Actions

Work Header

Schrottwichteln

Summary:

Jason Todd darf sich endlich der kleinen Gruppe von Barbara und Dick anschließen und am diesjährigen Schrottwichteln teilnehmen? Aber was für Müll schenkt man seiner Familie und wieso wurde er bisher als "zu jung" für die Teilnahme eingestuft?

Notes:

Work Text:

„Hey, Hood!“, begrüßte ihn Nightwing, als er sich neben ihm aufs Dach schwang. Jason hatte eigentlich gerade seinen Hamburger genossen, aber seine Familie schien ein ständiges Bedürfnis dafür zu haben, ihn zu stören.

„Was gibt’s?“, fragte Jason und nahm einen letzten, großen Bissen, bevor er aufstand und mit verschränkten Armen darauf wartete, dass Dick mit der Sprache herausrückte.

„In zehn Tagen ist Weihnachten.“

Jason blinzelte einmal. Zweimal. Nach dem dritten Mal, ergab es immer noch keinen Sinn.

„Ich weiß. Ich habe einen Kalender. Was ist damit?“

Dick grinste bis über beide Ohren, während er sich vorlehnte und es anscheinend gar nicht erwarten konnte, auf den Punkt zu kommen. Aber natürlich musste Jason erst nachfragen, denn ansonsten machte es keinen Spaß. Manchmal liebte Jason Bruce‘ direkte Art.

„Babs und ich haben uns gefragt, ob du dieses Jahr bei unserer Schrottwichtel-Runde teilnehmen möchtest.“

Nun konnte Jason doch nicht verhindern, dass sich seine Augen überrascht weiteten. Er wusste noch genau, wie in seinem ersten Jahr als Robin Nightwing niedergeschlagen war, weil Barbara ihn als zu jung fürs Schrottwichteln betrachtete. Jason hatte einfach nur vermutet, dass Barbara etwas Kostbares von Dick wollte und keinen Schrott, aber dass änderte nichts daran, dass er im Jahr darauf niedergeschlagen war, weil plötzlich Dick teilnehmen durfte, aber Jason dafür zu jung war. Viel zu jung. Er war gut sieben Jahre jünger als Dick und das hieß, dass die beiden ihm erklärten, dass er diese sieben Jahre warten musste.

Nach seiner Rückkehr von den Toten hatte er nicht mehr darüber nachgedacht und auch nach seiner festen Rückkehr in die Batfamily hatte er keinen Gedanken daran verschwendet. Aber jetzt stand Dick vor ihm und sprach eine öffentliche Einladung aus.

„Wie sehen die Regeln aus?“, fragte Jason nach und Dick nickte ganz stolz, als wäre er ein Lehrer, der seinen Schüler in einer alten Kunst unterwies.

„Dieses Jahr wir es endlich spannend, dadurch dass Cass und du dazukommt. Endlich können wir es richtig spielen. Jeder packt ein Geschenk ein, welches nicht viel wert ist und welche man sich niemals selbst kaufen würde. Es sollte mit Müll vergleichbar sein, aber Sachen, die weggeworfen wurden, gehen trotzdem nicht in Ordnung.“ Dick verzog den Mund, als er daran dachte, wie er es einmal gewagt hatte Barbara tatsächlich Müll zu schenken. Sie war nicht begeistert gewesen. Und dadurch, dass sie nur zu zweit waren, war sie auch nicht davon begeistert gewesen, dass er versucht hatte es auf den lebendig gewordenen Weihnachtsbaum zu schieben. „Pack es ein und gibt es Alfred zur Aufbewahrung. Am vierundzwanzigsten Dezember, vor dem Abendessen, ziehen wir uns zurück und jemand fängt damit an ein Geschenk auszusuchen, dass nicht ihm gehört. Der nächste an der Reihe kann es sich, wie es üblich ist, stehlen oder selbst eins auspacken, solange, bis jedes Geschenk ausgepackt ist. Die Detektive unter uns können sogar versuchen zu erraten, von wem das Geschenk stammt.“

Jason blinzelte mehrere Male. Diese Regeln waren komplett normal. Warum genau, hatte man ihn nie teilnehmen lassen? Man möge meinen, dass Dick und Barbara in ihrer Jugend lieber einen Spieler mehr gehabt hätten, als genau zu wissen, von wem das Geschenk stammt.

