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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2025-12-28
Words:
3,210
Chapters:
1/1
Comments:
2
Kudos:
9
Hits:
55

Das fehlende Puzzleteil

Summary:

Wiktor lernt seinen Sohn Tomasz kennen. Und Adam ist endlich die Person, die er immer sein wollte.

Notes:

Trans Adam Raczek und die Tatsache, dass er mit Wiktor in dieser Story einen Sohn hat, hat mich nicht mehr losgelassen. Vor allem, dachte ich mir, wäre ein Treffen zwischen Wiktor und Tomasz interessant.
Nach einem regen Austausch mit dat_carovieh , hab ich die Möglichkeit bekommen, deren Geschichte selbst weiterzuerzählen. Vielen Dank für das Vertrauen und den Input während des Schreibprozesses.

Die beiden Storys bauen direkt aufeinander auf, fürs Verständnis wäre es also von Vorteil zuerst dat_carovieh´s Story zu lesen.

Work Text:

Adam war froh, dass er Wiktor wieder getroffen hatte. Sie haben sich in den letzten Wochen immer weiter angenähert. Adam hat Wiktor viel von Tomasz erzählt und ihm Bilder gezeigt.
Und alles war fast wie früher. Als hätte es die vierzehn Jahre dazwischen nie gegeben.
Aber eben nur fast. Sie haben einen gemeinsamen Sohn und den will Wiktor unbedingt kennenlernen.

 

Adam hatte Tomasz nur wenig von Wiktor erzählt. Er wusste nur, dass Adam damals sehr jung war und seine Mutter ihm den Kontakt zu Wiktor verboten hatte und er nie versucht hat, ihn zu finden. Auch wenn er wusste, dass er das seinem Sohn schuldig gewesen wäre.

 

Natürlich hatte er seine Pflegeeltern und die liebte er über alles. Aber seine eigenen Wurzeln zu kennen, war dann doch nochmal was anderes.

 

Und jetzt, da Wiktor hier war, wollte er selbstverständlich beiden die Möglichkeit geben, sich kennenzulernen.

Es war jetzt nicht so, dass Wiktor ihn dazu gedrängt hätte, er wusste freilich, dass das auch für Tomasz eine große Neuigkeit sein würde. Aber Adam sah den stummen Wunsch jeden einzelnen Tag in Wiktors Blick. Den wehmütigen Blick eines Vaters, der seinen Sohn sehr liebgewonnen hat, obwohl er ihn bisher nur aus Erzählungen kannte.

Also entschloss er sich, die Pflegeeltern zu kontaktieren, um mit ihnen zu besprechen, was die beste Option wäre, um Tomasz auf ein Treffen mit Wiktor vorzubereiten.
Nach anfänglicher Sorge, sie könnten ihr Pflegekind verlieren, weil jetzt das zweite leibliche Elternteil aufgetaucht ist, hatten sich Tomasz Pflegeeltern dann doch sehr schnell dazu bereit erklärt, sich erst mal mit ihm und Wiktor alleine zu treffen.

 

Natürlich wollten die beiden Wiktor auch kennenlernen.

 

Wiktor war erst etwas geknickt, dass er Tomasz nicht sofort sehen würde, aber selbstverständlich konnte er auch nachvollziehen, dass die beiden ihr Pflegekind nur schützen wollten. Es passiert ja schließlich nicht jeden Tag, dass da ein fremder Mann auftaucht, der sich dann als dein leiblicher Vater vorstellt.

 

******

Wiktor zupfte schon zum wiederholten Male an seinem Hemdkragen. Er hatte ein dunkles Karohemd, einen dunkelbraunen Pullunder und einen braunen Mantel gewählt, welcher wie Adam fand, hervorragend zu seinen Haaren passte. Er selbst hatte unter seinem grauen Mantel nur einen schlichten blauen Wollpulli mit leichtem Stehkragen an. Wiktor hatte trotz der Kälte schwitzige Hände. Das konnte Adam fühlen, da sie nun Hand in Hand auf dem Weg in das Café waren, in dem sie sich mit Tomasz Pflegeeltern treffen würden. Er blickte leicht zur Seite und beobachtete Wiktor. Seine Wangen waren gerötet und sein Atem ging recht schnell.
Er drückte seine Hand etwas fester. „Durchatmen Schatz, die fressen dich schon nicht.“ Wiktor bedachte ihn mit einem zaghaften Lächeln, immer noch sichtlich angespannt.

