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Funkenflug auf Sendung

Summary:

Magnus Bane ist ein professioneller Journalist.
Er hat Politiker, Künstler und exzentrische Persönlichkeiten interviewt, ohne mit der Wimper zu zucken.

Doch kein Gast hat ihn je so aus der Fassung gebracht wie Professor Alexander Gideon Lightwood. Vielleicht liegt es an seiner ruhigen Stimme. Vielleicht an seinem klugen Blick.
Oder vielleicht… an dieser verdammten Brille.

Notes:

Diese Kurzgeschichte entstand aufgrund dieses Tweets. Matthew Daddario. Brille. Hot — völlig unfair. 🥵 Die Vorlage für Professor Alec Lightwood. 😏

Also … da sind wir nun. Unprofessionelles Anstarren, Spannung , bedeutungsvolle Gespräche und Magnus Bane, der on air komplett den Verstand verliert. 🤭

Viel Spaß 😘❤️

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Die Studiolichter tauchten den Raum in ein warmes, goldenes Leuchten. Draußen fiel bereits der erste Schnee — leise, gedämpft, ja fast schon andächtig. Durch die schmalen Fenster drang der matte Schimmer der bunten Lichterketten hinein, die Magnus Team schon im November aufgehängt hatte. Viel zu früh, hatte Raphael gemault. Magnus lächelte, als er an den Widerstand seines Kollegen dachte. Zum Glück waren Cat und Simon genauso von der Weihnachtszeit begeistert wie er selbst und hatten ihn tatkräftig unterstützt.

Magnus brauchte diese Rituale. Sie halfen ihm, sich in eine Jahreszeit einzufühlen, die er leider nicht nur mit schönen Erinnerungen verband. Und die Lichter brachten die richtige Stimmung, die er für seine Podcast-Sendungen brauchte: Ruhe. Wärme. Dieses kleine Funkeln, das ihm sagte: Es war fast Weihnachten, und die Welt war für einen Moment ein bisschen feierlicher. Stiller. Besinnlicher.

Er mochte das. Diese besondere Atmosphäre. Was er nicht mochte, war die sehr reale Möglichkeit, dass der heutige Gast in seiner Sendung sein Leben aus dem Gleichgewicht bringen könnte.

Magnus drehte unauffällig die Ringe an seinem Finger. Normalerweise beruhigte es ihn, aber nicht heute. Aber konnte man es ihm bei Professor Alexander Gideon Lightwood wirklich verübeln?

Himmel, dieser Mann sah aus wie jemand, der eigentlich nicht wirklich existieren dürfte. Dunkles, dichtes Haar, das perfekt gestylt war, als wäre es von Natur aus so weich und glänzend. Ein Gesicht, fast schon lächerlich harmonisch: klare Linien, ein definierter Kiefer, Wangenknochen, die im richtigen Licht gefährlich scharf wirkten. Und diese leicht gebräunte, ebenmäßige Haut, die das Gesamtbild unverschämt stimmig machte. Hinzu kam diese Ausstrahlung, die mühelos Selbstsicherheit verströmte. 

All das machte Alec Lightwood zu dem Typ Mann, bei dem selbst ein schlichter schwarzer Pullover so aussah, als gehöre er auf das Cover eines Modekatalogs. Die Farbe des Stoffs hob seine Augen noch stärker hervor: dunkel, ruhig, warm. Mit einer Spur Humor, die Magnus in keinem der rein professionell (Ausrufezeichen) eingeholten Informationen über ihn gefunden hatte.

Kurz gesagt: Professor Alexander Gideon Lightwood sah nicht nur gut aus. Er sah gefährlich gut aus. Der Inbegriff von Stil, ohne es im Geringsten zu versuchen.

Doch was Magnus in die Knie zwang, war diese Brille. Diese verflixt perfekt sitzende Brille, die der Professor gerade hochschob, als würde er damit nicht einfach besser sehen, sondern direkt in Magnus Seele blicken.

Großartig. Genau das brauchte er: einen Gast, der mit einer einzigen, winzigen Fingerbewegung seine innere Ordnung wie ein Kartenhaus kollabieren lassen konnte. Magnus grub seine Zähne in seine Unterlippe. Er sollte wirklich aufhören zu starren, bevor es peinlich wurde. Doch es gelang ihm nicht. Denn natürlich war das genau der Moment, in dem sich Professor Lightwood auf den Stuhl ihm gegenüber niederließ.

Magnus versuchte krampfhaft, die Illusion aufrechtzuerhalten, er hätte die Situation vollkommen unter Kontrolle, als der Professor seine langen (gefühlt endlosen) Beine in eine bequeme, leicht gespreizte Position streckte. Himmel, Herrgott nochmal. Er konnte gerade noch ein Kichern unterdrücken und verfluchte Cat in Gedanken. Denn sie hatte ihn überhaupt erst in diese Situation gebracht. Ohne jegliche Vorwarnung hatte sie den Professor eingeladen. „Er ist perfekt für die Folge, Magnus, vertrau mir!“, hatte sie mit einem Augenzwinkern gesagt. “Er wird dir gefallen.”

Magnus hätte gleich misstrauisch werden sollen und fluchte erneut. Vielleicht hätte er nicht so oft über sein einsames Singleleben bei ihr ausheulen sollen.

