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Basti saß auf seinem Bett und verfolgte gebannt den Film auf dem Fernseher. Er hatte ihn ausgesucht, wie es abgemacht war. Zombey war es sowieso egal. Er verbrachte einfach nur gern Zeit mit Basti. Gerade jetzt wo sie einander nicht einmal mehr in der Schule sahen.
Weil Zombey eine Klassenstufe älter war, überlappten mittlerweile nicht einmal mehr ihre Pausenzeiten regelmäßig. Außerdem war Basti sowieso immer bei seinen Freunden und Zombey bei seinen.
Auf dem Fernseher redete Sherlock Holmes gerade auf Watson ein, wie er es in der vergangenen Stunde schon öfter getan hatte.
Blind griff Zombey in die Chips-Schüssel auf Bastis Schoß und stieß dabei ausversehen gegen dessen Hand. Erschrocken zuckte er zurück: Bastis Finger waren eiskalt.
"Warum sind deine Hände so kalt?", fragte er über die Filmmusik hinweg.
"Weiß' nich'", gab Basti zurück und schob sich dann einige Chips in den Mund.
Ohne weiter nachzudenken, griff Zombey nach seiner Hand und schloss sie in seine.
Und für einen kurzen Moment bewegte sich keiner von ihnen, dann grinste Basti und legte seine andere Hand auf Zombeys: "Gegenfrage: Warum sind deine Hände so warm?"
"Weiß' nich'", echote Zombey und grinste leicht zurück.
Für einige Momente zögerte Zombey, dann riss er den Blick von Basti los und sah wieder zum Bildschirm, auf dem Holmes gerade durch irgendwelche Gänge schlich, Watson dicht hinter ihm.
Bastis Hände lagen noch immer kühl auf seinen.
Leicht drückte Zombey zu - um sie besser wärmen zu können - und Basti drückte zurück.
Als Herr Funke endlich den Unterricht beendete, dauerte es kaum 10 Sekunden bis Kevin neben ihm stand und ungeduldig auf den Füßen hin und her wippte.
"Man, Basti, jetzt beeil dich doch mal.", beschwerte er sich, während Basti seine Sachen einpackte.
"Beruhig dich, Kevin, wir stehen in der Mensa sowieso ewig", so war es schließlich immer, wenn Herr Funke überzog.
Zu Kevins Glück schulterte Basti jedoch nur Sekunden später seinen Rucksack und folgte ihm Richtung Tür.
Weit kamen sie jedoch nicht, denn vor der Tür wartete Zombey auf ihn.
"Hey, na?", begrüßte der ihn und Basti griff instinktiv nach seiner Hand.
"Na?"
"Ich habe gehört, dein Handy ist leer?", fragte Zombey und ignorierte Kevin.
Betreten nickte Basti - er wunderte sich mittlerweile nicht mehr, woher Zombey seine Infos nahm: "Ja, leider."
"Du kannst meine Powerbank haben, gib sie einfach am Wochenende zurück.", erwiderte Zombey und kramte einhändig in seinem Rucksack.
"Echt?", überrascht sah Basti ihn an, "Danke, das ist echt lieb von dir!"
Zombey grinste und reichte ihm die Powerbank: "Kein Ding."
Unbewusst drücke Basti Zombeys Hand, dann fragte er: "Willst du mit uns in die Mensa? Wir haben bestimmt noch einen Platz für dich."
"Ne, passt schon, ich geh mit Manu und Claus in die Stadt, wir haben 'ne Freistunde."
Basti lächelte: "Stimmt, dann viel Spaß, ich freu mich auf Samstag."
Zombey lächelte zurück und Bastis Bauch kribbelte: "Danke, ich freu mich auch."
Damit drückte er seine Hand ein letztes Mal und verschwand dann den Gang hinunter.
"Was war das?", fragte Kevin plötzlich.
"Hm?", Basti steckte sein Handy an die Powerbank und sah seinen besten Freund an, "Das war mein Nachbar."
"Das weiß ich, Bro.", erwiderte Kevin und zog die Stirn kraus, "Aber was ging da grad bitte ab?"
"Was meinst du? Er hat mir seine Powerbank geliehen.", schnell schaute er auf die Uhr auf seinem frisch neugestarteten Handy, "Komm, wir sollten uns beeilen, wenn wir noch in Ruhe essen wollen."
Geduldig beobachtete er wie Basti seine Schuhe ordentlich neben den anderen aufstellte und dann seine Jacke an der Aufhängung an den Kleiderhaken hängte.
