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Hot Chocolate

Summary:

Officer Goodween ist noch neu beim RBPD.
Alle Kollegen sagen ihm, dass Inspektor Cotta ein wirklich toller Kerl ist, allerdings gerade nur ziemlich gestresst.
Und dann kommt Cotta aus dem Urlaub wieder und sieht plötzlich verdammt gut aus.

Notes:

Gepostet habe ich tatsächlich ewig nichts und noch nie in diesem Fandom. Dennoch schreibe ich seit knapp zwei Jahren verschiedenstes One-Shots zu Cotta und Goodween. Daraus ist mittlerweile ein eigenes kleines Universum entstanden z.B Donatelli und seine vier Kinder.
Hier in der Geschichte braucht man aber dieses Hintergrundwissen nicht, falls überraschenderweise Interesse besteht habe ich eine ganze Sammlung an Geschichten, die meine Interpretation der Figuren weiter erläutert.
Ansonsten muss ich noch anmerken, dass ich keinerlei Ahnung von richtiger Polizeiarbeit habe, schon gar nicht in den USA.
Ich hoffe es macht trotzdem Spaß zu lesen.

Work Text:

Nachdem Officer Goodween seinen ersten Einsatz mit den drei Fragezeichen hinter sich gebracht hatte, dauerte es eine ganze Weile, bis er bei einem weiteren dabei war.
Um genau zu sein, dauerte es bis nach dem Urlaub von Inspektor Cotta.

Zunächst hatte Goodween ihn als ziemlich zerstreut erleben dürfen. Gemeinsamen Unterhaltungen im Pausenraum oder in der kleinen Küche des Präsidiums folgte der Inspektor nur bedingt. Häufig hatte er aber auch irgendeine Akte in der Hand, das Handy am Ohr oder sah so müde aus, dass vermutlich ein einfacher Windhauch den Inspektor umgehauen hätte.

Als Jack ihn mitgenommen hatte zu dem Einsatz nach Bakersfield, war Goodween von diesem ein wenig über die Jugendlichen aufgeklärt worden. Dass sie als Kinder mit ihrer Detektivarbeit begonnen hatten, was den ehemaligen Polizeichef damals noch ziemlich amüsiert hatte. Mittlerweile war jedoch aus der Suche nach verlorenen Katzen und entflogenen Papageien Ernst geworden und die Jungs waren häufiger mit richtigen Verbrechen konfrontiert.

Der nun pensionierte Hauptkommissar Reynolds hatte es anscheinend Cotta vermacht, auf die drei aufzupassen. In der Abteilung gab es den allgemeinen Konsens, dass sie die Jungs ohnehin nicht davon abhalten konnten, zu ermitteln, und so war es immerhin besser, wenn sie Bruchstücke von Informationen hatten und im Notfall die richtigen Schlüsse daraus ziehen konnten.
Dass Cotta die drei also anscheinend länger kannte, erklärte Goodween dessen Verhalten, als sie die Jungs aus der Garage in Bakersfield gerettet hatten.

Im Anschluss an dieses Ereignis schaffte der Inspektor es tatsächlich, noch müder auszusehen, und die Tatsache, dass Inspektor Donatelli Cotta stets im Auge hatte, wie ein Habicht seine Beute, konnte nur bedeuten, dass irgendetwas nicht stimmte.

Jack hatte Goodween schon ein paarmal auf ein Feierabendbier eingeladen, gemeinsam mit Devlin und auch Donatelli, der gelegentlich auch dabei war. Einer der ehemaligen Kollegen, Henry Anderson, war auch gerne dabei. Von daher hatte Goodween Teile dieser Abteilung des RBPD recht gut kennenlernen dürfen und er wusste, dass Donatelli Cotta nicht einfach so ständig beobachten würde.

Eine Woche nach Ende der Sommerferien stand Jack schon früh bei Goodween am Schreibtisch und trank mit einem Grinsen seinen Kaffee.

„Was gibt’s?“, fragte Goodween ein wenig irritiert.

„Wir dürfen die nächsten drei Wochen unseren lieben Robert im Stress erleben.“

„Wieso das?“ Goodween runzelte die Stirn.

