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Elternabend

Summary:

Ein sechsjähriger menschgewordener Gott namens Jack, ein wiederauferstandener Engel, und ein stets bemühter Jäger mit Gefühlsprokrastination... Was soll da schon schief gehen?

Chapter 1: Der Elternabend

Notes:

Diese Fanfic spielt irgendwann nach dem Serienfinale (bzw. nach 15x19); es gesehen zu haben ist folglich erforderlich, um den Kontext und die Referenzen richtig einzuordnen. Trotz dessen ist diese Kurzgeschichte deutlich humorvoller und leichtherziger als meine üblichen Werke.

(See the end of the chapter for more notes.)

Chapter Text

Der Elternabend

 

"See, the stench of that Impala's all over your overcoat, angel."
Crowley to Castiel S6

 

"Du solltest dir für heute Abend etwas... Legereres anziehen."

"Wieso?"

"Es ist Hochsommer, Cas."

"Ja, dessen bin ich mir bewusst."

Ein Seufzen war zu vernehmen, irgendwo zwischen genervt, amüsiert und resigniert. "Wir haben doch besprochen, dass wir nicht auffallen wollen. Und wenn du bei den Temperaturen da in deiner Vollmontur aufkreuzt, fällst du auf, und Jack gleich mit."

Kommentarlos legte der Engel seinen Trenchcoat ab, zog das Jackett aus und krempelte die Ärmel seines Hemdes hoch. "Besser?"

Kopfschüttelnd musterte Dean sein Gegenüber, ein erneutes Seufzen; dann verschwand der Jäger beinahe vollständig in seinem Schrank, während er in der hintersten Ecke in einem undefinierbaren Textilstapel kramte. Gerade als er nun bald nach Narnia durchzubrechen schien, hatte er gefunden wonach er suchte. Er tauchte aus den Tiefen seines Schrankes wieder auf und reichte Castiel ein leichtes weißes Sommerhemd und eine helle Leinenhose. "Probier' das mal an."

Ungeniert begann Castiel sich zu entkleiden. Es brauchte einen Moment bis Dean sich peinlich berührt abwandte. Ihm kam der flüchtige Gedanke, dass es ihm mit Sam noch nie so ergangen war.

"Dean? Kann ich so gehen?" Der Engel klang doch tatsächlich ein wenig verunsichert.

Erst nach einigen Augenblicken bemerkte Dean, dass er starrte. Er räusperte sich und nickte langsam.

Ein vorsichtiges Lächeln stahl sich auf Castiels Züge. "Danke für's Leihen. Ich gebe es dir nach heute Abend zurück."

"Nicht nötig", erwiderte Dean unmittelbar, "Behalte es."

 

"The last time someone looked at me like that, I got laid."
Dean to Castiel S5

 

Im Gemeinschaftsraum des Bunkers warteten bereits die beiden anderen auf sie. Sam warf erst Castiel, dann Dean einen verwunderten Blick zu, sagte aber nichts. In der einen Hand hielt er einen Kamm, in der anderen eine Bürste, mit denen er offenbar versucht hatte Jacks Haare zu bändigen, die nun wahrlich in jegliche Richtungen abstanden. Mit einem Blick auf sein Werk gab Sam auf und legte die Utensilien weg.

Aufgeregt rutschte Jack von dem Stuhl, auf dem er gesessen hatte, und schaute sie mit großen Augen an. "Können wir los?"

Sein Erscheinungsbild war noch immer gewöhnungsbedürftig, zumindest für Dean. Jack war sechs Jahre alt, zumindest ein Teil von ihm, der Teil der bei ihnen war. Hätte der Jäger damals im Religionsunterricht besser aufgepasst, hätte er das Gequatsche von der Menschwerdung Gottes und der Dreieinigkeit vielleicht verstanden. Das mit dem Tod und der Auferstehung war ja bereits erledigt. Mit der Himmelfahrt ließen sie sich noch etwas Zeit.

Dean blickte zu seinen Begleitern, atmete tief durch und sagte dann: "Nun denn... Auf in den Kampf."

 

"Jack... Whatever you're dealing with, whatever comes at us,
we'll figure out a way to deal with it, together. You're family, kid, and we look after our own."
Dean 13.23

 

Es war in der Tat ein warmer Sommerabend. Die Sonne stand tief im Westen und erinnerte an die brütende Hitze des vergangenen Tages. Kaum hatte sich der alte Chevrolet Impala neben einer Vielzahl von Mini-Vans eingereiht, sprang Jack eilig von der Rückbank, als könnte er es kaum erwarten, nahm Castiel bei der Hand und zog ihn in Richtung des gepflegten Backsteingebäudes vor ihnen. Dean konnte sich ein amüsiertes Lächeln nicht verkneifen und machte sich eine gedankliche Notiz, dass sie sich wohl einen Kindersitz zulegen sollten. Bevor er mit den anderen durch die schwere Flügeltür trat, warf er noch einmal einen Blick zurück auf den Parkplatz. Sein Baby sah wahrlich aus wie ein schwarzer Rabe in einer Gruppe bunter Enten. Ihm wurde mulmig zumute.