Kaum war er fertig, drehte er sich auch schon zu Zombey um und ergriff seine ausgestreckte Hand.
Ein Lächeln huschte über seine Züge als Zombey ihre Finger miteinander verschränkte. Er konnte gar nicht anders, als es zu erwidern und ihn dann in Richtung seines Zimmers zu ziehen.
Wie auf Autopilot ließ er sich sofort auf sein Bett fallen und zog Basti dabei mit sich, der neben ihm landete und leise lachte.
Sein ehrliches Lachen, das, das mit der Zeit tiefer wurde.
Zombey musste lächeln, musste er immer, wenn Basti lachte.
Immer noch grinsend drehte Basti sich zu ihm: "Wollten wir nicht eigentlich Hausaufgaben machen?"
"Du wolltest das.", gab Zombey nun ebenfalls grinsend zurück, "Ich wollte dir dabei zusehen, wie du an den Aufgaben vom Funke verzweifelst."
Basti sah ihn beleidigt an: "Man, Zombey, du kannst ruhig mal deine Lösungen rausrücken, du hattest doch letztes Jahr auch mit ihm."
Unbewusst hatte Basti ihre verschränkten Hände gedrückt und Zombey wurde in seinem Hoodie ein bisschen warm.
"Ne, die kannst du schön selber machen, sonst lernst du es ja nicht."
Mit hochgezogenen Augenbrauen sah Basti ihn an - sie wussten beide, dass er sowieso nur das absolute Minimum an Zeit in die Schule steckte.
"Du weißt, dass der Funke 'nen Test schreibt, wenn jemand die Hausaufgaben nicht hat.", antwortete Basti und setzte seinen besten Hundeblick auf.
"Das macht der immer noch?", fragte Zombey ungläubig nach und rutschte unbewusst näher zu Basti.
"Ja", antwortete der zerknirscht und schloss die Augen.
Meistens sah man es ihm nicht an, aber er schlief nicht genug. Zombey war aber oft auch nicht besser.
"Okay, wir machen jetzt so 'ne Stunde Pause und dann schauen wir uns das zusammen an. Kann nicht schaden, wenn ich das auch nochmal wiederhole.", entschied Zombey und Basti öffnete überrascht die Augen.
"Echt?", er nickte und lächelte.
Basti sah zwar erschöpft aus, aber gerade strahlte er so sehr, dass Zombey sich fast einbildete, geblendet zu werden.
Reflexartig zog er Basti näher zu sich und schlang seinen freien Arm um ihn.
"Komm her."
Basti atmete überrascht aus, entspannte sich dann aber sofort und vergrub sein Gesicht an Zombeys Brust.
Und für einen kurzen Moment dachte er, dass sein Herz einfach stehen bleiben würde, bevor es einfach wieder kräftig anfing zu pumpen, als wäre nichts gewesen.
Basti hörte schon seit einer Weile die Stimme seiner Mutter aus der Küche.
Zwischen ihren immer kürzer werdenden Antworten konnte er immer wieder Zombey ausmachen, der alle seine Überzeugungskünste aufbrachte, um zu ihm zu dürfen.
Am liebsten wäre Basti zu ihnen gegangen und hätte Zombey in sein Zimmer gezogen, bevor seine Mutter widersprechen konnte.
Doch wäre der Gips um sein Bein nicht, wäre Zombey sowieso schon lange hier und müsste erst gar nicht auf seine Mutter einreden.
Im nächsten Moment hörte er seine Mutter seufzen und etwas sagen, dass wie "Aber nur eine Stunde" klang.
Zombey bedankte sich und Basti war sich sicher, dass nur er den selbstzufriedenen Unterton in seiner Stimme hörte.
Nur wenige Momente später klopfte es an seiner Zimmertür und Zombey trat ein.
"Hallo", lächelte er und blieb neben dem Bett stehen.
"Hi, Zombey.", schwerfällig rückte Basti ein Stück zur Seite, wobei ein stechender Schmerz durch sein Bein zuckte.
Scharf atmete er ein und konzentrierte sich darauf sein Bein vorsichtig zu entspannen.
"Alles gut?", fragte Zombey und setzte sich vorsichtig auf die Bettkante.
"Ja", erwiderte Basti schnell und deutete ihm, sich neben ihn zu setzen, "Alles gut, es ist schon nicht mehr so schlimm."
Skeptisch beäugte Zombey den weißen Gips um Bastis Bein, kletterte dann jedoch neben ihn, wobei seine Hand auf Bastis Bauch zur Ruhe kam.