„Cotta hat immer im September drei Wochen Urlaub. Was heißt, dass einige der Anrufe natürlich an Robert gehen.“ Er grinste erneut. „Auch wenn Robert Cotta den Urlaub natürlich gönnt, ist er am Ende jedes Mal froh, wenn er wieder da ist. Er lebt vermutlich in der ständigen Angst, dass Prescott ihn auch in irgendeine unnötige Budgetentscheidung einbezieht.“

„Cotta hat Urlaub?“, fragte Goodween etwas überrascht.

Jack nahm einen weiteren Schluck Kaffee und nickte.

„Dieses Jahr hat er ihn besonders nötig. Glaub mir. Er ist ein klasse Kerl, wenn du ihn mal besser kennenlernst. Seit Reynolds weg ist, hat er nur unglaublich viel zu tun und die Sommerferien sind immer stressig, weil seine besonderen drei Freunde sehr viel mehr Zeit haben, Unfug anzustellen.“
Jack schüttelte den Kopf, doch dann seufzte er. „Ich muss los, aber du wirst sehen, nach dem Urlaub ist Cotta wie ausgewechselt. Glatt ein Kerl zum Verlieben!“, Jack lachte, doch dann verabschiedete er sich.

Goodween runzelte die Stirn nach dem letzten Kommentar von Jack, doch dann widmete er sich wieder seiner Arbeit.

Tatsächlich hatte er diese Unterhaltung ziemlich schnell wieder vergessen.

Zweieinhalb Wochen später wusste Goodween jedoch, was Jack mit Donatellis Stress gemeint hatte.
Also wirklich gestresst war der Inspektor eigentlich nicht, doch an diesem Abend war er zumindest für eine Stunde in der Kneipe mit dabei und schaffte es, die gesamte Stunde lang zu jammern, dass Cotta ihn alleingelassen hätte.

„Ich glaube, er liebt mich nicht mehr, Henry.“

Anderson verdrehte die Augen.

„Wüsste ich es nicht besser, würde ich sagen, du bist voll.“

Robert grinste nun.

„Oh, das würde zuhause Ärger geben.“

„Selbst schuld, bei vier Kindern.“

„Um nichts in der Welt würde ich tauschen wollen!“, antwortete Robert mit einem sanften Lächeln. „Jetzt, wo wir keine Windeln mehr brauchen, ist es ein Traum.“

Jack, der neben Goodween saß, lachte laut.

„Wer weiß, vielleicht braucht ihr sie ja doch nochmal“, sagte er mit einem Zwinkern.

Robert schüttelte den Kopf.

„Nee, das kannst du dir abschminken. Dann bräuchten wir ein größeres Haus. So viel verdiene ich dann auch nicht.“

„Ich glaube nicht, dass du dich beschweren kannst“, erklang eine warme Stimme hinter Donatelli.

Dieser drehte sich sofort um.

„Samuel!“ Der Inspektor grinste. „Auch mal wieder Zeit für deine alte Truppe?“

Reynolds bedachte Donatelli mit einem kurzen Blick, bevor er Notiz von Goodween nahm.

„Du musst jemand Neues sein. Samuel Reynolds“, stellte er sich vor und begrüßte Goodween mit einem kräftigen Händedruck. Anschließend setzte er sich zu ihnen.

„Gut, dass du da bist. Robert meinte, mal wieder zu jammern, weil er mal drei Wochen ohne seinen Cotta aushalten muss“, seufzte Anderson.

Reynolds Mundwinkel zuckten verdächtig.

„Und jetzt stell dir erst dein Leben vor, würde Cotta mal je auf seine volle Anzahl der Urlaubstage kommen.“

Donatelli seufzte theatralisch.

„Ich sehe schon. Ihr nehmt mich nicht ernst.“ Er schüttelte den Kopf, dann warf er einen Blick auf sein Handy.

Der Sprung im Display ließ Goodween beinahe erschaudern.

„Es hilft nichts. Ich muss los.“ Er klopfte auf den Tisch. „Beim nächsten Mal bin ich vielleicht länger dabei.“

„Nimm die Kleine einfach mit“, lachte Jack. „Sie hängt doch eh nur an Cotta.“

Donatelli zuckte mit den Schultern.

„Kann man es ihr verübeln?“ Er zwinkerte, dann machte er sich auf den Heimweg.

