Actions

Work Header

"I'm pregnant"

Summary:

Betty ist schwanger, ihre Mutter findet nicht, dass sie das Kind behalten soll und stellt sie vor die Wahl, entweder sie treibt ab oder sie geht. Daraufhin flieht sie zu ihrem Onkel, der sie aufnimmt.

Notes:

Das hier ist ursprünglich mal durch den Drabble Prompt "I'm pregnant" entstanden, das Drabble wurde auf Tumblr gepostet

Habs dann für das Fandom Free Bingo auf Tumblr weiter geschrieben. Der Prompt war "Parents don't want you, you're my child now"

Ich muss einmal vorwarnen, normalerweise habe ich meine Fics ja schon fertig, wenn ich sie poste, das ist hier nicht der Fall. Generell gibt's aber nicht wirklich Cliffhanger, man sollte das also auch unfertig lesen können, denke ich. Ich werde versuchen, nicht ewig zu brauchen, es fertig zu kriegen. Ich fühl mich immer doch recht schlecht, wenn ich was unfertziges habe. Da müssen wir jetzt einfach durch.

Ich hab Betty mit vollem Namen getaggt, auch wenn die canon Tags nur Betty hatten, aber in "Mord ist die beste Medizin" ruft Hannelore Thiel an und stellt sich als Dr. Hannelore Schöninger vor, also geh ich davon aus, dass Betty auch so heißt. Und Betty ist hier ungefähr 16, also etwas jünger als in Der Frauenflüsterer.

Chapter Text

"Wer will denn so spät noch was von dir?" fragte Frank genervt, als es an Boernes Tür klingelte. Sie hatten es sich auf dem Sofa bequem gemacht und wollten ihre begrenzte Zeit nutzen, um zumindest ein bisschen zu entspannen und mal wieder etwas Zeit zusammen zu verbringen, in der es nicht nur um die Arbeit ging. Frank seufzte als Boerne sich aus seinen Armen schälte. Boerne zuckte mit den Schultern und ging zur Tür, er hörte, wie Frank ihm folgte. Mit einer Hand drückte er auf den Türöffner, um die Haustür zu öffnen und mit der anderen öffnete er seine Wohnungstür. Die Haustür ging auf und eine Gestalt taumelte hinein, Boerne drückte den Lichtschalter und erkannte Betty. Sie sah total fertig aus, ihre Haare waren ungemacht, ihr Gesicht war rot und nass. Hatte sie geweint? In der Hand hielt sie eine kleine Reisetasche.

"Was ist passiert?" fragte er alarmiert, als sie die paar Stufen hoch kam. Sie taumelte schluchzend in seine Arme und er hielt sie fest.

"Mama hat mich rausgeschmissen", schluchzte sie.

"Was?" fragte Boerne schockiert. Was konnte denn passiert sein, dass Hannelore Betty raus schmiss? Sie verstanden sich nicht immer, das war klar, Betty war immerhin ein Teenager, aber seine Tochter auf die Straße setzen ging einfach nicht.

"Komm erstmal rein, Kleine", sagte er und zog das weinende Bündel in die Wohnung, dann schloss er die Tür hinter ihnen. Frank stand nicht mehr hinter ihnen und im vorbeigehen sah er ihn in der Küche, er bugsierte Betty ins Wohnzimmer. Die Tasche ließ er erstmal im Flur. Frank kam fast sofort ins Wohnzimmer mit einer Tasse in der Hand.

"Ich hab dir einen Kakao gemacht", sagte er und reichte Betty die Tasse. "Hilft immer." Sie nahm die Tasse an.

"Danke", sagte sie durch ihre Tränen. Boerne setzte sich neben sie und legte ihr eine Hand auf den Arm.

"Also, was ist passiert? Warum sollte deine Mutter dich rausschmeißen?" fragte er.