Tomasz Eltern Maria und Hannes waren schon vor Ort und sprangen sofort von ihren Plätzen auf, als Adam mit Wiktor das Café betrat.

Sie umarmten Adam und begrüßten auch Wiktor sehr herzlich.
Als dann alle einen Kaffee bestellt hatten - Wiktor war kurz geneigt noch einen Schnaps zu bestellen, um seine Nerven zu beruhigen, dabei war das doch eher Adams Ding und außerdem sowieso keine gute Idee - stellten Hannes und Maria auch schon die ersten Fragen.

 

Die Beiden kannten die Geschichte auch nur oberflächlich, wie sich Wiktor und Adam aus den Augen verloren hatten.
Wiktor erzählte ihnen, dass er sich sehr gefreut hatte, als er von seinem Sohn erfahren hat, dass er aber auch traurig darüber war, wie viel gemeinsame Zeit sie bereits verloren hatten. Sowohl er und Tomasz, als auch er und Adam. Dass er nie damit gerechnet hätte, Adam jemals wieder zu sehen. Und dass er damals furchtbare Angst um ihn hatte, als Adam und seine Mutter einfach verschwunden waren. Und nicht glücklicher darüber sein könnte, dass sie sich auf so unerwartete Weise wieder getroffen haben. Freilich hatte er am Anfang nach ihm gesucht, aber die Möglichkeiten waren damals sehr begrenzt. Und als er dann über den Polizeidienst eine Möglichkeit gehabt hätte, um gezielt nach Adam zu suchen, hat er es nie getan, aus Angst vor dem, was er vielleicht finden würde.

Tomasz Pflegeeltern folgten den Erzählungen interessiert. Und seine Mutter wischte sich sogar ab und an eine Träne aus dem Augenwinkel.

 

„Weißt du Wiktor“, meinte sie schließlich. „Ich hab dich gerade erst kennengelernt, aber ich habe das Gefühl, ich kenne dich schon 14 Jahre lang. Tomasz ist dir so unfassbar ähnlich. Dein weicher Blick, die gleichen rötlich blonden Haare. Die Ruhe und Zuversicht, die du ausstrahlst, wenn du einen Raum betrittst. All das sehe ich auch jeden Tag bei unserem Sohn. Bei eurem Sohn.“

Wiktor war sichtlich gerührt, griff über den Tisch hinweg nach Marias Hand und drückte sie kurz. „Danke.. ähm … das bedeutet mir wirklich sehr viel. Und ja, er ist unser Sohn. Aber ihr werdet ebenfalls immer seine Eltern sein. Ihr werdet immer seine Familie bleiben. Die, zu denen er geht, wenn er Hilfe braucht. Die, die Tag und Nacht an seinem Bett sitzen, wenn er krank ist. Die, die ihn ohne zu zögern abholen werden, wenn er eines Tages mitten in der Nacht anruft, weil er zu viel getrunken hat und nicht mehr selbst fahren kann.“

Noch während Wiktor das sagte, standen sowohl Maria als auch Hannes auf und zogen Wiktor in eine Umarmung. „Willkommen in der Familie“, führte Hannes die Worte seiner Frau fort.

„Tomasz ist gerade bei einem Schulfreund zu Hause, ich würde vorschlagen, ich hol ihn gleich ab und ihr fahrt mit Maria schon mal vor zu uns nach Hause. Er weiß bereits, dass wir uns heute mit dir treffen und ist schon sehr gespannt darauf, dich kennen zu lernen.

 

Wiktor bekam ganz große Augen, als er sich wieder neben Adam setzte. „Er weiß, dass wir uns treffen?“ wiederholte er ganz ungläubig.