Für einen kurzen Moment schloss er die Augen und spielte die Informationen über seinen Gast nochmal in seinem Kopf ab. Er hatte heute Morgen kaum Zeit gehabt, die wenigen Informationen zu überfliegen, die Cat ihm zusammen geschrieben hatte: Alec Lightwood war ein preisgekrönter Nachwuchshistoriker mit Schwerpunkt auf kulturellen Narrativen. Ein Mann mit einer Vorliebe für klare Strukturen, präzise Formulierungen und erstaunlich bissige Fußnoten. Jemand, der in Vorträgen mit einer ruhigen Stimme sprach, als würde er jeden Satz erst auf die Goldwaage legen und trotzdem mühelos auf den Punkt treffen. War das nicht alles schon beeindruckend genug gewesen, hatte Magnus das neueste Pressefoto entdeckt (das er natürlich nicht rasch im Internet nachgeschaut hatte): Alec im dunklen Mantel, Kragen hochgeschlagen, ein paar Schneeflocken im Haar, der Blick konzentriert in die Kamera.

Magnus hatte sich dabei ertappt, länger hinzusehen, als eine rein berufliche Vorbereitung jemals erfordert hätte. Etwas in ihm war warm geworden, ein leises Kribbeln tief in seinem Bauch, als hätte jemand einen Funken unter seiner Haut entzündet. Und er hatte sich sofort eingeredet, dass es die Studioheizung war. Oder der Kaffee. Oder irgendeine besonders aggressive Adventsstimmung.

Nicht Alexander Lightwood.

Ganz bestimmt nicht.

Doch selbst dieses Bild hatte ihn nicht im Geringsten auf die Realität vorbereitet. Und Magnus fragte sich inzwischen ernsthaft, ob er während des Interviews eine Art emotionalen Notfallknopf brauchen würde oder ein Beatmungsgerät. 

Er räusperte sich und drückte irgendeinen Knopf auf dem Soundboard, einzig und allein für seine Würde.

Der Professor, oder Alec, wie er sich vorgestellt hatte, sah auf. „Nehmen wir… schon auf?“

Seine Stimme war tief und warm. Natürlich war sie das. Und jagte Magnus einen Schauer über den Rücken.

„Nur wenn du es willst“, sagte er und setzte ein Lächeln auf, das professionell wirken sollte, nicht verstört. Er scheiterte. „Aber wir können langsam anfangen. Keine Eile.“

Alec schob seine Brille zurecht. Seine Finger streiften dabei seinen Kiefer auf eine Art, die absolut illegal war.

„Mir macht es nichts aus, direkt zu starten. Ich bin bereit, wenn du es bist.“

Magnus Gehirn setzte für volle zwei Sekunden aus.

Professionell. Du bist ein Profi.

Er drückte die Aufnahmetaste. Ein leises Piepen ertönte. Stille senkte sich zwischen ihnen,  nicht unangenehm, sondern seltsam geladen, wie ein angehaltener Atemzug. 

„Großartig“, sagte Magnus und ignorierte, wie sehr seine Stimme schwankte. „Heute in Starfall Conversations haben wir Professor Alexander Lightwood, Historiker, Forscher und—“ Er stockte, betrachtete die entspannte Haltung des Mannes ihm gegenüber, wie er eine Hand auf der Armlehne ruhen ließ und die andere in der Nähe seines Kinns. „—unerwartet fotogener Akademiker.“

Alec blinzelte. „Ich… was?“

Magnus zuckte zusammen und versuchte, einen unschuldigen Blick aufzusetzen. „Es ist als Kompliment gemeint. Du hast eine gute Podcast-Ausstrahlung.“

„Wir haben noch nicht einmal angefangen.“

„Eben“, sagte Magnus. „Und schon werden die Zuhörer reihenweise dahinschmelzen.“

Ein Hauch von Farbe legte sich auf Alecs Wangenknochen. Magnus speicherte diese Reaktion für eine spätere Analyse ab, während er gleichzeitig mit der Tatsache rang, dass sein Herz offenbar beschlossen hatte, ohne Vorwarnung und völlig unprofessionell einen Purzelbaum zu schlagen.

Magnus bemerkte eine Bewegung aus dem Augenwinkel und schaute so unauffällig wie möglich zu Raphael, der hinter der Scheibe für Zuschauer saß. Er schüttelte den Kopf und warf ihm einen recht aufgebrachten Blick zu. 

Magnus grinste entschuldigend und lehnte sich in seinem Stuhl zurück, in der Hoffnung die kleine zusätzliche Distanz würde ihm helfen einen kühlen Kopf zu bewahren. Zum Glück war es heute keine Live-Sendungen.

„Okay, nochmal von vorne. Willkommen zurück bei Starfall Conversations“, begann er erneut. „Heute habe ich Professor Alexander Lightwood zu Gast, dessen Arbeit sich mit kulturellem Gedächtnis, Identitätsbildung und den Geschichten beschäftigt, die uns formen.“

Alec verschränkte die Hände ordentlich in seinem Schoß, während er seine Beine ein wenig weiter auseinander schob.

Magnus blinzelte — einmal, dann noch einmal. Sein Blick blieb an Alecs Händen hängen. Es waren lange Finger, in deren Bewegungen eine unverschämte Eleganz lag. Erst eine Sekunde zu spät registrierte Magnus, wo genau er hinsah … und wie man das missverstehen konnte.