Jack stieß Goodween leicht mit dem Ellbogen an.

„Wenn du was über Cotta erfahren willst, dann ist das deine Chance. Reynolds kennt ihn quasi von Geburt an.“

„Wenn du es so formulierst, klingt es, als hätte ich ein Problem“, grummelte Goodween, dann schwieg er für einen Moment verlegen, als er sah, dass Reynolds ihn interessiert musterte. „Ich hab nur bisher kaum mit ihm zusammengearbeitet, aber alle anderen sprechen ständig von ihm.“

Reynolds lachte leise, bevor er einen Schluck von seinem Bier nahm.

„Ich kann dir vermutlich auch nichts anderes erzählen. Ein Polizist von seiner Auffassungsgabe ist eigentlich verschwendet an eine kleine, harmlose Stadt wie Rocky Beach, aber er ist glücklich hier. Wenn du vorhast, zur Kriminalpolizei zu wechseln, halt dich an ihn. Du wirst einiges lernen können.“ Reynolds sprach mit einem warmen Ausdruck in seinen blauen Augen. „Allerdings solltest du dir kein Beispiel an seiner Arbeitsmoral nehmen. Die ist momentan eher ungesund, aber ich denke, das wird sich auch wieder einpendeln.“

Jack schnaubte.

„Das hoffen wir doch. Henry hat mir von seinem Onkel erzählt. Das wollen wir doch bitte nicht erleben.“

„Glaub mir, das wird Caroline zu verhindern wissen“, antwortete Reynolds ihm und lenkte dann das Gespräch in eine andere Richtung.

Goodween blieb jedoch ein wenig verwundert zurück. Wer war denn nun Caroline? Cottas Frau?

Ein paar Tage später hatte Goodween schon sehr früh Dienstbeginn gehabt und saß müde an seinem Schreibtisch, um ein Einsatzprotokoll zu schreiben.
Erst als einige Kollegen hörbar Inspektor Cotta begrüßten, blickte Goodween auf.

Und verschluckte sich beinahe.

Cotta sah … anders aus.

Wie immer trug er einen perfekt sitzenden Anzug, doch die Müdigkeit war verschwunden. Keine dunklen Schatten mehr unter den Augen. Die Schultern entspannt, als würde ausnahmsweise nicht die halbe Welt auf ihnen lasten. Seine Haut sonnengebräunt, die Haare wie gewohnt sauber nach hinten gestylt.

Und dieses Lächeln …

Goodween riss den Blick hastig wieder los.

Verdammt.

Seit wann war sein Chef so attraktiv?

Sein verheirateter Chef.

Er spürte, wie seine Ohren warm wurden. Das konnte ja was werden.

Es dauerte nicht lange, nicht mal eine Woche, bis der Inspektor, der sich gerade sein Jackett überstreifte, kurz vor Feierabend, ins Erdgeschoss kam und sich suchend umsah. Dass die meisten seiner Kollegen plötzlich alle einen Telefonhörer in der Hand hatten, ließ Goodween verwundert die Stirn runzeln. Doch viel Zeit, das zu hinterfragen, hatte er nicht, als er bemerkte, dass Cotta seinen Schreibtisch ansteuerte.

„Officer Goodween, richtig?“

Goodween nickte.

„Sehr gut.“ Cotta sah sich kurz um. „Ich brauche einen Zeugen, der belegen kann, dass ich drei gewissen Jugendlichen zu Recht den Hals umgedreht habe.“

„Bitte was, Sir?“

Cottas Augenbrauen wanderten nach oben, doch dann schüttelte er den Kopf.

„Spar dir das, Sir. Cotta oder, wenn schon, Inspektor reichen völlig aus.“

„Verstanden“, nickte Goodween. „Inspektor“, fügte er dann noch hinzu und grinste.

Cotta lachte leise.

„Ich erklär dir alles im Auto.“

Was folgte, war ein ziemlich abstruser Fall, aber anscheinend war das wohl nichts Neues für Cotta. Wie er ihm auf der Fahrt berichtet hatte, ermittelten die drei Fragezeichen in allerlei verwunderlichen Dingen. Was meist eine Menge Papierkram für Cotta zur Folge hatte.