"Ich bin schwanger", schluchzte Betty und Boerne fror plötzlich ein. Erinnerungen fluteten ihn plötzlich. Als er so alt gewesen war wie Betty war er in einer sehr ähnlichen Situation gewesen, wie Betty jetzt. Ihm war damals keine Wahl geblieben, wie er damit umgehen würde, er würde alles dafür tun, dass Betty die Wahl haben würde, was auch immer sie machen wollte, er würde sie unterstützen. Er zog sie in seine Arme und strich ihr über den Kopf.

"Sch sch sch", machte er, in der Hoffnung, dass es sie etwas beruhigen würde. Frank hatte sich neben ihn gesetzt und schien mit der Situation überfordert. Boerne musste zugeben, dass er das auch war, aber einer musste ja de Ruhe bewahren und es war ja nicht das Ende der Welt.

Sie hatte sich endlich etwas beruhigt und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, Boerne ließ sie wieder los.

"Und deine Mutter hat dich deswegen rausgeschmissen?" fragte er nochmal ungläubig.

"Sie hat gesagt, ich soll abtreiben, als ich gesagt habe, dass ich nicht will, hat sie gesagt, ich soll gehen und sehen, wie ich alleine klar komme."

Boerne konnte nicht fassen, dass Hannelore das machen würde. Irgendwie sah er es schon. Die sechzehn jährige Tochter schwanger, das würde natürlich ein Skandal geben. Da zwang man sie doch lieber zu einer heimlichen Abtreibung. Er würde seine Schwester noch anrufen und am Telefon zusammen falten. Aber das hatte jetzt nicht Priorität, Priorität hatte jetzt Betty.

"Du bleibst erstmal hier und dann gucken wir, wie es weiter geht. Warst du schon beim Gynäkologen?" fragte er. Sie schüttelte den Kopf.

"Hab nur einen Test gemacht, als meine Tage nicht gekommen sind, ich war auch noch nie." Er setzte das ganz oben auf die mentale Liste, erstmal sicher gehen, dass der Test nicht log und wenn sie noch nie war, dann war es sowieso notwendig. Er ging im Kopf kurz durch, wen er kannte und kam auf drei Namen, bei denen er vermutlich kurzfristig einen Termin machen konnte.

Er sah bittend zu Frank.

"Kannst du das Gästezimmer fertig machen?" bat er ihn. Ihm war klar, dass er mit Frank reden musste und nicht einfach entscheiden könnte, dass Betty jetzt bei ihm einzog, auch wenn er und Frank nicht zusammen wohnten. Aber er konnte sie ja nicht einfach vor die Tür setzen. Frank nickte aber nur und verschwand aus dem Wohnzimmer. Zumindest schien es erstmal kein Problem zu sein, dass sie hier blieb. Sie würden später darüber reden.

"Was ist mit dem Vater?" fragte er schließlich. Zu einer Schwangerschaft gehörten schließlich immer zwei. Offenbar war das nicht die beste Frage, denn Betty schluchzte wieder auf.

"Als ich ihm gesagt hab, dass ich schwanger bin, hat er gesagt, er will damit nichts zu tun haben, wir sind noch viel zu jung und hat schluss gemacht."

Boerne spürte es schon wieder in sich kochen. Was für ein verdammtes Arschloch.

"Der wird von meinem Anwalt hören", entschied er. Er nahm sie wieder in den Arm und wischte ihr mit dem Daumen die Tränen von der Wange. Frank hatte sich inzwischen wieder zu ihnen gesetzt und sah sehr unbehaglich aus. Sie beide hatten sich ihren gemeinsamen Abend sicher nicht so vorgestellt.

Betty ging bald ins Bett, sie musste erschöpft sein, von dem was passiert war. Frank saß jetzt wieder neben ihm, lehnte gegen seine Schulter.

"Du willst sie hier behalten, oder?" fragte er.

"Ich kann das Mädchen doch nicht rausschmeißen", antwortete Boerne. Betty brauchte jemanden, der sie unterstützte und wenn ihre Eltern das nicht sein konnten, dann musste er das doch sein. Frank nickte verstehend. Es überraschte Boerne ein bisschen, dass Frank das einfach so hinnahm.

