Chapter Text

nach der Revolution
01100100101000
✿
„Ich habe dich schon gesucht, Markus. Was machst du denn hier?“
Der RK200 machte noch einige Pinselstriche, ehe er sich langsam umdrehte. „Ich male.“, seufzte er erleichtert. „Und das in Freiheit.“
„Du kannst doch Zuhause bei uns malen. Warum malst du hier?“
„Dieser Ort erinnert mich an alte Zeiten.“
„Welche aber nicht gut waren…“, entgegnete North.
„Wir haben die Revolution gewonnen und das ohne Gewalt. Wir können in Frieden leben. Ist es da nicht egal, dass nicht alles gut war?“
North zögerte, nickte aber zustimmend und trat näher. Ein leises „Wow“ entwich ihr. „Das… ist wunderschön, Markus!“
„D-danke, aber es ist noch nicht fertig…“, antwortete er mit geröteten Wangen.
„Das ist ein Schneeglöckche oder?“
„Genau.“
„Wo wachsen denn hier Schneeglöckchen?? Oder malst du diese schönen Blumen aus deinem Gedächtnis heraus?“
Markus deutete mit dem Pinsel zum Rand des Daches Richtung Jericho.
North sah die Blume nicht gleich, so als würde sie sich verstecken. „Hier… wachsen Blumen?“
„Die Natur findet einen Weg, so wie wir. Schneeglöckchen stehen für Widerstandfähigkeit und Stärke in schwierigen Zeiten…“
„Und Versprechen auf wärmere Tage.“, ergänzte sie leise und nahm Markus Hand, sachte drückte sie sie.
Sie verbanden sich. Ihre LEDs flackerten auf.
Die Augen geschlossen verbrachten sie so einen intimen Moment. Es war, als würde die Erde für einen Moment stillstehen, nur in ihnen drehte sich alles.
Nach einigen Momenten durchbrach North die Stille. „Du kannst in unserem Garten Schneeglöckchen pflanzen. Dann können wir sie immer sehen.“
Markus schwieg erst, ehe er antwortete. Er überlegte. „Wenn ich sie in unserem Garten pflanze, gehört die Freiheit mir. Und Freiheit darf niemandem gehören. Das wäre keine richtige Freiheit.“
North schwieg und betrachtete das Kunstwerk von ihm. „Ich verstehe. Dann wäre ein Wildgarten genau richtig, oder?“
Markus‘ Augen glänzten. „Das ist eine sehr schöne Idee, North.“
✿