Am heutigen Tage waren die drei Jungs jedoch nicht in Lebensgefahr gewesen, jedoch merkte Goodween, wie Cotta immer lauter beim Sprechen wurde. Was vielleicht in Korrelation mit den Aussagen des ersten Detektivs stand.

Goodween war eigentlich ziemlich amüsiert über das Ganze, jedoch konnte er Cotta durchaus auch verstehen. Rechtlich gesehen war das, was sich die Jungs geleistet hatten, ein Einbruch. Egal, ob das Gebäude verlassen gewesen war oder nicht.

Letztendlich schickte der Inspektor die Jungs ein wenig resigniert nach Hause.

Er sah zu Goodween und seufzte.

„Sie lernen es ja doch nicht.“ Er schüttelte den Kopf. „Ich sag dir, jedes graue Haar ist die Schuld von den Jungs.“

Goodween konnte nicht umhin und warf einen Blick auf Cottas dunkle Haare.

„Dann kann es ja noch nicht so schlimm sein“, sagte er mit einem Grinsen, was Cotta auflachen ließ.

„Komm, wir fahren zurück ins Präsidium. Der Bericht zu dem Schlamassel hier schreibt sich ja nicht von selbst.“ Er seufzte erneut.

Auf der Fahrt zurück war Cotta ein wenig schweigsamer als noch auf dem Hinweg. Kaum angekommen verabschiedete er sich von Goodween, der jedoch auch noch einmal an seinen Schreibtisch zurückkehrte. Zumindest die angefangene Aufgabe von vorhin wollte er noch erledigen. Dass dies letztlich so viel Zeit in Anspruch nehmen würde, hätte er jedoch nicht gedacht. Es dauerte noch etwas über eine Stunde, bis er sich auf den Weg machte, um sich Zivilkleidung anzulegen.

Gähnend machte er sich auf den Weg zum Parkplatz. Er trat durch die Tür nach draußen und blieb dann wie angewurzelt stehen. Warum musste es denn jetzt ausgerechnet wie aus Eimern schütten? Goodween fluchte leise.

„Weit weg geparkt?“, fragte da eine Stimme hinter ihm. Erschrocken fuhr Goodween zusammen, dann drehte er sich um und blickte in das Gesicht von Cotta, der ihn amüsiert betrachtete.

„Schön wär's Ich bin mit dem Fahrrad da.“

Jetzt hob Cotta für einen Moment die Brauen hoch, dann nickte er in Richtung seines Wagens.

„Komm, ich fahr dich heim. Wann fängst du morgen an?“

„Um acht. Aber du musst jetzt nicht extra einen Umweg fahren.“

Cotta zuckte mit den Schultern.

„Den Sprit muss ich doch nicht zahlen. Wir rechnen es als Dienstfahrt ab“, zwinkerte er. „Ich hol dich morgen auch wieder, dann musst du nicht den Bus nehmen. Zu der Zeit ist der doch voll mit Schülern.“

„Aber…“

„Kein Aber und jetzt ab ins Auto. Zuhause wartet ein Glas Rotwein auf mich.“

Goodween gab es auf zu protestieren und fügte sich seinem Schicksal.

„Danke“, sagte er, sobald er halbwegs trocken auf dem Beifahrersitz saß.

Cotta winkte ab und fuhr nun los, nachdem er sich von Goodween dessen Adresse hatte geben lassen.

Während der Fahrt unterhielten sie sich ein wenig über Goodweens Werdegang als Polizist beziehungsweise warum er sich für Rocky Beach entschieden hatte.

Viel Zeit, über den Tag nachzudenken, hatte Goodween nicht, da er einfach nur müde auf die Couch fiel und fast augenblicklich einschlief.

Als er am nächsten Morgen von seinem Wecker geweckt wurde, war er sich zunächst recht unsicher, ob Cotta ihn wirklich abholen würde. Andererseits hatte er auch keine Nummer von ihm, um nachzufragen. Zu spät kommen wollte er eigentlich nicht. Allerdings war er sich sicher, dass Cotta gesagt hatte, er würde ihn abholen. Darauf musste er jetzt also vertrauen.

Tatsächlich war der Inspektor pünktlich da. Goodween hatte den Wagen durch sein Küchenfenster kommen sehen. Schnell schnappte er sich seine Tasche und ging nach draußen.