„Hast du vergessen zu erwähnen, wieso wir die Kids aus diesen Spielen außen vorlassen? Versteh mich nicht falsch: Ich bin dafür, dass sie genauso lange warten, wie ich, aber trotzdem klingt es ziemlich willkürlich.“

Dick zuckte mit den Schultern. „Ich glaube das hängt damit zusammen, was Barbara gerne verschenkt. Sie hat seit Jahren dasselbe Muster … du wirst es schon selbst bemerken.“

Jason verdrehte die Augen. „Danke, Mister Geheimnisvoll für absolut gar nichts.“

„Nichts zu danken!“

 


 

„Okay, willst du mir verraten, worüber du nachdenkst oder mir weiter auf die Nerven gehen?“, fragte Tim und blickte Jason mit zornigen Augen an. Dabei hatte Jason nur die Reifen seines Bikes gewechselt, während er versuchte herauszufinden, welches Geschenk er wählen sollte. Es musste etwas sein, dass so gut war, dass man ihn nächstes Jahr wieder einlud, aber alle Kriterien erfüllte. Am Besten wäre es, wenn es etwas war, womit niemand rechnete und das war in ihrer Familie verdammt schwer.

„Tut mir aber leid, dass der notwendige Service unser Prinzesschen stört.“

Tim blickte ihn unbeeindruckt an, auch, wenn Jason genau wusste, dass er diesen Spitznamen am allerwenigsten mochte. „Wir wissen beide, dass das Bullshit ist. Du denkst eindeutig über etwas nach und es nervt.“

„Aber nur weil du nicht weißt, worüber ich nachdenke.“ Jason versuchte gar nicht sein Grinsen zu verstecken. Tim könnte es an einem normalen Tag nicht egaler sein, wenn andere sich den Kopf über etwas zerbrachen, aber nur solange er wusste, worum es ging. Wenn er es wusste, konnte er schön selbst entscheiden, ob er sich raushielt oder nicht. Aber heute hatte er sich eingemischt und Jason würde dafür sorgen, dass er es bereute. „Aber ich bin so nett und verrate es dir: Ich überlege mir gerade ein Geschenk fürs diesjährige Schrottwichteln.“

Es hatte genau die Reaktion, die er sich erhofft hatte. Tim schnappte zwar nicht laut nach Luft, aber es war so nahe dran, dass Jason sich jede Sekunde davon merkte. „Du … aber … wieso? Wieso darfst du plötzlich mitmachen?“

„Vielleicht, weil ich älter bin als du, Timberly.“

Tims rechte Augenbraue fing bedrohlich das Zucken an und Jason wusste genau, dass er einen Nerv getroffen hatte. Noch besser: Er wusste genau wie Tim sich fühlte und es war gut zu wissen, dass man endlich nicht mehr Teil dieser „zu jungen“ Gruppe war.

„Ich bin emanzipiert! Alter sollte keine Rolle mehr spielen!“

„Tut es aber.“

Die Worte, die Tim daraufhin verwendete, waren nicht mehr jugendfrei.

 


 

Leider fand Jason nach dieser Konversation trotzdem nicht schneller ein gutes Geschenk. Es dauerte bis zum 23. Dezember und es war reinster Zufall, als er auf die kleine Figur stieß. Er verstand zwar nicht, wieso jemand so etwas anfertigen würde und vor allem wer so mutig war den dunklen Ritter von Gotham zu verärgern, aber es war perfekt und das reichte Jason.

„Master Jason, ich muss gestehen es ist eine schöne Abwechslung dieses Jahr nicht nur von Miss Gordon frühzeitig die Wichtelgeschenke zu erhalten.“

Jason blickte Alfred verdutzt an. Er hatte fest damit gerechnet, dass Dick und Cass bereits ihre Geschenke gefunden hatten, aber anscheinend war er noch früh dran mit seinem last-minute Glückstreffer.

„Warum haben Dick und Barbara in den letzten Jahren überhaupt die Geschenke bei dir verwahrt, Alfred? Jetzt ergibt es Sinn, wenn man nicht sofort wissen soll, von wem was kommt, aber mit nur zwei Spielern klingt das wie Zeitverschwendung.“

Alfred lachte auf seine eigene Art und Weise. Es war kein lauter Ton, aber dafür ein Schmunzeln, welches eindeutig zeigte, dass er es für eine amüsante Frage hielt.

„Die beiden Herrschaften haben es sich in den letzten Jahren zur Aufgabe gemacht zu erraten, welches Geschenk in der Verpackung steckt. Während Master Richard Miss Gordon’s Muster schnell erkannt hat, war es eine wahre Herausforderung Master Richards Geschenke zu erraten. Die Verwahrung in meinen Händen sollte nur gewährleisten, dass es niemand wagt zu schummeln.“

Verständnis breitete sich auf Jasons Gesichtszügen aus. Während es durchaus möglich war in Dicks Zimmer einzubrechen und herauszufinden, was er gekauft oder gefunden hatte, würde es niemand im Haus wagen in Alfreds Zimmer zu gehen. Niemand von ihnen hatte jemals die Erlaubnis erhalten und niemand von ihnen würde es jemals wagen sein Vertrauen so zu missbrauchen. In dieser Familie gab es sehr wenig Privatsphäre, aber Alfreds Zimmer gehörte nur ihm. Jason war sich ziemlich sicher, dass Alfred sich nicht zu schade wäre auf jemanden zu schießen, der seine Tür öffnen würde.