Hastig hob er den Kopf, nur um festzustellen, dass Alec ihn bereits mit einem eindeutig amüsierten Ausdruck anschaute.

„Danke, dass ich hier sein darf“, sagte Alec, mit einem Hauch Belustigung in der Stimme, den Magnus geflissentlich ignorierte.

Er schlug seine Beine übereinander, um irgendetwas zu machen, das seine Verlegenheit überspielte. Reiß dich verflixt nochmal zusammen, Bane!

„Alexander, dein neuestes Buch ist…“

Magnus verstummte. Etwas in Alecs Gesicht veränderte sich. Ein kurzes Aufflackern von Überraschung, so fein, dass man es leicht hätte übersehen können.

„Niemand nennt mich Alexander“, sagte Alec leise.

Magnus spürte, wie ihm augenblicklich Wärme im Nacken hochstieg. Großartig, kaum eine Minute und schon der erste Fehltritt. „Entschuldige“, murmelte er schnell. „Ich wollte nicht… ich dachte nur, es klingt respektvoller. Wenn es dir unangenehm ist, nenne ich dich selbstverständlich Alec—“

Alec sah ihn an.

Nicht irritiert. Nicht distanziert.

Sondern mit einer unerwarteten Weichheit, die Magnus fast den Atem nahm. Dann glitt ein kleines, warmes Lächeln über Alecs Lippen.

„Es ist nicht schlimm“, sagte er. „Nur ungewohnt.“

Magnus hob fragend die Augenbrauen. „Ungewohnt… gut? Oder eher ‚Bitte nie wieder‘?“

Alec senkte kurz den Blick, als müsste er seine Antwort abwägen. Als er wieder aufsah, lag darin etwas Offenes, Ehrliches.

„Wenn du es sagst“, meinte er ruhig, „ist es okay.“

Magnus fühlte, wie sein Herz einen sehr unprofessionellen Satz machte. Er zwang sich, nicht zu offensichtlich zu lächeln.

„Gut“, sagte er, bemühte sich um eine stabile Stimme. „Dann… Alexander, dein neuestes Buch ist in aller Munde. Ich könnte es selbst zusammenfassen, aber ich denke, meine Zuhörer verdienen die Expertenversion.“

Alecs Ausdruck veränderte sich leicht und war nun von Begeisterung durchzogen.

„Nun, ganz einfach gesagt, untersuche ich, wie Gemeinschaften ihr Selbstverständnis nach großen historischen Erschütterungen bewahren. Kriegen, Migration, Verlust, kultureller Zerfall. Die entscheidende Frage dabei lautet: Was bleibt? Woran halten Menschen fest, wenn sich alles andere verändert?“

Magnus nickte, aufmerksam und sachlich. „Du sagst also, Erinnerung ist eine Art Überlebensstrategie?“

„In gewisser Weise, ja.“ Alec wirkte lebhafter, aber nicht übertrieben. „Viele nehmen an, Erinnerung sei rückwärtsgerichtet, aber in Wahrheit zeigt sie in die Zukunft. Wir bewahren das, wovon wir glauben, dass die nächste Generation darauf aufbauen soll. Geschichten strukturieren. Sie geben Rahmen, Orientierung, Identität.“

Magnus lächelte. „Das klingt fast… philosophisch.“

„Vielleicht ein bisschen“, antwortete Alec mit einem kleinen, zurückhaltenden Lächeln, das überhaupt nicht dafür sorgte, dass Magnus Herz kurz stolperte. „Aber letztlich geht es um Menschen und darum, was ihnen wichtig ist.“

Magnus warf einen kurzen Blick auf seine Notizen, um sich zu sortieren. Er durfte diesen Podcast nicht versauen. Das Thema war so wichtig. Und Raphael würde ihm die Hölle heiß machen, wenn er es tat.

„Du erwähnst, dass nicht nur Gemeinschaften, sondern auch Individuen solche Prozesse durchlaufen.“

„Ja“, bestätigte Alec. „Die Geschichten, die wir über uns selbst erzählen, prägen unser Selbstbild. Sie beeinflussen Entscheidungen, Beziehungen, Ziele. Und wenn man diese Erzählungen verändert oder bewusst neu formuliert, kann das sehr transformativ sein.“

„Ein spannender Gedanke“, sagte Magnus. „Lass mich da anknüpfen: Deine frühere Forschung beschäftigt sich vor allem mit mittelalterlicher Literatur. Dann du zu Traumastudien übergegangen. Das ist ein bemerkenswerter Schwerpunktwechsel. Was hat dich dazu bewogen?“

Alec zögerte einen Moment, dann formulierte er bedacht: „Ich wollte mich einem Bereich widmen, in dem Forschung unmittelbare Auswirkungen haben kann. Mittelalterliche Literatur ist wertvoll, keine Frage. Aber Traumastudien …“ Er hielt kurz inne. „Sie betreffen reale Erfahrungen, aktuelle gesellschaftliche Prozesse. Für mich fühlte es sich sinnvoll an, dorthin weiterzugehen.“

Magnus nickte erneut und schenkte Alec ein weiteres Lächeln. Die Worte des Professors hatten einen Tonfall, warm, ernst, ein wenig verletzlich, der sich in Magnus Brust festsetzte. Als hätte Alec selbst erlebt, wovon er sprach. Als wäre da mehr hinter den Sätzen und zwischen den Pausen. War das vielleicht der wahre Grund für den Wechsel?

