Work Text:
Ich saß wie jeden Tag in meiner Zelle, wartete auf meinen Einsatz, meinen Befehl.
In meinem Kopf herrschte Chaos. Wer...? Wo bi..? … bin … hier?
Kleiner Junge. Blaue Augen.
Wer? Doch wirklich klare Gedanken konnte ich nicht fassen. Ich stellte keine Fragen, wem auch, ich hatte gelernt, es nicht zu tun. Mein Kopf brummt, eine Leere, wo eigentlich Erinnerungen sein sollten.
Ich hörte Schritte auf dem Gang. Drei Personen. Ich wusste, wer es war. Vor meinem Raum machten sie halt. Die Tür öffnete sich und ein Mann trat ein, gefolgt von zwei Wachen. Er sprach mit harter Stimme. „Winter Soldier. Ihre nächste Mission wartet. Folgen Sie mir.“
Ich stand auf und ging dem Offizier nach. Ich dachte nicht wirklich darüber nach, was ich tat und warum. Ich wusste, was von mir erwartet war und tat es. Im Büro angekommen wartete ich bis mir jemand, meinen nächsten Einsatz erklärte. „Winter Soldier“, begrüßte mich die Leiterin mit strengem Blick. „Ma’am.“ Sie erwartete mit Respekt betrachtet zu werden, also tat ich, was sie verlangte. Ich blieb still stehen.
Sie hielt eine Mappe in der Hand. Daraus nahm sie ein paar Fotos und hängte sie an die Pinnwand. Darauf waren einige Personen und Orte markiert, Firmen, wichtige Menschen, vergangene Aufträge meinerseits. Ich hatte für ‚Die Sache‘ schon einige Probleme beseitigt. Der kommende Einsatz war ebenfalls dieser Natur. Die neuen Fotos zeigten mehrere Personen. Zum einen war ein muskulöser Mann zu sehen. Blaue Uniform, blauer Helm, runder Schild. Ich musterte ihn genau, wie jedes Mal, wenn ich eins der neuen Opfer analysierte. Ein weiteres Bild zeigte den Mann in Alltagskleidung, Jeans und Lederjacke. Man konnte nun auch seine blonden Haare erkennen. Die zweite Person, die auf den Bildern erkennbar wurden, zeigten ein rothaarige Frau. Ein seltsames Gefühl machte sich in mir breit. Sie kamen mir bekannt vor. Ich unterdrückte und ignorierte dieses Gefühl schnell wieder. Es gab viele blonde Männer und rothaarige Frauen. Daran war nichts besonders. Ich mussterte die Bilder genauer. Ich prägte mir ein, wie sie aussahen, versuchte möglichst viele hilfreiche Informationen zu erlangen.
„Der Mann“, die Leiterin unterbrach meine Gedanken zeigte auf das entsprechende Bild, „ist am wichtigsten. Sie müssen ihn beseitigen. Die junge Dame ist nur Bonus. Sie ist oft an seiner Seite, unterschätzen Sie sie nicht. Soldat, das ist eine Ihrer wichtigsten Missionen. Jeder der Sie daran hindert, muss ebenfalls eliminiert werden. Das ist der einige Weg zum Ziel.“ Den blonden Mann beseitigen, nichts einfacher als das. Und die Frau sollte doch wirklich kein Problem sein.
„Verstanden, Ma’am.“ Ich sah ihr streng in die Augen. Dann ließ ich noch einen letzten Blick über die Fotos schweifen und spürte bereits, wie ich mich ganz und gar nur noch auf die Mission konzentrierte. Alle anderen Gedanken rückten in den Hintergrund. Den Mann zu töten, war meine Mission.
Der Offizier und die Wachen nahmen mich mit in einen anderen Raum. Dort auf dem Tisch lag meine Ausrüstung. Auf Zeichen der Wache begann ich mir die Rüstung anzuziehen. Ich verstaute alle Waffen und Messer im Anzug. Zuletzt setzte ich mir die Maske und die Brille auf. Ich war bereit. Bereit zu töten und den Auftrag zu erledigen.
Die Wachen nahmen mich nach oben und nach draußen. Dort trafen wir auf zwei weitere bewaffnete Männer und ein schwarzes Auto.
Ich stieg mit zwei der Wachen im Ladebereich ein, während die anderen ans Steuer gingen. Ich saß still zwischen meinen Aufpassern, wartend auf das Signal, dass mir sagte, es ginge los.