"Da bin ich mal zwei Tage weg und schon brichst du dir was."
Leicht lachte Basti und lehnte sich in Zombeys Umarmung: "Wie war's bei deiner Familie?"
"Ganz gut. Anstrengend aber gut.", antwortete er und schob seinen anderen Arm hinter Bastis Rücken, um ihn noch näher zu sich zu ziehen, "Geht das so?"
Schnell nickte er und spürte wie Zombey sich gegen ihn entspannte: "Das freut mich."
Stille breitete sich zwischen ihnen aus.
Zombeys Körper war warm gegen seine Seite und für einen Moment wirkten die leichten Schmerzen in seinem Bein deutlich erträglicher.
Nach einer Weile veränderte Zombey vorsichtig seine Position, was Basti zum Schmunzeln brachte - er hatte noch nie lange stillsitzen können, auch wenn er sich wohl fühlte.
Kaum saß er wieder still, vergrub er seine Nase in Bastis Haaren.
"Wie ist das eigentlich passiert?", fragte er dann leise.
"Das ist eine längere Geschichte.", erwiderte Basti und drehte seinen Kopf so, dass er gerade Zombeys Kinn erkennen konnte.
"Ich hab Zeit.", antwortete Zombey und brachte Basti damit zum Lächeln.
Er ließ sich noch ein Stück mehr gegen Zombey sinken, bevor er begann von Kevin und dem Fußball zu erzählen.
Bastis Beine lagen quer über seinen Schoß, während Zombey konzentriert auf den Fernseher sah und versuchte noch ein paar gute Buttonpresses reinzukriegen.
Es war ungewohnt, jetzt wo der Gips durch eine einfache Bandage ersetzt worden war, doch Zombey hatte noch immer nichts dagegen - obwohl es seine Bewegungsfreiheit einschränkte.
Bastis Nase steckte in einem Buch, dass er für die Schule lesen musste. Weit war er damit jedoch nicht gekommen, denn Zombey war sich ziemlich sicher, dass er für die letzten drei Level maximal einmal umgeblättert hatte.
Plötzlich war er sich nicht einmal sicher, ob Bastis Augen sich überhaupt von der einen zur anderen Seite bewegt hatten.
Kurz zögerte er, dann pausierte er das Spiel und sah zu Basti.
"Alles gut?", sofort zog Basti sein Buch weg und strahlte ihn an.
"Ja, was soll sein?", antwortete er, sein Buch lag vergessen neben ihm.
Zombey runzelte die Stirn, konnte sich sein Grinsen aber nicht verkneifen: "So schlimm?"
Basti ließ den Kopf in den Nacken fallen und gab einen gequälten Laut von sich.
"Es ist sterbenslangweilig. Und jedes dritte Wort benutzt keiner mehr!", beschwerte er sich und sah wieder zu Zombey hoch, "Ich weiß ja, dass es wichtig ist, allgemeine Bildung und so, aber das macht es nicht spannender."
Mitfühlend tätschelte Zombey sein unverletztes Bein: "Soll ich vorlesen?", fragte er halb scherzhaft.
Ein leichter Rotschimmer legte sich auf Bastis Wangen und er lachte leicht: "Ne, da kann ich mich ja nur noch weniger konzentrieren."
Zombey grinste und griff trotzdem nach dem Buch: "Egal, dann hast du es zumindest schon mal gehört, ein bisschen bleibt bestimmt hängen."
"Zombey.", erwiderte Basti leicht genervt und griff nach Zombeys Hand, verfehlte jedoch weit, "Gib mir mein Buch wieder zurück, bitte."
"Ähm…", überlegte Zombey und grinste leicht, "Nö."
Belustigt verdrehte Basti die Augen, stemmte sich mit einem Arm hoch und griff mit der anderen nach Zombeys Handgelenk.
Doch anstatt ihm das Buch zu entwenden, zog er sich weiter hoch, sodass er plötzlich auf Zombeys Schoß saß.
Keiner von ihnen bewegte sich. Zombey starrte einfach nur auf Bastis viel zu nahes Gesicht, auf das sich nach und nach ein hauchdünner Rotschimmer legte.
Er wusste nicht wie viele Momente vergingen, oder wann seine Hand instinktiv auf Bastis Rücken gelandet war, um ihn zu stützen. Aber plötzlich waren Bastis Augen viel näher, bis sie gar nicht mehr da waren und etwas seine Lippen berührte.
