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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2026-03-12
Words:
991
Chapters:
1/1
Comments:
2
Kudos:
6
Hits:
49

Mach die Augen zu

Summary:

Luis bietet Sami an, mit ihm Küssen zu üben.

Work Text:

Luis sitzt im Aufenthaltsraum und hört Musik, als Sami dazukommt.

„Ich hab ein Problem.“

Luis setzt seine Kopfhörer ab und schaut zu seinem besten Freund hinüber. Wobei…bester Freund beschreibt es nicht mehr so richtig. Nach dem Kuss mit Massuda kriegt er den Gedanken nicht mehr aus dem Kopf, dass sich ein Kuss mit Sami vielleicht danach nicht so unangenehm anfühlen würde. Aber er schlägt ihn sich aus dem Kopf. Sami ist mit Luna zusammen und damit wohl definitiv kein geeigneter Kandidat, seine neuentdeckte mögliche Bisexualität auszuprobieren.

„Was los?“, fragt er also nur.

„Ich…“, beginnt Sami und atmet tief durch, „Ich hab Schiss, dass ich Luna vielleicht…falsch küssen könnte.“

Luis zieht eine Augenbraue hoch.

Falsch küssen?“, fragt er, „Aber du küsst sie doch jetzt schon oft?“

„Ja, aber. Nicht so intensiv verstehst du? Was ist, wenn sich unsere Zungen verknoten? Oder sie gegen irgendwas allergisch ist, was ich davor gegessen habe und dann schwillt ihre Zunge an und ich krieg meine nicht mehr aus ihrem Mund raus und dann müssen wir in die Notaufnahme?“

„Dann musst du das üben, Bro“, schlägt Luis selbstbewusst vor.

„Üben?“, fragt Sami unsicher.

Luis nickt.

„Klar. Dann hast du’s drauf, wenn du’s mit ihr machst. Mädels stehen auf Typen, die gut küssen können“, sagt er und zwinkert Sami zu, „Ich zeig’s dir, okay?“

 

„Ich soll mit dir küssen üben?“, fragt Sami, als sie oben auf Luis Bett sitzen.

„Wie denn sonst?“

„Keine Ahnung. Ich hatte eher an sowas wie nen Eisportionierer gedacht.“

„Ein Eisportionierer?“, fragt Luis, „Du spinnst wohl! Erstens ist das nicht realistisch und zweitens kriegst du von dem kein Feedback.“

„Und von dir schon oder wie?“

„Würde ich dich jemals anlügen?“

„Wenn Luna davon erfährt, bin ich so tot“, sagt Sami, „Die war schon letztes Schuljahr mega eifersüchtig, weil ich Maxi trainiert habe. Als ob ich auf ne 12-jährige stehen würde!“

„Sie muss es ja nicht erfahren“, sagt Luis. Er steht auf und schiebt die Lampe so vor die Tür, dass man sie von außen nicht mehr öffnen kann. Die müssen sie echt irgendwann mal ersetzen, denkt er. Irgendein Trottel muss die mal fast umgestoßen haben und jetzt ist da ein Riss drin.

 

„Also“, sagt Luis, als er sich wieder gegenüber von Sami aufs Bett setzt, „Fang an.“

Sami atmet tief durch. Dann schließt er die Augen und platziert seine Lippen auf Luis‘.

Es fühlt sich gut an, denkt Luis. Es fühlt sich fast besser als all die Male an, als er Mädchen geküsst hat. Vielleicht liegt das auch nur daran, dass es so neu für ihn ist.

Er öffnet seine Lippen ein wenig und zaghaft beginnt Sami, seine Zunge in seinen Mund zu schieben.

Okay, dass Sami mit Zungenküssen noch nicht viel Erfahrung hat, merkt man.

Aber trotzdem fühlt es sich gut an. Fast findet Luis es schon schade, als Sami sich wieder von ihm löst.

„Und?“, fragt er.

Ich will mehr davon!, denkt Luis, spricht es aber nicht aus. Nie zu viel Lob auf einmal.

„Ein bisschen intensiver vielleicht“, sagt er, „Nicht so schüchtern. Wenn’s ihr zu viel wird, wird sie dich schon wegschubsen oder so.“

Vielleicht spricht er damit auch seine eigenen Wünsche aus, aber was soll’s. Luna wird’s bestimmt auch gefallen.

Ihm gefällt es nämlich sehr, als Sami seinen Rat befolgt und ihn noch etwas intensiver küsst, als davor.

Wie gern wäre er an Lunas Stelle. Er würde gern derjenige sein, den Sami seinen Boyfriend nennt, mit dem er Hand in Hand zur Schule läuft, auf Dates geht und der ihm immer wieder sagt, wie sehr er ihn liebt.

Aber er wird es nie sein. Daran muss er sich gerade schmerzhaft erinnern.

„Und?“

Ihm fällt gerade auf, wie schön Samis Augen eigentlich sind. Massuda hat zwar auch braune Augen aber…Samis sind irgendwie…anders.

„War schon ganz gut, Bro“, sagt er, „Hast du dir schon überlegt, was du mit deinen Händen machst?“

„Oh“, sagt Sami. Daran hat er gar nicht gedacht. Er war viel zu sehr damit beschäftigt, sich zu überlegen, wie er Luis…also später dann natürlich Luna…küssen sollte.

„Vielleicht fände sie es ja ganz schön, wenn du sie dabei umarmst“, schlägt Luis vor.

„Stimmt, das mag sie“, sagt Sami.

Ich würd’s auch mögen, denkt sich Luis.

Sami schlingt seine Arme um ihn und zieht ihn etwas näher an sich ran.

„So mag sie’s gern“, sagt er.

Wieder zieht er Luis in einen Kuss hinein und streicht dabei etwas über seinen Rücken.

Er würde so gern den ganzen Tag mit Sami rumknutschen, aber gerade merkt er, dass er bald aufhören muss. Sonst wird Sami merken, was das hier mit ihm macht. Samis Berührungen und seine immer sichererer werdenden Küsse lösen eine unglaubliche Sehnsucht in ihm aus, die sein Herz gleichzeitig in tausend Teile zerbrechen lassen.

Jetzt ist er zwar sicher, dass er auch auf Typen steht.

Aber warum muss das Sami sein?

Sami mit seiner tollen Freundin, der definitiv zu 100% Hetero ist und nicht wegen ihm mit Luna Schluss machen wird.

Weil sie glücklich miteinander sind.

So glücklich, wie er es gerne mit Sami wäre.

Er löst sich aus dem Kuss. Ne bescheuerte Idee war das.

„Und?“, fragt Sami.

„So machst du Luna zum glücklichsten Mädchen der Welt“, sagt Luis.

„Denkst du?“

„Na klar, Bro!“ Er holt sein Handy aus seiner Tasche und guckt kurz drauf. „Oh ganz vergessen!“, sagt er, „Ich und Massuda wollten noch was mit Joshua klären. Irgendwelche behördlichen Vorgaben oder so. Da muss ich jetzt leider hin.“

Eigentlich muss er nirgendwo hin.

Er würde eigentlich auch gerne hier bleiben aber mit jeder Minute wird der Schmerz in seinem Herzen stärker.

So sehr er es auch will - er und Sami wird nie mehr sein als zwei beste Freunde, die mal miteinander küssen geübt haben.

Er schließt die Tür hinter sich und läuft die Treppe nach unten, um frische Luft zu schnappen.

 

Diese Küsse haben sich nicht unangenehm angefühlt.

Es waren die schönsten Küsse in seinem gesamten bisherigen Leben.

Und der schlimmste bisherige Liebeskummer.