Ich ging erneut alle Details durch. Ich soll einen Mann töten. Eine meiner einfachsten Aufträge. Auch wenn er muskulös ist, sollte ich einen großen Vorteil haben. Mein Körper funktionierte einfach besser, schneller als andere. Die Frau wusste ich noch nicht einzuschätzen. Sie sah harmlos aus, doch der Auftraggeber wird sie nicht umsonst erwähnt haben. Vermutlich hat er weitere Komplizen, die ich ausschalten sollte. Dann hörte ich ein Geräusch was mir sagte, mich bereit zu halten.
Die beiden anderen Männer öffneten die Türen des Fahrzeugs und sobald ich konnte sprang ich. Ich sah mich kurz um, um mich zu orientieren. Ich war auf einer Brücke. Der gesuchte Mann in einem schwarzen Auto. Die Mission begann:
Ich sprang auf das Dach des Wagens, schlug ein Fenster Seite ein und schmiss einen Mann aus dem Wagens raus. Ein Problem weniger. Im Auto konnte ich zwei Männer und eine rothaarige Frau ausmachen. Der Mann auf dem Beifahrer war die Mission für heute.
Ich schoss ein paar Mal mit meiner Waffe auf ihn. Die Frau kletterte nach vorn, während der Wagen zum Stoppen kam und mich nach vorn schleuderte. Süße Idee, aber nicht mehr. Ich bremste mich entspannt mit meinem Metallarm ab. Bevor jemand schießen konnte, fuhr der schwarze Wagen meiner Einheit ihnen auf.
Der Mann am Steuer gab nicht auf und gab Vollgas auf mich zu. Ich jedoch sprang nur hoch, hielt mich mit meiner binomischen Hand am Auto fest und landete schroff auf dem Autodach. Die Passagiere des Autos versuchten weiterhin mit dem Auto zu flüchten, doch ich schlug das Frontglas ein und riss den Lenkapparat heraus.
Offensichtlich hat einer von ihnen doch eine Waffe. Ich bringe mich schnell in Sicherheit indem ich auf das Auto meines Teams springe. Ich bin zwar wesentlich stärker als gewöhnliche Menschen, doch leider nicht schussfest.
Es gelang dem Fahrer unseres Wagens, den feindlichen zu stoßen, dass er umfiel. Die drei konnten sich jedoch retten, indem sie auf einem Schild schlitterten. Das muss der Mann sein, den ich umbringen muss. Elegant bleiben auch wir stehen. Mein Kontaktmann überreicht mir meine Waffe. Ich schieße die Grantate auf ihn ab.
Gezielt traf ich nur den blonden Mann. Seine rothaarige Freundin hatte er bereits zur Seite geschoben und den schwarzen Mann hatten sie kurz vorher verloren. Der Schuss traf nur sein Schild, mit dem er weit weg geschleudert wurde. Mission erfüllt, jetzt nur noch die Zeugen und nervigen Hilfen des Ziels ausschalten.
Mittlerweile waren mehrere Männer zu meiner Unterstützung angekommen, welche nun die Kumpanen des Blonden unter Beschuss nahmen. Ich half ihnen und zielte eine weitere kleine Bombe auf die Frau. Sie schien recht geschickt uns auszuweichen. Mit einer letzten Bombe lies ich das Auto in die Luft sprengen hinter dem sie sich gerade versteckt hatte.
Dann wechselte ich die Waffe auf ein normales Gewehr. Ich sah mich nach der kleinen um, doch ich konnte sie nicht sehen. Also nahm ich mir wieder den Bus vor, in den zuvor der Blonde geflüchtet war. Ein Schuss traff meine Brille. Die Rothaarige war gut. Irgendwie muss die denn Fall von der Brücke überlebt haben. Sie hatte mich getroffen. Genervt nahm ich die Brille vom Gesicht. Wut koch in mir hoch. Die drei waren leider nicht so leicht zu töten , wie ich es mir erhofft hatte.
Ich wartete einen Moment im Versteck der Brückenmauer und begann dann das Maschinengewehr auf sie zu zielen. Sie schoss ebenfalls auf mich mit jeweils einer Waffe in der Hand, doch als auch die anderen Männer auf sie zielten, brachte sie sich schnell in Sicherheit und rannte davon. Anscheinend musste ich doch erst die Frau ausschalten, bevor wir uns um den Mann kümmern konnten. Ich befahl einem Soldat meiner Einheit nach dem Mann zu schauen, während ich mich um die Dame kümmern würde.