Für einen Augenblick fühlte er nur:
Den warmen Atem, der nicht sein eigener war.
Die weichen Haare, die seine Stirn kitzelten.
Die sanfte Haut gegen seine.
Dann schaltete sich sein Kopf ein und er riss erschrocken die Augen auf, im selben Moment, in dem auch Basti zurückzuckte - so heftig, dass, würde Zombey ihn nicht halten, er rückwärts vom Bett gefallen wäre.
Zombeys Körper war warm gegen seinen.
Seine Hände lagen fest auf Bastis Rücken, erdeten ihn im Moment. Ohne sie wäre er vielleicht einfach weggeflogen.
Egal, wie oft Zombey ihn küsste. Oder wie oft, er Zombey küsste, jedes Mal wieder fühlte sich alles so viel leichter an.
Als wäre die Gravitation plötzlich weniger stark.
Seine Lippen waren weich, seine Haare kitzelten Basti am Hals und seine Arme um ihn herum, ließen seinen ganzen Körper kribbeln.
Basti wusste nicht genau, wie lang sie schon so lagen und irgendwie war das auch nicht wichtig. Denn einfach das Gefühl von Zombeys Lippen auf seinen zu spüren, war mehr als genug, um jegliche Langeweile zu vertreiben.
Irgendwann wanderte Zombeys Hand zu seiner Wange und drückte sanft seinen Kopf hoch.
Sofort öffnete Basti die Augen und sah ihn fragend an: "Alles gut?"
"Ja", Zombey lächelte ihn an, "Ich wollte dich nur anschauen."
Basti spürte, wie ihm die Röte in die Wangen schoss.
Langsam stützte er sich mit einem Arm hoch, um seinen Kopf nicht mehr so sehr verrenken zu müssen und sah ebenfalls zu Zombey herunter.
Seine Wangen waren gerötet, seine Lippen ebenfalls und seine Augen strahlten.
Alles in ihm kribbelte bei dem Gedanken, dass er dafür verantwortlich war.
Mit keinem seiner anderen Freunde war es so einfach, nichts zu tun, sich einfach nur anzusehen, nicht einmal mit Kevin.
Zombey war irgendwie etwas besonderes.
Sanft wurde Basti aus seinen Gedanken gerissen, als Zombey leicht mit seinem Daumen über seine Wange fuhr.
Vorsichtig lächelte er zurück und lehnte sich dann herunter, um Zombey kurz zu küssen.
Für einen Moment erlaubte er sich, das Gefühl zu genießen, dann löste er sich und legte seinen Kopf auf Zombeys Brust ab, direkt unter seinem Kinn.
Zombeys Arme schlossen sich noch fester um ihn und er konnte seinen regelmäßigen Herzschlag hören.
Er war froh, mit Zombey befreundet zu sein.
Auch, wenn sie nicht so viel Zeit mit einander verbrachten, wie er mit seinen restlichen Freunden.
Die Zeit, die sie hatte, wollte er mit niemand anderem verbringen.
"Übrigens.", meinte Basti und sein Magen drehte sich ein wenig um.
Zombey würde sich für ihn freuen, bestimmt, hatte Kevin schließlich auch.
Sofort pausierte Zombey sein Spiel und drehte sich zu Basti um, der gegen das Kopfteil seines Bettes gelehnt saß und ihm zusah.
"Ich bin jetzt mit Luisa zusammen", nervös spielte Basti mit seinen Fingern und beobachte Zombeys Reaktion, "Sie hat mich gestern gefragt und ich habe ja gesagt."
"Oh", rutschte es Zombey heraus und plötzlich fühlte sich sein Magen an, als würde er sich übergeben müssen. Dabei wollte er sich doch für Basti freuen, tat er doch auch.
"Also, ich mein, Glückwunsch, das ist schön.", alles daran fühlte sich falsch an, dabei ging es doch darum, dass Basti glücklich war.
Irgendwas an Zombeys Haltung drückte Basti die Luft weg, doch er zwang sich zu lächeln: "Ja, ist es."
Er hätte sich selbst nicht geglaubt. Alles fühlte sich falsch an.
Doch jetzt war es raus. Außerdem war es nicht fair gegenüber Luisa, alles zu hinterfragen, nur weil er sich einbildete, dass Zombey sich komisch verhielt.
Zombey zwang sich zu einem schiefen Grinsen und wandte sich dann wieder seinem Spiel zu: "Vergiss mich einfach nicht."
