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Archive Warning:
Category:
Fandom:
Characters:
Additional Tags:
Language:
Deutsch
Series:
Part 3 of Zwischen Leben und Sterben ein Drittes
Stats:
Published:
2025-12-01
Completed:
2025-12-31
Words:
15,625
Chapters:
31/31
Kudos:
13
Hits:
391

Im Leben

Summary:

Mit sich reden lassen hat keiner von Sphinx. Aber auch die Militäreinheit, die im Morgengrauen auf Makatao landet, hat alles andere im Sinn, nur das nicht. Ein angeschossener, ausblutender Jugendlicher ist keine Bedrohung; die Soldaten glauben ihnen, dass sie nichts wissen und nichts mit der Expedition der ᴇxᴘʟᴏʀᴇʀ zu tun haben. Man fliegt Peter nach Guam aus, von da an setzt seine Erinnerung aus. Es geht nur vorwärts und nicht zurück. Von der Toteninsel kommen Peter und Skinny lebendig wieder, aber sie sind gänzlich andere.

Notes:

aller guten dinge sind drei. nennen wir es triptychon, zu ehren des quellmaterials. alles wie gehabt, der letzte rutsch an prompts. i am never doing this again, es war bis jetzt sowieso insane und nur so 50% enjoyable. :') sorry for making this worse still, haha, ich habe eine vision. (die vision ist: holding hands like your life depends on it), this is based on meinem schlimmsten hexenschuss to date, don’t know what getting shot feels like aber this one felt like dying!!!!

Chapter Text

IM LEBEN

 

I am tired and I am weak.
But my hands they are soft and they are clean.

— ben howard, “time is dancing” (live)

 

№ 1: “please don’t cry”

Makatao verschwamm vor Peters Augen. Es war ein scharfer, plötzlicher Schmerz, der genauso schnell verschwand, wie er aufgetreten war. Er stolperte rückwärts und ging in die Knie, wie willenlos knickten sie unter ihm weg.

„Ach du Scheiße“, sagte Skinny, mehrmals. „Was hast du gemacht?“

Es fühlte sich unwirklich an, nicht so, als geschehe es im echten Leben. Peter fand sich auf dem Boden wieder, er musste gefallen sein. Ihm war schwindlig.

So etwas passierte den Drei Fragezeichen nicht, noch viel weniger ihm, der er allein auf einer mikronesischen Insel gefangen war. Wollten sie nicht entkommen?

Dann stürzte das Gefühl über ihm zusammen.

Der Schmerz war nicht auszuhalten. Tränen liefen ihm sofort über die Wangen, er bekam keine Luft. Er konnte nichts anderes tun als zu weinen.

„Hol die anderen!“ Wieder Skinnys Stimme, kopflos, fast grell vor Angst. „Ist hier irgendjemand ein echter Doktor? Wir brauchen Hilfe!“

Es roch nach Blut. Ihm wurde eiskalt, er hatte kein Gefühl mehr in den Händen. Das Einzige, was Bestand hatte, war der Schmerz. Die C-Fasern greifen gleich, hörte er Justus in seinem Kopf, es wird gleich besser. Peter konnte nicht atmen, konnte nicht denken, konnte nur wehtun.

„Sag mir, wo“, sagte Skinny. Sein Gesicht tauchte bleich in Peters Sichtfeld auf. Er musste neben ihm knien. Mit fliegenden Fingern versuchte er, Peters T-Shirt hochzuziehen.

Wo war Juan? Juan hatte abgedrückt, es kam ihm klar in den Sinn, er hatte auf ihn geschossen.

Peter konnte nicht sprechen.

Skinny war aus seinem eigenen T-Shirt geschlüpft, drückte es gegen Peters Brust. Das Blut war feucht und warm. Er hatte ein Gesicht, das jedes Gefühl verriet. Man konnte es ihm von den Lippen lesen, die Angst, die Überforderung.

Er sah ihn so ehrlich entsetzt an, als müsse Peter auf der Stelle sterben.

Über ihnen ging die Sonne auf, so ruckartig, wie sie es in den vorangegangenen Tagen schon getan hatte. Am Äquator waren die Wechsel kurz.

Peter wollte die Augen schließen. Er würde seine Familie nie wiedersehen, er würde nicht lebendig von der Toteninsel zurückkehren.

Er wusste nicht, ob Skinny mit ihm sprach oder mit sich selbst: „Bitte, heul jetzt nicht. Atme, weiteratmen.“

Der scharfe Schmerz stumpfte endlich ab in etwas Dumpfes, Glühendes. Tränen brannten salzig an Peters Schläfen. Der Himmel war blau und weit über ihm. Ihm war kalt. Wenn er nur die Augen zumachen würde.

„Verlier nicht die Nerven, Shaw. Weiteratmen.“

Irgendwo in der Ferne hörte er den Dschungel. Die Insekten, das Blätterdach, die schwüle Hitze, die sich zu einem Rauschen verdichtete. Sie wollten entkommen.

„Atme“, sagte Skinny.

Peter sah ins tiefe Blau über ihnen. Alles war still, war bewegungslos, war bebend, und leer war die Weite des Himmels.

„Ich kann das nicht allein –“

Skinnys Hand fand seine. Er drückte zu, hielt sie so fest umklammert, als würde das etwas helfen. Er versuchte, die Ruhe zu bewahren. So war das also, zu sterben.

Etwas anderes, durch den Dschungel hindurch, ein tiefes Brummen, eine Maschine im Anflug. Niemand kehrte von Makatao zurück, und niemand verirrte sich hierher.