Also sprang ich von der Brücke auf die darunterliegende Straße. Dann folgte ich ihr mit langen Schritten. Ich schoss eine Bombe auf das anfahrende Polizeiauto. Die konnte ich jetzt nicht gebrauchen. Ich suchte weiterhin nach der rothaarigen Frau. Sie musste weg, wenn ich meine Mission erfüllen möchte.
Die Zivilisten rannten schreiend davon, als sie mich sahen, doch damit kann ich leben. Weniger Leute im Weg. Ich schlich leise voran und spitzte die Ohren, als ich hinter einem Auto ihre Stimme erkannte. Also kniete ich mich leise hin und warf eine kleine Bombe unter das Auto. Mit einem gezielten Schuss lies ich sie explodieren.
Abwartend beobachtete ich das brennende Auto, als ich von hinten angegriffen wurde. Mist. Eine Falle und ich war darauf reingefallen. Sie sprang von einem Auto aus auf mich und trat mir ins Gesicht. Ich ließ das Gewehr fallen, um mich zu verteidigen. Sie saß mittlerweile auf meinen Schultern und versuchte mich mittels eines Stahlseils zu erwürgen. Ich versuchte nicht zu ersticken und lief nach hinten, bis ich an ein Auto prallte.
Ich schaffte es, sie am Rücken zu packen und von mir zu schleudern. Während sie sich aufrappelte schnappte ich mir das Gewehr und wollte gerade abdrücken, als ich ein Elektroschock an meinem Metallarm spürte, der sich durch meinen Körper zog. Es schmerzte, sodass ich eine Hand von der Waffe nahm, doch ich war diese Schmerzen größtenteils gewohnt.
Die Frau hatte mir ein seltsames Gerät an den Arm geschleudert. Während ich wütend das kleine Blättchen von meinem Arm riss, rannt sie weiter weg und versuchte anscheinend Zivilisten in Sicherheit zu bringen, doch an denen war ich gar nicht interessiert. Ich zerquetschte das kleine Wunderding und drehte meinen Arm wieder richtig ein, der sich angespannt hatte. Dann folgte ich ihr wieder.
Ich schoss uf sie. Letztendlich traf sie an der Schulter. Während sie sich hinter einem Auto versteckte, wollte ich gerade zum finalen Schuss kommen, als mich der blonde Mann angriff und anscheinend seine kleine Freundin zu beschützen. Was für ein Narr.
Ich schlug voller Kraft gegen sein lächerliches Schild, doch gegenmeiner Erwarten hielt es dem Schlag stand. Als ich ihn nach hinten trat fielen wir beide um, doch ich hatte meine Waffe bereit, während er sich hinter seinem Schild verschanzte. Kleiner Junge. Warum fiel genau jetzt so etwas ein. Ich musste mich konzentrieren, durfte die Mission nicht scheitern lassen.
Leider hatte meine Waffe keine Munition mehr, weshalb ich auf eine kleinere zurückgriff, welche ich noch parat hatte. Doch er suchte wieder hinter seinem Schild Schutz, bis er mir nahe genug war, um mir die Waffe aus der Hand zu schlagen.
Doch ich wäre nicht der Winter Soldier, wenn ich noch eine Pistole auf Lager hätte. Und jetzt zum dritten Mal schütze ihn sein blödes Schild. Also das ging mir so langsam echt auf die Nerven. Ich ließ meine Waffe fallen und versuchte ihm das Schild zu entreißen. Ich schlug auf ihn ein und er tat es mir gleich. Er konnte viel einstecken. Sein Schlag war fest. Fester als ich es erwartet habe. Doch ich gebe noch lange nicht auf.
Mit einer geschickten Drehung entreiße ich dem Blonden das Schild. Er versucht mich zu schlagen, doch das Schild hält ihn auf. Ich bin etwas verwirrt, denn jeder normale Mensch, hätte sich bei einem solchen Schlag die Hand gebrochen.
Irgendwas war anders als sonst, Ich hatte das Gefühl, als hätte man mir etwas über die Mission verschwiegen. Doch ich lies mich von meinen wirren Gedanken nicht aus dem Konzept bringen, sondern holte mir daraus extra Energie, wie man es mich gelehrt hatte. Ich stieß den Blinden von mir. Doch er gab nicht auf, sondern griff jetzt mich an. Ich warf sein Schild, doch er konnte gerade so ausweichen.