Diese Frage stand einen Moment zu deutlich im Raum, wenigstens für ihn. Er wollte zu gern nachhaken, aber das wäre absolut unangebracht. Nicht hier. Nicht on air. 

Magnus spürte, wie etwas in ihm reagierte. Ein kaum merkliches Zusammenziehen in der Brust. Ein Echo. Er schluckte. Nicht jetzt. Nicht hier.

“Du sprichst sehr klar von Wirkung und Verantwortung. Was genau bedeutet das für dich?“, fragte er.

„Menschen zu verstehen“, sagte Alec schlicht. „Wie sie schwierige Situationen bewältigen. Wie sie Resilienz entwickeln. Wie sie sich neu orientieren. Ich denke, das ist ein Bereich, der uns alle betrifft.“

Dieses Mal traf es Magnus unvorbereitet.

Alle“ — das Wort war so unschuldig, so allgemein und doch fühlte es sich an, als würde Alec erkennen, was in ihm gerade vorging. Als hätte Alec unabsichtlich einen Faden berührt, von dem Magnus dachte, er hätte ihn längst sorgfältig unter all den anderen verknotet. Er räusperte sich leise, ein Geräusch, von dem er hoffte, er würde im Schnitt nicht auffallen.

Alec bemerkte es. Natürlich bemerkte er es, sein Blick war kurz aufmerksam, forschend, aber nicht aufdringlich. Ein Blick, der zu sagen schien: Auch du hast eine Geschichte.

Magnus brach den Blickkontakt schneller, als er wollte, und tat so, als prüfe er etwas am Mikro.

Er dachte an seine Mutter. Oder besser gesagt, er versuchte, es nicht zu tun. Rasch nahm er einen tiefen Atemzug, nutzte den winzigen Moment der Stille, um sich nicht in den schmerzhaften Erinnerungen zu verlieren. Dann zwang er sich zurück ins Gespräch.

„Es ist interessant“, sagte Magnus, mit einer Leichtigkeit, die er bewusst wählte, „wie sehr dieses Thema gerade zur Jahreszeit passt.“

Alec blinzelte. „Zur Jahreszeit?“

„Weihnachten“, sagte Magnus und gestikulierte mit einer kleinen Bewegung, als würde das schon alles erklären. „Wo alles davon handelt, was bleibt. Familie. Herkunft. Geschichten, die wir jedes Jahr neu erzählen oder immer wieder hören wollen.“

Alec nickte langsam. „Hm. Das stimmt. Feste tragen oft dieselbe Bedeutung wie Erinnerungen. Sie sind meiner Meinung nach Ankerpunkte im Jahr, an denen wir uns selbst wiederfinden.”

„Soweit habe ich das noch nie gedacht“, gab Magnus zu. Und das war wahr, zumindest, bis Alec es so formulierte. „Ich finde Weihnachten ziemlich… poetisch. Und ein bisschen dramatisch, ehrlich gesagt.“

„Dramatisch?“ Alec schmunzelte.

„Natürlich.“ Magnus richtete sich auf, verschränkte seine Hände ineinander, als wollte er ihm einen besonders wichtigen Punkt erklären. „Kerzenlicht, Gefühle, Menschen, die plötzlich den Drang verspüren, Wahrheiten auszusprechen, die sie den Rest des Jahres vermeiden—“

Er verstummte, weil Alecs Lächeln bei diesen Worten einen warmen Ausdruck annahm. Irgendetwas in diesem Ausdruck verpasste Magnus einen Schlag in den Solarplexus, elegant und völlig unangebracht.

Er verschluckte sich fast an seiner eigenen Ausführung und griff schnell nach seinem Wasserglas.

„Ich meine—“ Er räusperte sich, schob das Glas wieder weg, bevor er es umwerfen konnte. „Weihnachten bringt… Emotionen hervor. Gute. Und anstrengende.“

Alec lehnte sich ein wenig vor. Nicht viel. Aber genug, dass Magnus es sofort wahrnahm. „Magst du Weihnachten?“, fragte er.

Das war eine harmlose Frage. Nur eine einfache Frage. Und trotzdem fühlte sich Magnus Puls an, als würde er gerade bei einem Belastungs-EKG durchfallen.

„Ich…“ Er setzte an, stoppte, setzte erneut an. „Ich mag die Atmosphäre. Nicht unbedingt den … Erwartungsdruck.“

„Verständlich,“ sagte Alec weich. „Es ist eine Zeit, in der Menschen auf einmal sehr aufmerksam werden.“

„Oh, wunderbar,“ murmelte Magnus, mehr zu sich selbst, „noch mehr Aufmerksamkeit ist genau das, was ich brauche.“

Alec lachte leise, aber echt, und Magnus fühlte, wie seine Knie plötzlich ganz weich wurden. Er war nicht darauf vorbereitet gewesen. Nicht auf diesen Ton. Nicht auf dieses Lachen. Definitiv nicht auf die kleinen Fältchen an Alecs Augen, die nur beim echten Lachen auftauchten.

„Du scheinst ein wenig … nervös?“ fragte Alec vorsichtig, eher neugierig als wertend.

Magnus verschluckte sich fast an der Luft. Wann hatten sich ihre Rollen in diesem Interview vertauscht? Er war der Moderator und Alec der Gast. Nicht umgekehrt.

