Work Text:
Colin schlingt von hinten seine Arme um Noah, als er nach Hause kommt. Sein Freund sitzt gerade mit Kopfhörern auf der Couch. Kurz zuckt Noah zusammen, was Colin ein Grinsen entlockt.
Noah schiebt sich die Kopfhörer von den Ohren und schaut Colin mit großen Augen an.
„Na, sind wir heute bisschen schreckhaft?“, meint Colin neckend. Noah streckt ihm daraufhin nur die Zunge raus, muss dann aber schmunzeln.
„Ich war halt beschäftigt“, versucht er sich zu verteidigen.
Colin hat seine Arme noch immer um Noah geschlungen und guckt auf das Handy in Noahs Hand, dessen Bildschirm den aktuellen Song zeigt. Kurz stutzt Colin. „Seit wann hörst du denn Silbermond?“
Noah sieht ebenfalls kurz auf sein Handy und dann wieder zu Colin. „Ich dachte, ich höre mal wieder in meine alten Playlists rein. Hatte mit zwölf mal so ne Phase, in der ich den Bassisten der Band ganz cool fand. Dann hab ich ab und zu auch von denen paar Lieder gehört.“
Verstehend nickt Colin, läuft einmal um die Couch rum und lässt sich neben Noah nieder. „Jetzt bin ich neugierig. Was hast du denn noch so für Playlists?“
Noah entsperrt sein Handy und geht in die Übersicht aller Playlists. Haben sich doch einige angesammelt mit den Jahren. Er war noch nie ein Fan davon, hunderte von Liedern auf einer Playlist zu haben und hat sich für jeden Anlass eine neue erstellt. Er gibt Colin das Handy und beobachtet, wie Colin durch die Liste scrollt. Fast jede Playlist klickt er an und inspiziert deren Inhalt. Immer wenn Colin schmunzelt, muss er ebenfalls schmunzeln. Dann runzelt Colin verwirrt die Stirn und Noah löst den Blick von ihm und schaut, bei welcher Playlist sein Freund angekommen ist.
Nachdenklich betrachtet Noah den Titel.
„Broken hearts?“, hört er Colin leise fragen. „Von wann ist die?“
Noah schluckt und legt seine Hand auf Colins Arm. „Die habe ich erstellt, als du das Einstein verlassen hast.“ Colin sieht ihm in die Augen. Noah guckt zärtlich zurück. Dann wendet Colin den Blick wieder ab und inspiziert die Songs. Der erste ist „Jetzt weinst du“ von HE/RO. Noah beobachtet seinen Freund ganz genau. Dessen Daumen schwebt nun über genau diesem Lied. Er nimmt seine Kopfhörer von seinem Hals und hält sie Colin hin.
„Du kannst ruhig mal reinhören, wenn du willst.“
Colin lächelt leicht. „Okay, warte kurz.“ Dann steht er auf und verlässt den Raum. Nur wenige Momente später kommt er mit seinem eigenen Handy und Kopfhörern zurück. Beides reicht er Noah, der ihn fragend ansieht. „Ich hab damals auch eine Playlist gemacht, kurz nachdem ich in Köln ankam.“
Auch Noah lächelt jetzt ganz vorsichtig. Er ist unsicher, weil er nicht weiß, was ihn gleich erwarten wird.
„Du musst sie dir nicht anhören, wenn du nicht willst. Aber du darfst“, fügt Colin hinzu, dem Noahs Blick nicht entgangen ist. Dann setzt sich Colin Noahs Kopfhörer auf und startet die Playlist.
Es tut mir leid, tut mir leid. Ich wollt nie der Grund für deine Tränen sein…
Als Colin diese ersten Worte der Piano-Version des Lieds hört, greift er nach Noahs Hand und drückt sie fest. Noah drückt zurück. Auch er hört nach kurzem Zögern in Colins Playlist rein. Er spürt ein Ziehen in der Brust, als er diesen Einblick in Colins Gefühls- und Gedankenwelt von damals hört. Die Erinnerung tut ein bisschen weh und ohne, dass er es verhindern kann, läuft ihm eine Träne über die Wange. Vorsichtig kuschelt er sich an seinen Freund und schließt die Augen.
Für eine unbestimmt lange Zeit sitzen sie nur so da und hören die Lieder des anderen. Colin nimmt zuerst die Kopfhörer ab und legt sie zusammen mit Noahs Handy auf den Tisch. Dann sieht er Noah an, der nun ebenfalls das aktuelle Lied pausiert und alles zur Seite legt.
Irgendwie hat es Colin geholfen, Noah nochmal etwas besser zu verstehen. Vor allem kann er jetzt noch besser nachvollziehen, wie es Noah damals wirklich ging. Er nimmt ihn fest in den Arm.
„Danke, dass du mir das erlaubt hast“, flüstert Colin mit heißerer Stimme.
Noah löst sich aus der Umarmung und lehnt seine Stirn an Colins. „Klar…und danke.“ Sie lächeln sich an. Dann legt Colin seine Hand an Noahs Wange und zieht ihn in einen sanften Kuss.
„Colin?“
„Hm?“
„Ich will dir nie wieder einen Grund geben, diese Playlist zu hören.“ Colin lächelt und streicht Noah durch die offenen Haare.
Beide wissen, dass sie noch darüber reden wollen. Aber für den Moment ist küssen wichtiger.