Als Jason die Küche verließ, kam ihm Cass entgegen. Anhand ihres unschuldigen Blicks wusste er sofort, dass auch sie ein Geschenk gefunden hatte, aber viel wichtiger war, wie glücklich sie schien. Er hatte es sich selbst noch nicht eingestanden, aber es war wohl ein schönes Gefühl zu wissen, dass man Teil einer Familientradition war.

 


 

Niemand machte sich etwas vor. Die Blicke von allen Familienmitgliedern, als sie verkündeten, dass sie sich für ihre Schrottwichtel-Aktion zurückziehen würden, waren einfach nur köstlich. Jason sog sie in sich auf und genoss, dass all diese nervigen Kletten nicht alt genug waren, für das, was kommen würde. In ihren Köpfen würden sie sich so viel vorstellen und nichts würde die Realität widerspiegeln.

Neid war etwas ganz Schönes.

„Irgendwann müsst ihr mich auch einladen“, murmelte Bruce finster in seine Kaffeetasse hinein, aber niemand im Raum hatte Mitleid mit ihm. Viel eher schien es für einen Moment, dass Dick absolute Angst davor hatte, dass Bruce jemals ihren Kreis beitreten könnte. Langsam fragte sich Jason wirklich, was Barbara jedes Jahr verschenkte, um so eine Reaktion hervorzurufen.

„Du bist eben nicht alt genug“, äffte Tim in Bruce‘ Richtung und schickte dann einen finsteren Blick der Gruppe hinterher, die den Raum verließ. Cass besaß sogar noch die Frechheit sich kurz umzudrehen und zu Grinsen. Das war ihr „Ich stecke dir die Zunge heraus, ohne es wirklich zu tun“-Grinsen. Bevor sie ein Kissen treffen konnte, war sie bereits im Gang und verschwand mit der Gruppe in einen kleinen Raum, der so gut wie nie genutzt wurde und dessen Verwendungszweck wohl bereits vor fünfzig Jahren verloren gegangen war.

Alfred hatte bereits vier Geschenke auf dem Tisch verteilt und ohne länger zu warten, setzten die Vier sich. Sie hatten eine halbe Stunde, bevor es Essen geben würde und bis dahin mussten sie durch sein. Nicht, dass Jason glaubte, dass es besonders lange dauern würde.

„Der Jüngste beginnt“, meinte Cass entschlossen und blickte Jason dabei bestimmt an. Er fand es immer noch nicht fair, dass ein Kind, dass nach ihm in die Familie kam, älter war als er, aber heute war ein friedlicher Tag, also ließ es Jason zu.

Vielleicht wollte er aber auch einfach die Chance haben, das buchförmige Objekt auf dem Tisch als erstes zu öffnen, bevor jemand anderes die Chance dazu hatte.

Als er Dicks fettes Grinsen sah, wusste Jason, dass er soeben Barbaras Geschenk gezogen hatte.

„Wirklich, du verschenkst ein Buch?“, fragte er überrascht und misstrauisch, aber er wusste, wie sich ein Buch in seiner Hand anfühlte. Kaum hatte er das Geschenkpapier entfernt, blickte er bereits auf ein blaues Cover mit einer Zeichnung von einem Fisch darauf. The Office of Gardens and Ponds von Didier Decoin. Der Titel sagte Jason nichts und so blicket er fragend in die Runde. Er hatte bereits mit schlimmeren gerechnet, als Dick erwähnt hatte, dass nur Barbaras Geschenke der Grund war, wieso die Runde aus „Erwachsenen“ bestand.

Dick schüttelte einfach nur den Kopf, als er sah, wie ahnungslos sein kleiner Bruder war. „Babs verschenkt gerne die Bücher, die einen Award für schlechte Sexszenen gewonnen haben. Ich würde lieber mein eigenes Grab schaufeln, als zu wissen, dass meine kleinen Geschwister oder Bruce eines dieser Bücher wirklich liest.“

„Ich fand schon immer, dass wenn jemand ein Schrottwichteln abhält, bei dem es darum geht, Schrott zu verschenken, man sich nicht wundern soll, wenn man so etwas bekommt“, rechtfertigte sich Barbara, aber sie alle wussten, dass es vermutlich aus Scherz mit einen dieser Bücher begonnen hatte und sie es danach nur noch aus Traditionsgründen gewählt hatte. „Aber egal, Cass du bist dran. Willst du das Buch stehlen oder lieber ein Geschenk aufmachen?“

Cass überlegte keine Sekunde, bevor sie den Kopf schüttelte und auf ein Geschenk zeigte, dass Jason bekannt vorkam. Es war seins gewesen und er konnte nicht verhindern, dass er schluckte. Es würde ihr nicht gefallen, oder?