„Ich? Nervös? Nein. Absolut nicht. Ich bin ein Profi. Ich interviewe Leute ständig. Prominente. Intellektuelle. Präsidenten.“ Er winkte fahrig mit der Hand. „Manche waren sehr einschüchternd! Einer hatte eine Vogelspinne in der Tasche.“

Alec hob eine Braue. „Und ich bin… einschüchternder als eine Vogelspinne?“

„Nein! Also ja! Also—“ Magnus merkte, wie es bergab ging und war absolut machtlos dagegen. „Ich meine, nein. Ich meinte nein.“

Alec grinste. Und dieses Grinsen war Magnus Untergang. Oder war es schon die Brille gewesen, die Alecs intensive, haselnussbraune Augen umrahmte? Oder die Art und Weise, wie der Professor mit den Händen gestikulierte, wenn er sprach? Oder die lässige Pose mit den gespreizten Beinen?

Magnus schloss die Finger um die Armlehnen seines Stuhls, als hinge seine Würde allein daran, nicht vom Sitz zu rutschen und sich als völlig aufgelöster Fleck auf dem Boden zu manifestieren.

Doch genau in diesem Moment lehnte Alec sich so zurück, wie er es die ganze Zeit schon tat: lässig, bequem, die Beine etwas zu weit auseinander, als wollte er Magnus Konzentrationsfähigkeit persönlich herausfordern. Die hellen Stoffhosen zogen sich weich über seine Oberschenkel, und der dunkle Pullover spannte leicht über seinen Brustkorb. Besonders dann, wenn er die Hand hob.

Und natürlich hob er sie jetzt.

Langsam und geschmeidig.

Mit zwei Fingern schob Alec die Brille ein Stück höher auf den Nasenrücken und sah Magnus dabei direkt an. Es war kein intensiver Blick. Kein herausfordernder. Nur… ruhig. Warm. Ein bisschen neugierig. Es reichte völlig aus.

Magnus Gedanken stolperten übereinander wie schlecht gelaunte Pinguine.

„Gut,“ sagte Alec leise, nachdem er die Brille zurechtgerückt hatte, „wo waren wir?“

„Ähm.“ Magnus räusperte sich. „Bei…“ Er hatte absolut keine Ahnung, wo sie gewesen waren. “... deinen Forschungsansatz, glaube ich?"

Alec nickte, seine Hand immer noch nah am Gesicht, den Ellbogen auf der Lehne abgestützt, eine Pose, die viel zu gut aussah, um zufällig zu sein. „Stimmt. Die Frage war, was Verantwortung für mich bedeutet.“

„Richtig.“ Magnus nickte energisch. Vielleicht zu energisch. „Verantwortung.“

Er klang wie jemand, der das Wort gerade erst gelernt hatte.

Alec lächelte sanft. „Du wirkst ein wenig…“

Er suchte nach einem Wort. Magnus betete, es wäre professionell. Oder konzentriert. Oder wenigstens bei Bewusstsein. „…abgelenkt.“

Magnus spürte, wie ihm Wärme in den Nacken schoss. „Ich? Nein. Niemals. Ich bin hochkonzentriert und höre aufmerksam zu.“

Alec zog eine Augenbraue hoch, und dieser kleine, beinahe unschuldige Ausdruck war schlimmer als jedes offene Flirten.

„Natürlich“, sagte Alec, mit einem Tonfall, der so freundlich war, dass er schon wieder gefährlich wurde. Magnus zwang sich, seinen Blick auf seine Notizen zu richten, die plötzlich völlig unleserlich erschienen, als hätte ein Kobold sie mit Absicht verschmiert.

„Du sprachst vorhin davon, dass Menschen resilienter sind, als sie glauben“, setzte er an, froh über jedes Wort, das korrekt aus seinem Mund fiel. „Könntest du das … genauer erklären?“

Alec richtete sich leicht auf, nicht viel, nur ein paar Zentimeter, aber genug, damit Magnus spürte, wie sich die Stimmung veränderte.

„Ich glaube,“ sagte Alec, „dass die meisten Menschen unterschätzen, wie viel sie ertragen können. Wie viel sie tragen. Und wie viel sie wachsen.“

Seine Hände begannen wieder zu sprechen, offen, ruhig, gestenreich, aber nie übertrieben. Magnus verfolgte jede Bewegung, als wären es einzelne Sätze.

„Und manchmal,“ fuhr Alec fort, „brauchen sie nur jemanden, der ihnen zeigt, dass es okay ist, nicht unantastbar zu sein.“

Magnus Brust wurde eng. Die Worte trafen tiefer, als er erwartet hatte.

Alec bemerkte die Reaktion. Sein Lächeln wurde kleiner und weicher. „Ich hoffe, das war nicht zu persönlich.“

„Nein,“ sagte Magnus, leiser als beabsichtigt. „Nein, überhaupt nicht.“

Ein kurzer Moment schwebte zwischen ihnen.

Nicht schwer.

Nicht unangenehm.

Nur… mehr.

Alec lehnte sich wieder zurück, seine Finger trommelten sanft gegen die Armlehne. „Du machst das übrigens sehr gut.“

„Das Interview?“ fragte Magnus.

„Das auch.“

Alec grinste.

Magnus Herz verrutschte gefährlich.

„Aber ich meinte eigentlich,“ Alec fuhr mit einem minimalen Nicken fort, „wie aufmerksam du bist.”