Natürlich sah Cotta auch heute wieder verdammt gut aus. Goodween seufzte leise. Er sollte wirklich nicht so über einen verheirateten Mann denken.

„Guten Morgen“, begrüßte er Cotta, als er einstieg.

Cotta lächelte leicht, dann deutete er auf die Mittelkonsole, wo zwei Pappbecher steckten.

„Ich hab dir Kaffee mitgebracht. Ich hoffe, mit Milch ist in Ordnung.“

Goodween nickte und verkniff sich zu sagen, dass sehr viel Milch sogar noch besser gewesen wäre. Er mochte nämlich keinen Kaffee.

„Aber Vorsicht, ist noch ziemlich heiß.“

Erneut nickte Goodween und hoffte, dass er so um das Trinken herumkam. Die Geste war ja immerhin sehr nett.

Das Gespräch blieb wiederum recht oberflächlich, aber Goodween war froh, als sie am Präsidium angekommen waren.
Etwas missmutig musste er feststellen, dass sein Fahrrad immer noch ziemlich nass war.

„Hoffentlich ist es heute Abend wieder trocken“, grummelte er leicht verstimmt, was Cotta lachen ließ.

Im Anschluss an diesen Tag kam es nach und nach immer häufiger vor, dass Cotta Goodween zu Einsätzen, besonders zu Einsätzen mit den drei Fragezeichen, mitnahm.
Immerhin lernte Goodween dank der Schützenhilfe seiner Kollegen, dass Cotta entgegen seiner Annahme nicht verheiratet war. Caroline war die Schwester des Inspektors, nicht mehr und nicht weniger. Wenigstens musste er so kein schlechtes Gewissen mehr haben, wenn er diesen vielleicht mal eine Sekunde zu lange anschaute.
Als Cotta dann auch ab und an mal bei den Feierabendtreffen dabei war, wusste Goodween nun vollends, warum alle Kollegen immer nur positiv von Cotta gesprochen hatten.

Zwei Monate nach Cottas Urlaub steuerte der Inspektor wieder mal zielsicher auf Goodweens Schreibtisch zu.

„Was hältst du davon, Tick, Trick und Track zu observieren?“

Für einen kurzen Moment musste Goodween die Stirn runzeln, doch dann verstand er.

„Haben sie denn etwas angestellt?“, fragte er.

„Was man als Jugendlicher so tut. Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und Bestechung von Beamten. Heute allerdings? Hoffentlich noch nichts, aber ich habe da so ein Gefühl.“

Goodween lachte leise, doch dann stand er auf.

„Es kann nur besser sein als das hier.“ Er deutete auf seinen Tisch, wo ein paar Akten lagen.

Cotta winkte ab.

„Wenn du meinst, das wäre viel, schau dir bloß nicht meinen Schreibtisch an.“ Er lachte. „Auf geht’s.“

Sie fuhren bis nach Santa Monica und parkten vor einer baufällig aussehenden Lagerhalle.

„Und hier sind die Jungs?“, fragte Goodween etwas ungläubig.

„Sie sind einem Schmuggler auf der Spur und glauben, ihn hier erwischen zu können. Was sie nicht wissen: Der Mann ist einer von uns. Verdeckter Ermittler. Gefährden tun die Jungs hoffentlich nichts, aber manchmal schadet es nicht, ihnen aufzuzeigen, dass sie nicht alles wissen können.“ Er seufzte leise. „Allerdings kann das ein bisschen dauern.“

„Das macht mir nichts.“

Cotta lachte leise.

„In Rocky Beach sind die meisten Observationen eher ruhig. In LA sah das schon anders aus.“

„Du warst vorher in Los Angeles?“

Cotta nickte langsam und sah kurz so aus, als hätte er Zahnschmerzen.

„Ja, aber ein Angebot von Samuel, dem alten Partner meines Onkels, konnte ich nicht ablehnen. Außerdem bin ich hier groß geworden. Das ist einfach was anderes.“

Goodween hatte irgendwie das Gefühl, dass das nicht die ganze Geschichte war, aber dafür kannten sie sich wahrscheinlich nicht gut genug.

Cotta warf einen kurzen Blick auf seine Armbanduhr, von der Goodween sicher war, dass sie mehr als sein Monatsgehalt gekostet hatte.