Eine Frau mittleren Alters in einem rosenholz-farbenen Ensemble aus Blazer und knielangem Bleistiftroch trat an sie heran. "Guten Abend die Herren, ich bin Mrs. Fieldburry." Dean erkannte den Namen von der Einladung der Schule und nickte zur Begrüßung mit einem aufgesetzten Lächeln. Er war angespannter als er zugeben mochte.
Irritiert und zunehmend skeptisch musterte die Lehrerin die drei Männer in Begleitung des kleinen Jungen. "Für gewöhnlich ist es nicht üblich Ihr, ähm, Kind zum Elternabend mitzunehmen." Besondere Betonung legte sie auf das Wort Elternabend. Der Argwohn in ihrem Blick hatte sich nicht gemindert.
Nachdem sie vergeblich auf eine rechtfertigende Antwort gewartet hatte, sagte sie: "Nun denn, nehmen Sie doch Platz." Und machte eine pikierte Geste zu den Stuhlreihen, in denen bereits die meisten Mütter und Väter der künftigen Klasse 1c saßen.

Zu Deans Entsetzen begannen sie mit einer Vorstellungsrunde aller Anwesenden. Kalter Schweiß lief seine Wirbelsäule hinab, als sie bei ihnen angelangt waren.

"Hallo, mein Name ist Castiel und ich bin Jacks Dad." Der unverkennbare Stolz sprach aus jeder Silbe. "Und das hier ist Jack." Liebevoll strich er dem Jungen über das wirre blonde Haar.

Jack grinste und winkte in die Runde. "Jap. Ich komme bald in die Schule, weil ich ein Kind bin und ein Mensch."

Mühsam gelang es Sam ein lautes Auflachen seinerseits in ein amüsiertes Hüsteln abzumildern. "Hey. Sam Winchester. Jacks Patenonkel. Es freut mich Sie alle kennenzulernen." Sam hatte die Situation wohl vorausgeahnt und sich im Vorwege offenbar Gedanken gemacht, was er sagen würde, im Gegensatz zu Dean.

"Ähm ja, ich heiße Dean... Winchester. Ich bin sein Bruder, also Sams", er deutete auf seinen Sitznachbarn, "und ich...", sein erhöhter Blutdruck pulsierte in seinen Ohren, "Ich bin... auch Jacks Dad."
Castiel blickte überrascht auf und Jack strahlte ihn so voller Freude an, dass Dean die 53 anderen Augenpaare fast gar nicht auf sich gerichtet spürte. Fast.

 

Lora: "Is Castiel your dad?"
Jack: "One of them, yes." 14.03

 

"Jacks Mutter hatte heute wohl keine Zeit, nehme ich an", bemerkte ein untersetzter Mann hinter ihnen spitz, als sie nach zwei Stunden Infoblock zum baldigen Schulbeginn und anschließender Fragerunde endlich eine Pause machten.

"Mum kann nicht hier sein, weil sie im Himmel ist", antwortete Jack bevor einer von ihnen die Gelegenheit dazu gehabt hätte.

"Oh, das tut mir ja so leid, mein Kleiner", seufzte die Frau, die am Arm des Mannes hing, der sie angesprochen hatte.

"Muss es nicht, ich besuche sie regelmäßig."

An ihrem mitleidigen Blick konnte Dean erkennen, dass die Dame davon ausging, es handle sich wohl um Besuche am Grab der Mutter. Er konnte sich ein wissendes Schmunzeln kaum verkneifen.
"Und wo wohnst du dann so ganz ohne Mutter?"

"Na bei Papa und Dad und Onkel Sam und Tante Eileen natürlich", erzählte Jack freudestrahlend.

"Tante?" Die Dame blickte zu ihrem Mann und meinte leise: "Gott sei Dank, immerhin eine weibliche Stimme in der Kindserziehung."

"Nicht wirklich. Tante Eileen redet meistens mit den Händen."

"Meine Lebensgefährtin ist gehörlos", kommentierte Sam ob des irritierten Gesichtsausdruckes ihrer Gesprächspartner.

Bevor Jack noch weiter für Unruhe sorgen konnte, dirigierte Dean ihn aus der Situation; Sam würde schon allein mit diesen Plaudertaschen zurechtkommen. Mit dem Jungen im Schlepptau gesellte sich Dean zu dem Engel, der sich gerade angeregt mit anderen Eltern unterhielt.

