Work Text:
Adams Finger umklammerten das Lenkrad so fest, dass die Knöchel im Licht der Straßenlaternen beeindruckend weiß hervorstachen. Seit fünf Minuten saß er nun so da, machte keine Anstalten, das Auto zu starten und starrte einfach nur geradeaus.
„Adam…” versuchte Pia es zaghaft. „Es war ein Notfall.”
Die Muskeln in seinem Kiefer zuckten. „Macht es nicht besser.”
„Ich nehm dir das auch echt nicht übel oder so, ganz im Gegenteil.“
Das Lenkrad knarzte unter Adams Fingern. „Was soll das heißen?“
„Ganz bestimmt nicht das, was du gerade denkst. Hast du überhaupt schon mal eine Frau geküsst, Adam?“ Pia legte den Kopf schief. „Weil… Wenn man sich so unter Männern küsst, dann möchte ich damit wirklich nichts zu tun haben.”
Das entlockte ihm tatsächlich ein Schnauben, und endlich löste er seinen Todesgriff vom Lenkrad. Aber ansehen tat er sie noch immer nicht. Pia wurde wieder ernst.
„Hast du Angst, dass Leo eifersüchtig ist, wenn er das rausfindet?”
Adam fuhr so ruckartig zu ihr herum, dass Pia zusammen zuckte. „Leo wird das nicht rausfinden, verstanden? Niemand wird das je rausfinden.”
Pia hob abwehrend die Hände. „Ist ja gut, ich bin jetzt auch nicht dran interessiert, dass das im Präsidium die Runde macht. Auf die Sprüche kann ich wirklich verzichten.”
Er starrte sie noch einen Moment länger an, dann nickte er.
„Das macht es aber nicht ungeschehen. Fuck Pia. Das war…“
„…immer noch besser, als sich zu prügeln?“
Adam grummelte etwas Unverständliches, er schien davon nicht überzeugt. Als man sie im Hinterhof des Lagerhauses erwischt hatte, hatte Adam sie kurzerhand gegen eine Wand gedrückt und geküsst und Pia war sofort mit eingestiegen. Zu ihrer beider Überraschung hatten die Waffenschieber, denen sie zu ihrem Versteck gefolgt waren, ihnen das notgeile Pärchen, das auf der Suche nach einer ungestörten Ecke in die falsche Gasse eingebogen war, problemlos abgekauft. Eigentlich hätte es nicht besser laufen können, angesichts der Tatsache, dass sie bei einer körperlichen Auseinandersetzung keine Chance gegen die Gruppe aus vier Männern gehabt hätten. Die Pistolen zu ziehen und sich als Polizisten zu entlarven wäre auch eine denkbar schlechte Idee gewesen, angesichts der Tatsache, dass sie entgegen einer deutlichen Dienstanweisung über den Zaun auf das Gelände geklettert waren. Und angesichts der Tatsache, dass in dem Lagerhaus vermutlich genug Waffen und Munition lagerten, um morgen problemlos in Luxemburg einzumarschieren.
„War es wirklich so schlimm?“ fragte Pia und jetzt klang sie doch etwas gekränkt.
„Nein! Es…“ Adam warf eine Hand in die Luft, suchte nach Worten. Er kniff mit zwei Fingern seine Nasenwurzel. „Ich hab dich echt gern, Pia. Als wärst du…“ Er wurde ganz leise. „Als wärst du meine kleine Schwester?“
Pia hob eine Augenbraue, ihr Mundwinkel zuckte. „Ich könnte jetzt sagen, dass wir hier immer noch im Saa-“
„Bitte nicht.“ stöhnte Adam und startete endlich den Motor.