„Torres wird frühestens in einer Stunde hier sein. Ich fürchte fast, die Jungs könnten versuchen, vorher Beweise zu finden. Letzte Chance also auf einen Kaffee.“ Cotta grinste. „Geht auf mich.“

Goodween schwieg für einen Moment, doch dann schüttelte er den Kopf.

„Für mich nicht. Aber danke.“

„Gehörst du zu der Fraktion, die spät am Abend kein Koffein mehr zu sich nehmen kann?“, fragte Cotta ehrlich interessiert.

„Äh … so genau kann ich das eigentlich nicht sagen. Ich trinke eigentlich keinen Kaffee. Höchstens im Sommer mal einen Eiskaffee mit viel Milch und Karamell.“

Cotta schwieg für einen Moment und Goodween kämpfte gegen das Bedürfnis, sich zu entschuldigen.

„Ich kann dir natürlich auch ein anderes Heißgetränk holen. Oder auch nur Wasser oder ne Cola.“ Er zuckte mit den Schultern.

„Ein Wasser wäre nett.“

Cotta nickte, dann stieg er aus.

„Bin gleich wieder da.“

Es dauerte tatsächlich nicht lange und Cotta kehrte mit einer kleinen Flasche Wasser zurück. Natürlich auch mit einem Pappbecher Kaffee für sich selbst.

„Nur um eines klarzustellen“, begann Cotta, kaum zurück im Auto. „Du hättest mir beim letzten Mal ruhig sagen können, dass das nichts für dich ist. Ich bin zwar dein Vorgesetzter, aber es ging ja nur um Kaffee.“

Goodween nickte langsam.

„Es war ja nett gemeint.“

Cotta lachte leise.

„Du bist also ein Teetrinker?“

Goodween sah Cotta entsetzt an.

„Auf gar keinen Fall!“

Erneut lachte der Inspektor, während er abwehrend die Hände hob.

„Also anscheinend gar kein Heißgetränk?“

Goodween sah für einen Moment verlegen weg.

„Ab und an trinke ich mal eine heiße Schokolade, wenn ich einen schlechten Tag hatte“, gab er leise zu.

Cottas Lächeln wurde nun eine Spur sanfter, doch dann fixierte er wieder den Eingang der Lagerhalle.

Wie er prophezeit hatte, waren die drei Jungs tatsächlich einmal auf dem Holzweg gewesen beziehungsweise hatten den Falschen ins Visier gefasst und böse Zungen würden behaupten, der Inspektor hätte es sichtlich genossen, das den drei Fragezeichen zu präsentieren.

Am nächsten Morgen unterhielt sich Goodween einen Moment mit Morales und Donatelli über den gestrigen Fall, was zur allgemeinen Erheiterung führte. Sie hatten alle natürlich kein Problem mit den drei Fragezeichen, aber so ganz konnten sie es doch nicht auf sich sitzen lassen, ständig als Idioten verkauft zu werden.

„Da habe ich ja Glück“, sagte da Inspektor Cotta, der einen Becherhalter aus Pappe trug.

„Einen guten Kaffee für meine Lieblingskollegen“, grinste er. Ja, heute hatte er eindeutig gute Laune. Erst drückte er Donatelli einen Becher in die Hand, der ihn dankend annahm.

„Ich hoffe doch schwarz.“

„Wie lange arbeiten wir jetzt zusammen? Du hast mir am ersten Tag deine Bialetti gezeigt, Donatelli. Glaub mir, ich weiß, wie du Kaffee trinkst.“
Dann wandte er sich an Jack. „Für dich einen Flat White und als Dankeschön fürs Beistehen gestern Abend eine Spezialbestellung.“ Er zwinkerte Goodween zu, als er ihm den Pappbecher reichte.

Ein wenig verwirrt war Goodween dann doch. Schließlich hatte er ja gestern Abend erst gesagt, dass er Kaffee einfach nicht mochte. Cotta war jedoch schon weiter in sein Büro gelaufen und so blieb Goodween nichts anderes übrig, als den Deckel vorsichtig abzumachen.

Das warme Gefühl, das ihn durchströmte, als er sah, dass es eine heiße Schokolade mit ein wenig Sahne war, wollte ihn den ganzen Tag nicht mehr loslassen.

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