert.

 

Doch als Peter die Haustür öffnete, war da niemand. Nur ein Brief, der auf der Fußmatte lag. Peter Shaw stand auf dem Umschlag.

Er schaute sich noch einmal um, konnte aber niemanden entdecken. Zögerlich hob er den Brief auf und drehte ihn ein paar Mal in seinen Händen.

 

„Wer war das denn?“, fragte seine Mutter. „Ich weiß nicht. Der hat nur einen Brief dagelassen.“, antwortete Peter und öffnete vorsichtig den Umschlag. Darin waren ein Zettel und das Stück einer alten Zeitung. Irritiert faltete er den Zettel auf und lies seine Augen über die wenigen Zeilen Text darauf wandern. Dabei wich ihm schlagartig alle Farbe aus dem Gesicht.

 

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Treffen in der Zentrale in 15 Minuten! Ist dringend! Notfall!

 

Bob ließ alles stehen und liegen, als er diese Nachricht von Peter in ihrem drei Fragezeichen-Gruppenchat las.

 

„Oh, ich wusste gar nicht, dass du heute noch was vor hast.“, merkte seine Mutter an, als er dabei war, seine Schuhe anzuziehen. „Ist auch recht spontan. Peter, äh…“, Bob stoppte sich mitten im Satz. Er wollte nicht so klingen, als ob es irgendetwas gefährliches sein könnte. Er wusste ja nicht einmal, worum es ging. „Ah.“, sagte seine Mutter dazu nur. „Viel Spaß!“ Sie grinste ihn dabei an, sagte aber nichts weiter.

In einer anderen Situation hätte Bob während der Fahrradfahrt wahrscheinlich darüber nachgedacht, seit wann seine Mutter so auf jede Erwähnung davon reagierte, dass Bob etwas mit Peter unternahm. Doch in diesem Moment verdrängte der Gedanke an Peter alles andere.

 

Als er in der Zentrale ankam, waren Justus und Peter schon da. Peter sah blass und nervös aus. Selbst Justus wirkte beunruhigt.

„Oh Gott, was ist passiert, Peter?“, fragte Bob sofort und unterdrückte den Drang, ihn sofort zu umarmen. „Jetzt schieß los!“, sagte auch Justus. Offensichtlich hatten sie auf Bob gewartet.

„Eben, beim Abendessen. Da hat es geklingelt, aber es war keiner da. Stattdessen nur dieser Brief.“ Peter hielt den Umschlag hoch. „Und was ist drin?“, fragte Bob.

„Ein Zeitungsartikel. Und eine Warnung.“, antwortete Peter ernst.

„Na, jetzt spann uns nicht weiter auf die Folter!“, rief Justus.

Peter hielt Justus den Brief hin und Bob den Zeitungsartikel. Es war ein Bericht über das Hexenhandy und die Kinder, die von Giorgio Cade in Käfige gesperrt worden waren. Bob erinnerte sich gut daran, auch wenn es nun schon einige Jahre her war.

 

Justus las den Brief laut vor:

„Ich werde beenden, was ich damals begonnen habe. Mein Fluch wird dich in vierundzwanzig Stunden treffen!“