Aber Cassandra nahm es und blickte dabei kurz zu Jason. Sie wusste genau, von wem es kam und es war zu spät, um sich umzuentscheiden. Langsam und vorsichtig, entfernte Cass das Geschenkpapier und legte es ordentlich auf die Seite, bevor sie sich die Batman-Figur interessiert ansah. Batman saß auf einem geschlossenen Klodeckel und las eine Zeitung. Die Details waren nicht fein ausgearbeitet, immerhin war es eine billige Figur gewesen, aber Cass lächelte trotzdem. Zwei Sekunden später verschwand ihr Lächeln, als Dick zum Lachen begann.

Dick war als nächstes an der Reihe und schien nichts von ihrem Blick zu bemerken, als er verkündete: „Das will ich haben.“

„Dick“, versuchte Jason ihn zu warnen, aber es war bereits zu spät. Dick streckte seine Hände nach dem Geschenk aus und merkte erst jetzt, dass Cass ihn geschockt anblickte und alles andere als glücklich schien. Viel eher schien es so, als würde sie für dieses Geschenk in einen Kampfring steigen. Keiner von Gothams Schurken würde es in diesem Moment mit ihr aufnehmen wollen.

„Okay … Okay, du kannst es haben.“

Somit blieb Dick nichts anderes übrig, als zu Cass‘ Geschenk zu greifen. Sein eigenes war ziemlich zerknittert eingepackt, aber Cass hatte sich etwas mehr Mühe gegeben. Das Geschenkpapier war lila und vermutlich Stephanies Idee gewesen. Ihre Art zu sagen: Ich bin da, auch, wenn ihr mich nicht dabeihaben wollt.

„Ich bin mir sicher, egal, was du gewählt hast, es ist toll“, meinte Dick und setzte ein Lächeln auf, um wieder auf Cass‘ gute Seite zu kommen. Diese nickte und klatschte begeistert, als Dick es auspackte. Fast sofort strahlte er und zeigte es Jason. „Komm, setzt dich drauf!“

„Idiot“, grummelte Jason, der ganz bestimmt kein Interesse hatte sich auf ein Pupskissen zu setzen. Kurz überlegte er, ob er sein Geschenk gegen Dicks tauschen sollte, aber entschied sich dann dagegen. Es wäre zwar schön zu verhindern, dass Dick in Zukunft sein neues Geschenk überall ausprobierte und Fallen stellte, aber vermutlich würde Dick zum Weinen anfangen, wenn er wieder Barbaras Buch kriegen würde.

Zum Schluss war Barbara dran, die sich mit der Hand erschlagen über die Nase fuhr. „Da habe ich es endlich geschafft dich zu überzeugen, dass Cass und Jason alt genug sind und jetzt kriege ich doch wieder dein Geschenk. Langsam glaube ich, dass wir die Altersbegrenzung aufheben sollten.“ Aber es half nichts. Sie konnte nicht ihr eigenes Geschenk von Jason stehlen, Cass wollte ihr Geschenk behalten und mit Dick zu tauschen, ging auch nicht, da er somit sein eigenes Geschenk bekommen würde. Barbara musste wohl oder übel damit leben, was Dick gekauft hatte.

Wie jedes Jahr.

Sie war nicht einmal vorsichtig, als sie einfach das Papier wegriss und eine Papierrolle enthüllte. Langsam rollte sie das Plakat auf, nur um mit den Augen zu rollen. Es war ein altes Coverbild von Dick, wie er für ein Magazin posiert hatte, aber am Schlimmsten war wohl, dass er es tatsächlich noch mit „Richard Wayne“ unterzeichnet hatte.

Barbara blickte Dick unbeeindruckt an, während Jason sich kein Lachen mehr verkneifen konnte. Wenn die Wayne-Kinder eine Sache gemeinsam hatten, dann war es, dass sie solche Poster durchaus als Müll ansahen. Wenn es die Leute in Gotham nur auch so sehen würden. Es gab bestimmt noch eine Handvoll von Leuten, die dafür eine unnormale Menge an Geld ablegen würden.

„Essen?“, fragte Cassandra mit einem Blick auf die Uhr und die Runde nickte. Nur Barbara hielt Jason und Cassandra noch zurück.

„Verstaut erst eure Geschenke irgendwo, wo sie niemand findet. Was beim Schrottwichteln passiert, bleibt in diesem Raum.“ Sie zwinkerte und musste es Jason nicht zweimal sagen. Sollten seine jungen Geschwister ruhig so lange wie er selbst vor Neugierde leiden.

Das bedeutete es eine Familie zu sein.

Series this work belongs to: