Chapter Text
Menschen
Niemand kehrte jemals zurück von Mount Ebott.
Als Chara das erste Mal von dieser Legende hörte, glaubte das Kind es nicht. Wollte es nicht glauben, denn es klang zu schön, um wahr zu sein. Ein Ort, von dem keiner zurückkehrte. Ein Ort, an dem niemand einen fand...
Chara war ein gutes Kind.
Ein Kind, das seinen Eltern keinen Ärger machte.
Ein Kind, das immer lächelte anstatt zu weinen, wenn der Vater wieder einmal seine Wut nicht kontrollieren konnte, wenn er von der Arbeit kam.
Ein Kind, das sich seiner Mutter nicht aufdrängte, wenn es Probleme mit anderen Kindern hatte – und, oh, Kinder waren grausam – , sondern die Verachtung der Frau, die Chara eigentlich bedingungslos lieben sollte, mit einem Lächeln auf dem Gesicht hinnahm.
Manchmal war nämlich alles, was man tun konnte um nicht zu zerbrechen, lächeln.
Und so lächelte Chara, jeden Tag, egal wie schwer es war.
Chara lächelte, als die Angst das Kind dazu trieb, mit einem Messer unter dem Kissen zu Bett zu gehen und die Tür des Zimmers jedes Mal hinter sich verschloss.
Chara lächelte, als die anderen Kinder im Dorf sich über Chara lustig machten, weil das Kind wieder einmal mit einem blauen Auge in die Schule gekommen war.
Chara lächelte auch noch mit dem Messer in der Hand, welches normalerweise sicher unter dem Kopfkissen des Kindes lag. Die Messerspitze ruhte auf dem Arm des Kindes. Chara lächelte, das Messer fest gepackt, zudrückend, sich selbst den Arm aufschneidend , um endlich, endlich, endlich, endlich, wieder etwas zu fühlen – sei es auch nur Schmerz.
Also lächelte Chara. Lächelte immer. Denn das war alles, was Chara für sich selbst tun konnte. Den Schmerz weg lächeln. Die Angst weg lächeln. Immer nur lächeln.
Chara lächelte auch auf dem Weg nach Mount Ebott.
Chara lächelte auch, als sie in den Berg hineinfiel.
Ein Lächeln voller Entschlossenheit .
