Chapter Text
Es war normal im Hause der altehrwürdigen Familie Solace, dass alle Mitglieder von ihrem Oberhaupt Geschenke bekamen. Wenn diesem danach war. Er hatte das Geld, die Macht und er war ein hoch angesehener Mann in der Gesellschaft. Seine Seelengefährtin war eine atemberaubende Schönheit und nur zu gerne überhäufte er sie mit funkelnden Dingen und teuren Gegenständen. Nur eines schenkte er ihr nicht - Freiheit.
Naomi Solace war eine Gefangene in ihrem eigenen Haus. Sie befürchtete, dass ihr Mann alle weiblichen gemeinsamen Nachkommen genauso behandeln würde. Sie liebte ihn, weil er ihr Seelengefährte war, aber sie wusste auch, dass es in ihrem Fall keine gesunde Emotion war.
Vampire konnten Kinder nur mit ihrem Gegenstück bekommen, das galt jedoch nicht für gleichgeschlechtliche Paare. Auch diese gab es in der Bevölkerung und sie hatten einen biologischen Nutzen. Ein Seelengefährte konnte ohne den Anderen nur schwer leben und beendete häufig sein Dasein, wenn der Partner z.B. in einer der Schlachten, außerhalb des Königreichs, ums Leben kam. Dadurch gab es immer wieder Kinder, welche in Obhut gegeben werden mussten.
Bisher konnte der jetzige König jedoch die Verluste in Grenzen halten und versuchte zwischen den verfeindeten Parteien als neutraler Vermittler zu agieren.
Das Königreich, regiert von dem Vampir Chiron, schaffte es mit wenigen guten Kämpfern, viel Strategie und Weisheit sich aus den meisten Kriegen herauszuhalten. Zusätzlich dazu webten die Hexen und Magier, welche hier eingewandert waren, ein starkes Magieschild, was alle Bewohner beschützte.
Das Königreich war ein Zufluchtsort von vielen Wesen, wobei hier ursprünglich überwiegend Vampire und Hexen gelebt hatten. Alle hatten sich an Regeln zu halten und die Polizei achtete auch streng darauf, dass diese eingehalten wurden.
Eine dieser Regeln war es, dass gebundene Seelenpaare unter keinen Umständen getrennt werden durften, da ihre Instinkte sonst verrückt spielen würden. Dies war ein hohes Gesetz des Königreichs und wer es brach begann Hochverrat an der Krone. Auf diesen würde dann eine lebenslange Gefängnisstrafe oder gar schlimmeres zukommen. Das Strafmaß wurde durch den Rat festgelegt, da jeder der ein Verbrechen beging, sich vor diesem verantworten musste. Der Rat bestand aus Vertretern der einzelnen Wesen des Königreiches und waren dem amtierenden Herrscher eine gute Unterstützung.
Die Magie und die Seelenpaare waren voneinander abhängig. Solange es Magie gab, gab es auch Seelenpaare, und umgekehrt traf das ebenfalls zu. Diese gehörten meistens der gleichen Rasse an, wobei es aber auch hier seltene Ausnahmen gab, die individuell auf einen zugeschnitten waren, aber jedoch immer kinderlos blieben.
Das aktuelle Oberhaupt der Familie Solace, Walter Solace, hatte alte Ansichten. Er war das einzige Kind seiner Eltern und diese hatten ihn erst spät in ihrem Leben bekommen.
Vampire waren nicht unsterblich. Die Magie ließ sie nur sehr lange leben, was jedoch ihren Preis forderte - sie mussten sich von Blut ernähren. Es gab die vom Rat verwalteten Blutbanken, wo viele Wesen freiwillig Blut spenden konnten. Diese war hauptsächlich für die ungebundenen Vampire ohne Seelenpartner oder die Vampire, die ihren Seelenpartner verloren hatten, aber das Leben noch liebten, auch wenn das nur sehr selten vorkam.