„Ja“, bestätigte Hannes, „er konnte spüren, dass wir die letzten Tage ziemlich nervös waren und wir wollten ihn nicht anlügen, also haben wir ihm heute morgen erzählt, dass wir dich treffen würden und er dich ganz bald bestimmt auch kennenlernen darf.“

Wiktor konnte immer noch nicht so recht glauben, was er da gerade hörte und wurde blass. „Ich .. wir ...fahren jetzt zu euch und ich darf ihn sofort sehen?“
Hannes nickte. „Ja, das wäre der Plan.“ „Aber das geht nicht.“, stammelte Wiktor.
Sowohl Adam als auch Maria und Hannes sahen ihn nun verwirrt an.

„Warum nicht“, fragte Adam als erstes. „Was ist denn los, Liebling? Du wolltest ihn doch unbedingt kennenlernen.“ Er legte eine Hand auf Wiktor Oberschenkel und malte mit dem Daumen kleine Kreise, um seinen Partner zu beruhigen.

 

„Ja, ja natürlich will ich ihn treffen, aber ich hab jetzt ja gar kein Geschenk dabei.“

Maria lachte herzlich. „Wiktor, glaub mir, wenn ich dir sage, du bist Geschenk genug. Er hat es zwar nie wirklich gesagt. Aber ich hab immer gemerkt, dass er wissen will, wer seine leiblichen Eltern sind. Ja, Adam kennt er, klar. Aber du warst immer das fehlende Puzzleteil. Und natürlich wünsch ich mir für ihn, dass er weiß, wo er herkommt.“

 

Nachdem das geklärt war, machten sich Adam und Wiktor mit Maria auf den Weg zum Haus der Familie. Und Hannes holte Tomasz von seinem Freund ab.

 

Wiktor saß auf der Sofakante und wippte mit dem Oberkörper ganz leicht hin und her. Für Außenstehende quasi nicht wahrnehmbar. Aber Adam wusste, dass die Ruhe, die Wiktor äußerlich auszustrahlen schien, so ziemlich das Gegenteil von dem war, wie es in ihm drin aussah. Sein Partner war furchtbar nervös. Und das mochte was heißen, war er doch im Job auch in Extremsituationen immer extrem fokussiert und klar. Von Nervosität quasi keine Spur.

Adam saß unweit von Wiktor am Esstisch und musste daran denken, wie er ihrem Sohn das erste Mal von Wiktor erzählt hatte.

Tomasz wusste lange nichts von Adams Transition. Als Adam seinen Weg begonnen hatte, war er gerade mal 4 Jahre alt, konnte also nicht wirklich verstehen, warum sich Adams Körper immer weiter veränderte. Für ihn war er einfach schon immer Papa Adam gewesen. Und die Narben auf seiner Brust hatte er nie in Frage gestellt.

Aber dann hatte sich das plötzlich geändert.

Es waren Ferien und Tomasz war bei ihm zu Besuch.

******

 

"Papa, darf ich dich mal was fragen?" Tomasz sah ihn neugierig an, mit seinen großen blauen Augen und den rotblonden Haaren und Sommersprossen im Gesicht.

Adam wuschelte ihm durch seine Locken und zog seinen Sohn kurz an sich.
"Klar, du kannst mich alles fragen, was du willst." Aber auf die Frage, die dann kam, war er nicht vorbereitet.

"Warst du mal eine Frau?" Adams Körper versteifte sich unwillkürlich und er sah in Tomasz unschuldige wissbegierige Augen. Er hatte mit vielen Fragen gerechnet, aber damit nicht.

Adam räusperte sich mehrmals, um den Kloß in seinem Hals loszuwerden.
Er wusste, dass hinter dieser Frage keine böse Absicht steckte, aber sie versetzte ihm trotzdem einen Stich in die Brust. Das tat verdammt weh.
Er hatte plötzlich die kalte, schneidende Stimme seiner Mutter im Ohr und kniff die Augen zusammen. “Du bist eine Frau, Magdalena, also verhalte dich gefälligst auch so. Adam, Adam… wer soll das sein? Du etwa? Dass ich nicht lache. Ist es nicht schon Schande genug, dass du ein uneheliches Kind bekommen hast? Was aber mir wiederum bestätigt, dass du eine Frau sein musst. Ein Mann kann schließlich nicht schwanger werden.”
Er schüttelte sich, da er plötzlich fröstelte und öffnete die Augen.
Sein Sohn sah ihn erwartungsvoll an.