Nun hatte ich einen Vorteil. Er war nur in gewöhnlichen Alltagsklamotten unterwegs, während ich meine Rüstung hatte, in der auch noch so einige Schätze zu finden waren. Davon machte ich auch sofort Gebrauch und zog einen kleinen Dolch aus meiner Tasche.
Ich griff ihn an und stach auf ihn ein. Und wieder und wieder konnte er meine Angriffe abwehren. Woher hatte er gelernt, so zu kämpfen. Er nutze den Augenblick meiner Unaufmerksamkeit aus und schlug mir zugegeben ziemlich derbe ins Gesicht. Während ich versuchte mein Gleichgewicht zu halten gelang es ihm mich durch eine geschickte Drehung zu treten.
Ich prallte an einem Auto ab und lies vor Überraschung sogar den kleinen Dolch los. Jetzt war es er, der auf mich eintrat, doch dies ließ ich nicht lange auf mir sitzen und schlug ihn zurück. Dies war wohl eine meiner aufwendigsten Missionen, doch das würde ich nie zugeben.
Mein Gegner war stark. Ohne Frage. Er schaffte es sogar mich umzulegen, doch meine Geduld hing mit der Weile an einem seidenen Faden. Ich wollte, ich durfte diese Mission nicht vermasseln. Erst recht nicht, wenn es so ein blonder Vollidiot mit Schild ist. Seine Unaufmerksamkeit machte es mir möglich, ihn mit meiner binomischen Hand am Hals zu fassen. Ich drückte zu und merkte, wie er sich versuchte zu wehren, doch keine Chance hatte. Wütend blickte ich ihm entgegen. Jetzt hatte ich ihn. Jetzt muss er nur noch sterben.
Ich warf ihn über das nächst Auto und sprang darüber. Ich wollte seinen Kopf mit meiner binomischen Hand zerquetschen, doch er hatte anscheinend gute Lungen, weshalb er sich schnell erholt hatte und zur Seite rollte. Schnell stand er wieder auf, doch ich schlug noch auf ihn ein, bevor er richtig stand. Zu seinem Glück prallte er an einem Auto ab und ich nutzte die Gelegenheit, um einen weiteren kleinen Schatz aus meinen Taschen zu zaubern.
Ein Messer. Mit einem gezielten Tritt schlug ich meinen Gegner zurück ans Auto. Und stach zu, doch er schaffte es, meinen Arm davon abzuhalten, ihm gleich das Gesicht zu zerschneiden. Also nahm ich meinen metalernen Arm zur Hilfe, der wesentlich stärker war und stach zu. Mit voller Kraft zog ich das Messer immer weiter Richtung seines Halses, doch er stolperte auch immer weiter weg. So hinterließen wir nur eine Ansehbare Kratzspur am Auto.
Letztendlich schaffte er es sogar unter meinen Arm zu entkommen, doch er packte mich mit ihm und lies sich nach hinten fallen. Durch den Aufprall verlor ich erneut meine Waffe. Galant standen wir beide wieder auf. Er erinnerte sich anscheinend an sein geliebtes Schild und zog es aus einem nebenstehenden Auto, wo es steckengeblieben war, nachdem ich es nach ihm geworfen hatte.
Ich schnappte mir erneut ein Messer und stach auf ihn ein, doch Schild wehrte viele meiner Angriffe ab. Diesmal hat er mit seinem Schild meinen Metallarm blockiert. Während er mit der anderen Hand meinen Arm festhält, schiebt er das Schild darunter und schlägt mir damit ordentlich ins Gesicht. Mit einem gekonnten Wurf packt der blonde mich an meinem Kinn und wirft mich über seine Schulter. Dadurch löste sich meine Maske. Ich rollte mich mehr oder weniger elegant ab und kam zum Stehen.
Ich spürte seinen Blick auf meinem Rücken. Die Einheit hatte mir immer eingeschärft die Maske aufzubehalten. Zum Schutz und auch um meine Identität geheim zu halten. Doch nun war sie gefallen, doch jetzt danach zu greifen und sie mir überzuziehen würde nichts bringen, weshalb ich mich langsam umdrehte.
Der blonde Mann richtete sich auf. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, dass er mich anstarrte. Dann flüsterte er nur ein einziges Wort, was mich total irritierte.
„Bucky?“
Ich wunderte mich sehr. „Wer zum Teufel ist Bucky?“ sprach ich zum ersten Mal seit langen einfach so meine Gedanken aus.
