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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2026-03-21
Words:
1,008
Chapters:
1/1
Comments:
4
Kudos:
21
Bookmarks:
3
Hits:
130

Blaue Flecken und sanfte Lippen

Summary:

Boerne ist nach den Events von "Limbus" immer noch merklich angeschlagen. Zum Glück hat er aber einen liebevollen Nachbarn, der sich seiner annimmt.

Eingenommen von der Erleichterung, Boerne hier lebendig und wach und atmend vor sich zu haben, beugte Thiel sich vor und küsste fast nicht spürbar das Stückchen blau getönte Haut auf Boernes Brust.

Notes:

Für Inspiration und Kontext des Textes bitte gerne die wunderschönen Bilder von js-t-art-ort auf Tumblr begutachten. <3

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

***

Thiel beugte sich ein wenig über seinen neugewonnenen Patienten, um die Tabletten zurück auf den Nachttisch zu stellen, die er ihm gerade verabreicht hatte, als eben dieser Patient - Boerne - einen kleinen schmerzverzehrten Laut von sich gab. Thiel musste sich in der eben ausgeführten Bewegung wohl versehentlich ungünstig an ihm abgestützt haben. Sofort zuckte er besorgt zurück.

"Alles in Ordnung?", fragte Thiel, doch bevor Boerne antworten konnte, begann Thiel vorsichtig das Pyjamaoberteil des Professors aufzuknöpfen. Sprachlos beobachtete Boerne, wie der Baumwollstoff sachte zu Seite gestrichen wurde, damit die Wunden besser von Thiel in Augenschein genommen werden konnten, und er spürte, wie eine Hand zärtlich über den blauen Fleck an seiner Seite fuhr.

Thiel wusste eigentlich selbst am aller wenigsten, was er hier tat und warum. Wie in Trance fuhr sein Blick über die ganzen kleineren und großen Wunden, ein Pflaster, der merklich ausgeprägte blaue Fleck, der da an seiner Seite prangte und beobachtete dabei fasziniert und beruhigt zugleich, wie sich der plötzlich so verletzlich aussehende Brustkorb hob und senkte. Eingenommen von der Erleichterung, Boerne hier lebendig und wach und atmend vor sich zu haben, beugte er sich vor, lehnte seinen Kopf ein wenig weiter nach unten und küsste fast nicht spürbar das Stückchen blau getönte Haut.

Boerne beobachtete wie gebannt das Schauspiel, hätte es fast nicht geglaubt, wenn er nicht doch das leichte Kitzeln der rauen Lippen über seinem Rippenbogen gespürt hätte.
Er zögerte einen Moment - analysierte, zog gedanklich Verbindungen zwischen imaginären Punkten -, dann drückte er mit seinem Finger gegen eine andere Stelle auf seiner Brust und wisperte dabei leise ein gekünsteltes "Aua".

Thiels Augen flackerten zu ihm auf, verarbeiteten selbst, berechneten, dann blickte er wieder auf den Finger, der immer noch knapp über Boernes Haut schwebte.

Atmen, erinnerte sich Boerne, als Thiel zum zweiten Mal ganz sanft seine Lippen auf seine Brust setzte, und zwang sich irgendwie ruhig und konzentriert Luft in seine Lungen zu ziehen.

"Und hier…" Boerne ließ seinen Finger etwas höher wandern - er lag jetzt etwas über seinem Schlüsselbein. Treu drückte Thiel auch da einen Kuss hin, immer noch vorsichtig, aber dieses Mal etwas fester, spürbarer, sicherer.

"Und…" Boerne berührte seine Lippen nicht einmal. Zeigte nur grob dahin. Ließ seinen Finger schwach davor verweilen.

Thiel richtete sich ein wenig auf - das Gesicht jetzt nah, präsent - und legte Boerne eine Hand an die Wange. Boerne zwang sich dem Impuls zu widerstehen sich in die Hand zu schmiegen; zu zerbrechlich fühlte sich dieser Moment an - als würde eine einzige, falsche Bewegung Thiel und ihn daraus aufschrecken lassen.

Atmen hatte Boerne lange schon aufgegeben, er fixierte nur unentwegt Thiels Gesicht, seinen jeden Muskel, analysierte auch nur die kleinsten Bewegungen seines Gegenübers.