Er ging in die Hocke und sah Tomasz nun direkt an. Er wusste nicht, woher die Frage so plötzlich kam, aber er wollte sie so gut wie möglich beantworten. Er räusperte sich erneut und schluckte die eben aufgetauchten Erinnerungen hinunter.

"Weißt du, es gibt Menschen, die fühlen sich nicht wohl in ihren Körpern. Die schauen in den Spiegel und sehen nie wirklich sich selbst, sondern einen Körper, der nicht zu ihnen passt. Ich hab mich nie wirklich als Frau gefühlt, auch wenn ich von anderen so wahrgenommen wurde, weil ich da noch Brüste und eine weibliche Stimme hatte. Das hat aber nie wirklich gepasst für mich. Verstehst du?
Das ist wie, wenn deine Lieblingsfarbe Grün ist und andere Leute aber sagen, du musst aber blau oder gelb mögen. Und das fühlt sich dann für dich nicht richtig an. So war das für mich auch. Da hat man zu mir gesagt, du musst dich aber verhalten wie ein Mädchen,weil ich so geboren wurde, das hat sich aber für mich nicht richtig angefühlt."
Tomasz sah ihn nachdenklich an und nickte. "Hast du deshalb die Narben auf deiner Brust?; fragte er weiter. Adam nickte. "Ja, als ich dann endlich verstanden habe, warum sich das für mich nicht richtig anfühlt, eben weil ich ein Mann bin, habe ich mir meine Brüste entfernen lassen. Und fühle mich mittlerweile sehr wohl in meinem Körper.
Adam konnte sehen wie es in Tomasz arbeitete und er nachzudenken schien.

"Bist du dann eigentlich meine Mutter und nicht mein Papa?"
Adam hätte wissen müssen, dass die Frage kommen würde, aber sie jetzt zu hören, war wie ein Schlag ins Gesicht.

Er holte tief Luft und schloss für einen kurzen Moment die Augen.

"Rechtlich gesehen bin ich deine Mutter - ja, weil ich dich geboren habe. Ich war damals gerade mal 16 Jahre alt also quasi selbst noch ein Kind." Adam sog scharf die Luft ein, bei dem Gedanken an diese Zeit.
Tomasz sah ihn mit großen Augen an.

„Also ja, wenn du so willst, bin ich nach dem rechtlichen Verständnis, deine Mutter, die Person, die dich auf die Welt gebracht hat. Weißt du - für mich gehört zum Mama sein, aber noch so viel mehr dazu.
Für mich spielt es keine Rolle, ob ich dich geboren habe, oder ob mein Körper damals noch ausgesehen hat, wie der einer Frau.
Deine Pflegemama Maria ist für mich sehr viel mehr deine Mutter als ich, obwohl sie dich nicht auf die Welt gebracht hat.
Es ist nicht wichtig, wie du oder ich jetzt aussehen, oder ausgesehen haben oder in Zukunft aussehen werden.
Das einzige was zählt, ist das, was du hier drin fühlst.

 

Adam tippte ganz sanft auf Tomasz` Brustkorb, direkt über dem Herzen. „Die Liebe für sich selbst und füreinander ist wichtig. Die Entscheidung für andere da sein zu wollen und sich um sie zu kümmern. Das ist das, was wirklich zählt.“

„Ob du diese Personen, die für dich da sind, dann Mama, Papa, oder sonst wie nennst, ist völlig egal. Du kannst natürlich auch einfach nur den Vornamen benutzen.“

 

„Dann kann ich also weiter Papa Adam zu dir sagen?“, fragte Tomasz etwas unsicher?

„Ja natürlich, mein Schatz." Adam atmete erleichtert aus, hatte er doch unbewusst die Luft angehalten, weil er nicht wusste, wie die nächste Frage lauten würde.

„Und wer ist dann mein anderer Papa?“

Okay, da waren sie nun also.
Adam verfluchte innerlich kurz den Sexualkundeunterricht in der Grundschule.

