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Als Boerne am Morgen in sein Wohnzimmer kam, fiel sein Blick auf ein zusammengeknülltes Stück Stoff auf seinem Sofa. Verwirrt betrachtete er es näher und nahm es schließlich in die Hand. Weicher, grauer Wollstoff. Er breitete es aus und erkannte schließlich Thiels Pullover. Der mit dem hohen Kragen und dem Reißverschluss, der immer so kuschelig an ihm aussah, in dem Thiel so kuschelig aussah. Gestern Abend, als Thiel neben ihm gesessen hatte, hatte Boerne sich schon die ganze Zeit zurückhalten müssen, ihn nicht anzufassen. Zweimal hatte er dem Drang nachgegeben und seine Hand auf Thiels Arm gelegt, während er gesprochen hatte. Nicht mehr als sonst normal zwischen ihnen wäre, nichts das Thiel irgendwie auffallen würde. Es hatte sich tatsächlich schön weich unter Boernes Hand angefühlt und der Wunsch, von Thiel in den Arm genommen zu werden war gewachsen.
Er erinnerte sich, dass Thiel den Pullover irgendwann ausgezogen hatte, da es doch recht warm geworden war, mit dem Kamin, Boerne hatte die Ärmel von seinem Hemd hoch gekrempelt und Thiel hatte seinen Pullover, typisch für ihn, einfach zusammen geknüllt auf Boernes Sofa gelegt.
Boerne strich mit seinem Daumen über den weichen Stoff und schloss seine Augen. Ohne darüber nachzudenken zog er ihn näher und roch an dem Stoff. Er roch noch nach Thiel. Boerne drückte sein Gesicht in den Pullover und atmete tief ein, stellte sich kurz vor, er würde stattdessen Thiel umarmen.
Was er als nächstes tat, hätte er wohl auch nicht gemacht, hätte ihm der Geruch von Thiels Pullover nicht die Sinne vernebelt. Er zog sein Schlafshirt über den Kopf und dann den Pullover an. Er war etwas weit an ihm, aber er fühlte sich sofort wärmer. Das Schlafshirt brachte er ins Schlafzimmer, legte es zusammen und platzierte es dann auf dem Bett. Jetzt da er den Pullover trug, hatte er die ganze Zeit so ganz leicht Thiels Geruch in der Nase und ein leichtes Lächeln auf den Lippen. Er ließ seine Schlafanzughose einfach an, würde sich einen gemütlichen Tag in wirklich sehr legerer Kleidung machen. Er ging in die Küche und machte sich Frühstück. Anschließend nahm er sich den Stapel Klausuren, den er während des letzten Falles sträflich vernachlässigt hatte und setzte sich damit an seinen Schreibtisch.
Er wurde irgendwann von seiner Türklingel aus der Konzentration gerissen und ging zur Tür. Wer wagte es, seine Konzentration zu stören? Er ahnte, wer das war.
"Boerne haben Sie meinen…." setzte Thiel an, als er die Tür öffnete. Thiel starrte ihn mit offenem Mund an. Boerne sah an sich herunter und spürte plötzlich Panik in sich aufsteigen. Er hatte komplett vergessen, dass er Thiels Pullover trug. Wie erklärte er das? Statt ihn anzuschreien oder sonst was, starrte Thiel nur und Boerne wusste nicht, ob er etwas sagen sollte.
"Warum haben Sie meinen Pulli am?" fragte Thiel, seine Stimme klang etwas erstickt.
Ja was sagte er jetzt?
Der roch so gut nach Ihnen, dass ich nicht mehr klar denken konnte.
Mir wäre ja lieber, wenn Sie den anhätten und mich dann umarmen würden.
Ich liebe Sie.
Nichts davon konnte er wirklich sagen. Also starrte er Thiel an. Und Thiel starrte zurück.
"Ich also… ich wollte eigentlich meinen Pulli wieder holen, aber Sie können den auch behalten… wenn… Sie wollen."
War Thiel nervös? Und so wie Thiel ihn ansah konnte er schwören, dass Thiel der Anblick von ihm in seinem Pullover gefiel. Boerne schluckte. Vielleicht konnte er doch was davon sagen.
"Der riecht nach Ihnen", sagte er. Thiel kniff die Augen zusammen.
"Das ist keine Antwort auf meine… oh…"
Okay, Thiel hatte es offenbar begriffen, Boernes Herz raste.
"Sieht gut aus an Ihnen", sagte Thiel leise.
"An Ihnen auch", antwortete Boerne. Thiel lachte auf. Boerne hatte das Gefühl, dass sie sich im Kreis drehten.
"Wollen sie reinkommen?" er trat zur Seite. Sie mussten das ja vielleicht nicht in der offenen Wohnungstür klären. Thiel nickte und trat ein.
Und dann saßen sie zusammen auf Boernes Sofa und Boerne trug immer noch Thiels Pullover. Er hatte das Gefühl, dass er den vielleicht ausziehen sollte, aber er trug nichts darunter und das erschien ihm dann auch unpassend. Und Thiel hatte gesagt, er könne den auch behalten, wenn er wollte. Boerne zupfte nervös an dem Pullover herum. Thiel sah ihn an. Er schien nachzudenken. Dann streckte er seine Hand aus, griff nach dem Ärmel, zog etwas daran. Bevor er seine Hand wieder wegziehen konnte, hatte Boerne die Hand eingefangen und hielt sie vorsichtig, so dass Thiel leicht zurück ziehen konnte, wenn er wollte. Tat er aber nicht. Er sah auf ihre Hände, dann in Boernes Augen. Und dann schlossen sich Thiels Finger um Boernes Hand und Boerne zog ihn etwas näher.
"Sie haben keine Ahnung, was das mit mir macht, Sie in meinem Pulli zu sehen", sagte Thiel, seine Stimme beinahe nur ein Hauch. Boerne schluckte. Er rutschte noch etwas näher an Thiel heran und Thiels andere Hand landete auf seiner Brust.
"Was denn?" fragte Boerne, seine Stimme war kratzig. Thiels Hand griff in den Pullover und zog Boerne noch ein bisschen näher. Ihre Stirnen trafen sich.
"Am liebsten, würde ich Ihnen den vom Leib reißen, oder Sie in nichts anderem mehr sehen." Boerne keuchte auf. Er legte eine Hand in Thiels Nacken. Ihre Lippen trafen sich, Boernes Hand rutschte an Thiels Arm hoch, krallte sich in Thiels Oberarm. Thiels Griff in dem Pullover wurde härter und ihre Lippen bewegten sich gierig aufeinander.