Und dann tat es Thiel tatsächlich. Wieder lehnte er sich vor, wieder spürte er die rauen Lippen seine Haut streifen, aber eben diesmal ist es sein Mund, sind es seine eigenen Lippen, die da berührt werden und oh Gott und wow und das fühlte sich- das war so- so unglaublich, so unfassbar...

Boerne schmolz, verfloss förmlich unter Thiels Berührung dahin. Er wusste nicht, was er tun sollte, tun konnte, sein Gehirn war völlig leergefegt - da war nur noch dieses Gefühl von Thiel - von seinem Atem, von dem Prickeln überall, wo seine Berührungen waren und noch immer sind, wo seine Lippen ihn berührt hatten und immer noch berührten - doch dann brach die Reaktion ganz selbstverständlich aus ihm heraus:

Er küsst ihn zurück, ein wenig atemlos, ein wenig unbeholfen und irgendwie stürmisch und vorsichtig zugleich. Und Thiel küsste ihn einfach weiter und weiter und hielt sein Gesicht dabei in seiner Hand und oh Gott, ihm wurde schwindelig und sein Herz drohte sich aus seiner Brust heraus zu schlagen und wow und oh Gott und wie-

Seine eigene Hand war irgendwie irgendwann in Thiels Haar gerutscht und Thiel seufzte und atmete ein wenig in den Kuss und wow und das fühlte sich so- und das alles war so- so weich und warm und genau richtig und-

und es war alles, wovon er so lange geträumt hatte und was er schon so lange wollte und plötzlich einfach hatte, einfach hier und jetzt, und Thiels Lippen drückten sich immer wieder so sanft gegen seine und und-

und oh Gott ja, ähm, er musste langsam mal wieder Luft bekommen. Irgendwie.

 

Thiel lehnte sich wieder zurück, aber zum Glück ließ er seine Hand da, in die sich Boerne jetzt endlich sicher hineinkuscheln konnte. Mit seiner eigenen wuselte Boerne weiter durch Thiels Haare und konnte spüren (nicht mehr sehen, denn er hatte die Augen geschlossen), dass auch Thiel sich in die Berührung lehnte.

Es verging ein Moment, einfach so, im Stillen ganz ruhig - mit geschlossenen Augen und mit an Hände geschmiegten Gesichtern. Die Beiden brauchten diesen Augenblick, um langsam zu verarbeiten, was gerade passiert war und um einfach die plötzlich ganz andere, so viel intensivere Nähe zu dem anderen auszukosten.

Boerne ließ sich schließlich nach vorne in Thiel fallen. (Oder war es Thiel, der sich plötzlich gegen ihn lehnte?) Jedenfalls drückte Boerne irgendwann sein Gesicht in Thiels Halsbeuge und lehnte sich in die Arme, die sich um seinen Rücken schlangen und ihn näher zogen.
Auch, wenn kleine Stellen auf Boernes Brust und Körper deswegen jetzt tatsächlich anfingen weh zu tun, aber das merkte er zwischen all der Wärme und den Glücksgefühlen fast gar nicht mehr.

"Warum wärst Du mir jetzt zum hundertsten Mal fast weggestorben?", hörte und spürte er Thiels müden, trotzigen Bass gegen sich vibrieren.

"Weil Du ja sonst zu nichts kommst", beantwortete Boerne die rhetorische Frage und kuschelte sich noch ein wenig enger an Thiel, der erst ein wenig belustigt und ein wenig empört schnaubte und dann seinen Rechtsmediziner noch fester an sich zog.

"Aua", zuckte Boerne dieses Mal ehrlich zusammen.

Doch Thiel lachte jetzt nur leise und drückte ihm einen Kuss irgendwo zwischen Wange und Schläfe. Dann schob er sachte Boernes Kopf auf seine Brust und lehnte sich gegen das Kopfende des Bettes, Boerne schön warm und fest auf ihm verankert.
Und mit weich gezeichneten Kreisen in seinem Nacken und dem Kopf auf dem wohligen Bauch schlief Boerne friedselig mit Thiel ein.

Notes:

kleiner Funfact:

der Text rutscht für den ersten Impact des Kusses tatsächlich kurz ins Präsens.
Der eigentliche Grund dafür ist es, dass ich - for the life of me - nicht konstant in einer Zeitform schreiben kann, aber ich fand es für den Effekt und die Bedeutung des Textes irgendwie passend, weshalb ich es so drin gelassen habe. Kiss so powerful, so soft, it transcends time