Naomi war sich sicher, dass ihr Mann, obwohl er ihr Seelenpartner war, sie niemals wirklich glücklich machen würde. Ja, er liebte sie und es gab eine Zeit, da hatte sie noch Hoffnung. Jedoch starb diese, als sie erfuhr, dass sie sein erstes Kind unter ihrem Herzen trug. Er hatte ihr klar gemacht, wo er sie sah: Zuhause. Dort würde sie sich um das Kind kümmern und nur mit ihm an der Seite, als vorzeigbare Ehefrau, sich in der Öffentlichkeit bewegen dürfen.
Einige Monate nach ihrer Bindung gebar Naomi Solace ihren ersten Sohn, William Andrew. Zum Leidwesen seines Vaters war dieser ein sensibles Kind, welches sich schon sehr früh zur Musik, Kunst und dem Helfen anderer hingezogen fühlte und seinem Vater somit bewies, wie schwach er sein musste. Die Geburt des zweiten Sohnes Austin, nur knapp 1 1/2 Jahre später, bestärkte den alten Mann in seinem Plan, William nicht als Erben zu sehen, sondern lediglich als weiteres Mittel zur Macht. Austin war robuster als sein großer Bruder, aber dennoch bewunderte der Jüngere den Älteren unheimlich.
Ein paar Jahre später starb Naomi, kurz nach der Geburt ihres dritten Kindes, einem Mädchen, an den Folgen eines urplötzlich auftretenden Blutrausches ihres Gefährten.
Mit Hilfe eines hochrangigen Freundes konnte Walter den Mord an seiner Seelengefährtin vertuschen und wie einen Unfall darstellen, wodurch Will mit seinen knappen 11 Jahren in die Ersatzmutterrolle für seine Geschwister einspringen musste. Sein Vater sah dies mit Wohlwollen, da er ihn später besser verheiraten konnte, wenn er sich mit den niederen Frauenarbeiten auskannte.
Austin hingegen sollte die gleiche strenge Erziehung, die auch Walter zuteilgeworden war, erhalten. Trotz seines jungen Alters erzog Will seinen Bruder und hatte mehr Einfluss auf ihn, als es ihr Erzeuger je haben könnte. Vor allem weil ihr Vater auf vielen langen Geschäftsreisen war. Um seine Geschwister beschützen zu können, lernte Austin ein Schauspieler zu sein, damit er seinen Vater an der Nase herumführen konnte.
Es kam der Tag, kurz nach Wills 12tem Geburtstag, an dem sich alles ändern sollte. Sein Vater hatte ihn zu sich bestellt und der kleine Vampir war kurz davor, Fluchtpläne zu schmieden. Dass er nie ohne seine jüngeren Geschwister gehen würde, stand außer Frage, denn eines wollte Will gewiss nicht: dass einer von ihnen gegen seinen Willen verheiratet werden würde. Und das konnte er nur verhindern, wenn Kayla und Austin bei ihm waren und er auf sie aufpassen konnte.
Doch als er bei seinem Vater ankam, erkannte er, dass dieser mit ihm nur das vor hatte, was er auch mit ihrer Mutter versucht hatte: er versuchte, sich Zuneigung durch materielle Gegenstände zu erkaufen.
Zumindest war das seine Vermutung, als er das Schmuckstück in der Schatulle erblickte.
Die Kette, die ihm der alte Mann besorgt hatte, war jedoch weder schön noch ansehnlich. Sie fühlte sich an seinem Hals wie ein enger, unangenehmer Choker an, was sie vermutlich auch darstellen sollte. Aber der junge Vampir hatte eine Rolle zu spielen und so bedankte er sich brav, allerdings legte Will die Bürde, wie er die Kette heimlich nannte, bei jeder sich bietenden Gelegenheit ab. Damit zu schlafen war ihm ein Graus und auch Austin fand das ‘Ding’ grauenhaft. Es war schwarz, mit ihm unbekannten Runen verziert, breit und hatte ein paar lose Federn die etwas abstanden. Außer dem unschönen Äußeren fühlte sich Will zudem verloren und einsam, wenn er sie trug. Jedoch nur so viel, dass er einfach eine lange, warme Umarmung wollte und gerne hätte, dass seine Geschwister viel öfters mit ihm kuschelten.
Gut, dass er diesen Ballast nur trug, wenn sein Vater im Haus war. Aufgrund der vielen Reisen von Walter, verbrachte Will sehr viel Zeit ohne die Kette um seinen Hals.
