Work Text:
So richtig achtet keiner von ihnen mehr auf den Film, den sie vor knapp einer Stunde zu schauen angefangen haben.
Luis chattet mit Sami, der Beziehungsstress mit Luna hat (und zwar ziemlich heftig), aber nicht richtig damit rausrücken will, was der Grund dafür ist. Während ihres Chats hat er Malik auf dem Laufenden gehalten.
Malik ist auch schon nicht mehr in Gedanken bei dem Film und hat auch den Faden verloren. Erst, weil er Luis nicht unterbrechen wollte, als er gemerkt hat, dass er sich wirklich Sorgen um Sami macht; dann, weil es schon ein langer Tag war und er im Grunde zu müde für den Rest des Films ist.
Malik schnappt sich die Fernbedienung und unterbricht den Stream.
„Was machst du?” Luis hat die Hand, die sein Smartphone hält, in den Schoß gelegt und sieht jetzt zum Fernseher.
„Wir gucken doch eh nicht mehr”, antwortet Malik, als hätte er das nötig. Er rutscht von Luis weg und legt sich jetzt auf das Sofa, mit den Füßen auf dem Schoß seines Freundes.
„Willst du Sami jetzt etwa mit den Füßen schreiben, oder was?” Luis ist kurz merklich unzufrieden mit Maliks neuer Position, arrangiert sich aber schnell damit und funktioniert Maliks Beine kurzerhand als Schreibunterlage um, auf die er seine Arme legt, während er Sami wieder schreibt. Mit einer Hand streckt er Malik blind ein Kissen hin.
„Sagt er immer noch nicht, was mit ihm und Luna los ist?”, erkundigt sich Malik interessiert. Er drapiert das Kissen kunstvoll auf der Armlehne und macht es sich bequem.
„Nicht so richtig. Irgendwas mit Frida, ihrem Vater und Samis und Lunas Tee-Vorrat.” Luis sieht zu Malik, der auf Luis’ Beschreibung auch nur die Augenbrauen hochziehen kann.
„Er schreibt zwar, dass sie sich schon wieder vertragen werden, aber ich weiß auch nicht. Ich glaub, ich hab, was Sami angeht, so ein Bauchgefühl entwickelt. Und das sagt mir, ich soll vorsichtig sein. Verstehst du, was ich meine?” Luis sieht immer noch zu Malik, der schon ziemlich müde aussieht. Es fällt ihm sichtlich schwer, die Augen offenzuhalten.
„M-hm. Im Gegensatz zu Samis Beschreibung seiner Beziehungsprobleme …”, brummt Malik. „Frag ihn doch, ob er uns ein paar Tage besuchen will. Schöne Grüße, die Couch ist bequem genug.” Das sieht Luis auf jeden Fall, auch wenn er glaubt, dass er zu Maliks Bequemlichkeit etwas beiträgt.
„Das ist eine gute Idee. Aber das mache ich morgen, falls es zwischen Sami und Luna nicht besser wird.”
Luis legt jetzt das Smartphone aus der Hand und neben sich auf die Couch und wendet sich Malik zu. Er zieht ihm – einer nach der anderen – die dicken Socken von den Füßen, die seine Ma Malik geschenkt hat, nachdem er Luis’ Eltern von seiner Vorliebe für Abende in Schlafklamotten auf dem Sofa erzählt hat. Luis’ Dad hat das Muster der Socken mit Fernseh-Störbild beschrieben und Malik und Luis haben sie angesehen, als kämen entweder sie beide oder Luis’ Eltern von einem anderen Planeten.
„Du könntest dir mal deine Fußnägel kürzen, Sir”, meint Luis und tätschelt liebevoll Maliks Knöchel.
„Hm… das kannst du doch machen”, überlegt Malik. Durch seine geschlossenen Augen kann Luis nicht sehen, ob sein Freund es genießt, an seinen Füßen berührt zu werden, oder ob er wirklich so müde ist.
„Aber nur, wenn dir das auch gefällt!”, ruft Luis herausfordernd und schiebt bewusst seinen Zeigefinger in den Zwischenraum zweier von Maliks Zehen. Na gut, der ist überraschend sauber. Er setzt gerade an, den Finger in den nächsten Zwischenraum zu schieben, als Malik den Fuß nur ein kleines bisschen zu sich zieht.
„Wirkt, als würde das eher dir gefallen. Sind deine Hände auch sauber?” Malik spricht die ganze Zeit mit geschlossenen Augen.
„Schatz, du weißt ganz genau, dass meine Finger immer sauber sind. Sauber und zu allen Schandtaten bereit.”
„Wenn das jetzt ein Versuch ist, mich rumzukriegen, solltest du das morgen fortsetzen. Meine erste Vorlesung beginnt erst um 10.”
Luis sieht sich den Finger so an, als wäre er damit über einen Türrahmen gefahren, um zu sehen, ob wirklich Staub gewischt wurde. Tatsächlich sauber. Dann muss er die anderen sieben Zehenzwischenräume nicht auch noch inspizieren.
„Was hältst du davon, wenn wir jetzt ins Bad gehen und dann ins Bett? Und morgen versuch ich, dich endgültig rumzukriegen. Und zwar so, dass du rechtzeitig in der Uni bist. Zu der ich zufällig auch zum selben Block muss.”
„So ein Zufall”, antwortet Malik und gähnt. Langsam rappelt er sich auf und Luis folgt ihm ins Bad. Er hat sein Smartphone in der Hand, was Malik mit etwas Mitleid für Sami und Luis, der sich immer noch Sorgen macht, registriert.
„Malik?”, fragt Luis auf dem Weg zum Bad.
„Ja?”
„Danke für den Vorschlag, dass Sami uns besuchen kann. Ich glaub, das könnte ihm wirklich gut tun.”
Malik nickt müde. „Er ist dein bester Freund”, sagt er mit der Überzeugung, die er noch aufbringen kann.
„Ich liebe dich, Malik.”
„Ich dich auch.”