Tomasz wollte natürlich auch wissen, wer sein biologischer Vater war. Was natürlich sein gutes Recht war und nur allzu verständlich. Dennoch hatte er gehofft, dass er diese Fragen noch etwas hinauszögern könnte.

„Das war ein Junge aus meiner Klasse. Wiktor ist sein Name. Ich hab ihn sehr geliebt und er mich auch." Adam blickte wehmütig aus dem Fenster in die Ferne.

„Was ist mit ihm passiert?"

„Als ich damals schwanger geworden bin, hat mir meine Mutter verboten ihn zu sehen, weil sie der Meinung war, er ist schlecht für mich.“

"Aber ihr habt euch doch geliebt?" Tomasz blickte ihn verständnislos an

„Ja das haben wir“, Adam bekam feuchte Augen bei dem Gedanken an Wiktor, den fröhlichen etwas schlaksigen Jungen von damals. „Aber wir waren eben auch noch sehr jung und meine Mutter hatte das so entschieden." Bei dem Gedanken daran, was ihm seine Mutter alles genommen hatte, konnte er, trotz verzweifelter Versuche sie wegblinzeln, seine Tränen nicht mehr zurückhalten.

Tomasz beobachtete Adam und schlang seine Arme um ihn. „Nicht weinen, Papa, ich hab dich doch auch lieb." Adam erwiderte die Umarmung und musste lächeln.
„Ich dich auch mein Sohn.“ Er schniefte leise und drückte Tomasz einen Kuss auf die Stirn. „Ich dich auch.“

„Ich musste damals mit meiner Mutter wegziehen, konnte mich von Wiktor nie verabschieden. Und ich weiß bis heute nicht, wo er ist.“

Adam sah Tomasz traurig an. Und wischte sich mit dem Handrücken die Tränen aus dem Gesicht.

„Er weiß also gar nicht, dass es mich gibt?"

„Nein, das weiß er nicht, leider. Adam seufzte resigniert.

„Ist nicht so schlimm, Papa, ich hab ja dich und Mama Maria und Papa Hannes."

„Aber wenn du ihn findest, erzählst du ihm dann von mir."

„Natürlich mein Schatz.“ Adam kniete nach wie vor auf dem Boden und hielt seinen Sohn im Arm und drückte ihn an sich. „Versprochen“

 

******

 

Eine Träne bahnte sich ihren Weg und rannte Adam übers Gesicht.

Ein Auto fuhr in die Einfahrt und holte ihn zurück ins Hier und Jetzt.

Das alles war jetzt ziemlich genau fünf Jahre her, Tomasz war 9 Jahre alt gewesen und jetzt saß er hier zusammen mit Wiktor und Maria und wartete auf ihren Sohn. Er wischte sich schnell übers Gesicht, als sich die Haustür öffnete.

Er sah aus dem Augenwinkel, wie Wiktor nervös auf seiner Unterlippe kaute und den Boden vor sich anstarrte. Er saß auf der Ottomane der Couch. Den Kopf in seine Hände gestützt und leicht nach vorne gebeugt.

Leise Schritte näherten sich und Tomasz betrat das Wohnzimmer. Wiktor hob den Kopf. Und da war er - sein Sohn.

Tomasz schaute sich kurz um, um die Personen im Raum zu erfassen. Dann ging er schnurstracks auf Wiktor zu, der immer noch auf der Couch saß.

„Du bist also mein anderer Papa Wiktor."
Keine Frage, sondern eine Feststellung.

„Ja“. antwortete Wiktor leise, so als könnte er es selbst nicht glauben. „Ja das bin ich“

„Und du liebst Papa Adam immer noch, stimmt`s?“
Wiktor blinzelte kurz, verwirrt, ob der Direktheit seines Sohnes, und sah kurz zu Adam, der ihn aufmunternd anlächelte.

„Äh ja, das tu ich - sehr sogar."

Er schaute seinen Sohn jetzt wieder direkt an und versuchte sich jedes noch so kleine Fitzelchen von ihm einzuprägen.
Maria hatte recht gehabt, sie sahen sich wirklich ähnlich, fast so, als hätte er sein jüngeres Selbst vor sich stehen.