Jedoch tat dies nichts zur Sache, wer auch immer dieser Bucky ist. Ich hatte eine Mission zu erfüllen, also griff ich wieder in meine Wundertaschen und zielte mit einer Pistole auf meinen Gegner.
Eine Sekunde bevor ich abdrücke, werde ich von hinten von einem Mann mit seltsamen Flügeln attackiert. Dieser schleudert mich ein paar Meter, doch ich habe meine Pistole noch. Der blonde Mann starrt mich immer noch seltsam an.
Blaue Augen.
Ich sehe weg, um klare Gedanken fassen zu können. Meine Mission.
Ich hebe die Waffe und ziele, werde dieses Mal jedoch von einer Bombe überrascht. Als sie hochgeht bin ich schon längst verschwunden. Viele bewaffnete Männer tauchen auf, Sie nehmen die drei Überlebenden mit.
Ich war längst nicht mehr dort. Mission gescheitert. Warum waren die drei so zäh? Sie mussten auch millitärische Erfahrungen gemacht haben.
Meine Gedanken kreisten um mich.
Wer war dieser blonde Mann?
Warum denke ich gerade jetzt an diese blauen Augen?
Und wer ist Bucky?
Warum hat er mich so genannt?
Ist das mein Name?
Aber warum erinnere ich mich nicht mehr an ihn?
Oder an mich...?
Ich merke gar nicht, dass wir mittlerweile im Hauptquartier angekommen sind. Erst als mich jemand ins Gesicht schlug, wurde ich zurück in die Realität geholt. Verwundert sah ich ihn an. Dann schlug er erneut zu und schrie mich an, ich solle mich ausziehen und hinsetzen.
Das tat ich. Meine Hose behielt ich an und ich merkte, wie die Doktoren an meinem metallenen Arm herumfummelten und ihn anscheinend reparierten. Doch auch davon bekam ich wenig mit, da sich meine Gedanken wieder um… Ja um was eigentlich kreisten? Plötzlich sah ich einzelne Bilder vor mir. Personen, die mit mir sprachen. Erinnerungen? Träume?
„Sergeant Barnes“, sprach ein älterer Mann mit runder Brille. Ich lag irgendwo im Wald. Ein Zug. Der blonde Mann von meiner Mission. Er ruft. „Bucky…Nein!“ Eine Schlucht. Ich falle. Ich falle. Schnee. Ein seltsamer Mann. Schnee. Mein Arm schmerzt. Ich sehe nur verschwommen. Der komische Mann murmelt Dinge, die ich nicht verstehe. „Die Prozedur hat bereits begonnen.“ Ärzte. Mein Arm. Mein Blick wird glasig.
Ich wache aus meiner Trance auf. Was war das gerade eben? Ist Bucky mein Name? Bin ich Sergeant Barnes? Bucky Barnes? Wie wurde ich zum Soldat, der ich heute war?
Eine weitere Scene in meinem Kopf. Eine weitere Erinnerung. Oder träume ich die ganze Zeit?
Ärzte. Ich habe keine normalen Hände mehr, ein Metallarm. Ich umfasse den Hals eines Arztes. Ich spüre eine Spritze in meinem Bein. Ich verliere mein Bewusstsein. „Sie werden die neue Faust von Hydra sein.“ Hydra? Was oder wer ist Hydra? „Legen Sie ihn auf Eis.“ Ich bin in einer Kapsel. Es ist kalt. Ich kann mich nicht mehr bewegen. Ich bin eingefroren.
Zurück in der Realität. Ich erinnere mich, an Bruchstücke. Kann nichts zuordnen. Ich muss hier raus. Ich schmeiße den Arzt zur Seite, welcher gerade meinen binomischen Arm behandelt hat. Ich will aufstehen, merke jedoch schnell, dass ich keine Chance habe. Ich atme schwer. Versuche die Gedanken zu odernen. Es werden viele Waffen auf mich gezielt. Ich muss hier raus.
Ein Mann im Anzug betritt den Raum. „Einsatzbericht.“ Fordert er. Doch ich sage nichts. Ich kann nichts sagen. Meine Stimme versagt. Ich bleibe stumm. Ich kann nicht glauben, dass der blonde Mann, auf den ich angesetzt wurde mich kennt.
Kennt er auch den kleinen Jungen? Zu viele Gedanken schwirren in meinem Kopf.
„Einsatzbericht, sofort“, fordert der Mann nun etwas forscher, doch das alles bekomme ich nur am Rande mit. Ich starre auf einen Punkt an der Wand und hänge ich meinen Gedanken.