"Natürlich nicht", sagte Frank. Boerne lächelte kurz und strich Frank durch die Haare.

"Ich war mal in einer ähnlichen Situation", sagte Boerne leise. Er erinnerte sich wieder zu gut an das Geschrei seiner Mutter, als sie davon erfahren hatte und Hanne erinnerte sich ganz sicher auch.

"Du warst schwanger?" fragte Frank überrascht und sah Boerne an. Boerne schluckte, die Erinnerung tat plötzlich mehr weh, als er erwartet hatte. Er nickte.

"Ich war 17 und meine Mutter hat gesagt, entweder ich treibe ab oder ich kann gehen. Ich bin nicht gegangen." Seine Stimme wurde immer leiser.

"Wolltest du es denn?" fragte Frank. Er hatte sich jetzt aufgerichtet und sah Boerne an.

"Ich wollte nicht schwanger sein. Die Dysphorie war schrecklich. Aber ich wollte schon immer Vater sein. Mir war klar, dass es vermutlich meine einzige Chance ist, ich habe trotzdem gemacht, was meine Mutter wollte. Ich bereue es jetzt. Und ich will, dass Betty die Entscheidung alleine treffen darf. Und wenn sie das Kind behalten will, dann will ich, dass sie die Unterstützung hat, die sie braucht."

"Und du hast doch noch die Chance auf ein Kind", sagte Frank mit einem schiefen Grinsen.

"Ja", sagte er leise. Er wollte vor allem Betty helfen, aber ein bisschen war da der egoistische Gedanke, dass er schon immer ein Kind gewollt hatte. "Ich muss Hannelore anrufen." Eigentlich war es zu spät dafür, aber das war ihm jetzt egal und Frank sagte nichts dagegen. Er griff nach seinem Handy und wählte die Nummer seiner Schwester. Es dauerte eine ganze Weile, bis sie ans Telefon ging.

"Sag mal, weißt du wie spät es ist?" fragte sie ohne Gruß. Boerne sah auf die Uhr.

"Genau 22 Uhr 24", antwortete er.

"Was willst du?"

"Geht's dir eigentlich noch gut, dass du deine Tochter einfach raus schmeißt?" fragte er. Seine Stimme wurde dabei immer lauter.

"Ich hab sie nicht rausgeschmissen. Sie kann jederzeit wieder kommen, wenn sie es wegmachen lässt. Hätte mir ja denken können, dass sie zu dir läuft."

"Wo soll sie denn auch sonst hin. Und sie hat das Recht selber zu entscheiden, was passiert."

"Dachte ich mir, dass du sie da auch noch unterstützt." Ihre Stimme klang abfällig. "Nicht, dass sie noch so wird, wie du, wenn sie unter deinem Einfluss steht." Boerne seufzte. Er hatte gedacht, dass sie darüber hinweg waren. Hannelore hatte ihn seit Jahren nur noch männlich angesprochen. Es hatte zwar lange gedauert, aber sie war eigentlich dazu übergegangen, so zu tun, als wäre er immer ihr Bruder gewesen.

"Ist ja zum Glück nicht ansteckend", sagte er giftig.

"Sag ihr, sie weiß, was sie machen muss, damit sie wieder kommen kann", sagte sie noch.

"Ja", antwortete Boerne knapp. "Hab noch einen schönen Abend." Er hoffte, dass es so sarkastisch klang, wie es gemeint war.

"Wir haben jetzt ja Ruhe", antwortete sie und dann war die Leitung tot. Boerne starrte sein Handy für einen Moment an und schüttelte den Kopf. Er konnte nicht glauben, wie kalt Hannelore gegenüber ihrer Tochter war.

"Ich schätze, sie bleibt dann hier?" wollte Frank wissen.

"Wenn sie das möchte", antwortete Boerne. Frank nickte.

"Dann holen wir morgen besser ihre Sachen von ihrer Mutter und du solltest dein Gästezimmer umbauen.