„Ich bin sehr aufmerksam,“ sagte Magnus. Und sofort bereute er den Tonfall, weil es eindeutig zu ehrlich, zu schnell und viel zu verräterisch klang.

Alec lachte leise, und genau in diesem Moment sah er Magnus an wie jemand, der gerade ein Rätsel löste. Und Magnus wusste mit absoluter Klarheit: Er war das Rätsel.

„Dann erzähle mir mehr,“ sagte Alec warm.

„Ich glaube, ich gefalle dir als Gesprächspartner.“

Magnus Herz setzte komplett aus. Er holte tief Luft. Er würde jetzt professionell bleiben. Absolut. Eiskalt. Unerschütterlich.

„Also, Professor,“ fuhr er mit einer Stimme fort, die seriös klingen sollte, die sich aber eher danach anhörte, wie bei jemandem, der kurz davor stand, in Ohnmacht zu fallen. „Deine Forschung zu Resilienz ist… beeindruckend. Wirklich beeindruckend. Ich denke, die gesellschaftliche Bedeutung Ihrer Arbeit—”

Er verstummte, weil Alec ihn anlächelte. Ein sanftes, offenes, leicht neugieriges Lächeln.

Magnus Gehirn löschte sämtliche Gedanken wie ein Computer, der plötzlich neu startet. Er blinzelte, sortierte hektisch drei Karten, die augenscheinlich nicht einmal im selben Themengebiet lagen, und nickte dann mit der Überzeugung eines Mannes, der soeben eine brillante Eingebung hatte.

„Ja. Genau. Das ist … sehr … relevant.“

Alec hob eine Braue. Ein kleine, unschuldige  Bewegung seiner Muskeln und Magnus war verloren.

“Alles in Ordnung?" fragte Alec ruhig, als wüsste er nicht, welche Wirkung er auf Magnus hatte. Oh dieser Mistkerl!

„Nein! Ich meine ja. Ich meine, ich bin immer professionell. Ich bin die Definition von—“

Die Tür flog auf.

Raphael stand im Rahmen, entsetzt, als hätte er gerade gesehen, wie ein Greifvogel im Studio nistet.

„Wir machen eine Pause.“

„Was?“ Magnus fuhr herum. „Wieso? Ich—“

„Weil du dich aufführst, als hättest du eine Gehirnerschütterung,“ fauchte Raphael. „Und weil wir nach zwanzig Minuten Interview exakt drei Minuten Material haben, das man verwenden kann.“

Magnus Gesicht brannte.

Alec räusperte sich höflich und setzte seine Brille ab, eine Geste, die Magnus absolut nicht half. Ohne dieses verräterische Ding sah er fast noch atemberaubender aus.

Raphael verschränkte die Arme. „Macht fünf Minuten Pause. Frischluft. Wasser. Und dann fangen wir nochmal von vorne an.“

Er verschwand wieder. Die Tür fiel zu.

Dann…  Stille.

Eine sehr deutliche Stille.

Alec lehnte sich im Stuhl zurück, diesmal ohne Absicht, Magnus aus dem Konzept zu bringen, aber die Wirkung blieb dieselbe. „War es … so schlimm?“

Magnus ließ den Kopf gegen die Rückenlehne fallen. „Ich glaube, mein Produzent überlegt gerade, mich durch eine Topfpflanze zu ersetzen.“

Alec lachte. „Ich fand es ehrlich gesagt … charmant.“

Magnus hob den Kopf. „Charmant?“

„Ja.“ Alec sah ihn an, nicht drängend, aber offen. „Man merkt, dass dir viel daran liegt, gute Gespräche zu führen.“

„Ich gebe mir Mühe,“ murmelte Magnus.

„Das sieht man.“ Alec senkte den Blick kurz, spielte mit dem Brillenbügel, eine nervöse Geste? Nein. Eher nachdenklich. „Und… es wäre schön, sich noch einmal zu unterhalten. Ohne Mikrofon.“

Magnus Herz stolperte.

„Ohne Mikrofon?“ wiederholte er, bemüht um Neutralität und komplett erfolglos.

„Nur wenn du willst,“ sagte Alec schnell. „Ich dachte nur … man versteht sich gut.“

Er räusperte sich. „Und ich bin neugierig, wie du klingst, wenn du nicht versuchst, professionell zu sein.“

Magnus war nicht sicher, ob sein Herz noch schlug. „Ich—ähm—ich denke, das ließe sich arrangieren.“

Alec lächelte wieder. Ein bisschen schief. Ein bisschen vorsichtig. Und irgendwie… hoffnungsvoll.

Raphael rief aus dem Nebenraum: „ZWEI MINUTEN! UND DANN BITTE WIE ERWACHSENE MENSCHEN!“

Alec schob die Brille wieder auf die Nase. „Sollen wir’s noch mal versuchen?“

Magnus nickte, glättete sein Hemd, ordnete seine Karten neu, diesmal tatsächlich sinnvoll, und atmete tief durch.

„Okay,“ sagte er. „Diesmal wirklich professionell.“

„Natürlich,“ murmelt Alec, und sein Blick verriet, dass er ihm kein einziges Wort glaubte.

Das Aufnahmelicht sprang an.

Magnus richtete sich ein Stück auf, die Hände locker über seinen Notizen, der Atem gleichmäßiger als zuvor, zumindest äußerlich.