"Sie sind ein tolles Paar. Diese verstaubte Kleinstadt kann ein wenig frischen Wind wirklich gut gebrauchen." Eine Frau mit langem dunklen Haar lächelte sie an.

"Wir sind kein -", setzte Castiel an, doch Dean griff ihn fest am Oberarm und schnitt ihm das Wort ab: "Und Sie sind die Eltern von Tammy, richtig? Leben Sie schon lang hier?"

"Eine Weile. Sie werden so schnell groß, nicht wahr?", sagte sie mit einem Blick auf Jack.

Betont nichtssagend nickte Dean. "Ja, gerade geboren und schwubs sind sie erwachsen."
Tammys Eltern lachten.

 

Jack: "You and Castiel, you're my family."
Dean: "Yes, we are." S13

 

Nun da er das Kind des Engels Obhut überlassen hatte, steuerte Dean das Buffet an, um sich über die Häppchen herzumachen. Nach zwei Stunden Gequatsche über adäquate Erstausstattungen, rückenschonende Ranzen und langfristige Lehrpläne hatte er sich die redlich verdient, befand er. Hoffend dass der ermüdendste Teil hinter ihnen lag, straffte er seine verspannten Schultern. Auf dem Weg durch das Klassenzimmer kam er nicht umhin das Getuschel einiger alleinerziehender Mütter mitanzuhören.

"Der sieht gar nicht so schwul aus..."

"Ja, was für eine Verschwendung."

"Das ist einfach unnatürlich! Der arme Junge..."

Dean grub seine Fingernägel in seine Handballen und atmete angestrengt aus, um jetzt keine Szene zu machen. Von wegen unnatürlich!

Er musste an Jacks Vortrag zurückdenken; mit Sams Hilfe hatte der Junge in tagelanger Puzzlearbeit doch tatsächlich eine ganze PowerPoint-Präsentation über geschlechtliche Diversität und gleichgeschlechtliche Paarbildung im Tierreich erstellt, die eher einer Aneinanderreihung von wilden Collagen eines exzentrischen Künstlers auf Pilzen geglichen hatte. Als Anschauungsobjekte hatte Jack ein halbes Dutzend Tiere in den Bunker mitgebracht, die daraufhin gackernd, quakend und quiekend durch die Gänge gesprungen waren.
"Ich glaube nicht, dass er schon in der ersten Klasse Referate halten muss", hatte Dean selbst eingewandt, während er einen entrüsteten Schwan wieder vor die Tür bugsiert hatte.
"Ist doch schön, dass er sich für die queere Community einsetzt", hatte Sam gemeint.
Und Eileen hatte zu bedenken gegeben: "Vielleicht ist er selbst Teil davon."
Dazu hatte Dean bloß angemerkt: "Dann hoffe ich, er ist das A."
"Das A?", hatte Sam stirnrunzelnd erfragt.
"Asexuell", war Deans knappe Erklärung gewesen.
"Du hast dich informiert", hatte Castiel festgestellt, der bisher auffallend still gewesen war. Die Wahrscheinlichkeit, dass die orangene Katze auf seinem Schoß den Bunker jemals wieder verließ, war wohl recht gering.
"Wie dem auch sei...", hatte Dean abgelenkt und seine Verlegenheit überspielt, "Er soll sich jedenfalls noch Zeit lassen mit den Mädels. Die machen alles kompliziert."
"Männer auch", hatte Eileen von der Seite eingeworfen.

 

Cas: "I thought you'd gotten over trying to label me."
Dean: "Cas, we got to talk." 5.04

 

Eine Frauenstimme riss den Jäger aus seinen Gedanken: "Bei Ihnen läuft's nicht so, hm? Mein Mann und ich hatten vor einiger Zeit auch eine schwierige Phase. Ich wollte Ihnen nur sagen... Wenn Sie ihn wirklich lieben, dann schaffen Sie das." Tammys Mutter war erneut unerwartet hinter ihm aufgetaucht und hatte ihre letzte gemeinsame Unterhaltung offenkundig aufmerksamer beobachtet als erhofft.

Dean schnaubte. Wie anmaßend und übergriffig! Diese Frau hatte ja keine Ahnung, sie kannten sich doch nicht mal... "Er hat uns verlassen", kam es unwillentlich aus seinem Mund gestolpert, "Ich dachte... Ich dachte, ich hätte ihn für immer verloren." Erschrocken über sich selbst biss Dean sich auf die Zunge.

Tammys Mutter neigte den Kopf. "Wie haben Sie beide sich kennengelernt?"

"Er hat mich praktisch aus der Hölle geholt...", sagte er und versuchte einen sarkastischen Unterton in seine Worte zu legen, gleichwohl bemerkte er doch wie das Interesse seines Gegenübers geweckt war. "Das ist eine lange und echt miese Geschichte. Glauben Sie mir, Sie wollen sie nicht hören."

