Work Text:
Sami erzählte viele Geschichten. Er erzählte sie gerne.Er mochte es,die Menschen mit seinen Worten zu begeistern,und sie für einige Minuten von der Weld zu befreien, in der sie gefangen lebten.Und die Menschen möchten Samis Geschichten.Sie liebten seine Geschichten,wenn man es genau nehmen wollte.Manche zumindest.Einige liebten sie,während andere sie verabscheuten.
Und so bildete jeder sich seine Eigene Meinung zu Sami und seinen Worten.
Und genauso, wie sie es getan hatte,bevor Sami verschwunden war, taten sie es auch, nachdem Sami ohne jeder Spur verschwunden war.Einige von ihnen behaupteten ,er wäre geflohen, weil er sich für die Lügen geschämt hat, die er erzählt hat, während andere behaupteten, dass Sami verschleppt und gefoltert wurde, wie Elias.
Wieder andere behaupteten, er wäre in ein sicheres Land geflohen. Und die wenigsten von ihnen behaupteten sogar ,dass ich ihn mit nach auf die Flucht genommen hätte, um ihn vor der Regierung zu schützen. Und wie viel Wahrheit nun auch in allen diesen Theorien stecken wollte, eines war klar: Sami war weg. Und auch, wenn ich ihn ohne jegliches zögern mit mir weg gebracht hätte, habe ich genauso wenig Ahnung wo Sami ist, wie alle anderen.
Doch ich hoffte noch mehr als alle anderen,das Sami sicher war.
Und wenn man es genau nahm, wusste ich, dass Sami sicher war.Wenigstens für eine Weile.Wenigstens solange, bis er einen Weg fand, für immer zu fliehen, und weit weg zu laufen, so wie ich.
Meine Flucht war lang.Sie war lang und schwer, aber vor allem war sie schmerzvoll. Und hätte ich ein anderes Leben statt meinem gelebt, hätte ich wohl behauptet, dass sie das schlimmste sein kann, was einem Menschen passieren kann.
Aber mit all den Bildern in meinem Kopf, die sich wie ein Brandmal in das innere meiner Augen gebrannt haben, war die Fluch, die ich erlebt habe , wie ein schwacher Abklatsch.
Deswegen. Möchte ich dir von meiner Fluch erzählen, und dir zeigen, wie ich aus der Hölle entkommen bin, die ich einst mein Zuhause nennen konnte.
Nach meiner seit im Krankenhaus war ich entkommen, wie ich es dir vorher schon erzählt habe. Nachdem wir durch den Tunnel auf ein freies Feld gelangt waren, legten wir die Patienten in das feuchte Graß, damit sie sich ausruhen konnten.Die beiden Schwestern waren damit beschäftigt damit, die Wunden der kranken zu versorgen, während ich nichts tun konnte, außer daneben zu stehen, und abzuwarten, was nun passieren würde. Denn während meinen Tagen im Krankenhaus hatte ich zu wenig medizinisches Wissen aufgenbaut, um eine ernsthafte Hilfe bei der Versorgung dieser Männer darzustellen.
Nachdem eine der Schwestern sich von ihrem Patient abgewannt hatte,drehte sie sich zu mir. Ihre Augen waren müde, ihre Finger zitterten und ihre dunklen Haare ,zusammengeklebt von Asche und Schweiß hafteten an ihrer Stirn.
„Warum bist du noch hier?“ fragte sie mich. Sie hatte laut gesprochen, um das Pfeifen zu übertönen, das die dünne Luft zerriss.
Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Um ehrlich zu sein, war ich mir nicht sicher, ob ich überhaupt sprechen konnte, oder ob die Geräusche der einschlagenden Geschosse meine Stimme verschlucken würden.
Also sprach ich nicht.Ich sagte kein Wort.
Aber die Schwester wollte ihren mitleidigen Blick nichtmehr von mir abwenden.
„Du sollst rennen,Junge.Renn.Und bleib erst stehen, wenn du kein Geräusch mehr hörst.“
Ich wollte ihr nicht widersprechen. Meine Mutter hatte einmal gesagt: „Ein Bäcker kann Brot backen, er weiß, wie er es backen muss, damit es gut schmeckt.Und trotzdem muss das Brot alleine Backen.Ohne den BäckerUnd genauso weiß eine Krankenschwester, wie der Patient heilen muss. Aber heilen, muss er selber.“
Und ich wollte heilen.Zwar nicht auf die gleiche Art, wie es die Männer auf der Wiese mussten, aber die Schwester hatte recht: Ich musste rennen.
Also rannte ich. Und ich rannte. Ich rannte, bis sich meine Lungen anfühlten, als würden sie womöglich in wenigen Augenblicken reißen. Doch das wäre vermutlich schon unwichtig gewesen, weil ich schon nach wenigen Minuten nach Luft schnappen musste. Ich rannte, bis ich eine klapprige Scheune erreichte, die mehrere Kilometer von Damaskus entfernt lag. Immeroch konnte ich das nun leise Pfeife von fliegenden Geschossen hören, jedoch war es leiser geworden, je länger ich gerannt war.
Die Scheune, in der ich Schutz fand, war unbewohnt. Nichtmal Tiere hatten sich unter den morschen Brettern eingenistet.
Ich schlief hinter einem Heuvorrat, den ich so aufgeschichtet hatte, dass er das Blickfeld zu den losen Brettern freigab, die in meinem Fall als Tür fungierten.
Obwohl ich so müde war, wie ich es seit langem nichtmehr war, nichtmal in den schlaflosen Nächten im Krankenhaus, wagte ich es nicht, meine verrusten Augen zu schließen. Denn hätte ich meine Augen in dieser Nacht auch nur einmal geschlossen , wusste ich, hätten sich Bilder vor meinem Augen abgespielt, die grausamer wären, als die Tatsache, in auf einem engen, dreckigen Holzbrett zu kauern, und zu warten, bis der Tag auf ein neues anbricht.
Einige male hatte ich sogar überlegt, meinen Weg ohne Verzögerung fortzusetzten, erinnerte mich dann aber wieder an den Geheimdienst, der Nachts die einsamen Flächen um Damaskus absuchten. Und auch, wenn sie später ebenfalls die Holzlatten, die den Eingang meiner Scheune blockierten zerbrachen, waren sie zu beschäftigt damit, eine Familie zu verschleppen, die sie im Feld gefunden hatten , als zwischen alle Heuballen zu durchsuchen, war ich sicher, zumindest bis zum Tagesanbruch.