Innerlich war er ein einziges vibrierendes Durcheinander, aber er konnte jetzt wieder sprechen, ohne dass ihm dabei die Stimme versagte. Das war ein Fortschritt.

„Willkommen zurück zu Starfall Conversations“, begann er. „Heute mit Professor Alexander Lightwood, der sich mit Erinnerung, Identität und den Geschichten beschäftigt, die uns zu dem machen, was wir sind.“

Alec nickte, ein kleines, respektvolles Neigen des Kopfes und Magnus fühlte, wie der Blick, der damit verbunden war, ihm bis unter die Haut glitt.

„Vielen Dank,“ sagte Alec ruhig. „Ich freue mich sehr, hier zu sein.“

„Im letzten Abschnitt,“ setzte Magnus an und sein Blick huschte unwillkürlich zu Alecs Händen, die nun locker auf seinen Oberschenkeln ruhten… Stop! Dieses Mal nich. Dieses Mal hatte er sich im Griff…

„Hast du … hast du über die Kraft persönlicher Erzählungen gesprochen. Wie wir uns selbst definieren, indem wir auswählen, was wir erinnern.“

Alec lächelte, dieses tiefe, volle Lächeln, das sich in seinen Augen brach und das Studio ein winziges bisschen wärmer machte. „Genau.“

„Darf ich fragen,“ fuhr Magnus fort, professionell, kontrolliert, fast souverän (er warf innerlich triumphierend die Faust in die Luft) „…welche Geschichten für dich eine besondere Bedeutung haben. Was dich… berührt?“

Alec überlegte einen Moment und zog dabei seine Unterlippe zwischen die Zähne, leicht, nachdenklich, scheinbar völlig unbewusst. Magnus sah es. Natürlich sah er es. Und er verfluchte jeden seiner Sinne, die beschlossen hatten, heute in 8K-Qualität zu arbeiten.

Zum Glück beschloss Alec, in diesem Moment seine Frage zu beantworten, bevor er noch etwas ganz Blödes machen konnte.

„Das ist eine schwierige Frage”, sagte er. Seine Finger glitten über den Brillenbügel, spielten kurz damit, bevor er die Brille minimal anpasste, gerade genug, um Magnus Atem stocken zu lassen. Lass das du Mistkerl. 

„Ich denke… die Geschichten, die wir bewahren wollen, sind die, die uns Hoffnung geben. Die, die zeigen, dass wir nicht allein sind.“

Etwas in Magnus zog sich zusammen. Nicht schmerzhaft, eher traurig.

“Und du?“ fragte Alec plötzlich.

Magnus blinzelte. „Ich?“

„Ja.“ Alec wandte sich ihm vollständig zu. „Welche Geschichte würdest du gern weitergeben?“

Raphael hätte in diesem Moment wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.

Das war viel zu persönlich für dieses Interview. Und doch … Alec stellte die Frage mit Vorsicht, nicht fordernd. Es war nur ein Angebot, das Gespräch am Laufen zu halten.

Magnus schluckte.

„Vielleicht…“ begann er, und seine Stimme klang kurz rau, „… dass Verletzlichkeit nichts ist, wovor man Angst haben muss.“

Alec hielt inne. Sein Blick wurde weich.

„Das ist eine schöne Antwort.“

Magnus lächelte flüchtig, den Blick auf das Mischpult gesenkt, weil es leichter war, als Alecs Reaktion direkt auszuhalten.

„Ich lerne von den Besten,“ murmelte er.

„Oh?“ Alec lehnte sich ein Stück nach vorne. „Wen meinst du?“

„Momentan?“ Magnus hob den Blick.

Ein Herzschlag Stille.

„Dich.“

Alec senkte kurz den Blick, und als er wieder zu Magnus aufsah, lag etwas Warmes, Offenes in seinen Augen, begleitet von einem kleinen Grübchen an seiner Wange. Magnus hätte es am liebsten berührt, doch er konnte sich gerade noch zurückhalten.

Er räusperte sich zum wiederholten Male und brachte das Interview wieder auf Kurs, obwohl seine Gedanken inzwischen alles andere als geradeaus liefen.

„Zurück zum Thema Resilienz,“ sagte er, „Du erwähntest vorhin, dass Menschen oft unterschätzen, wie viel sie tragen können—“

„Ja,“ bestätigte Alec. „Und manchmal hilft es, wenn jemand ihnen zeigt, dass sie nicht alles allein tragen müssen.“

Magnus sollte antworten oder die nächste Frage stellen. Er wusste das.

Aber Alec hielt seinen Blick einen Hauch zu lange. Und Magnus spürte diesen Blick im ganzen Körper.

Also redete er nicht weiter.

Nur für einen Moment.

Ein winzigen, gefährlichen Moment.

Alec bemerkte es.

Natürlich bemerkte er es.

Und sein Lächeln wurde ein wenig… schärfer. Ein wenig wissender.

Raphael räusperte sich demonstrativ hinter der Scheibe. Magnus zuckte kaum sichtbar zusammen und zwang sich, den Blick zu wenden.

„Professor,“ setzte er an, „würdest du sagen, dass—äh—Verbindungen zwischen Menschen… also… Beziehungen—“

Er verlor den Faden.

„—wichtige Faktoren sind?“ rettete er sich mühsam.