Blaue Augen. Blonder Typ in Uniform. Kleiner Junge. Bucky.
Ich spüre einen Schlag im Gesicht. Mein Kopf fliegt zur Seite. Doch das beachte ich gar nicht. Schmerzen bin ich sowieso gewohnt. Ich muss wissen wer er ist. Also mache ich meinen Mund auf und spreche. „Der Mann auf der Brücke… wer war das?“
Ich weiß nicht, warum ich ihn frage. Ich weiß nicht, warum ich eine Antwort erwarte. Aber erstaunlicherweise bekomme ich sie sogar. Zumindest mehr oder weniger.
„Sie sind ihm diese Woche, bei einem anderen Auftrag begegnet.“ Ich starre wieder auf diesen Punkt. „Ich kenne ihn, “gebe ich dann zu. Die Luft steht im Raum. Der Mann in der Krawatte setzt sich auf einen der Doktorstühle. Alle im Raum sehen uns an. Ich spüre ihre Blicke auf mir. Meine Gedanken kreisen sich weiter um ihn. Ich weiß, dass ich ihn kenne. Ich weiß, dass es nicht nur von diesem Einsatz war. Wer ist er? Woher..?
„Ihre Arbeit ist ein Segen für die Menschheit, “beginnt der ältere Mann vor mir. „Sie prägten das Jahrhundert. Und ich möchte, dass sie das noch einmal tun.“ Kritisch sehe ich ihn an. Ich lasse seine Worte auf mir sitzen. Er hat meine Aufmerksamkeit.
„Die Gesellschaft steht auf der Kippe zwischen Ordnung und Chaos. Und morgen früh werden wir ihr einen Schubs geben. Aber wenn sie ihren Teil nicht erfüllen, kann ich meinen nicht erfüllen. Und Hydra kann der Welt nicht die Freiheit geben, die sie verdient.“
Nachdenklich sehe ich ihn an. Diese Ansprache habe ich schon oft gehört. Doch mir will der blonde Mann einfach nicht aus dem Kopf gehen. Ich muss herausfinden, wer er ist? Wann ich ihn wieder sehen kann.
„Aber ich kenne ihn.“ Ich denke wieder nach. Was hatte ich gemacht, bevor ich der Winter Soldier wurde. Der Zug. Im Winter. Der blonde Mann wollte mich auffangen. Waren wir in einem Team gewesen? Wusste er, wer ich war?
Der Mann vor mir seufzt und steht auf. „Vorbereiten.“ Sein Ton duldet keine Widerworte. „Die Kryostase ist bei ihm schon sehr lange her.“
Ich verstehe mal wieder nicht, von was die Männer da reden. Ich bin langsam verzweifelt. Ich weiß einfach nicht, wer der Mann ist. Woher kenne ich ihn? Warum erinnere ich mich nicht? Ich bin irritiert. Ich habe so viele Fragen.
„Dann löschen sie ihn und fang nochmal von vorn an.“ Nur nebenbei bekomme ich mit, dass die Männer noch da sind.
Meine Gedanken kreisen um den Mann und woher ich ihn kenne. Am Rande spüre ich, wie ich nach hinten gedrückt werde. Nun liege ich wieder im Doktorstuhl und weiß längst, was auf mich zukommt. Widerwillig nehme ich den Zahnschutz in den Mund. Ich werde weiter nach hinten gedrückt.
Um meinen richtigen Arm spüre ich das kalte Metall, welches mich an den Stuhl fesselt. Ich spüre, wie Angst in mir hochkommt. Ich spanne mich am ganzen Körper an, während das Gerät um meinen Kopf kreist.
Blonder Mann. Blaue Augen. Kleiner Junge.
Ich bekomme Kopfschmerzen. Mein ganzer Körper brennt vor Schmerz. Ich spüre die Elektroschocks durch meinen Körper. Ich schreie, soweit das mit dem Zahnschutz möglich ist.
Blonder Mann. Blaue Augen. Kleiner Junge.
Steve.
Mir wird schwarz vor meinen Augen und ich verliere das Bewusstsein.
Ich blinzle leicht. Helles Licht blendet meine Augen. Ich versuche mich aufzurichten, doch ich bin an einen Stuhl gefesselt. Ich höre mir unbekannte Stimmen.
„Sie sind aufgewacht, “ spricht der Mann auf Russisch.
Wer bin ich?