Tomasz schien ihn ebenfalls zu mustern, „Dann ist ja alles gut. Er liebt dich nämlich auch, weißt du.“ Tomasz zwinkerte ihm zu, so als hätte er ihm gerade ein Geheimnis verraten. Er überbrückte die restliche Distanz zwischen ihnen und fiel ihm um den Hals
"Hallo Papa, ich hab dich vermisst."

Wiktor war etwas überrumpelt, fing sich aber sofort wieder und schlang die Arme um Tomasz und erwiderte: „Hallo Tomasz“, er musste kurz schlucken und räusperte sich, da seine Stimme brüchig wurde, weil er so überflutet wurde von seinen Emotionen. „...Ich freue mich sehr dich endlich kennenzulernen."

Er schniefte und drückte seinen Sohn noch etwas fester an sich und konnte fühlen, wie sich Tomasz ebenfalls noch mehr in die Umarmung schmiegte.

Adam, Maria und Hannes hatten die beiden vom Esstisch aus beobachtet und hatten ebenfalls Tränen in den Augen.

Tomasz löste sich von Wiktor, griff sogleich aber nach seiner Hand um ihn vom Sofa hochzuziehen. Und ging mit ihm zu Adam.
"Danke Papa, dass du mir meinen anderen Papa mitgebracht hast. Ich wusste, irgendwann würdest du dein Versprechen einlösen. Adam stand nun ebenfalls auf und schloss Thomsz und Wiktor in seine Arme.

All das, was er nie zu träumen gewagt hatte, war nun Wirklichkeit geworden.

Er war endlich die Person, die er immer sein wollte, er hatte Wiktor wiedergefunden und besser noch, die Liebe zwischen ihnen war nie erloschen, im Gegenteil, sie war sogar stärker als jemals zuvor. Und er konnte seinem Sohn endlich seinen Vater vorstellen.

Als sie sich mit tränennassen Wangen nach einiger Zeit wieder voneinander lösten, waren sie allein.
Maria und Hannes hatten sich offenbar zurückgezogen, um ihnen Raum zu geben.

Erst jetzt fiel ihm auf, dass die Sonne bereits unterging und den Essbereich in warme orange rote Töne tauchte.

Oh je es war bereits viel später als er dachte und sie hatten noch gut anderthalb Stunden Fahrt vor sich von Berlin bis nach Świecko

Als wäre das ihr Stichwort gewesen, kam Maria mit einem großen Tablett voller Köstlichkeiten aus der Küche ins Esszimmer.

„Ich dachte, ihr habt vielleicht Hunger." Wiktor strahlte sie an, sein Magen knurrte bestätigend.

„Und außerdem hab ich euch das Gästezimmer hergerichtet. Dann müsst ihr nicht so spät noch nach Hause fahren. "

 

Maria schaute fragend zu Adam, der erwiderte ihren Blick und nickte dankbar.
„Dann können sich Wiktor und Tomasz morgen noch besser kennenlernen. Es ist ja eh Samstag. Das ist für uns überhaupt kein Problem", pflichte Hannes ihr bei und legte einen Arm um seine Frau.

"Danke Mama, danke Papa", Tomasz rannte freudig auf sie zu und drückte ihnen jeweils einen Kuss auf die Wange, während ihn die beiden in die Arme schlossen und an sich drückten.

Adam stand seitlich hinter Wiktor, sein Partner hatte sich an ihn gelehnt. Adam umarmte ihn und hatte die Finger einer Hand mit Wiktors verschränkt. So aneinander geschmiegt, beobachteten sie die drei. Dann drehte sich Wiktor zu ihm, strich mit der freien Hand sanft über Adams Wange und küsste ihn. "Ich könnte mir keine besseren Eltern für unseren Sohn vorstellen. Und ich freu mich schon auf morgen", flüsterte er ihm ins Ohr.
Wiktors Stimme erzeugte eine wohlige Wärme in Adam - ein Gefühl von Geborgenheit und er zog ihn noch etwas enger an sich. Ja, er freute sich auch - sehr sogar.