Alec nickte ernst. „Sehr wichtig.“

Magnus nickte auch. Zu schnell. Zu oft. „Natürlich. Ja. Verbindungen. Gut. Sehr gut.“

Raphael schlug sich an die Stirn. Magnus stöhnte innerlich auf. So viel zum Thema, sich zusammen zu reißen…

Das Interview ging noch ein paar Minuten weiter, ausreichend professionell, damit man sie senden konnte, und gleichzeitig so geladen, dass man die Spannung schneiden konnte.

Als sie schließlich die Aufnahme beendeten, sagte für einen Moment niemand etwas.

Alec drehte sich schließlich zu ihm und sprach ganz leise: „Du stehst wirklich unter Strom, hm?“

Magnus lachte auf. „Kann sein.“

Alec schob seine Brille höher auf die Nase, und Magnus Herz stolperte wieder so heftig, dass er kurz darüber nachdachte, prophylaktisch einen Herzschrittmacher zu beantragen. Ein Gedanke blitzte durch seinen Kopf, heiß, unerwartet, völlig fehl am Platz: Wenn der Mann noch einmal diese Brille anfasst, muss er ihn entweder küssen oder rauswerfen. Vielleicht beides.

„Also,“ sagte Alec, die Stimme weich, „sehen wir uns … bald wieder?“

„Ja,“ sagte Magnus, ohne zu überlegen. „Sehr bald.“

Alec grinste zufrieden und wirkte dabei wie ein Schuljunge, der den ersten Preis gewonnen hatte. Und Magnus war verloren.

Er konnte nur hoffen, dass Raphaels Talent die brauchbaren Abschnitte zu einer halbwegs vernünftigen Folge zusammenschneiden konnte. Bei allem, was Magnus gerade geliefert hatte, wäre das eine kleine Meisterleistung.

Magnus bedankte sich geistesgegenwärtig bei Alec und begleitete ihn zur Tür. Danach sank er völlig erschöpft zurück in seinen Stuhl.

Er seufzte tief und fuhr sich durchs Haar, während sein Blick noch einmal auf den Stuhl gegenüber fiel, der Stuhl, auf dem Alec eben noch gesessen hatte.  

„Na? Lebst du noch?“

Cat lehnte plötzlich im Türrahmen, eine dampfende Tasse Tee in der Hand, eine Augenbraue gehoben.

„Gerade so,“ murmelte Magnus.

Sie trat ein, stellte den Tee vor ihm ab und betrachtete ihn mit dem Fachblick einer Frau, die seit Jahren wusste, wann Magnus sich in etwas verrannt hatte oder in jemanden.

„Du weißt schon,“ begann Cat, „dass du dich aufgeführt hast wie ein Teenie beim ersten Crush, oder?“

Magnus Kopf schoss hoch. „Ich— was? Nein! Ich war—“

„—völlig durch den Wind“, beendete sie trocken. „Ich hab’s gesehen. Raphael hat’s gesehen. Die Putzkraft im Flur hat’s wahrscheinlich gehört.“

„Cat…“

Sie hob die Hände und grinste. „Ich sag ja nur: selten jemanden erlebt, der dich so aus der Ruhe bringt.“

Er wollte widersprechen.

Einen Witz machen.

Abwinken.

Aber da war diese Wahrheit, die sich still in seiner Brust ausbreitete: Alec hatte ihn aus der Ruhe gebracht.

Nicht unangenehm.

Nicht peinlich.

Nur… ehrlich.

Cat wurde weicher, fast zärtlich. „Er war nett. Wirklich nett. Und ich glaube, er mag dich. Und du ihn auch.”

Magnus senkte den Blick, ein kleines, unfreiwilliges Lächeln spielend an seinen Lippen. „Vielleicht… ein bisschen.”

„Ein bisschen?“ Cat lachte. „Oh, Bane…“

Er warf ihr ein Papierknäuel zu, das sie elegant auffing.

Sie ging zur Tür, blieb aber noch einmal stehen. „Sag einfach Bescheid, wenn du Hilfe brauchst, um dein zweites Date vorzubereiten.“

„Es war kein Date“, protestierte Magnus automatisch.

„Natürlich nicht“, sagte Cat und zwinkerte. „Und das nächste wird’s auch nicht sein. Klar.“

Die Tür schloss sich hinter ihr.

Einen Herzschlag lang war es still.

Dann brach ein Grinsen über Magnus Gesicht, das er unmöglich hätte unterdrücken können. Es kam langsam, breiter, weicher; ein Lächeln, das tief in ihm zu leuchten begann und sich den Weg nach außen bahnte, obwohl niemand da war, um es zu sehen.

Er lehnte sich zurück, ließ den Kopf in den Nacken sinken und lachte leise. Sein Herz machte einen kleinen, vollkommen idiotischen Hüpfer.  Vielleicht würde dieses Weihnachtsfest nicht ganz so einsam werden wie sonst. 

Magnus grinste.Er konnte es kaum erwarten, Professor Alexander Gideon Lightwood wiederzusehen und dann würde er ihm zeigen, was er tatsächlich von dieser Brille hielt

Notes:

Hinterlasst gerne einen Kommentar oder schenkt mir ein Kudos. Ich freue mich immer über Feedback. Danke fürs Lesen. Hoffe ihr hattet so viel Spaß dabei, wie ich beim Schreiben ❤️😘

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