Work Text:
“Kommen Sie”, sagt einer der Sanis und will ihn an der Schulter packen, aber Adam stößt ihn so hart zurück, dass er ins Taumeln gerät.
“Fass mich nicht an!”, faucht er. Dann lehnt er sich vorne über und kotzt auf das bisschen junge Grün, das den Waldboden bedeckt und seine eigenen Schuhe. Sein ganzer Körper zittert – zittert so schlimm, wie Esther es noch nie gesehen hat.
Er braucht Hilfe. Sie blickt sich suchend um, aber alle Umstehenden gucken nur, als sei er ein verwundetes Tier, das wie wild um sich beißen würde, sobald sie sich nähern. Sie schiebt sich an dem Sani, der sich vom Boden aufrappelt, vorbei und ignoriert geflissentlich jeden Versuch, sie zurückzuhalten. “Adam, meinst du nicht, dass-”, beginnt sie vorsichtig.
Aber Adam fährt so urplötzlich herum, dass sie zusammenzuckt. “Warum hast du nicht geschossen!”, brüllt er, das Gesicht vor Wut verzerrt. Die Asche malt die Linien nach, verzieht es zu einer grotesken Maske.
“Ich weiß nicht…”, sagte sie hilflos. Da ist ein Ton in ihrem Ohr wie ein kaputter Feuermelder. Er stürmt auf sie zu, packt sie fest am Arm. Sie spürt seinen warmen Atem auf ihrem Gesicht, sieht den Hass in seinen Augen, aber auch die tiefe Verzweiflung. “Ich weiß es nicht, Adam.”
“Warum hast du nicht geschossen?”, wiederholt er noch einmal, aber diesmal ist es ganz leise, als hätte er keine Kraft mehr zu schreien, als sei alle Wut mit einem Mal von ihm gewichen. Auch seine Hand zittert, wo sie sich um ihren Oberarm windet, wie eine Schlange, die ihrem Opfer die Luft abdrückt.
“Lass mich los. Bitte…” Er reißt seine Hand zurück – wie verbrannt. Dann sackt er auf die Knie zusammen und beginnt hemmungslos zu schluchzen. Dieser Adam, der da vor ihr kniet, ist ihr völlig fremd. Sie kennt nur das Arschloch, den jähzornigen Mann, der seine Wut nicht im Griff hat, nicht einen, der weint wie ein kleines Kind und plötzlich weiß sie nicht, wie sie damit umgehen soll. Dafür gibt es keine Anweisung im Protokoll. Wenn es eine gibt, dann hat sie Leo. Leo, der jetzt…
“Adam…” sagt sie, aber er hört sie nicht, vergräbt seine Hände in den schmutzigen Haaren, krümmt sich zusammen. Weint und weint und weint. Sie könnte ihn berühren, aber sie traut sich nicht. Es ist still im Wald. Nur die Vögel singen weiter und Esther hasst sie dafür.