"Wissen Sie was, kommen Sie beide doch am Samstag zum Abendessen und erzählen Sie sie mir bei einem guten Glas Wein. Mein Mann kocht ganz fantastisch! Tammy ist da bei den Großeltern. 18 Uhr dürfte passen. Unsere Adresse haben sie ja in der Klassenliste."

Bevor Dean freundlich ablehnen konnte, war sie zwischen den Leuten verschwunden ohne seine Antwort abzuwarten.

 

"When Castiel first laid a hand on you in hell he was lost!"
Hester to Dean 7.21

 

Etwas verloren stand der Jäger vor dem sirrenden Kühlschrank und starrte ins Leere. Bereits vor einer halben Stunde hatte er Jack zu Bett gebracht, und nun da der Abend überstanden war und sie alle wieder wohlbehalten zuhause waren, sollte er eigentlich zur Ruhe kommen können, aber das wollte ihm nicht so recht gelingen.

"Danke, dass du das für Jack getan hast." Castiel war näher getreten. Das spärliche Licht der alten Glühbirne ihrer gemeinsamen Küche zeichnete tiefe Schatten unter seine wachen Augen.

"Ja..." Für Jack. Dean war sich nicht mehr so sicher, ob er ihm damit wirklich einen Gefallen getan hatte. "Cas, ich..." habe das für dich getan. Für uns. Ich brauche dich. "Ich kann das nicht ohne dich."

"Was?" Des Engels Haltung straffte sich, bereit zur Tat zu schreiten, zu Hilfe zu eilen, sich der nächsten Bedrohung zu stellen. Es war ein schmaler Grat zwischen Fürsorge und Sorge.

"Alles."

Der Ausdruck wurde weicher, verstehender. "Dean...", die Hand, die ihren Weg auf seine Schulter fand, war warm und fest, "Ich bin hier."

"Versprich es."

Castiel suchte seinen Blick. "Ich verspreche es."

 

"We are family. We need you. I need you."
Dean zu Castiel 8.17

 

Notes:

"All right, well... two salty hunters, one half-angel kid, and a dude who just came back from the dead. Again. Team Free Will 2.0. Here we go." Dean to Cas, Jack and Sam 13.06

"Once a wise man told to me 'Family don't end in blood', but it doesn't start there either. Family cares about you, not what you can do for them. Family is there, for the good, bad, all of it. They got your back, even when it hurts. That's family." Dean to Crowley 10.17

Jack: "Dean, I'm not coming back home. In a way... I'm already there."
Dean: "Where?"
Jack: "Everywhere."
Sam: "So you are Him."
Jack: "I'm me. But I know what you mean."
Sam: "What if we want to see you? You know, or have a beer or whatever?"
Jack: "I'm around. I'll be in every drop of falling rain, every speck of dust that the wind blows, and in the sand, in the rocks, and the sea."
Dean: "It's a hell of a time to bail. You got a lot of people counting on you, people with questions. They're gonna need answers."
Jack: "And those answers will be in each of them. Maybe not today, but... someday. People don't need to pray to me or to sacrifice to me. They just need to know that I'm already a part of them and to trust in that. I won't be hands on. Chuck put himself in the story. That was his mistake. But I learned from you and my mother and Castiel that... when people have to be their best... they can be. And that's what to believe in. Well... I'm really as close as this." (Jack puts his hand over his heart) "Goodbye." (Jack walks off and disappears)
Sam: "See ya, Jack." 15.19

"Jack... It's not about being strong. I don't know what you went through. I know it was bad. But I also know that you came out the other side because you are strong. But even when we're strong, things are gonna happen. We're gonna make mistakes. Nobody's perfect. Right? But we can get better. Every day, we can get better. So whatever you're dealing with, whatever comes at us, we'll figure out a way to deal with it, together. You're family, kid, and we look after our own." Dean 13.23

Cas: "I knew that Jack would be good for the world. And he was good for us. My faith in him, it never wavered. (...) We were a family, and I didn't want to lose that. So I thought I could fix it on my own. Felt like it was my responsibility. So I left. And I didn't tell you. If I could go back, I would. But I can't, Dean. I failed you. And I -"
Dean: "No, no. Don't even say it." 14.18

Cas: "I already apologized to you. You just refused to hear it."
Dean: "Sorry I brought it up. Maybe if you didn't just up and leave us."
Cas: "You didn't give me a choice. You couldn't forgive me. And you couldn't move on. You were too angry. I left, but you didn't stop me." 15.09

"I'd die for you. I almost did a few times. So if that means anything to you... Please. Don't make me lose you too." Dean to Castiel 6.22

"I'm the one who gripped you tight and raised you from perdition." Cas to Dean 4.01