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Archive Warning:
Category:
Fandom:
Relationships:
Characters:
Additional Tags:
Language:
Deutsch
Series:
Part 5 of Pastinaken und Süßkartoffeln
Stats:
Published:
2026-04-23
Words:
852
Chapters:
1/1
Comments:
4
Kudos:
2
Hits:
25

Ode To My Family

Summary:

Finns Cousin Luis kommt mit seinem neuen Boyfriend zu Besuch.

Work Text:

„Hast du alles?“, fragt Joel, „Handy, Schlüssel, Geld?“

Finn tastet sich ab. Alles in den Taschen, in die er diese Dinge sonst auch tut. Und selbst wenn nicht hätte ihn der Zettel an der Tür mit der Aufschrift „Handy? Schlüssel? Geld? Herd aus?“ daran erinnert. Den hat Joel angebracht. Seit er mit Joel zusammenwohnt, richtet der ihm auch jede Woche sein Medikament. Es ist ironisch, denkt Finn, dass die Behandlung von ADHS daraus besteht, sich jeden Morgen daran zu erinnern, ein Medikament zu nehmen, damit man sich überhaupt besser an Dinge erinnern kann. Zum Glück hat er Joel, der seine Eigenheiten zumindest etwas verstehen kann. Sie können sich stundenlang von ihren jeweiligen Lieblingsthemen erzählen und haben sich schon öfters gegenseitig daran erinnert, mal eine Pause zu machen und etwas zu essen, weil sie das in ihrem Hyperfokus komplett vergessen haben.

Heute wollen sie Finns Cousin Luis und dessen Freund Malik vom Bahnhof abholen. Luis will Malik seinen Eltern vorstellen und davor einen kurzen Abstecher bei seinem Cousin machen. Joel ist immer noch stolz, dass er Luis‘ Eltern davon überzeugt hat, ihn aufs Einstein zu schicken, nachdem die ein Internat für ihren Sohn gesucht hatten. Dass er dort jetzt sogar einen Boyfriend gefunden hat, ist für ihn ein weiterer Beweis dafür, dass das die richtige Entscheidung war.

„Hab alles“, sagt Finn. Er öffnet die Tür und checkt nochmal seine Nachrichten, um sicherzugehen, dass er sich das Gleis, an dem sie ankommen, auch wirklich richtig gemerkt hat.

„Gleis 6“ sagt Joel, der sich das natürlich gemerkt hat.

 

*

Joel hält seine Hand, als sie am Bahnhof stehen. Die ganzen Sinneseindrücke an Bahnhöfen können sie beide manchmal ziemlich überfordern. Aber wenn sie dabei Händchen halten ist es etwas weniger schlimm.

„Da sind sie!“, ruft Joel.

Klar. Mit seiner Körpergröße von über 1,90 m ist Luis wirklich nicht zu übersehen. Seine linke Hand hält die von Malik, mit seiner rechten Hand zieht er einen kleinen Rollkoffer hinter sich her.

„Hey!“, begrüßt Finn sie.

„Hey“, erwidert Luis, „Und sag jetzt nicht Du bist aber groß geworden!“

Das sagt Finn schon seit er klein ist jedes Mal zu ihm.

„Ich verkneif’s mir.“

„Joel, du kennst Malik nicht, oder?“, fragt Luis.

Joel schüttelt den Kopf.

„Nur vom Hörensagen.“

Dass sich Luis ausgerechnet den Typen angelacht hat, der in seinem ersten Schuljahr fahrlässige Körperverletzung begangen und in seinem zweiten gleich zwei Mädchen das Herz gebrochen hat, finden Joel und Finn immer noch fragwürdig. Aber irgendwie scheinen die beiden jetzt gemeinsam zu lernen, wie gesunde Beziehungen funktionieren und sie müssen zugeben, dass die beiden vielleicht sogar wegen ihrer jeweiligen Vorgeschichte doch ganz gut zusammenpassen. Und außerdem sehen die beiden zusammen echt süß aus!

Sie setzen sich in Bewegung und gehen Richtung Unterführung.

„Schöner Tag heute“, sagt Luis, „Habt ihr auch Bock auf Eis?“

 

„Wisst ihr, woran man sofort merkt, dass ihr verwandt seid?“, fragt Joel. Sie haben sich jeweils ein Eis geholt und sich auf eine Wiese im Park gesetzt.

„Woran?“, fragt Luis, „An unseren blonden Locken?“

„Nein“, entgegnet Joel, „Ihr seid die einzigen Menschen, die ich kenne, die Schlumpfeis mögen!“

„Du bist nur sauer, dass die kein Pastinakeneis hatten“, neckt ihn Finn und tätschelt sanft Joels Knie.

„Ja, aber dafür Eis, das nach Wesen schmecken soll, die nicht mal existieren“, grummelt Joel und leckt an seinem Rhabarbereis.

„Willst du auch was von meinem Schlumpfeis, Schatz?“, fragt Luis Malik.

„Damit deine Eltern danach direkt sehen, dass wir zusammengehören?“

Verliebt lächeln sie sich an, dann leckt Malik an Luis‘ Schlumpfeis.

„Die beiden sind so süß, findest du nicht?“, flüstert Finn Joel zu, „Die erinnern mich an uns, als wir noch frisch zusammen waren.“

Er greift nach Joels Hand und hält sie. Luis und Malik sind jetzt noch näher aneinandergerückt und lecken abwechselnd am Eis des jeweils anderen. Joel und Finn scheinen sie komplett ausgeblendet zu haben.

„Vielleicht“, sagt Joel, muss aber zugeben, dass Finn Recht hat. Luis und Malik sind ein junges verliebtes Paar, das gerade alles zusammen zum ersten Mal erlebt und jeden Moment auskosten möchte. Zurecht, denn diese Momente kommen nie zurück.

Sie sitzen noch ein wenig zusammen herum. Luis und Malik erzählen von Massuda und dem NEON, Joshuas und Ellys Business, für das sich Joel sofort als potenzieller Investor bereiterklärt, und was es sonst noch Neues am Einstein gibt.

Luis schaut auf sein Handy.

„Wird langsam spät“, sagt er und schaut zu Malik hinüber, „Meine Eltern warten bestimmt schon auf dich.“

Die vier stehen auf und umarmen sich gegenseitig.

„War schön, euch zu treffen“, sagt Finn, „Und grüß deine Eltern von mir!“

„Okay. Ich sag ihnen, dass du wieder Unmengen an Marmelade gemacht hast und sie sich jederzeit welche abholen können, weil ihr alleine mindestens drei Jahre brauchen werdet um die aufzuessen.“

„Hey!“

Luis schmunzelt.

„Stimmt doch.“

Touché, da hat er Recht. Finn und Joel haben sich bei der Menge vielleicht ein wenig…verkalkuliert. Sie schauen den beiden noch nach, als die sich auf den Weg zur Straßenbahnhaltestelle machen.

Joel schaut zu seinem Freund hinüber.

„Aber damit das klar ist“, sagt er, „Das süßeste Mitglied deiner Familie bist immer noch du.“

Zärtlich platziert er einen Kuss auf Finns Lippen.

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